Die Zeit nach Christus bietet ein großes Angebot an Kulten, eine nicht zu unterschätzende Verbreitung erfuhren erneut orientalische Religionen. Der Kult des Iupiter Dolichenus ist eine von ihnen und die Gottheit konnte von ihrer syrischen Heimat bis nach Britannien und Afrika Anhänger finden. Neben dieser Leistung fasziniert aus heutiger Perspektive vor allem die Unergründlichkeit: Die Inhalte des Kultes sind uns aufgrund fehlender literarischer Quellen unbekannt und die archäologischen Überreste bieten somit Raum für Ausdeutungen. Ein Aspekt für die Anhänger dürfte gewesen sein, dass er sich den Menschen nahe zeigte als die römischen Götter, vielleicht auch emotionaler. An dem „Himmelsgott auf dem Stier“ zeigen sich aus unserer Rückschau zudem zwei Pole: Auf der einen Seite der erfolgreiche lokale Wettergott, der schließlich auch in Rom als Beschützer des Erdkreises verehrt wurde und auf der anderen Seite ein Gott, dessen Kult plötzlich verschwand und von dem weder römische noch christliche Autoren Notiz nahmen.
Diese Arbeit wirft einen Blick auf Funde des Kultes in den germanischen Provinzen. Interessant für die Beschäftigung mit Iupiter Dolichenus ist dieses Gebiet deshalb, da sich an den nördlichen Militärgrenzen des Reiches die Hauptstätten der Funde befinden. Hier wurde ein Gott verehrt, der fern seiner Heimat war, ebenso versahen hier Armeeangehörige ihren Dienst jenseits ihrer lokalen Bindungen. Kann dies als verbindendes Element fungiert haben? Monika Hörig sieht zudem eine „nicht unbeträchtliche Attraktivität auf die im Bereich der Garnisonen ansässige Bevölkerung.“ Inwieweit kann für die germanischen Provinzen davon ausgegangen werden, dass die zivile Bevölkerung der Provinzen den Kult angenommen hat? Und schließlich: Welche Rolle spielten die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen bei Ausbreitung und Praktizierung des Kultes und was führte zu seinem Ende?
Im Folgenden werden die Erkenntnisse der Forschung zum Kult und seinen Anhängern knapp skizziert. Danach werden die Funde der Provinzen Germania Superior und Inferior betrachtet, wobei die Gültigkeit des Forschungsstandes für diese spezifische Region geprüft wird. Abschließend wird versucht, der Zusammensetzung und Motivation der Anhängerschaft in diesen Provinzen näher zu kommen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I Jupiter Dolichenus
Ursprung, Verbreitung und Ende des Kultes
Darstellung
Kult
Anhängerschaft
II Germanische Provinzen
Germania Superior
Fundorte
Funde
Germania Inferior
Gegenüberstellung der Provinzen
III Folgerungen
Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Verbreitung und Ausübung des Kultes des Iupiter Dolichenus in den germanischen Provinzen des Römischen Reiches anhand archäologischer Denkmäler. Dabei steht die Frage im Zentrum, welche sozialen Gruppen den Kult trugen, wie sich die militärische Präsenz auf die Etablierung des orientalischen Gottes auswirkte und welche Faktoren letztlich zu dessen Verschwinden führten.
- Analyse des Kultes des Iupiter Dolichenus im römischen Germanien
- Untersuchung der Zusammensetzung und Motivation der Anhängerschaft
- Vergleich zwischen den Provinzen Germania Superior und Germania Inferior
- Rolle der römischen Armee bei der Verbreitung orientalischer Kulte
- Einfluss der severischen Kaiserzeit auf die Monumentalisierung des Kultes
Auszug aus dem Buch
I Jupiter Dolichenus
Bei Iupiter Dolichenus handelt es sich um eine ursprünglich lokale Gottheit, die in der kommagenischen Stadt Doliche, dem heutigen Dülük, und ihrer Umgebung verehrt worden ist. Nach der Eingliederung des kommagenischen Königreichs in die römische Provinz Syria 72 v. Chr. kamen römische Soldaten, Händler und Reisende in das Land und wohl auch mit dem Kult des Jupiter Dolichenus in Berührung. „[D]ie Integration der Stadt in das Imperium Romanum und dessen Lage an strategisch und handelspolitisch wichtigen Verkehrswegen“ begünstigte die schnelle Verbreitung des Kultes in andere Gebiete des Römischen Reiches: Ab dem frühen 2. Jahrhundert finden sich Denkmäler dieser orientalischen Religion in anderen Gebieten des Römischen Reichs. Das Ende der Verehrung des Gottes fällt mit der Eroberung Doliches durch die Sassaniden 253 oder 256 zusammen. Ob dabei das Heiligtum tatsächlich zerstört worden ist und in wieweit ein kausaler Zusammenhang zwischen den beiden Ereignissen besteht, konnte durch die aktuellen archäologischen Ausgrabungen noch nicht ermittelt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Der Autor führt in die pragmatische Natur der römischen Religion ein und stellt den Kult des Iupiter Dolichenus als populäre orientalische Strömung vor, deren archäologische Spuren den Ausgangspunkt der Untersuchung bilden.
I Jupiter Dolichenus: Dieses Kapitel skizziert Ursprung, Ikonografie und Kultpraxis der Gottheit sowie die Vielfalt ihrer Anhängerschaft, wobei der Wandel vom lokalen Wettergott zur römisch assoziierten Gottheit beleuchtet wird.
II Germanische Provinzen: Hier werden die spezifischen Befunde aus den Provinzen Germania Superior und Germania Inferior sowie deren militärische Fundkontexte detailliert analysiert und gegenübergestellt.
III Folgerungen: Der Autor zieht Bilanz über die Trägerschichten des Kultes, betont die starke Rolle des Militärs und setzt das Ende der Verehrung in den Kontext der instabilen politischen Lage und des schwindenden kaiserlichen Wohlwollens.
Schluss: Zusammenfassend wird konstatiert, dass der Kult des Iupiter Dolichenus in den germanischen Provinzen maßgeblich von einer friedlichen severischen Ära abhing und durch feindliche Einfälle sowie die pragmatische römische Haltung gegenüber „erfolglosen“ Göttern ein Ende fand.
Schlüsselwörter
Iupiter Dolichenus, Germanische Provinzen, Römische Religion, Militärgrenzen, Archäologische Funde, Orientalische Kulte, Germania Superior, Germania Inferior, Severische Zeit, Sakrale Denkmäler, Kultverbreitung, Kommagenische Gottheit, Limes, Antike Religion, Religionsgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Verbreitung und Verehrung des orientalischen Gottes Iupiter Dolichenus in den römischen Provinzen Germania Superior und Germania Inferior auf Basis erhaltener archäologischer Denkmäler.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die soziale Zusammensetzung der Anhängerschaft, die Rolle des römischen Militärs bei der Kultausbreitung, die ikonografische Anpassung des Gottes an den römischen Iupiter sowie die Gründe für das Verschwinden des Kultes.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist eine Rekonstruktion der Kultpraktiken und Anhängerschaft in den germanischen Provinzen, um zu verstehen, wie und warum sich dieser orientalische Kult in dieser spezifischen Region festsetzen konnte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine historisch-archäologische Methodik, indem er Inschriften, Votivgaben und Tempelstrukturen systematisch auswertet und mit dem aktuellen Forschungsstand abgleicht.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine allgemeine Vorstellung des Kultes, eine detaillierte regionale Analyse der Fundorte und Funde in den beiden Germanien sowie einen abschließenden Vergleich zwischen diesen Gebieten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Begriffe wie Iupiter Dolichenus, germanische Provinzen, Limes, militärische Stifter, severische Zeit und orientalische Religionen stehen im Zentrum der terminologischen Auseinandersetzung.
Warum spielt das Militär eine so zentrale Rolle bei der Verbreitung des Kultes?
Die Arbeit legt dar, dass die Mehrheit der Funde aus militärischen Kontexten wie Kastellen stammt, was darauf hindeutet, dass Soldaten und die im Umfeld der Garnisonen ansässige Bevölkerung die Hauptträger des Glaubens waren.
Welchen Einfluss hatten die severischen Kaiser auf den Kult?
Der Autor stellt fest, dass die meisten datierbaren Funde in die severische Herrschaftszeit fallen, was auf eine besondere kaiserliche Förderung oder ein günstiges politisches Klima für diesen Kult in jener Phase hindeutet.
Wie lässt sich das Ende des Kultes erklären?
Das Ende des Kultes wird auf eine Kombination aus feindlichen Einfällen in die Grenzgebiete, der schwindenden Unterstützung durch das severische Kaiserhaus und der pragmatischen römischen Religionsauffassung zurückgeführt, in der ein Gott bei ausbleibendem Erfolg an Relevanz verlor.
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- Silvio Schwartz (Author), 2007, Die Anhängerschaft des Iupiter Dolichenus in den germanischen Provinzen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/173805