„Das ist mir alles viel zu kompliziert geschrieben.“ oder „Das versteht doch kein Mensch.“
Diese und ähnliche Aussagen habe ich während meines Referendariats an der Beruflichen Schule des Öfteren von Schülerinnen und Schülern gehört, wenn in den Fächern „Wirtschaftslehre“ oder „Wirtschaft und Gesellschaft“ Themen mit rechtlichem Hintergrund erarbeitet wurden. Aufgabenstellungen, die mit Hilfe von Gesetzestexten gelöst werden sollten, nahmen oft sehr viel mehr Zeit in Anspruch als vergleichbare komplexe Aufgaben ohne rechtlichen Bezug. Den Schülern fiel es sichtlich schwer mit Gesetzen zu arbeiten, sie zu verstehen und für die Lösung der Aufgabenstellung zu nutzen. Es schien, als bestünden Hemmungen und Ängste im Umgang mit der Nutzung der Paragrafen und teilweise hatte ich den Eindruck, die Schüler hatten zuvor noch niemals mit Gesetzestexten gearbeitet. Kolleginnen und Kollegen unserer Schule beschrieben mir ähnliche Beobachtungen in ihren Klassen.
Ausgehend von den oben genannten Erfahrungen und Beobachtungen stellte ich mir die Frage, wie die Schüler mehr Selbstständigkeit und Sicherheit im Umgang mit Gesetzestexten erlangen, um komplexe Aufgaben mit rechtlichem Hintergrund besser lösen zu können. Es sollte letztlich die Problemlösekompetenz der Schüler gefördert werden. Dazu entwickelte ich für die Schüler der Berufsschule eine einführende Unterrichtseinheit zu rechtlichen Themen im Ökonomieunterricht. Als Großmethode wählte ich die Form des Stationenlernens. Um die genannte Fragestellung, konkretisiert durch Hypothesen, beantworten zu können, erfolgen im zweiten Kapitel der Hausarbeit zunächst die theoretische Begriffsklärung und eine Bestandsaufnahme zu Rechtsthemen im Berufsschulunterricht, zur Rechtsdidaktik und zum Kompetenzbegriff. Aus der theoretischen Grundlegung leiten sich Konsequenzen für den Unterricht und die Evaluationsmethoden ab. Im dritten Teil werden die Untersuchungshypothesen und die dazugehörigen Evaluationsmethoden und -instrumente festgelegt, bevor im Hauptteil der Arbeit die Planung, die Durchführung und die Auswertung der Unterrichtssequenz vorgestellt werden. Im sechsten Kapitel erfolgt die Evaluation bezüglich der Fragestellung, d. h. die Untersuchungshypothesen werden entweder bestätigt oder falsifiziert. Die Schlussbetrachtung und ein Ausblick schließen die Hausarbeit ab.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
1.1 VORWORT
1.2 ZIEL UND GANG DER HAUSARBEIT
2 THEORETISCHE ÜBERLEGUNGEN
2.1 BESTANDSAUFNAHME 1: RECHTSTHEMEN IM ÖKONOMIEUNTERRICHT
2.2 BESTANDSAUFNAHME 2: RECHTSDIDAKTIK
2.2.1 Begriffsklärung
2.2.2 Ziele der Rechtsdidaktik
2.2.3 Prinzipien der Rechtsdidaktik
2.2.4 Anforderungen an die Lehrenden
2.3 BESTANDSAUFNAHME 3: KOMPETENZBEGRIFF
2.3.1 Begriffsklärung und Abgrenzung
2.3.2 Erfass- und Messbarkeit von Kompetenz
3 HYPOTHESEN UND EVALUATIONSKONZEPT
3.1 HYPOTHESEN
3.2 EVALUATIONSKONZEPT
4 PLANUNG DER UNTERRICHTSSEQUENZ
4.1 PLANUNGSRELEVANTE FAKTOREN
4.2 LEGITIMATION DES THEMAS UND GRUNDSÄTZLICHE ABSICHTEN
4.3 DIDAKTISCHE UND METHODISCHE ÜBERLEGUNGEN
4.4 LERNZIELE
4.4.1 Richtziele der Unterrichtssequenz
4.4.2 Einzellernziele (Feinziele)
4.5 GEPLANTER VERLAUF DER UNTERRICHTSSEQUENZ
4.6 PHASIERUNG DER UNTERRICHTSSEQUENZ
5 DURCHFÜHRUNG UND AUSWERTUNG DER UNTERRICHTSSEQUENZ
5.1 DURCHFÜHRUNG DER UNTERRICHTSSEQUENZ
5.2 ZIELERREICHUNG
5.3 VERBESSERUNGSPOTENTIAL DER UNTERRICHTSSEQUENZ
6 EVALUATION DER UNTERRICHTSSEQUENZ UND ÜBERPRÜFUNG DER HYPOTHESEN
6.1 ÜBERPRÜFUNG DER HYPOTHESE H1
6.2 ÜBERPRÜFUNG DER HYPOTHESE H2
6.3 ZUSAMMENFASSUNG
7 SCHLUSSBETRACHTUNG UND AUSBLICK
7.1 SCHLUSSBETRACHTUNG
7.2 AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel der Arbeit ist es, die Problemlösekompetenz von Auszubildenden im Ökonomieunterricht bei der Arbeit mit Gesetzestexten durch eine speziell entwickelte Unterrichtssequenz zu fördern und Hemmschwellen gegenüber dem juristischen Arbeiten abzubauen.
- Methodik des Stationenlernens zur Vermittlung rechtlicher Inhalte
- Verknüpfung von induktiven und deduktiven Ansätzen in der Rechtsdidaktik
- Operationalisierung und Messung von Problemlösekompetenz
- Planung, Durchführung und Evaluation einer berufsschulischen Unterrichtsreihe
- Analyse des Kompetenzzuwachses durch verschiedene Evaluationsinstrumente
Auszug aus dem Buch
Die Fallbearbeitung der Juristen (etwas verkürzt)
Ausgangspunkt (vorgegeben): Fall/ Situation/ Handlung/ Sachverhalt/ tatsächliches oder fiktives Geschehen
Bearbeitungsschritte:
(1) Fall gründlich (mehrfach) lesen
(2) Interessenlage/ rechtliches Interesse der Beteiligten herausarbeiten (wenn nicht bereits in Ausgangsfrage/n genannt); z.B. ausgehend von wirtschaftlichem Interesse. Wer will was von wem woraus? bzw. Wer macht gegen wen welchen Anspruch geltend?
(3) mögliche bzw. passende Anspruchsgrundlage/n zusammentragen: Anspruchsgrundlage = Tatbestand ( ,wenn eine bestimmte Voraussetzung zutrifft,...) + Rechtsfolge (... dann besteht ein Anspruch auf...) zugehörige Gesetzestexte (allg. Rechtsgrundlagen) zusammentragen
(4) Subsumtion: Der Fall wird zu den gesetzlichen Tatbeständen in Beziehung gesetzt (eingeordnet = subsumiert); jedes Merkmal/ jede Anspruchsvoraussetzung wird systematisch untersucht, ob es durch die Umstände des Falls erfüllt ist oder nicht. Typische Formulierung: Es könnte nach § ... eine Anspruch des A auf ... bestehen. Dies setzt voraus, dass die folgenden Tatbestandsmerkmale erfüllt sind: ... a, b, c, d, e ... Aus dem Fall ergibt sich, dass a erfüllt ist, da... usw. Ggf. sind analog mögliche Gegenrechte der anderen Partei zu prüfen.
(5) Ergebnis: Der Anspruch besteht zu Recht oder nicht. [Bei mehreren möglichen und sinnvollen Ansprüchen sollten zunächst diejenigen geprüft werden, die den Interessen der Beteiligten am nächsten liegen].
Quelle: Eigene Seminararbeit
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Hinführung zum Thema und Darlegung des Ziels der Hausarbeit zur Förderung der Problemlösekompetenz im Ökonomieunterricht.
2 THEORETISCHE ÜBERLEGUNGEN: Theoretische Bestandsaufnahme zu Rechtsthemen, rechtsdidaktischen Prinzipien und dem Kompetenzbegriff im Kontext der beruflichen Bildung.
3 HYPOTHESEN UND EVALUATIONSKONZEPT: Formulierung der Forschungshypothesen sowie Vorstellung der verwendeten Evaluationsinstrumente zur Messung des Kompetenzzuwachses.
4 PLANUNG DER UNTERRICHTSSEQUENZ: Detaillierte Darstellung der Planungsfaktoren, Lernziele, der gewählten Methode des Stationenlernens sowie des Verlaufsplans.
5 DURCHFÜHRUNG UND AUSWERTUNG DER UNTERRICHTSSEQUENZ: Dokumentation des tatsächlichen Unterrichtsverlaufs, Beobachtungen zur Umsetzung und Reflexion über Verbesserungspotenziale.
6 EVALUATION DER UNTERRICHTSSEQUENZ UND ÜBERPRÜFUNG DER HYPOTHESEN: Auswertung der erhobenen Daten mittels Testergebnissen, Kompetenzraster und Fragebögen zur Bestätigung der Hypothesen.
7 SCHLUSSBETRACHTUNG UND AUSBLICK: Zusammenfassende Bewertung des Vorhabens und Ausblick auf die Anwendbarkeit des Konzepts sowie die eigene professionelle Entwicklung.
Schlüsselwörter
Rechtsdidaktik, Ökonomieunterricht, Problemlösekompetenz, Stationenlernen, Berufsschule, Handlungskompetenz, BGB, HGB, Fallbearbeitung, Evaluation, Kompetenzraster, Gesetzestexte, induktives Lernen, deduktives Lernen, berufliche Ausbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der Entwicklung und Evaluation einer einführenden Unterrichtssequenz, die darauf abzielt, Auszubildende im Bereich Bürokommunikation im Umgang mit Rechtsthemen und Gesetzestexten sicherer zu machen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit verknüpft rechtsdidaktische Grundlagen mit konkreten Unterrichtsmethoden wie dem Stationenlernen sowie dem Kompetenzbegriff in der beruflichen Bildung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist die Förderung der Problemlösekompetenz bei der Bearbeitung von Rechtsfällen, um Hemmungen beim Umgang mit Gesetzestexten abzubauen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erfassung verwendet?
Der Autor nutzt einen Mix aus quantitativen und qualitativen Methoden, darunter Eingangstests, Nachtests, Kompetenzraster zur Selbsteinschätzung und skalierte Fragebögen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die detaillierte Planung der Unterrichtssequenz, die Dokumentation der Durchführung an verschiedenen Lernstationen und die anschließende Auswertung der Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Rechtsdidaktik, Problemlösekompetenz, berufliche Bildung, Stationenlernen und die systematische Evaluation von Kompetenzzuwachs.
Warum wurde das Stationenlernen als Methode gewählt?
Die Methode erlaubt ein hohes Maß an Individualisierung, fördert die Eigenverantwortlichkeit der Schüler und ist besonders geeignet, um komplexe rechtliche Fallbeispiele lebensnah zu bearbeiten.
Wie wurde die Wirksamkeit der Unterrichtseinheit überprüft?
Durch einen Vergleich des Wissensstandes vor und nach der Sequenz sowie durch eine anonyme Selbsteinschätzung der Schüler mittels Kompetenzraster und Fragebogen.
- Arbeit zitieren
- Dipl.Volkswirt Stefan Berger (Autor:in), 2010, Einführende Unterrichtssequenz zur Förderung der Kompetenz bei der Lösung von Rechtsfällen im Ökonomieunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/173861