Gibt es ein erfolgreiches Krisenmanagement? Die Seminararbeit versucht, diese Fragestellungen zu beantworten. Dazu wird am Beginn ein Themenkomplex behandelt, welcher die Theorie von Risiken, Krisen und internationalen Konflikten erklärt, gefolgt von der Thematisierung der Kubakrise als Beispiel einer Krise, welche vor dem Krieg bewahrt wurde. Es werden zum einen der Verlauf der Krise aufgezeigt, sowie die Handlungsalternativen, welche denkbar waren, und für welche sich die Verantwortlichen entschieden haben.
Inhaltsverzeichnis
1 Am Abgrund unserer Welt
2 Theorien von Risiken und Krisen internationaler Beziehungen
2.1 Risiko
2.1.1 Der Risikobegriff
2.1.2 Risikobehaftetes Handeln
2.2 Entscheidungsfaktoren der internationalen Politik
2.3 Die internationale Krise
3 Vom Kalten Krieg, seinen Kriegern und seiner Strategie
3.1 Das Wesen des Kalten Krieges
3.2 Elitenwechsel in Moskau
3.3 Das Sicherheitsdilemma und die Strategie des Kalten Krieges
4 Der Weg in die Krise
4.1 Kuba und die USA
4.2 Kuba und die Sowjetunion
4.3 Raketen auf Kuba
5 Die Kuba-Krise: Reaktion und Entscheidung
5.1 Das ExComm und die Optionen des Handelns
5.2 Entscheidung
5.3 Kontrollverlust
5.4 Deeskalation durch Kommunikation
6 Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Kubakrise von 1962, um zu untersuchen, ob es sich um ein bewusst gesteuertes Krisenmanagement oder um einen glücklichen Zufall handelte, der einen Nuklearkrieg verhinderte. Dabei wird der Fokus auf die psychologischen und strategischen Entscheidungsfaktoren der Akteure sowie die Dynamiken innerhalb der beteiligten Supermächte gelegt.
- Theoretische Grundlagen von Risiko, Krise und internationalen Konflikten
- Strukturelle Analyse der Strategie des Kalten Krieges
- Rekonstruktion des Entscheidungsfindungsprozesses (ExComm)
- Untersuchung von Fehlern, Zufällen und Kommunikation während der Krise
Auszug aus dem Buch
5.1 Das ExComm und die Optionen des Handelns
Kennedy wurde erst am 16. Oktober – also einen Tag nach dem die U-2-Fotos ausgewertet wurden - über die russischen Raketen auf Kuba informiert. Wie so oft in den nächsten Tagen, hielt man die Situation für unter Kontrolle und wollte nichts übereilen, oder gar den Präsidenten seines Schlafes berauben. Auch in den Folgetagen war man bemüht, nach außen den Anschein der Normalität zu wahren und den Tagesgeschäften weiterhin nachzukommen. Intern tagte jedoch seit dem 16. Oktober permanent das sogenannte Executive Committee of the National Security Council (ExComm), „eine ad hoc zusammengerufene Runde, in der sich der eigentümliche Stil der Kennedy-Jahre widerspiegelte, der zugleich hemdsärmelig-leger und sachlich-intellektuell war“.
Wenngleich auch in diesem eigenartigen think tank, aus aktiven und ehemaligen Politikern, Diplomaten, Beamten und Militärs; kurzum den engsten Vertrauten und Beratern Kennedys, keine tragende Entscheidung direkt gefällt wurde, so war es doch - dem eigenen Selbstverständnis folgend - das Instrument des Krisenmanagements. Da weder die Sowjets noch die Öffentlichkeit von den amerikanischen Aufklärungsergebnissen wussten, ergab sich dem ExComm die Möglichkeit zu ausgiebigen und zwanglosen Diskussionen. Dies darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass zu diesem Zeitpunkt auch die US-Regierung über lediglich rudimentäre Informationen über Art und Ausmaß der sowjetischen Mittelstreckenwaffen verfügte. Generell konnten über das sowjetische Militär auf Kuba nur Vermutungen angestellt werden. Außerdem verfügte das ExComm zwar über genügend Zeit, die sich aus verschiedenen (scheinbaren) Sachzwängen ergebenden Handlungsoptionen aber, waren stark limitiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Am Abgrund unserer Welt: Einleitende Darstellung eines fiktiven Katastrophenszenarios als Kontrast zum tatsächlichen Verlauf der Kubakrise.
2 Theorien von Risiken und Krisen internationaler Beziehungen: Erläuterung der theoretischen Basis für risikobehaftetes Handeln, Entscheidungsfaktoren in der Politik und die Eskalationsstufen einer internationalen Krise.
3 Vom Kalten Krieg, seinen Kriegern und seiner Strategie: Analyse des ideologischen Antagonismus und der strategischen Mechanismen des Kalten Krieges sowie des Sicherheitsdilemmas.
4 Der Weg in die Krise: Darstellung der historischen Entwicklung der Beziehungen zwischen Kuba, den USA und der UdSSR bis zur Stationierung der Raketen.
5 Die Kuba-Krise: Reaktion und Entscheidung: Detaillierte Untersuchung des ExComm-Entscheidungsprozesses, der Blockade und der Rolle der Kommunikation bei der Deeskalation.
6 Schlusswort: Zusammenfassende Erkenntnis, dass die Vermeidung des Nuklearkrieges eher aus menschlichen Erwägungen und Kommunikation resultierte als aus geplantem Krisenmanagement.
Schlüsselwörter
Kubakrise, Kalter Krieg, Krisenmanagement, ExComm, Nuklearkrieg, Risiko, Abschreckung, Kennedy, Chruschtschow, internationale Beziehungen, Eskalation, Sicherheitspolitik, Diplomatie, Quarantäne
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Kubakrise 1962 und hinterfragt, ob das Ausbleiben eines Atomkrieges ein Ergebnis zielgerichteter politischer Steuerung oder eher glücklicher Umstände war.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Risikoverständnis in der Politik, die Strategie der Supermächte während des Kalten Krieges, die Entstehung der Krise und die internen Entscheidungsprozesse der US-Regierung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Rekonstruktion des Entscheidungsfindungsprozesses während der Kubakrise, um die Faktoren zu identifizieren, die zur Deeskalation statt zur Eskalation führten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autoren nutzen eine historische Fallanalyse basierend auf politikwissenschaftlichen Theorien zu Krisen und internationaler Sicherheit.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Rahmenbedingungen, die Schritte in die Krise, die verschiedenen Handlungsoptionen der USA (z.B. Luftschlag vs. Blockade) und die Rolle der Kommunikation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Kubakrise, ExComm, Risikomanagement, Abschreckung und Entspannungspolitik.
Warum wird der Begriff "Quarantäne" statt "Blockade" verwendet?
Aus völkerrechtlichen Gründen und um einen direkten Vergleich zur Berlin-Blockade von 1948 zu vermeiden, wählte die Kennedy-Administration den Begriff der Quarantäne.
Welche Rolle spielte der "Kontrollverlust" in der Krise?
Das Kapitel verdeutlicht, dass die Entscheidungsträger trotz ihres Anspruchs auf Kontrolle die Lage kaum beherrschen konnten, da Zwischenfälle und Missverständnisse die Situation immer wieder an den Rand der Eskalation brachten.
- Arbeit zitieren
- Richard Salomo (Autor:in), Richard Schatton (Autor:in), 2011, Die Kubakrise - gelungenes Krisenmanagement oder Glück?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/173879