In dieser Facharbeit wird die Rolle kurdischer Frauen in autonomen Bewegungen in Syrien und der Türkei untersucht. Unter dem Motiv „Jin, Jiyan, Azadî“ kämpfen sie nicht nur für ihre eigenen Rechte und ihre Emanzipation, sondern auch für universelle Werte wie Freiheit, Gleichberechtigung, und soziale Gerechtigkeit. Ihr Engagement hat weit über die kurdische Gesellschaft hinaus Bedeutung und inspiriert Menschen weltweit.
Inwiefern haben kurdische Frauen in den politischen Bewegungen in Türkei, Syrien und Irak bisher Veränderungen bewirkt? Welche Rolle spielen sie jeweils in den unterschiedlichen regionalen Organisationsstrukturen? Und inwiefern inspiriert mich ihre Rolle als kurdische Frau dazu, selbst in Zukunft politisch aktiv zu werden, um als Frau für die Rechte der Kurden zu kämpfen, die uns seit Jahrtausenden genommen wurden?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 BegründungderThemenwahl
1.1.1 Politischer und Historischer Hintergrund
1.1.2 Frauen in Politischen und Militärischen Strukturen
2 Frauenorganisation..
2.1 Autonomiebewegung in der Türkei und Syrien
2.1.1 Situation in der Türkei und Syrien
3 Fazit
4 Literaturverzeichnis.
5 Abbildungsverzeichnis.
[Hinweis: Die Abbildungen sind aus urheberrechtlichen Gründen nicht im Lieferumfang enthalten.]
1 Einleitung
1.1 BegründungderThemenwahl
Ich habe mich für dieses Thema entschieden, weil ich finde, dass Frauen in der kurdischen Kultur sehr stark und verantwortungsvoll sind. Besonders faszinierend ist für mich, wie sie mit Mut in eine von Männern dominierte Welt eingetreten sind. Es beeindruckt mich, wie sie aus eingeschlossenen, häuslichen Räumen heraus ihre eigenen Frauenorganisationen sowie militärische Frauenstrukturen aufgebaut haben.
Diese Frauen, die lange Zeit von ihren Männern mit dem Begriff „Familie" eng verbunden wurden, sind letztendlich diejenigen gewesen, die an der Seite dieser Männer standen und bis heute für die Freiheit Kurdistans kämpfen.
Es ist nichts Neues, dass Kurden verfolgt, ermordet und versklavt werden, nur weil sie Kurden sind. Dieses Schicksal begleitet sie seit vielen Jahren. Doch das muss endlich aufhören. Jeder Mensch und jede Minderheit auf dieser Welt hat es verdient zu leben, seine Kultur auszuüben und ein eigenes Land sowie eine eigene Regierung zu besitzen. Eigentlich ist das eine Selbstverständlichkeiten weiterer Grund für meine Themenwahl ist, dass diese Frauen heute auch für mich kämpfen, während ich die Möglichkeit habe, meine Qualifikation zu erwerben. Auch das ist ein Wunsch, der sie begleitet, doch ihre Freiheit steht für sie an erster Stelle.
In ferner Vergangenheit hatten Frauen einen hohen Wert und eine wichtige Position in der Gesellschaft. Vor vielen Jahren, als Kurdistan noch zwischen Persern, Kurden und Arabern aufgeteilt war, wurde die Rolle der Frau respektiert. Doch mit dem Aufkommen des Monotheismus und des Kapitalismus setzte sich nach und nach ein System durch, in dem männliche Vorherrschaft dominierte. Im Laufe der Zeit wurden Frauen insbesondere in dieser Region ihrer Rechte beraubt. Sie wurden zu Objekten degradiert, deren Aufgabe es sein sollte zu kochen, Kinder großzuziehen und zu dienen.Ich habe mich auch deshalb für das Thema Frauenbewegung entschieden, weil Femizide ein internationales Problem sind. Besonders erschreckend ist, dass die Zahl dieser Taten nicht wirklich zurückgeht und viele Fälle im Verborgenen bleiben. Häufig sind sie geschlechtsbezogen, und die Gewalt richtet sich gezielt gegen Frauen.
Was mich besonders beschäftigt, ist die Art und Weise, wie über solche Fälle gesprochen wird. Gerade bei kurdischen Fällen habe ich oft gehört: „Ja, aber sie muss doch irgendetwas gemacht haben." Diese Haltung verschiebt die Schuld auf die Opfer und zeigt, wie tief solche Denkmuster in vielen Gesellschaften verankert sind.
Gleichzeitig finde ich die Entwicklung innerhalb der kurdischen Frauenbewegung sehr beeindruckend. Frauen haben begonnen, sich gegen Unterdrückung und Gewalt zu wehren und sind von einer Rolle als Betroffene zu aktiven Kämpferinnen geworden. Heute spielen sie eine wichtige Rolle in Politik und Gesellschaft und werden dabei teilweise sogarvon Männern unterstützt.
Diese Entwicklung zeigt für mich, wie wichtig Frauenbewegungen sind und wie viel Veränderung möglich ist, wenn Frauen sich organisieren und für ihre Rechte kämpfen. Genau deshalb möchte ich mich mit diesem Thema näher beschäftigen.
Ich weiß jedoch, dass sie nicht die ersten Frauen sind, die kämpfen. Schon Wikingerfrauen haben gekämpft, und auch die kurdischen Großmütter stellten sich einst gegen ihre Gegner. Dabei kann ich mit Stolz sagen: unsere Großmütter, weil ich selbst Kurde bin. Doch immer wieder passiert dasselbe: Sobald Frauen rebellieren, werden sie aus der Geschichte verdrängt. Sie werden aus der Gesellschaft ausgeschlossen und zurück in ihre Häuser geschickt, als sollten sie nur dienen.
Doch heute beginnen sie, den Status zurückzuerlangen, den sie verdienen. Gemeinsam zeigen sie, dass Frauen alles tun können, was auch Männer tun. Der wichtigste Grund für meine Themenwahl ist, dass ihr Kampf sich nicht nur auf kurdische Frauen richtet, sondern auf Frauen auf der ganzen Welt. Sie kämpfen dafür, dass jede Frau frei sein kann und die gleichen Rechte erhält. Sie kämpfen nicht nur für Kurdistan, sondern für die ganze Welt.
Nun stellt sich die Frage: Inwiefern haben kurdische Frauen in den politischen Bewegungen in Türkei, Syrien und Irak bisher Veränderungen bewirkt? Welche Rolle spielen sie jeweils in den unterschiedlichen regionalen Organisationsstrukturen? Und inwiefern inspiriert mich ihre Rolle als kurdische Frau dazu, selbst in Zukunft politisch aktiv zu werden, um als Frau für die Rechte der Kurden zu kämpfen, die uns seit Jahrtausenden genommen wurden?
Um mich mit diesem Thema auseinanderzusetzen und meine Untersuchungen durchzuführen, nutze ich sowohl wissenschaftliche Artikel als auch Bücher. Darüber hinaus verfüge ich über Vorwissen, da ich selbst Kurdin bin und die Entwicklungen der Bewegung teilweise beobachten konnte. Zudem stamme ich aus einer politisch engagierten kurdischen Familie, in der einige Mitglieder aktiv in der Politik tätig sind.
1.1.1 Politischer und Historischer Hintergrund
Zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert entstanden mehrere kurdische Fürstentümer. Eine sehr berühmte Persönlichkeit ist Saladin, der Teile Ägyptens, Syriens, des Iraks und Kurdistans beherrschte. Er war Kurde. Durch kriegerische Auseinandersetzungen vereinbarten das Osmanische und das Persische Reich im Jahr 1639 den sogenannten „Kasr-i Sirin"-Vertrag, in dem sie Kurdistan untereinander aufteilten. Diese Vereinbarungen bilden heute einen Großteil der Grenzen zwischen derTürkei, dem Iran und dem Irak.Immer wieder forderten die Kurden einen eigenen Nationalstaat, doch diese Forderungen wurden stets ignoriert.Im Jahr 1919 reiste das Staatsoberhaupt der Türkei, Kemal Atatürk, nach Kurdistan und versprach die Gründung eines „Staates der Kurden und Türken" unter einer Bedingung: Die Kurden sollten bereit sein, gemeinsam mit den Türken gegen die Griechen zu kämpfen, um die Türkei für sich zu sichern. Nachdem dies geschehen war und Atatürk die Türkei erfolgreich etabliert hatte, erklärte er: „Dieses Land ist ein Land der Türken. Wer nicht von rein türkischer Herkunft ist, hat nur ein Recht in diesem Land: das Recht, Diener zu werden; das Recht, Sklave zu sein."Die Kurden fühlten sich daher zu Recht betrogen.Nach dem Ersten Weltkrieg, als das Osmanische Reich nicht mehr existierte, wurde im Jahr 1920 der Vertrag von Sèvres geschlossen, der die Gründung eines kurdischen Nationalstaates vorsah. Dieser wurde jedoch nie umgesetzt. Stattdessen folgte drei Jahre später, im Jahr 1923, der Vertrag von Lausanne, in dem Kurdistan endgültig auf den Irak, den Iran, Syrien und die Türkei aufgeteilt wurde.Eine wichtige Rolle spielen auch die Brüder der Barzani-Familie, die bis heute eine bedeutende Rolle im Irak einnehmen. Bereits im Jahr 1932 kam es unter ihrer Führung zu einem großen Aufstand. Mustafa Mula Barzani wurde festgenommen, und derAufstand scheiterte.
Mustafa Mula Barzani schaffte es, aus der Gefangenschaft zu fliehen, und koordinierte einen erneuten Aufstand. Er bemühte sich weiterhin um das Wohlbefinden der Kurden im Irak und legte in Bagdad ein Schreiben vor, in dem gefordert wurde, wirtschaftliche und kulturelle Belange der Kurden zu schützen. Dieses Anliegen wurde jedoch direkt abgelehnt, und es kam erneut zu militärischen Angriffen durch die Briten und den Irak.
Im Jahr 1946 wurde unter Barzanis Führung die „Kurdische Demokratische Partei" (KDP) gegründet. Diese entwickelte sich militärisch weiter, und es konnten erste Fortschritte erzielt werden.
Im Jahr 1955 wurde ein Abkommen zwischen der Türkei, dem Iran und dem Irak geschlossen, dem später auch England beitrat. Ziel dieses Abkommens war es, bei Bedarf gemeinsam gegen die Peschmerga (Barzanis Streitkräfte) vorzugehen.
Im Jahr 1946 wurde Qazi Muhammad Präsident der Republik Mahabad im Iran, die als kurdischer Staat galt. Dies erzeugte große Hoffnung und Stolz unter den Kurden, doch auch dieser Staat wurde kurze Zeit später von iranischen Truppen wieder zerstört.
Ein weiterer wichtiger Punkt in der kurdischen Geschichte ist die Gründung der syrischen KDP im Jahr 1957, die zeigen sollte, dass auch die Kurden in Syrien nach Unabhängigkeit strebten. DiesesVorhaben bliebjedocherfolglos.
Im Jahr 1965 wurde zudem die Partei KDP-Türkei gegründet, deren Führung jedoch direkt von der türkischen Regierung ermordet wurde.
Über Jahrzehnte hinweg beschäftigten sich kurdische Akademiker, die studiert und fortschrittlich orientiert waren, intensiv mit der kurdischen Frage. Sie führten wissenschaftliche Studien durch, analysierten die Situation in den betroffenen Regionen und versuchten, auf diesem Wege Fortschritte zu erzielen. Einer von ihnen war Dr. Ismail Be§ik$i, der in der Türkei geboren wurde. Aufgrund seines Engagements wurde er über viele Jahre hinweg verfolgt und inhaftiert. Dies zeigt, dass versucht wurde, den Kurden ihre Stimme zu nehmen und sie systematisch zu unterdrücken.
Nach einem langen Kampf gelang es schließlich Masud Barzani, im Irak eine autonome Regierung für Kurdistan zu etablieren. Er schloss ein Abkommen mit dem Irak, das Kurdistan eine gewisse Selbstverwaltung ermöglichte, mit eigenen Vertretern und Institutionen. Dennoch blieben die Rechte der Kurden auch in diesem Rahmen eingeschränkt.
Zu jener Zeit suchten viele junge Kurden Zuflucht in den Bergen, um sich vor Deportationen zu schützen und ihre Gemeinschaft zu verteidigen.
Im Jahr 1977 gelang es Kurden in der Türkei, die Partei „Rizgari" (Befreiung) zu gründen.
Ein entscheidendes Ereignis in dieser Zeit war die Gründung der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) im Jahr 1978 durch Abdullah Öcalan. In den folgenden Jahren wurden zahlreiche Mitglieder dieser Partei von der türkischen Regierung verhaftet. Bereits bei der Gründung spielten auch Frauen eine Rolle, auf die später noch näher eingegangen wird.
Öcalan verfolgte das Ziel, Teile Kurdistans, die sich innerhalb der Türkei befanden, zurückzugewinnen. Dabei reiste er durch verschiedene Länder und forderte wiederholt eine friedliche Lösung der Kurdenfrage. Im Jahr 1999 wurde Öcalan in Kenia festgenommen, in die Türkei überführt und zu lebenslanger Haft verurteilt. Er befindet sich bis heute in Haft. Dennoch besteht die PKK weiterhin und setzt ihren Kampf fort. Öcalan selbst ruft wiederholt auch auf Aufforderung der Türkei zur Beendigung der Kämpfe auf.1
Laut H. Caglayan haben sich die Familienstrukturen im Laufe der Zeit verändert. Früher lebten viele Menschen in großen Familien mit drei Generationen zusammen, doch mit der Zeit entwickelten sich zunehmend kleinere Familien. Das liegt an der Modernisierung der Landwirtschaft, an der Landflucht vom Dorf in die Stadt, an der Suche nach Arbeit in größeren Städten und an der geringeren Weitergabe von Familienland an die nächste Generation.2
Ganz früher wurden junge Mädchen im Alter von 13,14 oder 15 Jahren verheiratet, oft ohne ihre Zustimmung. So war es vor allem in den Dörfern.
In Städten konnten Frauen eher selbst entscheiden, ob sie heiraten wollten oder nicht. Das größte Problem war jedoch, dass viele Frauen häusliche Gewalt erlebten. Ihre typischen Aufgaben nach der Ehe waren der Haushalt, oft wie bei einer Dienerin. Die Kontrolle im Haushalt lag meist bei der Schwiegermutter. Das Einzige, was sich viele Frauen wünschten, war, in ein eigenes Haus zu ziehen.3
Aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung zogen viele Menschen in die Städte4. Dort begannen viele Frauen zu arbeiten, oft aus Armut.5 Vor allem junge Mädchen wurden in ihren Familien streng überwacht, um die „Ehre" der Familie zu bewahren.6
Ab den 1970er Jahren versuchten Frauen zunehmend, sich freier zu machen und die strengen Regeln nicht mehr so stark zu befolgen.7
Durch Migration spielten Mütter eine zentrale Rolle: Sie hielten die Haushalte zusammen und sorgten trotz wenig Geld für die Familie. Viele junge Frauen waren gezwungen zu arbeiten, obwohl sie schlecht bezahlt und schlecht behandelt wurden.8
Ein zentrales Problem war und ist der Begriff „Ehre", der genutzt wird, um Kontrolle über Frauen auszuüben. Die Ehre steht dabei an erster Stelle.
Kurdische Frauen haben seit dem 21. Jahrhundert sehr viel erlebt: Kriege, Völkermord, Vertreibung, extreme sexuelle Gewalt und die Zerstörung ihres Lebens. Sie wurden unterdrückt und oft gezwungen, sich an die regionale Kultur anderer anzupassen und dabei ihre eigene Identität und Kultur aufzugeben.
Trotz dieser Unterdrückung haben sich viele Frauen mutig beteiligt und Widerstand geleistet.9
Für viele war dies die einzige Bewegung, die ihnen eine besondere und bedeutende Rolle gegeben hat.
Der umfassende Überblick über die historische und politische Entwicklung Kurdistans zeigt, dass die Geschichte von anhaltender Verfolgung geprägt ist. Viele Frauen waren gezwungen zu fliehen und verloren dadurch ihren Alltag, ihre Familien, ihren Wohnraum und ihren gesamten Lebenskontext. Diese Erfahrungen spielten eine zentrale Rolle dabei, dass sie begannen, für ihre Rechte zu kämpfen und sich zunehmend politisch zu engagieren.
Sie erkannten, dass Männer allein oft nicht in der Lage waren, ihre Ziele zu erreichen, da sie eingeschränkt, verfolgt oder sogar ermordet wurden, weil sie für ihre Rechte eintraten. Aus diesem Grund entschieden sich viele Frauen, aktiv in die Politik einzutreten und sich auch an bewaffneten Einheiten zu beteiligen. Damit wollten sie zeigen, dass Frauen an derSeite der Männer stehen und gemeinsam für gesellschaftliche und politische Veränderungen kämpfen.
Als sich Frauen aktiv politisch beteiligten, wurden sie dazu aufgefordert, die Authentizität der Nation zu bewahren.10 Das Wichtigste ist dabei zu betonen, dass kurdische Frauen im Vergleich zu benachbarten Ländern teilweise mehr Freiheiten hatten. Gleichzeitig wurde der Körper der Frau als Symbol der Ehre angesehen.11 Außerdem kam es vor, dass Frauen sogar ihre Männer, Söhne und Brüder dazu ermutigten, in den Kampf zu ziehen.12
1.1.2 Frauen in Politischen und Militärischen Strukturen
Ab den 1980er Jahren begann der politische Aktivismus kurdischer Frauen deutlich zuzunehmen, vor allem im Widerstand gegen patriarchale Strukturen und Unterdrückung in ihren Familien und Gemeinschaften.13
Die meisten Frauen machten ähnliche Erfahrungen: Viele von ihnen wurden in Gewahrsam genommen, verloren Familienmitglieder in bewaffneten Konflikten oder hatten Angehörige, die weiterhin in solche Konflikte involviert waren.14
Da viele Frauen keinen Zugang zu Bildung hatten, waren sie entweder Analphabetinnen oder hatten nur die Grundschule besucht.15
In den 1980er und 1990er Jahren gingen zudem viele Frauen auf die Straßen und führten teilweise sogar Aufstände an. In Ba§ure Pi^uk (Kleinsüden), dem heutigen Rojava, beteiligten sich viele Frauen an der politischen Basisarbeit. Sie gingen von Haus zu Haus, sprachen mit anderen Frauen über die Ziele der Bewegung, sammelten Geld für die Guerilla und unterstützten diese finanziell.
1984 begann der bewaffnete Konflikt der PKK gegen die türkische Regierung. In diesem Zusammenhang wurden viele Frauen festgenommen und verhaftet, entweder wegen Kontakten zu Angehörigen in den Bergen oder aufgrund ihres politischen Engagements. Dabei darf nicht vergessen werden, dass viele dieser Frauen auch sexuelle Belästigung und Gewalt erfahren haben.16 Viele kurdische Frauen spielten in dieser Zeit eine zentrale Rolle im Widerstand, darunter Leyla Qasim.
Leyla Qasim gilt als eine der ersten weiblichen Stimmen im kurdischen Widerstand gegen die irakische Besatzung. Sie wurde 1952 in Nordkurdistan geboren.17 Die Stadt, in der sie geboren wurde, hat heute eine kurdische Mehrheit und gehört zu den sogenannten umstrittenen Gebieten in der irakischen Verfassung.
[Die Abbildung ist aus urheberrechtlichen Gründen nicht im Lieferumfang enthalten.]
Leyla Qasim wuchs in einer Umgebung auf, in der Solidarität und Stolz auf die kurdische Identität zentrale Werte waren. Schon in jungen Jahren begann sie, sich politisch zu engagieren. 1971 nahm sie ein Soziologiestudium an der Universität Bagdad auf. Dieses Studium eröffnete ihr den Zugang zu einer breiten Welt politischer Ideen, Bewegungen und Debatten.
Die historische Entwicklung zeigt auch die Rolle der Demokratische Partei Kurdistans, in der sich Leyla Qasim engagierte. Innerhalb der Partei setzte sie sich aktiv gegen die Menschenrechtsverletzungen des Baath-Regimes ein. Mit der Zeit wurde sie bekannt und kämpfte entschlossen für die Rechte des kurdischen Volkes sowie gegen Unterdrückung.18
Sie warnte früh vor den Gefahren der Baath-Partei und insbesondere vor der Bedrohung durchSaddam Hussein. In ihren Schriften stellte sie ihn als Feind der kurdischen Unabhängigkeit dar. Diese Warnungen gehörten zu den ersten im Irak, lange bevor viele andere den Mut hatten, sich offen gegen den aufkommenden Diktator auszusprechen.
Trotz der Risiken war sie aktiv an Treffen mit einflussreichen Persönlichkeiten in den kurdischen Regionen des Irak beteiligt und setzte ihren Widerstand gegen das Regime fort.
Später wurde sie festgenommen und offiziell beschuldigt, versucht zu haben, ein Flugzeug zu entführen eine weithin als konstruiert angesehene Anschuldigung.19
Während des Gerichtsprozesses sagte sie:
„Tötet mich, aber wisst, dass nach meinem Tod Tausende weitere Kurden aufstehen werden."20
1974 wurde sie im Alter von 22 Jahren zum Tode verurteilt.21 Sie wurde durch den Strang hingerichtet. Berichten zufolge war Saddam Hussein selbst bei der Hinrichtung anwesend und sah sie sich gemeinsam mit seinem damals zehnjährigen Sohn an.
Das Regime verfolgte das Ziel, die kurdische Bevölkerung einzuschüchtern. Stattdessen wurde Leyla Qasim zu einer Symbolfigur des Widerstands und inspirierte viele Menschen, ihren Kampffortzusetzen und sich weiterhin für Kurdistan einzusetzen.
Neben Leyla Qasim, spielte auch Sakine Cansiz eine wichtige Rolle.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
[Die Abbildung ist aus urheberrechtlichen Gründen nicht im Lieferumfang enthalten.]
Sakine Cansiz wurde im Jahr 1958 in einem nordkurdischen Dorf in Dersim (heute Teil derTürkei) geboren. Sie lernte Türkisch und war zunächst nicht in der Lage, Kurdisch zu sprechen, da dies von der türkischen Regierung verboten war. In Berichten wird erwähnt, dass ihre Mutter ihr dennoch stets sagte, sie solle sich niemals schämen, Kurdisch zu sprechen.
Als sie später vom Dersim-Genozid erfuhr, wurde ihr bewusst, in welchem Ausmaß das kurdische Volk unterdrückt wurde. Im Jahr 1968 kam es weltweit zu Studentenbewegungen, und auch in Kurdistan sowie in derTürkei entstanden zahlreiche politische Gruppen. Sakine erkannte, dass viele Menschen aus Angst nur leise über die erlebten Verbrechen sprachen. Dies motivierte sie, Fragen zu stellen, nach Antworten zu suchen und sich intensiver mit dem Konflikt auseinanderzusetzen.
In der Nähe ihres Hauses befand sich ein Studentenhaus, in dem sich politisch aktive Studierende trafen und über kurdische Rechte diskutierten. Dies beeinflusste sie stark, wie auch das PKK-Gründungsmitglied Ali Haydar Kaytan berichtet. Ihr Bruder schilderte ebenfalls, dass sie nach dem Kontakt mit revolutionären Gruppen sehr aktiv wurde. Sakine nahm sich zudem Leyla Qasim als Vorbild,in ihrem Zimmer hing sogar ein Bild von ihr. Ihre Kammeraden bemerkten besonders ihren starken Wunsch nach Freiheit als Frau.
Nach 1971 knüpfte sie Kontakte zur revolutionären Jugend und schloss sich einer Bewegung aus Elazig in Nordkurdistan an, deren Anführer Abdullah Öcalan war. Sie setzte sich intensiv dafür ein, dass Frauen eine aktive Rolle im nationalen Befreiungskampf einnahmen, und beteiligte sich selbst engagiert daran. Sie heiratete ihren Cousin, der ebenfalls Revolutionär war, um ihre politische Arbeit fortsetzen zu können. Da ihr Ehemann jedoch andere Vorstellungen hatte und eine traditionelle Rolle von ihr erwartete, kam es zu Konflikten innerhalb der Ehe.
Nebenbei arbeitete sie in einer Schokoladenfabrik, wo sie Arbeiterinnen und Arbeiter zu Protesten mobilisierte. Aufgrund ihrerTeilnahme an Demonstrationen, bei denen sie ein Banner mit der Aufschrift „Kurdistan ist eine Kolonie" trug, wurde sie verhaftet. Sie organisierte Frauen und ermutigte sie, offen zu ihrer kurdischen Identität zu stehen, sprach jedoch auch Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten an.
Im Jahr 1978 nahm sie gemeinsam mit Kesire Yildirim als eine der ersten Frauen am Gründungskongress der PKK teil. Dort bereitete sie sich gezielt auf den Kampf für Frauenrechte vor und plante die Bildung einer eigenen Frauengruppe. Sie reiste durch Kurdistan, um die Lebenssituation von Frauen zu analysieren, und vertrat die Auffassung, dass die Befreiung der Frauen untrennbar mit der kurdischen Befreiung verbunden sei.
Ab 1979 engagierte sie sich verstärkt in der ideologischen Arbeit, wobei Frauen sich mit Themen wie Rechtssystemen und internationalen Frauenbewegungen beschäftigten. Sie äußerte unter anderem: „Es ist wunderbar, gegen den Feind zu kämpfen und zu leben. Ich sagte mir immer: Wenn unsere Existenz sie einschüchtert, sollte ich wie ein Fluch für sie sein."
Sakine Cansiz wurde erneut verhaftet und war verschiedenen Foltermethoden ausgesetzt, darunter Elektroschocks, Aufhängen und Entkleidung. Trotz dieser Misshandlungen leistete sie mutigen Widerstand, was selbst Gefängnisbeamte beeindruckte. Das Gefängnis stand unter der Leitung von Esat Oktay,als er sie einmal angriff, spuckte sie ihm ins Gesicht eine Tat, die unter den Gefangenen als Symbol des Widerstands galt. Sie beschrieb das Gefängnis als still und schamlos, vergleichbar mit den Zuständen in nationalsozialistischen Lagern. Viele inhaftierte Frauen nahmen sich an ihrem Verhalten ein Beispiel.
1991 wurde sie freigelassen und nahm anschließend an ideologischen Schulungen unter Abdullah Öcalan teil. Später übernahm sie organisatorische Aufgaben in Palästina, Syrien und Rojava. Schließlich schloss sie sich den Guerillakämpfern in den Bergen an.
Öcalan soll ihr gesagt haben: „Du hast gewonnen." Sie selbst beschrieb ihren Weg mit den Worten, dass sie stets entschlossen gewesen sei und ihre Ziele Schritt für Schritt erreicht habe.
Eine Zeitschrift mit dem Titel „Jina Serbilind" („Stolze Frau") wurde ihr gewidmet. Sie warTeil einer mobilen Einheit, die als besonders kampferfahren galt und an zahlreichen Gefechten beteiligt war.
Die Militarisierung der Frauen hatte jedoch nicht nur eine militärische, sondern auch eine gesellschaftliche Bedeutung. Ziel war es, bestehende Ungleichheiten aufzubrechen, Frauen aus traditionellen Rollen zu lösen, sie aktiv am politischen und militärischen Kampf zu beteiligen und gleichzeitig konservative Strukturen zu hinterfragen. Zudem sollte Männern verdeutlicht werden, wie Frauen leben und sich organisieren wollen. Dieses Projekt der Frauenbefreiung wirkte sich auf die gesamte kurdische Gesellschaft aus und hatte darüber hinaus internationale Bedeutung.
Am 9. Januar 2013 reiste Sakine Cansiz gemeinsam mit zwei weiteren kurdischen Aktivistinnen nach Paris. Ihr Aufenthalt fiel in eine Phase, in der über einen möglichen Friedensprozess im Kurdenkonflikt diskutiert wurde. An diesem Tag wurde sie von einem vermeintlichen Fahrer und Sicherheitsmann ermordet. Die Tat gilt als gezielte Aktion, um eine einflussreiche Persönlichkeit der Bewegung auszuschalten.22
Mastoureh Ardalan war ebenfalls
eine bedeutende Persönlichkeit
der kurdischen Geschichte und gilt
als ein kulturelles Symbol. Sie war [Die Abbildung ist aus urheberrechtlichen Gründen nicht im Lieferumfang enthalten.] eine bekannte Schriftstellerin und
Dichterin und wurde in Sanandaj
geboren, das zum Gebiet
Ostkurdistans (Rojhilat, heute
Iran) gehört.
Sie kam aus einer einflussreichen
Familie, die über Jahrhunderte
hinweg eine wichtige Rolle in der
Herrschaft Kurdistans spielte. Zu einer Zeit, in der Mädchen der Zugang zu Bildung weitgehend verwehrt war, erhielt Mastoureh privaten Unterricht in verschiedenen Fächern. Dabei zeichnete sie sich besonders durch ihre Kenntnisse der kurdischen, persischen und arabischen Literatur aus.
Im 19. Jahrhundert verfasste sie zahlreiche Werke, darunter Poesie, Geschichten und literarische Texte. Sie gilt als eine der ersten bekannten Frauen, die schriftlich in diesen literarischenTraditionen tätig war. Zudem heiratete sie einen kurdischen Herrscher aus der Ardalan-Dynastie.
In ihrem bekanntesten Werk „Tarikh-e Ardalan" („Die Geschichte von Ardalan") schildert sie die Geschichte der Region, die Machtstrukturen in Kurdistan, die Beziehungen zum Qajar-Staat sowie die politischen Auseinandersetzungen ihrer Zeit. Ihre Darstellung verbindet historische Ereignisse mit persönlichen Erfahrungen und sozialen Beobachtungen und eröffnet damit eine Perspektive, die in offiziellen Chroniken weitgehend fehlt.
Ihre Gedichte, die überwiegend in persischer Sprache verfasst sind, behandeln Themen wie Verlust, Exil, die Vergänglichkeit von Macht sowie die gesellschaftliche Stellung der Frau.
Trotz der zahlreichen Einschränkungen, denen Frauen im Iran des 19. Jahrhunderts unterlagen, gelang es Mastoureh Ardalan, sich einen festen Platz im kulturellen und historischen Gedächtnis Kurdistans und des Iran zu sichern.23
Kurdische Frauen waren schon früh politisch aktiv.Eine sehr bekannte Frau namens Adela Khanum.Sie ist innerhalb der kurdischen Gesellschaft eine bedeutende Persönlichkeit, über die auch in vielen Familien erzählt wird.
Adela Khanum war eine wichtige Führerin in der
kurdischen Geschichte. Sie wurde 1847 in Rojhelat
(Ostkurdistan) in eine herrschende Familie geboren.
Später heiratete sie den kurdischen Herrscher Osman
Pasha Jaff und lebte mit ihm in Halabja, im heutigen
Nordosten des Iraks in der Autonomen Region
Kurdistan.24
Nach dem Tod ihres Mannes übernahm sie die
Führung von Halabja und setzte sich aktiv für die Entwicklung der Region ein. Sie ließ Märkte bauen, richtete Gerichte ein und sorgte für Ordnung und Stabilität.
Obwohl sie als Frau benachteiligt wurde, gab Adela Khanum nicht auf und arbeitete weiterhin für das Wohl der Bevölkerung.
Laut historischen Berichten rettete sie im Erster Weltkrieg vielen britischen Soldaten das Leben. Dafür wurde sie von den Briten mit dem Titel „Khan-Bahadur" ausgezeichnet und als „Princess of the Brave" bekannt.25
Sie galt als starke und mutige Frau, die das Leben der Menschen unter ihrer Führung deutlich verbesserte. Dazu gehörten die Versorgung mit Lebensmitteln, der Schutz der Armen sowie der Zugang zu Bildung für Kinder.
Adela Khanum setzte sich kontinuierlich für Fortschritt und Gerechtigkeit ein und gilt bis heute als Vorbild in der kurdischen Gesellschaft. Ihre Geschichte zeigt, dass Mut und Entschlossenheit große Veränderungen bewirken können und inspiriert besonders Frauen.26
2 Frauenorganisation
Die YPJ (Yekineyen Parastina Jine) wurde am 4. April 2013 während desSyrischer Bürgerkrieg gegründet. Sie ist eine kurdische Frauenmiliz im Nordosten Syriens und besteht ausschließlich aus Frauen.
Die Kämpferinnen setzen sich für die Freiheit ihrer Region sowie für die Rechte und Gleichberechtigung von Frauen ein. Ihr zentrales Ziel ist der Kampf gegen den sogenanntenlslamischer Staat(IS), der in der Region große Teile kontrollierte und insbesondere Frauen stark unterdrückte, versklavte und misshandelte.
Die YPJ kämpft vor allem für die Verteidigung von Rojava, dem kurdisch geprägten Teil Syriens, und versucht dort demokratische Strukturen aufzubauen, in denen Männer und Frauen gleichberechtigt sind.
Ein wichtiger Beitrag der YPJ war die Befreiung von Minderheiten, insbesondere der Jesiden, die vom IS verfolgt wurden. Die Gewalt des IS führte dazu, dass viele Frauen sich der YPJ anschlossen, um sich selbst zu verteidigen und ein Zeichen von Stärke und Widerstand zu setzen.
Darüber hinaus wurden Frauenhäuser gegründet, in denen Frauen Schutz finden können. Diese Einrichtungen helfen dabei, Konflikte zu lösen und Frauen vor Gewalt zu schützen.27
Allerdings gibt es auch kritische Aspekte:
Es wird berichtet, dass junge Frauen teilweise durch ihr Umfeld ,wie Freunde, Nachbarn oder sogar Familienmitglieder beeinflusst oder unter Druck gesetzt werden, der YPJ beizutreten.
Ein zentrales Problem ist, dass einige Frauen nicht aus eigener Überzeugung beitreten, sondern versuchen, einerZwangsheirat zu entkommen oder mehr Freiheit zu erlangen. Zudem wird berichtet, dass Frauen, die nicht beitreten, Nachteile erfahren können, beispielsweise Schwierigkeiten beim Erhalt offizieller Dokumente wie eines Familienbuchs, was eine legale Heirat erschwert.
Ein weiterer kritischer Punkt ist, dass auch minderjährige Mädchen, teilweise im Alter von 12 bis 14 Jahren, rekrutiert werden.28 Einige schließen sich freiwillig an, andere gegen den Willen ihrer Familien. In manchen Fällen berichten Familien, dass sie ihre Töchter nicht zurückbekommen haben und dass es schwierig sei, die Organisation wieder zu verlassen.29
Insgesamt kämpfen die Frauen der YPJ nicht nur gegen den IS, sondern auch für eine gerechtere Gesellschaft, für Freiheit, Gleichberechtigung und ein selbstbestimmtes Leben.
YPG ist eine Volksverteidigungseinheit im Norden von Syrien (Rojava) und wurde im Bürgerkrieg ab 2011 gegründet. Sie haben in Rojava eine eigene Verwaltung aufgebaut. Hauptsächlich wurden sie gegründet, um ebenfalls gegen den IS zu kämpfen, und sind ein Teil der SDF. Die YPG wird aktiv von den USA unterstützt, um gegen den IS zu kämpfen.30 YPJ ist die Fraueneinheit der YPG. Sie sind miteinander verbunden und kämpfen beide gegen den IS.
2014 hat der Islamische Staat Rojava angegriffen und wollte die Gebiete einnehmen31.
Beide Organisationen haben zusammen mit der SDF aktiv gegen den IS gekämpft. Die Frauen waren noch nicht einmal 18 Jahre alt.32
Unterstützt wurden sie dabei von den Peschmerga (Militäreinheit der Kurden im Irak).
Mit Erfolg konnten sie den Islamischen Staat (IS) vollständig eliminieren.33
Dabei wurden kurdische Frauen der Frauenverteidigungseinheiten während des Kampfes weltweit bekannt.
Diese Frauenorganisation kämpft auch gegen die Türkei, um die gleichen Rechte auch in derTürkei zu erzielen.
Der sogenannte Islamischer Staat (IS) bedrohte immer wieder den kurdischen Teil des Iraks, dervon der Familie Masud Barzani politisch geprägt ist.
Im Jahr 2014 griff der IS Kurdistan an. In dieser Zeit schlossen sich viele Frauen den Peschmerga an, um ihre Region zu verteidigen, die sie sich über lange Zeit erkämpft hatten.
Eine Peschmerga-Kämpferin namens Sülin wurde in einem Interview gefragt, was passieren würde, wenn sie oder andere kurdische Frauen in die Hände des IS geraten würden. Sie erklärte, dass sie eine zusätzliche Patrone bei sich trage , für den Fall, dass sie gefangen genommen wird, um sich selbst das Leben zu nehmen und nicht in die Hände des IS zu fallen.
Sie betonte, dass der IS nur ihre Leichen bekommen würde, aber niemals lebende Frauen.34
2.1 Autonomiebewegung in der Türkei und Syrien
Die historische Entwicklung zeigt, dass sich viele Kurden in der Türkei von den Kemalisten betrogen fühlten. Nach der Gründung der Republik Türkei wurde ihnen ursprünglich Autonomie versprochen, doch dieses Versprechen wurde nicht eingehalten. Stattdessen sollten sich alle Menschen als Türken identifizieren, mit dem Ziel, eine einheitliche Nation zu schaffen.
Schulen, in denen Kurdisch unterrichtet wurde, wurden geschlossen, und sowohl die kurdische Sprache als auch die Kultur wurden verboten. Infolgedessen bildeten sich verschiedene Bewegungen wie „Azadi", und es kam zu Aufständen wie dem Scheich- Said-Aufstand im Jahr 1925 sowie dem Ararat-Aufstand.
Die PKK entstand später in der Türkei und begann in den 1980er Jahren einen bewaffneten Kampf gegen die türkische Regierung, der bis heute andauert. Dabei waren auch viele kurdische Frauen beteiligt, wie zum Beispiel Sakine Cansiz. Sie organisierten ihren Kampf unter anderem aus Syrien und dem Nordirak und setzten sich für kurdische Rechte ein Teilweise auch mit Gewalt.
Der kurdische Teil derTürkei wird als Bakur bezeichnet. Dort fordern Teile der Bewegung mehr politische Selbstbestimmung, etwa ein eigenes Parlament, eigene Streitkräfte sowie eigene nationale Symbole wie Flagge und Hymne.
Diese Forderungen werden unter anderem von politischen Parteien wie der BDP unterstützt. Allerdings werden solche Bestrebungen vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan entschieden abgelehnt. Er bezeichnete entsprechende Vorschläge als eine „Sabotage des gesamten demokratischen Prozesses in der Türkei" und stellte infrage, wen diese Gruppen überhaupt vertreten.
Obwohl Abdullah Öcalan festgenommen wurde und auf der Gefängnisinsel Imrali sitzt, spielt er weiterhin eine wichtige Rolle. Die türkische Regierung betont zwar offiziell, nicht mit „Terroristen" zu verhandeln, führt jedoch indirekte Gespräche mit ihm. So wird beispielsweise erwartet, dass Öcalan Einfluss auf die PKK nimmt, etwa durch Aufrufe zu Waffenstillständen, die dann auch umgesetzt werden.35
Frauen spielen in diesen politischen Bewegungen eine wichtige Rolle. Sie unterstützen aktiv die Ziele der Parteien und setzen sich gleichzeitig für Frauenrechte, Demokratie und die Rechte der Kurden in der Türkei ein. Beispiele dafür sind Sebahat Tuncel und AyselTugluk.
Die Kurden leben seit Jahrhunderten in Syrien, insbesondere in der Provinz Hasaka. Seit dem 19. Jahrhundert siedelten sie sich zudem in Städten wie Qamischli, Amuda und Afrin an. Viele Kurden lebten und leben auch in den Großstädten Damaskus und Aleppo. Im Jahr 2016 lag die geschätzte Zahl der Kurden in Syrien bei etwa 1,5 Millionen36
Der syrische Teil Kurdistans wird als Rojava bezeichnet. Dort gründeten Kurden politische Parteien, wie beispielsweise die DPDKS, die jedoch später von der syrischen Regierung verboten wurden. Zudem verfügten sie über eigene militärische Strukturen. Gleichzeitig wurden viele Kurden, die in diesen Gebieten lebten, von staatlicher Seite als „illegal" eingestuft37
Die kurdische Bevölkerung war in Syrien vielfältigen Formen der Diskriminierung ausgesetzt. So wurde ihnen untersagt, ihre Sprache und Kultur frei auszuüben. Kurdische Ortsnamen wurden arabisiert, eigene Schulen waren nicht erlaubt, und auch die öffentliche Nutzung der kurdischen Sprache wurde eingeschränkt. Darüber hinaus waren Kurden politisch benachteiligt und hatten kaum Mitspracherechte bei Wahlen.38
Seit den 1980er Jahren war auch die PKK in Syrien aktiv und versuchte, Einfluss in kurdischen Gebieten zu gewinnen. Dabei kam es jedoch auch zu problematischen Entwicklungen, etwa durch Zwangsrekrutierungen. Berichten zufolge wurden Menschen, darunter auch Frauen, teilweise gegen ihren Willen in die Organisation eingebunden und in bewaffnete Auseinandersetzungen hineingezogen.
In den 1990er Jahren schloss Syrien ein Abkommen mit der Türkei, um gemeinsam gegen die PKK vorzugehen, woraufhin Abdullah Öcalan das Land verlassen musste. Als Baschar al-Assad an die Macht kam, entstand zunächst Hoffnung auf Verbesserungen für die Kurden. Diese erfüllte sich jedoch nicht, da es weiterhin zu Unterdrückung, Verhaftungen und Folter kam.
Mit dem Ausbruch des syrischen Bürgerkriegs im Jahr 2011 zog sich die syrische Armee aus vielen kurdischen Gebieten zurück. Dadurch konnten die Kurden die Kontrolle über diese Regionen übernehmen. In der Folge entstand ab 2014 eine Form der Selbstverwaltung in Gebieten wie Afrin, Kobane und Cizire. Militärisch wurden diese Strukturen insbesondere von der YPG unterstützt.Die kurdischen Kräfte stellten eine wichtige militärische Kraft im Kampf gegen den IS dar.39
Nach dem Sturz von Baschar al-Assad übernahmen neue politische Akteure die Macht, darunterauch Gruppen mit islamistischem Hintergrund wie Hay'atTahriral-Sham (HTS). Diese Entwicklung führte zu großer Unsicherheit, insbesondere für Frauen und Minderheiten. In der Vergangenheit waren Frauen, darunter viele Kurdinnen, Opfer von Entführungen, Gewalt und Tötungen durch extremistische Gruppen.40
Ein bekanntes Beispiel ist Hevrin Khalaf, eine Politikerin der „Future Syria Party", die sich für Frieden, Gerechtigkeit und gegen militärische Interventionen einsetzte. Im Jahr 2019 wurde sie im Kontext militärischer Auseinandersetzungen getötet. Ihr Tod steht exemplarisch für die Gefahren, denen politisch aktive Frauen in der Region ausgesetzt sind.41
Auch andere Minderheiten, wie beispielsweise Jesidinnen, waren von Gewalt betroffen. In von islamistischen Gruppen kontrollierten Gebieten sind Frauenrechte stark eingeschränkt. Es kommt weiterhin zu Berichten über Entführungen, Gewalt und gezielte Angriffe auf Frauen sowie auf ethnische und religiöse Minderheiten.
Insgesamt zeigt sich, dass die Autonomiebewegung in Syrien eng mit Fragen von politischer Selbstbestimmung, ethnischer Identität und insbesondere auch mit den Rechten und der Rolle von Frauen in der Gesellschaft verbunden ist.42
Die kurdische Region im Irak stand nach dem Ersten Weltkrieg unter dem Einfluss Großbritanniens und Frankreichs. In dieser Zeit wurde dem kurdischen Volk, insbesondere in der Region um Mosul, eine eigene Regierung innerhalb des Iraks in Aussicht gestellt43
Der Anführer der Region war Mahmud, der jedoch unter britischer Kontrolle stand.44 Trotz der zuvor gemachten Versprechen entschieden die britischen Behörden, die Stadt Mosul nicht den Kurden zu überlassen, da sie aufgrund ihrer reichen Ölreserven von großer wirtschaftlicher Bedeutung war45
Dennoch versprachen sowohl die britische als auch die irakische Regierung den Kurden erneut eine eigene Verwaltung innerhalb der Grenzen des Iraks. Diese Zusagen führten dazu, dass die Kurden erneut Hoffnung auf politische Selbstbestimmung entwickelten.
Wie in vielen anderen Staaten verfügten die Kurden im Irak zunächst nur über sehr eingeschränkte Rechte. Ihnen wurden lediglich begrenzte kulturelle Freiheiten zugestanden, wie etwa die teilweise Nutzung der kurdischen Sprache im schulischen Kontext oder die Existenz einzelner kurdischer Organisationen46
Die traditionellen Stammesführer, die sogenannten Aghas, durften ihre lokale Macht weitgehend behalten, da sie den irakischen Staat beispielsweise bei der Rechtsprechung und beim Einzug von Steuern unterstützten47
Eine zentrale Figur im kurdischen Kampf um Selbstbestimmung war Mustafa Molla
Barzani. Als einflussreicher Stammesführer setzte er sich für die Schaffung eines autonomen kurdischen Verwaltungsgebiets ein. [48] Aufgrund seiner großen militärischen und politischen Bedeutung war die irakische Regierung gezwungen, mit ihm zu verhandeln. Seine Forderungen nach mehr Selbstbestimmung wurden jedoch abgelehnt.48 49
Barzani gelang es, eine große Anzahl von Anhängern und Kämpfern zu mobilisieren, was ihn zu einer der bedeutendsten
Führungspersönlichkeiten der kurdischen Bewegung machte).50 Allerdings waren nicht alle Kurden mit seiner Politik einverstanden. Während einige eine modernere politische Ausrichtung bevorzugten, vertrat Barzani eher traditionelle Strukturen.51
Er gründete die Demokratische Partei Kurdistans (KDP), die eine zentrale Rolle im politischen Kampf der Kurden spielte .52 Zeitweise arbeitete die kurdische Bewegung mit der irakischen Regierung zusammen, unter anderem im Kontext des Kampfes gegen panarabische Strömungen. Dennoch kam es immer wieder zu erneuten Benachteiligungen der Kurden.53
Der irakische Staatsführer Abd al-Karim Qasim verfolgte das Ziel, die Kurden in den Staat zu integrieren, ohne ihnen jedoch Autonomie zu gewähren.54 In der Folge kam es zu innerkurdischen Konflikten, insbesondere zwischen den Führungspersönlichkeiten Barzani und Talabani, was die Situation zusätzlich verschärfte.
Zwar wurden wiederholt Pläne zur Schaffung einer autonomen kurdischen Region entwickelt, diese scheiterten jedoch immer wieder, unter anderem durch das Eingreifen des irakischen Militärs. Dies führte dazu, dass viele Kurden das Vertrauen in politische Zusagen verloren.55 Schließlich eskalierte die Situation in bewaffnete Konflikte, wodurch die Frage nach Autonomie vorerst scheiterte.
Ein besonders prägendes Ereignis für die kurdische Bevölkerung war der Giftgasangriff auf die Stadt Halabja unter Saddam Hussein. Dabei wurden etwa 5.000 Menschen, darunter viele Frauen und Kinder, getöte..56 Insgesamt wird die Zahl der Opfer kurdischer Verfolgung in dieser Zeit auf etwa 150.000 bis 200.000 Menschen geschätzt.57
Im Jahr 1991 gelang es den Kurden schließlich, die Kontrolle über Teile Kurdistans zu übernehmen und sich vom Regime Saddam Husseins zu lösen. Sie errichteten eine eigene Verwaltung und konnten mit internationaler Unterstützung, etwa durch Flugverbotszonen und eine gewisse Autonomie sichern58
Allerdings kam es in der Folge zu innerkurdischen Konflikten, insbesondere zwischen den politischen Lagern von Barzani und Talabani. Diese Spannungen bestehen teilweise bis heute. Dennoch entwickelte sich in der Region eine autonome Struktur mit eigener Regierung, Sicherheitskräften (Peschmerga), Polizei, Bildungssystem und außenpolitischen Beziehungen.
Kurdische Frauen spielen in diesem Kontext eine bedeutende Rolle. Sie beteiligen sich aktiv am Schutz der Region und kämpfen unter anderem in den Reihen der Peschmerga. Ihr Engagement ist eng mit dem Ziel verbunden, die erreichte Autonomie zu verteidigen und zukünftige Bedrohungen abzuwehren.
Der Slogan „Jin, Jiyan, Azadi" („Frau, Leben, Freiheit") steht symbolisch für den Kampf kurdischer Frauen. Viele von ihnen engagieren sich nicht nur militärisch, sondern auch politisch und gesellschaftlich, insbesondere gegen Unterdrückung und für Gleichberechtigung.
Gleichzeitig ist die Region weiterhin von Konflikten geprägt. Es kommt immer wieder zu Angriffen, unter anderem durch das iranische Regime auf kurdische Stellungen und Flüchtlingslager, bei denen auch Zivilisten betroffen sind. Viele Menschen leben daher weiterhin in ständiger Unsicherheit. Auch Spannungen mit der Türkei stellen eine anhaltende Herausforderung dar.
2.1.1 Situation in der Türkei und Syrien
Nach Assads Sturz jubelten und feierten die Kurden in Syrien. Denn sie hatten Hoffnung, endlich von Unterdrückung, Mord und Entführung befreit zu sein, nachdem Ahmad al Sharaa an die Macht gekommen ist.59
Erstmal geschah nichts, denn die neue Regierung wollte ihr Bild nicht ruinieren und sich erst einmal „gut" bei den Menschen darstellen.
Der neue Präsident hatte eigentlich ein Friedensabkommen zwischen Kurden und Arabern in Syrien mit den Kurden vereinbart. Doch diese Vereinbarung hatte keine Bedeutung und sollte dazu dienen, ihr wahres Gesicht zu zeigen.
Wie die Historik zeigt, leben tausende Kurden in der Stadt Aleppo. 13 Monate nach der neuen Regierung begannen sie, diese Menschen brutal aus der Stadt zu vertreiben. Auch als sie versuchten zu fliehen, wurde auf sie geschossen und sie waren gezwungen zurückzugehen. Zu fliehen ist keine Lösung, aber zu bleiben ist ebenfalls keine Lösung.
Die Stadtviertel, in denen die Kurden leben, werden von der kurdischen Organisation YPG sowie der SDF (Syrische Demokratische Kräfte) dominiert. Dies wollte die neue Regierung nicht, deswegen kämpften sie gegen die Kurden.60 61 Gegen unschuldige Menschen: Kinder, Frauen, Männer und ältere Leute, die keine Macht haben.
Brutale Videos gingen herum, in denen Kinder geschlagen und ermordet wurden. Es wurde auf Videos gezeigt, wie Befehle gegeben wurden wie: „Tötet alle Kurden, von klein bis groß, egal wie alt die Kinder sind. Auch wenn das Kind einen Tag alt ist, tötet alle."
Sie taten dies ohne Scham und Mitgefühl und filmten sich dabei mit Stolz. Die Kurden werden von diesen Menschen als eine Gesellschaft von Geistern bezeichnet. Sie seien keine Menschen.
Es gibt sehr viele Frauen, die in diesen Organisationen kämpfen. Vertreter in Damaskus schütteln nicht einmal die Hände von Frauen bei organisatorischen Treffen und betrachten sie kritisch.
Das Problem ist, dass jedes Mal, wenn es zu einem Friedensabkommen zwischen Kurden und Syrern kommen soll, dies von derTürkei verhindert wird. “Solange die Kurden nicht in die staatliche Ordnung eingegliedert werden, geben die SDF und YPG ihre Waffen nicht ab, um ihren Sonderstatus zu bewahren.
Der geflochtene Zopf einer Frau ist zu einem bedeutenden Symbol für die Kurden geworden, da er den Widerstand und die Stärke der Frauen repräsentiert. Besonders nach dem tragischen Vorfall, bei dem eine Frau von der syrischen Regierung und der IS-Miliz gefangen genommen wurde und ihr geflochtener Zopf abgeschnitten wurde, hat sich dieses Symbol weltweit verbreitet.
Das Video dieses Vorfalls löste eine Welle der Solidarität aus, und es entstanden zahlreiche geflochtene Zöpfe als Zeichen des Widerstands. In vielen Protesten, auch in Deutschland, flechten Frauen ihre Zöpfe, um zu zeigen, dass sie sich nicht unterkriegen lassen und die Stärke der kurdischen Frauen würdigen.
Nachdem viele unschuldige Menschen gestorben sind, durften die Geflüchteten wieder in ihre Häuser zurückkehren. Die SDF haben ein Waffenstillstandsabkommen mit der syrischen Regierung vereinbart und sich aus den Gebieten zurückgezogen. Nun hat die syrische Regierung die Kontrolle über diese Gebiete übernommen.
Ein wichtiges Ereignis ist, dass sich Gefängnisse in den kurdischen Gebieten Syriens befanden, in denen IS-Mitglieder inhaftiert waren. Nachdem die syrische Regierung die Kontrolle über diese Gefängnisse übernommen hat, konnten viele IS- Mitglieder fliehen
In der Türkei leben etwa 15 bis 20 Millionen Kurdinnen und Kurden, hauptsächlich im östlichen Teil des Landes. Sie bilden eine ethnische, sprachliche und kulturelle Vielfalt. Diese Vielfalt wird jedoch nicht immer als Bereicherung wahrgenommen. Stattdessen hat der türkische Staat die kurdische Bevölkerung seit Jahrzehnten systematisch marginalisiert und ihre Sprache sowie Kultur unterdrückt.
Ein aktuelles Beispiel für staatliche Eingriffe ist die Praxis der sogenannten „Zwangsverwalter" (Kayyum), die seit 2015 eingesetzt werden. Dabei greift der Staat in die Verwaltung von Städten ein, besonders in solchen mit vielen kurdischen Einwohnern. Die vom Volk gewählten Bürgermeister werden abgesetzt, obwohl sie demokratisch gewählt wurden, und durch staatlich bestimmte Verwalter ersetzt, zum Beispiel in Städten wie Bartin und Mardin.
Diese Praxis wird als problematisch angesehen, da die Bevölkerung ihre selbst gewählten Vertreter verliert. Dadurch verlieren Wahlen an Bedeutung und die Demokratie wird geschwächt. Die Menschen können weniger mitentscheiden, und die kurdische Identität sowie die Selbstbestimmung werden eingeschränkt. Viele fühlen sich nicht mehr vertreten.
Auch im Alltag hat dies Auswirkungen: Öffentliche Dienste wie Schulen, Krankenhäuser und die Infrastruktur können schlechter funktionieren, und die Verwaltung arbeitet oft weniger effizient. Kritiker betonen, dass es sich dabei nicht nur um eine Verwaltungsmaßnahme handelt, sondern um eine systematische Entmachtung der kurdischen Bevölkerung. Wer dagegen protestiert oder sich widersetzt, riskiert Verhaftung und Repressionen.
Innerhalb der kurdischen Freiheitsbewegung spielen Frauenrechte und der Kampf gegen patriarchale Strukturen eine zentrale Rolle. Frauen sind dabei nicht nur Opfer, sondern auch aktive Kämpferinnen gegen Ungerechtigkeit. Gerade deshalb ist die kurdische Frauenbewegung besonders starken Repressionen durch die türkische Regierung ausgesetzt, die sie als Bedrohung ihrer autoritären und patriarchalen Machtstrukturen sieht.Dies zeigte sich unter anderem durch die willkürliche Festnahme von Aktivistinnen der kurdischen Frauenbewegung im Vorfeld der Kommunalwahlen. Ziel dieser Maßnahmen ist es, den wachsenden Einfluss und die Selbstbestimmung kurdischer Frauen zu unterdrücken.
Die eingeladenen Referentinnen berichten zudem über die aktuelle Situation von Frauen in der Türkei und in Kurdistan. Dabei thematisieren sie die systematische staatliche Gewalt gegen kurdische Frauen sowie die Folgen des Austritts der Türkei aus der Istanbul Konvention. Dieser Austritt hat den Schutz von Frauen vor häuslicher Gewalt deutlich geschwächt und zu einem Anstieg von Feminiziden beigetragen.
Außerdem werden die Auswirkungen der erzwungenen Migration der 1990er Jahre sowie die Ereignisse von 2016 behandelt, da sie das Leben kurdischer Frauen nachhaltig verändert und zu größerer Unsicherheit geführt haben.62
3 Fazit
Die Ergebnisse dieser Arbeit unterstreichen die wichtige Rolle, die kurdische Frauen sowohl in Syrien als auch in der Türkei in der Emanzipations und Machtpolitik gespielt haben. Bereits vor den großen Umbrüchen waren sie einer doppelten Unterdrückung ausgesetzt: einerseits durch staatliche Assimilationspolitik und andererseits durch tief verwurzelte patriarchale Stammesstrukturen. Dennoch bildeten sich bereits früh Frauenbewegungen, die begannen, diese Strukturen sowohl im privaten als auch im öffentlichen Raum herauszufordern.
Kurdische Frauen haben in den letzten Jahrzehnten eine bemerkenswerte Rolle als Akteurinnen des gesellschaftlichen und politischen Wandels eingenommen. Ihr Einfluss ist dabei eng mit der Ideologie des Leitspruchs „Jin Jiyan Azadi" (Frau, Leben, Freiheit) verknüpft, derweltweit bekannt ist.
In Syrien, insbesondere in Rojava, haben kurdische Frauen eine gesellschaftliche Umstellung vorangetrieben, die weltweit Beachtung findet. Die Gründung der Frauenverteidigungseinheiten war entscheidend im Kampf gegen den IS. Das zeigt, dass sie nicht nur für ihre eigenen Interessen kämpfen, sondern für die ganze Welt, da diese von solchen militärischen Kräften bedroht ist.
Auch haben die Frauen dafür gesorgt, dass politische Ämter und Institutionen nach dem Prinzip der Doppelspitze aus einem Mann und einer Frau besetzt werden müssen, was die männliche Dominanz in der Verwaltung strukturell gebrochen hat.
Jineoloji, das eine von der kurdischen Bewegung entwickelte Wissenschaft der Frau bezeichnet, setzt sich mit der Rolle der Frau in Geschichte, Gesellschaft und Politik auseinander und verfolgt das Ziel, patriarchale Strukturen zu überwinden. Dies wird in Akademien gelehrt, um patriarchale Denkmuster zu hinterfragen und alternative Gesellschaftsmodelle zu entwerfen. Durch Jineoloji wurde die Idee gestärkt, dass Frauen gleichberechtigt an Macht beteiligt sein müssen.
In der Türkei findet der Einfluss kurdischer Frauen auf politischer und gesellschaftlicher Ebene statt, oft unter staatlichem Druck. In Städten mit kurdischen Bürgermeistern wurden Frauenberatungszentren und Kooperativen gegründet, die Frauen wirtschaftliche Unabhängigkeit ermöglichen sollen. Diese Veränderungen verlaufen nicht ohne Reibung. In beiden Ländern sind Aktivistinnen häufig Ziel von Repressionen oder kriegerischen Auseinandersetzungen, was zeigt, wie sehr ihre Arbeit den Status quo herausfordert.
Für die künftige Rolle kurdischer Frauen in den Autonomiebewegungen lässt sich nur eine vorsichtige Prognose treffen. Es ist davon auszugehen, dass die erreichten emanzipatorischen Strukturen ,wie das System der Doppelspitze und die Frauenräte, kurzfristig unter starkem Druck bleiben werden, solange die geopolitischen Konflikte in der Region anhalten.
Damit komme ich zurück auf meine ursprüngliche Fragestellung: Inwiefern inspiriert mich die Rolle als kurdische Frau dazu, selbst in Zukunft politisch aktiv zu werden, um als Frau für die Rechte der Kurden zu kämpfen, die uns seit Jahrtausenden weggenommen wurden.
Diese Entwicklungen inspirieren mich zutiefst. Sie geben mir die Kraft, selbst politisch aktiv zu werden. Seit meiner Kindheit spüre ich diesen Drang, für unsere Rechte zu kämpfen ,Rechte, die uns seit Jahrzehnten genommen wurden. Ich möchte weiterhin für unsere Rechte kämpfen, weil die Welt uns zwar sieht, aber zu oft schweigt. Jeder
Mensch hat das Recht auf sein eigenes Land, auf eigene Institutionen. Wir sind mittlerweile eine Bevölkerung von über 80 Millionen Menschen weltweit. Wer tatenlos zusieht, wie unsere Kinder sterben, wie unsere Frauen und unsere gesamte Gesellschaft leidet, der macht sich indirekt mitschuldig am Mord. Ich will klar zeigen, dass das nicht geht, dass wir das Recht auf unser Leben, unsere Würde und unsere Zukunft haben.
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[Hinweis: Die Abbildungen sind aus urheberrechtlichen Gründen nicht im Lieferumfang enthalten.]
[...]
1 http://www.kurdistan.de/chronologie_der_kurdischen_geschichte.htm
2 Handan Caglayan:Woman in Kurdish Movement,Seite 44,Z.4-9
3 Handan Caglayan:Woman in Kurdish Movement,Seite 46
4 Handan Caglayan:Woman in Kurdish Movement,Seite 48,Z.l-3
5 Handan Caglayan:Woman in Kurdish Movement,Seite 48,Z.l4-l6
6 Handan Caglayan:Woman in Kurdish Movement,Seite 49,Z.3-5
7 Handan Caglayan:Woman in Kurdish Movement,Seite 50,Z.l0,ll
8 Handan Caglayan:Woman in Kurdish Movement,Seite 50,Z.27-29
9 Anja Flach:Geschichte der Kurdischen Frauenbewegung,Youtube-Video
10 Handan Caglayan:Woman in Kurdish Movement,Seite 62,Z.4-7
11 Handan Caglayan:Woman in Kurdish Movement,Seite 64,Z.22,23
12 Handan Caglayan:Woman in Kurdish Movement,Seite 64,Z.30-32
13 Handan Caglayan:Woman in Kurdish Movement,Seite 36,Z.7-11
14 Handan Caglayan:Woman in Kurdish Movement,Seite 37,Z.1,2
15 Handan Caglayan:Woman in Kurdish Movement,Seite 37,Z.12,13
16 Handan Caglayan:Woman in Kurdish Movement,Seite 38,Z.29-32
17 https://migrare.at/wp-art/wp-content/uploads/2025/05/Leyla-Qasim.pdf
18 https://migrare.at/wp-art/wp-content/uploads/2025/05/Leyla-Qasim.pdf
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27 https://www.iz3w.org/artikel/starosta-frauenverteidigungseinheiten-ypj-rojava-patriarchal
28 Euronews Deutsch:Diese Kurdische Frauen kämpfen gegen die IS-Terroristen:Youtube-video
29 https://www.ecoi.net/de/dokument/1453739.html
30 https://www.reuters.com/world/middle-east/what-is-syrian-kurdish-ypg-2023-10-05/
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32 Euronews Deutsch:Diese Kurdischen Frauen kämpfen gegen IS-Terroristen,Youtube-Video,Minute 1:251:30
33 https://www.dw.com/de/deutschland-und-die-kurden/a-50760465
34 Galileo:Ein selbstloser Kampf um die Gleichberechtigung:Frauen an der Front:Youtube-Video
35 Jürgen Gottschlich : https://taz.de/Autonomiebestrebungen-in-Kurdistan/15129586/
36 Vgl. Martin Strohmeier,Lale Yalgin-Heckmann:Die Kurden,Geschichte,Politik,Kultur,2025,Seite 179,Z.17,18
37 Vgl. Martin Strohmeier,Lale Yalgin-Heckmann:Die Kurden,Geschichte,Politik,Kultur,2025,Seite182,Z.9,10
38 Vgl. Martin Strohmeier,Lale Yalgin-Heckmann:Die Kurden,Geschichte,Politik,Kultur,2025,Seite 181-183
39 Martin Strohmeier,Lale Yalgin-Heckmann:Die Kurden,Geschichte,Politik,Kultur,2025
40 https://budrich-journals.de/index.php/feminapolitica/article/download/45960/39352/48436
41 https://en.gariwo.net/righteous/civil-courage/hevrin-khalaf-21328.html
42 https://budrich-journals.de/index.php/feminapolitica/article/download/45960/39352/48436
43 Vgl. Martin Strohmeier,Lale Yalgin-Heckmann:Die Kurden,Geschichte,Politik,Kultur,2025,Seite 128,Z.28-31
44 Vgl. Martin Strohmeier,Lale Yalgin-Heckmann:Die Kurden,Geschichte,Politik,Kultur,2025,Seite 129,Z.12,13
45 Vgl. Martin Strohmeier,Lale Yalgin-Heckmann:Die Kurden,Geschichte,Politik,Kultur,2025,Seite 130,Z.24-26
46 Vgl. Martin Strohmeier,Lale Yalgin-Heckmann:Die Kurden,Geschichte,Politik,Kultur,2025,Seite 33-36
47 Vgl. Martin Strohmeier,Lale Yalgin-Heckmann:Die Kurden,Geschichte,Politik,Kultur,2025,Seite 33-36
48 Vgl. Martin Strohmeier,Lale Yalgin-Heckmann:Die Kurden,Geschichte,Politik,Kultur,2025,Seite 136
49 Vgl. Martin Strohmeier,Lale Yalgin-Heckmann:Die Kurden,Geschichte,Politik,Kultur,2025,Seite 137,Z.6- 8
50 Vgl. Martin Strohmeier,Lale Yalgin-Heckmann:Die Kurden,Geschichte,Politik,Kultur,2025,Seite 137
51 Vgl. Martin Strohmeier,Lale Yalgin-Heckmann:Die Kurden,Geschichte,Politik,Kultur,2025,Seite 137,Z.13-16
52 Vgl. Martin Strohmeier,Lale Yalgin-Heckmann:Die Kurden,Geschichte,Politik,Kultur,2025,Seite 137,Z17- 20
53 Vgl. Martin Strohmeier,Lale Yalgin-Heckmann:Die Kurden,Geschichte,Politik,Kultur,2025,Seite 138,Z.18-20
54 Vgl. Martin Strohmeier,Lale Yalgin-Heckmann:Die Kurden,Geschichte,Politik,Kultur,2025,Seite 139,Z.23,24
55 Vgl. Martin Strohmeier,Lale Yalgin-Heckmann:Die Kurden,Geschichte,Politik,Kultur,2025,Seite 141,Z30- 32
56 Vgl. Martin Strohmeier,Lale Yalgin-Heckmann:Die Kurden,Geschichte,Politik,Kultur,2025,Seite 145,Z.4
57 Vgl. Martin Strohmeier,Lale Yalgin-Heckmann:Die Kurden,Geschichte,Politik,Kultur,2025,Seite 145,Z.16,17
58 https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/33467/kurdistan-zwischen-autonomie-und- selbstverantwortung/
59 https://www.n-tv.de/politik/lst-Syriens-dunkle-Aera-vorbei-id30108063.html
60 https://www.tagesschau.de/ausland/asien/syrien-kaempfe-hintergrund-100.html
61 Newruz ahmad,Generalin:https://www.tagesschau.de/ausland/asien/syrien-kaempfe-hintergrund- 100.html
62 Tagesspiegel:ln der Türkei verfolgt,von Deutschland abgelehnt:Die aktuelle Lage der Kurden in der Türkei https://ceni-frauen.org/erklaerungen/frauenbewegung-in-der-tuerkei-unter-druck/
- Arbeit zitieren
- Nadima Bakr (Autor:in), 2026, Zwischen Emanzipation und Machtpolitik. Die Rolle kurdischer Frauen in politischen Bewegungen im Kontext der kurdischen Autonomiebewegungen in Syrien und der Türkei, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1738244