Die Gewaltverbrechen in der nationalsozialistischen Zeit (NS-Zeit) gegen Kinder, hier am Beispiel des Schicksals der Kinder vom Bullenhuser Damm in Hamburg-Rothenburgsort, waren nur ein kleiner Teil der grausamen Taten durch Anhänger der NS-Ideologie in der Zeit
von 1933 bis 1945. Neben dem systematischen Morden, an Millionen von Menschen in Europa, kam es immer wieder zu unzähligen Menschenversuchen. In der Masse wurden diese durch Ärzte durchgeführt. Noch in den letzten Kriegstagen wurden 20 Kinder in einem Außenlager des Konzentrationslagers (KZ) Neuengamme bei Hamburg hingerichtet. Diese Kinder wurden für ein medizinisch umstrittenes Experiment missbraucht. Aus welchen Beweggründen führte der Mediziner Dr. Kurt Heißmeyer diese Menschenversuche durch,
und welche Ziele verfolgte er für sich mit diesen Experimenten? Waren diese Handlungen mit dem durch ihn geleisteten Hippokratischen Eid zu vereinbaren?
Mit dieser Arbeit soll versucht werden, ansatzweise die Motive für solch ein Verhalten zu begründen, in dem wissenschaftliche sowie politische Umstände als Ansatz zur Auswertung herangezogen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zu den Hintergründen – Die Kinder vom Bullenhuser Damm
3. Einfluss der NS-Ideologie auf die Medizin
4. Der Arzt hinter den Tuberkulose-Versuchen: Dr. Kurt Heißmeyer
5. Die Ziele und Beweggründe des SS-Arztes Dr. Kurt Heißmeyer
6. Die Tuberkulose-Versuche
7. Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Motive und Hintergründe des Mediziners Dr. Kurt Heißmeyer, der im KZ Neuengamme grausame Menschenversuche an Erwachsenen und Kindern durchführte. Ziel ist es, durch eine Analyse der wissenschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen der NS-Zeit zu verstehen, wie ein Arzt zu derartigen Verbrechen gegen die Menschlichkeit fähig wurde.
- Rolle der Ärzteschaft im Nationalsozialismus und deren ideologische Beeinflussung
- Psychologische Mechanismen der Täterpersönlichkeit (u.a. das Prinzip der "Dopplung")
- Der wissenschaftliche Werdegang und die pseudowissenschaftlichen Theorien von Dr. Kurt Heißmeyer
- Die spezifische Durchführung der Tuberkulose-Versuche an Kindern und Erwachsenen
- Die ethische Auseinandersetzung mit dem Bruch des Hippokratischen Eides
Auszug aus dem Buch
6. Die Tuberkulose-Versuche
Im Spätsommer 1944 begannen die Versuche im Konzentrationslager Neuengamme bei Hamburg. Schnell wurden, nach eingehender Untersuchung von ca. 100 Häftlingen durch Dr. Kurt Heißmeyer, sogar freiwillige Probanden gefunden, da sich herumgesprochen hatte, dass die Versuchspersonen verhältnismäßig gut ernährt werden. Ebenso wurden schon zu Beginn der Versuche drei französische Häftlingsärzte zur Unterstützung Heißmeyers eingesetzt. Dr. Kurt Heißmeyer hatte durch die Lagerführung einen separaten Teil der Krankenbaracke Nr. 4 zugeteilt bekommen, in dem die Versuche streng geheim stattfinden konnten. Anfänglich wurden durch ihn und seine Mitarbeitern nur Versuche an erwachsenen Häftlingen durchgeführt. Den dafür notwendigen Stamm lebender, virulenter Tuberkulosebazillen erhielt er von dem Berliner Bakteriologien Prof. Friedrich Meinecke.
Dieser hatte Dr. Kurt Heißmeyer schon bei Erhalt der Bazillenlösung darauf aufmerksam gemacht, dass er diese hochansteckenden Bakterien nicht an Menschen erproben dürfe. Zulässig sei nur das Arbeiten mit abgetöteten Tuberkulose-Erregern am Menschen. Bei den späteren Vernehmungen Dr. Kurt Heißmeyers sagte dieser: „ Bei Erhalt des Serums wurde ich von Meinecke ermahnt, unbedingt erst einmal Tierversuche vorzunehmen, um die Wirkung desselben kennenzulernen. Dem kam ich zwar nach, aber während des gesamten Versuchsverlaufs injizierte ich das Serum nur insgesamt zwölf Tieren, obgleich ich wusste, dass die Tierversuche völlig ungenügend waren:“ So kam es, dass er immer Mittwochs in Neuengamme anwesend war und seine Versuche an den Versuchspersonen durchführte. Er injizierte einigen seiner Probenden Tuberkel-Aufschwemmungen in Lungenflügel und Haut. Anderen verrieb er tuberkulösen Auswurf in angeritzte Hautverletzungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Fragestellung zur moralischen Verantwortung des Arztes im Nationalsozialismus und zum Schicksal der Kinder vom Bullenhuser Damm vor.
2. Zu den Hintergründen – Die Kinder vom Bullenhuser Damm: Dieses Kapitel erläutert die Ankunft der Kinder im KZ Neuengamme und die Umstände ihres tragischen Todes zum Ende des Krieges.
3. Einfluss der NS-Ideologie auf die Medizin: Der Text analysiert die sozialdarwinistischen Grundlagen und die ideologische Radikalisierung der deutschen Ärzteschaft.
4. Der Arzt hinter den Tuberkulose-Versuchen: Dr. Kurt Heißmeyer: Eine biographische Darstellung des Mediziners, die dessen Weg vom Lungenfacharzt zum nationalsozialistischen Täter beleuchtet.
5. Die Ziele und Beweggründe des SS-Arztes Dr. Kurt Heißmeyer: Hier wird Heißmeyers Streben nach wissenschaftlicher Anerkennung und seine pseudowissenschaftliche „Erschöpfungstheorie“ untersucht.
6. Die Tuberkulose-Versuche: Eine detaillierte Schilderung der grausamen experimentellen Abläufe an Häftlingen und Kindern in der Krankenbaracke 4.
7. Zusammenfassung: Dieses Kapitel synthetisiert die Ergebnisse und diskutiert psychologische Erklärungsmodelle wie die „Dopplung“.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Dr. Kurt Heißmeyer, Bullenhuser Damm, Menschenversuche, Tuberkulose, KZ Neuengamme, Medizinethik, Hippokratischer Eid, Sozialdarwinismus, Dopplung, Rassenlehre, NS-Ideologie, Häftlinge, Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Hausarbeit befasst sich mit den nationalsozialistischen Menschenversuchen durch den Mediziner Dr. Kurt Heißmeyer am Beispiel der Kinder vom Bullenhuser Damm.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Rolle der Medizin im NS-Regime, die ideologische Verblendung deutscher Ärzte und die ethischen sowie psychologischen Hintergründe verbrecherischen Handelns.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt nach den Beweggründen Dr. Heißmeyers, die Versuche durchzuführen, und ob diese mit dem ärztlichen Eid vereinbar waren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische und analytische Arbeit, die auf Literaturrecherchen, Gerichtsakten und Zeugenaussagen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Ideologie des Sozialdarwinismus, die Biographie des Täters und die konkreten, grausamen Abläufe der medizinischen Experimente.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie NS-Medizin, Bullenhuser Damm, Menschenversuche und psychologische Dopplung stehen im Zentrum.
Was besagt die „Erschöpfungstheorie“ von Dr. Heißmeyer?
Er behauptete pseudowissenschaftlich, dass Tuberkulose keine Infektionskrankheit sei, sondern bei „rassisch minderwertigen“ Menschen als Folge einer allgemeinen Erschöpfung auftrete.
Was versteht die Forschung unter dem psychologischen Konzept der „Dopplung“?
Es bezeichnet die Spaltung der Persönlichkeit bei NS-Ärzten, die es ihnen ermöglichte, als „normale“ Menschen zu leben und gleichzeitig grausamste Verbrechen zu begehen.
Wie endeten die Versuche von Heißmeyer für die Kinder?
Nachdem die Experimente scheiterten und das Kriegsende nahte, wurden die Kinder aus Angst vor Zeugen am Bullenhuser Damm ermordet.
- Arbeit zitieren
- Markus Neuberger (Autor:in), 2010, Die Kinder vom Bullenhuser Damm als Opfer nationalsozialistischer Vernichtungsmaßnahmen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/173932