Der Hamburger Hafen ist seit Jahrhunderten ein wichtiger Arbeitgeber für Menschen aus der Region und den umliegenden Bundesländern. Im Bereich des Im- und Exports spielt er eine wesentliche Rolle für Deutschland und dient als Drehscheibe für Handelsströme in den nord- und osteuropäischen Raum. So wie der Hafen einem stetigen Wandel unterliegt, so verändern sich auch fortlaufend die Anforderungen an die dort beschäftigten Menschen, welche im Fokus dieser Bachelor-Thesis stehen.
In dieser Arbeit werden daher insbesondere wichtige Aspekte, wie die Auswirkungen der zunehmenden Technisierung und Automation sowie die gestiegenen Ansprüche an die Arbeitnehmer selbst, näher beleuchtet.
Doch ergeben sich hieraus ausschließlich Nachteile oder eröffnen sich vielleicht sogar neue Chancen?
Konkret verfolgt diese Arbeit folgende Ziele: Zum einen sollen die strukturellen Veränderungen der Arbeitsplätze, und die damit steigenden Anforderungen an den Bildungs- und Qualifizierungsgrad, aufgezeigt werden.
Zum anderen soll veranschaulicht werden, mit welchen Maßnahmen die Arbeitgeber diesen neuen Herausforderungen begegnen.
Des Weiteren wird darauf eingegangen, welche Rolle die Gewerkschaften im Umgang mit den veränderten Arbeitsbedingungen einnehmen, welche Möglichkeiten der Unterstützung dabei genutzt werden und wie sich das Verhältnis zwischen den Arbeitnehmern und den Gewerkschaften heute darstellt. Als Grundlage dieser Untersuchungen sollen einschlägige Quellen der betroffenen Unternehmen sowie eine Befragung der Gewerkschaft ver.di dienen.
Um den Wandel des Hamburger Hafens näher veranschaulichen zu können, werde ich anfangs auf die Geschichte des Hafens sowie dessen Verwaltung und Organisation eingehen.
Da die Infrastruktur maßgeblich an den Entwicklungen und Chancen des Hafens, und somit auch an den Arbeitsplätzen, beteiligt ist, wird diese Arbeit auch diesen Aspekt detailliert betrachten. Zudem werden die Beschäftigten näher charakterisiert sowie einzelne Berufsgruppen und Tätigkeiten in der Frachtgutabwicklung beschrieben. Zur Veranschaulichung werden die Arbeitsabläufe in den Terminals herangezogen. Für eine realistische Darstellung dieser Prozesse, werde ich die Erkenntnisse, die ich durch eine fachkundig begleitete Begehung der Container-Terminals sowie durch ein von mir geführtes Interview mit einem Containerbrückenfahrer erlangt habe, in diesen Abschnitt einfließen lassen.
In den letzten Kapiteln dieser Arbeit wird auf geplante Maßnahmen, wie der Elbvertief..
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Geschichte - wirtschaftliche Entwicklung
3. Verwaltung und Organisation
3.1 Hamburg Port Authority AöR (HPA)
3.1.1 Aufgaben der HPA
3.1.2 Arbeit und Ausbildung bei der HPA
3.2 Hafen Hamburg Marketing e.V.
3.3 Unternehmensverband Hafen Hamburg e.V. (UVHH)
3.4 Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA)
4. Infrastruktur
4.1 Modal Split - Verkehrstechnische Anbindung
4.1.1 An- und Abtransport der Güter
4.1.2 Ausbau der Hafennutzungsfläche
5. Gewerkschaften
5.1 Dachgewerkschaft und ver.di
5.2 Fachgewerkschaft contterm
5.3 Aktivitäten und Ziele
6. Beschäftigung / Qualifikation
6.1 Anzahl und Art der Beschäftigten
6.2 Charakteristika der Arbeitnehmer
6.3 Gesamthafenbetriebs-Gesellschaft mbH (GHB)
6.4 ma-co - maritimes competenzcentrum e.V.
7. Beschäftigung in den Terminals und in der Frachtgutabwicklung
7.1 Containerterminals
7.2 Massengutterminals
7.3 Multipurposeterminals
8. Beschäftigungswachstum mit der 2. Elbvertiefung
8.1 Gründe
8.2 Auswirkungen auf die Beschäftigtenzahlen
8.3 Umweltrisiken
9. Wachstumsstrategien und Zukunftsaussichten
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die strukturellen Veränderungen im Hamburger Hafen unter dem Einfluss von zunehmender Technisierung und Automation sowie deren Auswirkungen auf die Beschäftigten und deren Qualifikationsanforderungen. Im Zentrum steht die Frage, wie sich diese Entwicklung auf die Arbeitsplätze auswirkt und welche Rolle Gewerkschaften sowie Arbeitgeber bei der Bewältigung dieser Herausforderungen spielen.
- Strukturelle Veränderungen der Arbeitswelt im Hafen
- Qualifikationsanforderungen an das Personal
- Rolle und Strategien der Gewerkschaften (ver.di und contterm)
- Infrastrukturentwicklung und Auswirkung der Elbvertiefung
Auszug aus dem Buch
7.1 Containerterminals
Die Arbeit in den Containerterminals hat sich in den letzten Jahrzehnten massiv verändert. Waren vor ein paar Jahren noch Schiffe mit einer Ladekapazität von bis zu 8000 TEU Standard, so kann die neueste Generation heute schon bis zu 14.000 TEU laden. Die Ansprüche an die see- und landseitige Infrastruktur steigen damit stetig an. Der Trend geht zu einer Vollautomatisierung im Containerumschlag, bei dem immer weniger Menschen benötigt werden. Die Tätigkeiten in einem Containerterminal bestehen vorwiegend darin, die Container vom Schiff zu löschen, zwischenzulagern und sie auf andere Transportmittel, wie Bahn, Lkw, Feeder- und Binnenschiff, zu verladen.
Um zu veranschaulichen, wie die Arbeit heutzutage an einem Containerterminal vonstatten geht, sollen als Beispiele die Containerterminals CTB und CTA herangezogen werden. Um mir einen konkreten Überblick über die Arbeitsabläufe verschaffen zu können, habe ich zum einen an einer fachlich begleiteten Terminalbegehung teilgenommen und zum anderen ein Interview mit einem Containerbrückenfahrer des CTA geführt. Auf Grund ihres hohen Automatisierungsgrades, zählen das CTB und das CTA zu den modernsten Terminals der Welt. Wo früher ein Schiff noch eine Woche oder länger im Hafen lag, braucht man am CTB heute lediglich 24 bis maximal 36 Stunden, um ein Containerschiff, wie die Bahia Laura (siehe Abbildung 11), mit einer Kapazität von 3752 TEU, zu be- und entladen. „Durch den hohen Technisierungs- und Automationsgrad, beträgt die Liegezeit am CTA hingegen nur noch 6 bis 24 Stunden, die generell vom Reeder vorgeschrieben wird. Man versucht jedoch die Liegezeiten so gering wie möglich zu halten, da ein Schiff, das im Hafen liegt kein Geld verdient.“ (Interview mit einem Containerbrückenfahrer des CTA, 17.09.2010)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung erläutert die Bedeutung des Hamburger Hafens als Arbeitgeber und stellt die Forschungsfrage nach den Auswirkungen von Technisierung und Automation auf die Arbeitswelt.
2. Geschichte - wirtschaftliche Entwicklung: Dieser Abschnitt beschreibt die historische Genese des Hamburger Hafens vom 9. Jahrhundert bis hin zum modernen, technologiegeprägten Logistikstandort.
3. Verwaltung und Organisation: Hier werden die Akteure wie die Hamburg Port Authority, Hafen Hamburg Marketing und der Unternehmensverband Hafen Hamburg in ihrer administrativen und koordinierenden Rolle vorgestellt.
4. Infrastruktur: Das Kapitel analysiert die verkehrstechnische Anbindung, den Modal Split und die Bedeutung der Schiene sowie den notwendigen Ausbau der Hafennutzungsflächen.
5. Gewerkschaften: Es wird die gewerkschaftliche Landschaft mit dem etablierten Akteur ver.di und der neu gegründeten Fachgewerkschaft contterm sowie deren Konflikte und Strategien dargestellt.
6. Beschäftigung / Qualifikation: Dieser Teil befasst sich mit der Personalstruktur, dem demografischen Wandel und den spezifischen Anforderungen an die Arbeitskräfte sowie der Rolle der GHB und ma-co.
7. Beschäftigung in den Terminals und in der Frachtgutabwicklung: Die Abläufe in den unterschiedlichen Terminaltypen werden detailliert beschrieben und die physischen Tätigkeiten mit den technologischen Erfordernissen verknüpft.
8. Beschäftigungswachstum mit der 2. Elbvertiefung: Es werden die wirtschaftlichen Gründe für die Elbvertiefung sowie die kontroversen Auswirkungen auf Beschäftigung und Umwelt analysiert.
9. Wachstumsstrategien und Zukunftsaussichten: Das Fazit skizziert zukünftige Strategien zur Standortsicherung, wie den Masterplan der HPA, und reflektiert die langfristige Perspektive für den Hafen.
Schlüsselwörter
Hamburger Hafen, Containerumschlag, Automation, Arbeitsplätze, Qualifikation, Gewerkschaften, ver.di, contterm, Logistik, Infrastruktur, Elbvertiefung, HHLA, HPA, Beschäftigung, Arbeitnehmer
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie sich die technologische Modernisierung und die zunehmende Automatisierung im Hamburger Hafen auf die Arbeitsplätze und die Anforderungen an das Personal auswirken.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der administrativen Struktur, der Infrastrukturanbindung, der gewerkschaftlichen Arbeitnehmervertretung und der Veränderung des Qualifikationsniveaus der Beschäftigten.
Was ist das primäre Ziel der Bachelor-Thesis?
Ziel ist es, die strukturellen Veränderungen im Hafen aufzuzeigen, die Reaktionen der Arbeitgeber auf neue Herausforderungen zu beleuchten und die Rolle der Gewerkschaften in diesem Transformationsprozess kritisch zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Untersuchung basiert auf einer Auswertung von Unternehmensquellen, einer schriftlichen Befragung der Gewerkschaft ver.di sowie einer persönlichen Terminalbegehung und Experteninterviews.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bereiche Verwaltung, Infrastruktur, Gewerkschaftspolitik, Beschäftigungssituation in verschiedenen Umschlagsterminals sowie eine detaillierte Analyse der geplanten Elbvertiefung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wesentliche Begriffe sind Hafenentwicklung, Technisierungsgrad, Arbeitnehmervertretung, Containerlogistik und Zukunftsstrategien.
Warum spielt die Elbvertiefung eine so zentrale Rolle für die Beschäftigung?
Befürworter argumentieren, dass die Vertiefung zur Sicherung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit und somit zum Erhalt von Arbeitsplätzen zwingend erforderlich sei, während Kritiker den direkten Effekt auf neue Stellen bezweifeln.
Inwieweit konkurrieren die Gewerkschaften ver.di und contterm im Hafen?
Contterm wurde von Hafenarbeitern gegründet, die sich von ver.di unzureichend vertreten fühlten und eine bodenständigere, direktere Interessensvertretung in den Containerhäfen fordern.
Welche Rolle spielt die HHLA in der Personalqualifizierung?
Die HHLA investiert durch eigene Schulen und Kooperationen wie ma-co massiv in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter, um diese an moderne, hochtechnisierte Arbeitsumgebungen anzupassen.
- Arbeit zitieren
- Christian Hermel (Autor:in), 2010, Der Hamburger Hafen als Arbeitsplatz heute und in Zukunft, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/173971