Das Thema dieser Arbeit ist das Erfahrungskurvenkonzept. Ziel ist es, den interessierten Leser mit dem Konzept der Erfahrungskurve vertraut zu machen. Zu diesem Zweck wird das Thema an Hand bekannter Standardliteratur grundlegend theoretisch erarbeitet und in weiterer Folge auch kritisch und detailreich betrachtet. Dabei werden zuerst die Herkunft und Ursachen des Phänomens und danach die Auswirkungen der Erfahrungskurve beleuchtet. Abschließende Fallbeispiele sollen die Anwendungsmöglichkeiten bzw. die Möglichkeit des Versagens des Konzepts praktisch ersichtlich machen.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 ENTSTEHUNG DES KONZEPTS DER ERFAHRUNGSKURVE
2.1 Das Konzept der Lernkurve im Zweiten Weltkrieg
2.2 Die Halbleiterindustrie der 1960er Jahre
2.3 Die Erfahrungskurve nach 1970
3 GRÜNDE FÜR DIE ERFAHRUNGSKURVE
3.1 Lerneffekt
3.2 Spezialisierungseffekt
3.3 Investitionseffekt
3.4 Betriebsgrößeneffekt
3.5 Sonstige Ursachen
3.5.1 Dynamische Lerneffekte
3.5.2 Statische Skaleneffekte
3.6 Negativer Einfluss
4 DIE BERECHNUNG DER ERFAHRUNGSKURVE
4.1 Berechnung der Grenzkosten
4.1.1 Berechnung der Grenzkostenfunktion an Hand der Verdoppelungen
4.1.2 Berechnung der Grenzkostenfunktion an Hand der Kostenelastizität
4.2 Berechnungsbeispiele
4.2.1 Berechnungsbeispiel: Kosten des x-ten Stücks
4.2.2 Berechnungsbeispiel: Preisuntergrenze eines Auftrags
5 AUSWIRKUNGEN DER ERFAHRUNGSKURVE
5.1 Kosten
5.1.1 Kostenentwicklung bei konstanter Produktionsmenge
5.1.2 Kostenentwicklung bei konstanter Marktwachstumsrate
5.1.3 Senkung des Cashflow als Kostenbegriff
5.2 Preise
5.2.1 Stabile Wettbewerbsbedingungen
5.2.2 Instabile Wettbewerbsbedingungen
5.2.3 Skimming- vs. Penetrationsstrategie
5.3 Wettbewerbsbeziehungen
5.3.1 Märkte ohne Veränderung der Marktanteile einzelner Anbieter
5.3.2 Märkte mit Veränderung der Marktanteile einzelner Anbieter
5.3.3 Bestimmungsmöglichkeiten der relativen Kostenposition
5.4 Konsequenzen für die Unternehmensstrategie
5.4.1 Strategie des Marktführers
5.4.2 Strategie der nachrangigen Anbieter
5.4.3 Strategische Situation des Grenzanbieters
5.5 Industrie-Erfahrungskurven
6 PRÄZISIERUNG DES ERFAHRUNGSKURVENKONZEPTS
6.1 Skaleneffekte
6.1.1 Mengeneffekte
6.1.2 Preiseffekte als Investitionssummendegressionseffekte – 6/10-Regel
6.1.3 Degressionseffekte
6.2 Lern- und Erfahrungseffekte
6.2.1 Lernkurven- und Spezialisierungseffekte
6.2.2 Preiseffekte
6.2.3 Fixkosten- und Einzelkostenabbaueffekte
6.3 Sonstige Effekte
7 KRITIK AN DER ERFAHRUNGSKURVE
7.1 Preise vs. Kosten
7.2 Einzel- vs. Gesamterfahrungskurve
7.3 Individuelle und systembezogene Erfahrungskurve
7.4 Postulat und Resultat der Erfahrungskurve
7.5 Die Erfahrungskurve als Linearhypothese?
7.6 Weitere Kritik an und Grenzen der Erfahrungskurve
7.6.1 Statische Produktdefinition
7.6.2 Kapazitätsbeschränkungen
7.6.3 Reverse-Engineering
7.6.4 Kostenelastizität
7.6.5 Innovation
7.6.6 Self-fullfilling prophecy
7.6.7 Einfluss des Automatisierungsgrades
7.6.8 Strategische Preispolitik
7.6.9 Plateauing
8 FALLBEISPIELE DER ERFAHRUNGSKURVE
8.1 Die Erfahrungskurve und der Niedergang der britischen Motorradindustrie
8.2 Lockheed TriStar L-1011
9 ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen
Ziel der Arbeit ist es, den Leser mit dem Konzept der Erfahrungskurve vertraut zu machen, indem die Herkunft, die theoretischen Ursachen und die Auswirkungen dieses Phänomens auf Kosten, Preise und Wettbewerbsbeziehungen untersucht werden. Dabei wird die zentrale Forschungsfrage verfolgt, inwieweit das Konzept als Grundlage für strategische Unternehmensentscheidungen dienen kann und wo seine theoretischen sowie praktischen Grenzen liegen.
- Entstehung und Geschichte des Erfahrungskurvenkonzepts
- Analyse der Ursachen (Lerneffekte, Spezialisierung, Investitionen)
- Mathematische Berechnungsmethoden der Erfahrungskurve
- Strategische Implikationen für Kostenführung und Preispolitik
- Kritische Würdigung und Grenzen des Modells
Auszug aus dem Buch
2.2 Die Halbleiterindustrie der 1960er Jahre
Während des Zweiten Weltkrieges war es schwierig die genauen Auswirkungen der Erfahrungskurve aufzuzeigen. Die Boston Consulting Group konnte in den stabileren Bedingungen nach dem Zweiten Weltkrieg zuerst eine Situation bei einem ihrer Klienten in der chemischen Industrie beobachten. Trotz mehrmaliger erfolgreicher Kostensenkungen blieb der Klient Grenzanbieter. Man führte dies auf die noch hypothetische Erfahrungskurve zurück. Der Klient in der chemischen Industrie folgte zwar dem größeren Mitbewerber auf der abfallenden Kostenkurve, konnte ihn aber nie einholen. Später untersuchte die Boston Consulting Group ein Phänomen, das auffallend unterschiedliche Kostensenkungsraten zwischen Bauelementen von Schwarzweißfernsehern und Farbfernsehern bescheinigte. Auch hier wurde die hypothetische, unterschiedliche Erfahrungskurve als Erklärung herangezogen. Erst 1966 gelang es eben Henderson mit der Halbleiterindustrie ein passendes Forschungsfeld zu gewinnen, um empirische Beweise für die Erfahrungskurve zu sammeln. Die Vielzahl an verschiedenen Halbleitern bot die Chance, unterschiedliche Wachstumsraten und Preisverfälle in einem ähnlichen Umfeld zu vergleichen. Als er versuchte, die Preisangaben mit kumulativen Produktionsmengen in Beziehung zu setzen, konnte er zwei prinzipielle Muster ableiten: In einem Muster hielten sich die Preise über geraume Zeit auf demselben Niveau, bis sie über einen längeren Zeitraum stark abfielen. Im anderen der beobachteten Muster reduzierten sich die Preise konstant mit einer Rate von etwa 25% gemessen an der Verdoppelung der kumulierten Erfahrung. Diese beobachteten Muster legten den Grundstein der Überlegungen zu den Auswirkungen der Erfahrungskurve. In den nachfolgenden Kapiteln sollen diese Überlegungen verdeutlicht werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Diese Einleitung führt in das Thema des Erfahrungskurvenkonzepts ein und definiert das Ziel der Arbeit, das Konzept theoretisch zu erarbeiten und kritisch zu hinterfragen.
2 ENTSTEHUNG DES KONZEPTS DER ERFAHRUNGSKURVE: Das Kapitel zeichnet die historische Entwicklung nach, von den ersten Beobachtungen in der Kriegsindustrie bis zur empirischen Bestätigung durch Bruce D. Henderson in der Halbleiterbranche.
3 GRÜNDE FÜR DIE ERFAHRUNGSKURVE: Hier werden die theoretischen Hauptursachen für den Kostenrückgang – Lerneffekt, Spezialisierung, Investition und Betriebsgrößeneffekt – detailliert dargelegt.
4 DIE BERECHNUNG DER ERFAHRUNGSKURVE: Dieses Kapitel widmet sich der mathematischen Fundierung und zeigt auf, wie Grenzkostenfunktionen mittels Lernrate oder Kostenelastizität berechnet werden.
5 AUSWIRKUNGEN DER ERFAHRUNGSKURVE: Hierbei werden die Folgen des Konzepts auf Kosten, Preisstrategien und Wettbewerbsbeziehungen sowie die strategischen Konsequenzen für Marktführer und nachrangige Anbieter analysiert.
6 PRÄZISIERUNG DES ERFAHRUNGSKURVENKONZEPTS: Dieses Kapitel vertieft die theoretische Präzisierung durch die Einteilung in Skaleneffekte, Lern- und Erfahrungseffekte sowie sonstige Einflussfaktoren.
7 KRITIK AN DER ERFAHRUNGSKURVE: Eine kritische Auseinandersetzung mit der methodischen Fundierung des Konzepts, seinen Anwendungsgrenzen und dem Problem der statischen Produktdefinition.
8 FALLBEISPIELE DER ERFAHRUNGSKURVE: Praktische Anwendung des Modells anhand der britischen Motorradindustrie und des Projekts Lockheed TriStar L-1011 zur Illustration von Erfolg und Scheitern.
9 ZUSAMMENFASSUNG: Das abschließende Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und resümiert den Wert sowie die Grenzen des Erfahrungskurvenkonzepts.
Schlüsselwörter
Erfahrungskurve, Lernkurve, Kostendegression, Grenzkosten, Stückkosten, Wettbewerbsvorteil, Boston Consulting Group, Preisstrategie, Marktwachstum, Betriebsgrößeneffekt, Lerneffekt, Spezialisierung, Unternehmensstrategie, Marktanteil, Kostenmanagement
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich intensiv mit dem Erfahrungskurvenkonzept, einer betriebswirtschaftlichen Theorie, die besagt, dass die Stückkosten eines Produkts mit jeder Verdoppelung der kumulierten Produktionsmenge um einen bestimmten Prozentsatz sinken.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit gliedert sich in die historische Entstehung, die theoretischen Ursachen des Phänomens (wie Lerneffekte und Skaleneffekte), die mathematische Berechnung, die Auswirkungen auf Wettbewerbsstrategien und eine kritische Auseinandersetzung mit den Grenzen des Modells.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Das primäre Ziel ist es, dem Leser das Konzept der Erfahrungskurve theoretisch fundiert näherzubringen und gleichzeitig durch kritische Analysen und Fallbeispiele ein realistisches Bild von dessen Anwendungsmöglichkeiten und Risiken zu vermitteln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine theoretische Erarbeitung auf Basis bekannter Standardliteratur durchgeführt, die durch mathematische Berechnungsmodelle und empirische Fallbeispiele untermauert wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt neben den Ursachen für Kostendegressionen die konkrete Berechnung der Grenzkosten, die strategischen Konsequenzen für Unternehmen am Markt und eine detaillierte Kritik, warum das Modell in der Praxis nicht immer wie theoretisch postuliert funktioniert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Erfahrungskurve, Kostendegression, Wettbewerbsvorteil, Preisstrategie, Marktwachstum, Lerneffekt und strategisches Kostenmanagement.
Welche Rolle spielt die Boston Consulting Group in diesem Zusammenhang?
Die Boston Consulting Group und ihr Gründer Bruce D. Henderson gelten als die Urheber und maßgeblichen Propagandisten des Erfahrungskurvenkonzepts, auf deren Arbeiten sich der Autor maßgeblich stützt.
Warum wird das Lockheed TriStar L-1011 Projekt als Fallbeispiel gewählt?
Das Projekt dient als Beispiel für das Scheitern des Konzepts, da die erwarteten Kostenvorteile durch den sogenannten „forgetting-by-not-doing“-Effekt bei Kapazitätseinschränkungen ins Gegenteil verkehrten und somit die Theorie des stetigen Lernens widerlegten.
Was unterscheidet das „Plateauing“ von anderen Effekten der Erfahrungskurve?
Plateauing bezeichnet die Abflachung der Erfahrungskurve, also den Punkt, an dem keine signifikanten weiteren Kostensenkungen mehr durch zusätzliche Erfahrung erzielt werden können, was insbesondere nach dem Ende von Kapazitätsausbauprozessen auftritt.
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- MMag. Michael Harnisch (Author), 2008, Das Erfahrungskurvenkonzept, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/174093