Die Überlebenswahrscheinlichkeit und neurologische Prognose von Patienten mit plötzlichem Herztod außerhalb von Krankenhäusern ist in hohem Maße abhängig von der Zeitspanne, in der Augenzeugen mit der Reanimation beginnen, wobei Laien-Helfer eine entscheidende Rolle spielen. In Deutschland liegt die Ersthelfer-Reanimations-Quote allerdings nur bei ca. 20%. Als Grund hierfür ist vor allem die Tatsache zu nennen, dass Kreislaufstillstände nicht sicher erkannt werden und in der Folge Patienten mit Kreislaufstillstand oft (kontraindiziert) in die stabile Seitenlage gebracht werden. Die stabile Seitenlage wird vor allem von denjenigen Laienhelfern überdurchschnittlich oft angewendet, die innerhalb der letzten 3 Monate einen Erste Hilfe Kurs besucht haben. Es erscheint daher sinnvoll, die Qualität von Erste Hilfe Kursen zu untersuchen und nach Gründen für die geringe Ersthelfer-Reanimations-Quote innerhalb der Ausbildung zu suchen.
Ziel der Arbeit ist die Konzeption eines Analyseinstruments für die Erfassung der Qualität von Erste Hilfe Kursen mit Hilfe der internationalen Literatur. Das Analyseinstrument soll dann auf seine Praxistauglichkeit getestet werden, indem es von einem beobachtenden Teilnehmer angewendet wird. Dabei sollen Erste Hilfe Kurse verschiedener Anbieter (DRK, Johanniter Unfallhilfe, Malteser Hilfsdienst sowie private Anbieter) qualitativ verglichen werden. Besonderes Augenmerk soll dabei den Lebensrettende Sofortmaßnahme Kursen (sogenannte "Führerscheinkurse") gebühren, da mit diesen Kursen ein breiter Bevölkerungsquerschnitt angesprochen wird. Ggf. wird zusätzlich eine etablierte Testmethode zur Überprüfung des Wissenszuwachses bei den Teilnehmern der sogenannten Führerscheinkurse angewendet.
Inhaltsverzeichnis
Zusammenfassung
1. Einleitung
1.1 Stabile Seitenlage vs. Cardiopulmonale Reanimation
1.2 Erste Hilfe-Kurse für Laien
1.3 Zielstellung
2. Methoden
2.1 Evaluationsbogen
2.2 Auswahl der Erste Hilfe-Kurse
2.3 Richtlinien
3. Ergebnisse
3.1 Evaluationsbogen
3.2 Praxistauglichkeit des Evaluationsbogens
3.3 Auswertung der Evaluationsbögen
3.3.1 Erste Hilfe-Kurse
3.3.2 Quantität des Reanimationsunterrichts
3.3.3 Qualität des Reanimationsunterrichts
3.3.4 Quantität des Unterrichts der stabilen Seitenlage
3.3.5 Qualität des Unterrichts der stabilen Seitenlage
4. Diskussion
4.1 Atemkontrolle als Indikation für CPR
4.2 Fehlender Bezug der Kursinhalte zum eigenen Lebensumfeld
4.3 Komplexität der Reanimation
4.4 Limitationen
4.5 Offene Fragen und weitere Forschungsbereiche
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht das quantitative Verhältnis zwischen dem Reanimationsunterricht und dem Unterricht der stabilen Seitenlage in Erste-Hilfe-Kursen für Laien, um zu analysieren, warum Laienhelfer bei reanimationspflichtigen Patienten häufiger eine stabile Seitenlage anwenden als eine Reanimation einzuleiten.
- Analyse der Unterrichtszeitverteilung in Erste-Hilfe-Kursen
- Evaluation der Qualität und Quantität des Reanimationsunterrichts
- Untersuchung des Stellenwerts der stabilen Seitenlage
- Überprüfung der Praxistauglichkeit eines entwickelten Evaluationsbogens
- Identifikation von Defiziten in der Vermittlung der Atemkontrolle als Diagnosekriterium
Auszug aus dem Buch
3.3.2 Quantität des Reanimationsunterrichts
Im Durchschnitt wurden 56 Minuten für den Reanimationsunterricht verwendet (Range: 35 Minuten – 78 Minuten). Davon entfielen durchschnittlich 28 Minuten auf Theorie (Range: 14 Minuten – 36 Minuten) und 28 Minuten auf Praxis (Range: 20 Minuten – 44 Minuten).
Für jeden einzelnen Teilnehmern standen in einem Kurs 7 Minuten Übungszeit zur Verfügung. Den Rest der Zeit haben die Teilnehmer anderen Teilnehmern beim Üben zugesehen. In einem anderen Kurs übten die Teilnehmer trotz extrem geringer Teilnehmerzahl (5 Teilnehmer) nur einen einzigen Zyklus (30 x Herzdruckmassage, 2 Beatmungen). In einem Kurs übten 3 Teilnehmer gleichzeitig. Die Übungszeit pro Teilnehmer betrug hier 3 Minuten.
Die Reanimation wurde in allen Kursen während eines Unterrichtsblocks behandelt und am folgenden Tag einmal wiederholt. Bei der Wiederholung haben nicht alle Teilnehmer geübt. Wenn der Dozent mit Fallbeispielen gearbeitet hat, kam die Reanimation selten vor.
Zusammenfassung der Kapitel
Zusammenfassung: Bietet einen Überblick über die Studienergebnisse, die eine Überbetonung der stabilen Seitenlage und Defizite in der Reanimationsschulung aufzeigen.
1. Einleitung: Erläutert die medizinische Relevanz der Laienreanimation und begründet das Problem der kontraindizierten Anwendung der stabilen Seitenlage bei Herzstillstand.
2. Methoden: Beschreibt die Entwicklung eines Evaluationsbogens sowie das Studiendesign zur Beobachtung von drei Erste-Hilfe-Kursen.
3. Ergebnisse: Präsentiert die quantitativen und qualitativen Daten zur Unterrichtsgestaltung, insbesondere die Zeitverteilung zwischen Reanimation und stabiler Seitenlage.
4. Diskussion: Interpretiert die Ergebnisse hinsichtlich der Qualität der Atemkontrolle, des fehlenden Lebensweltbezugs und der Komplexität des Reanimationsalgorithmus.
Schlüsselwörter
Erste Hilfe, Laienausbildung, Reanimation, CPR, stabile Seitenlage, Atemkontrolle, Herzstillstand, Notfallmedizin, Kursqualität, Evaluationsbogen, Laienhelfer, Unterrichtsquantität, Defibrillator, Agonale Atmung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht die Qualität und Quantität der Ausbildung von Laien in Erste-Hilfe-Kursen, mit besonderem Fokus auf die Reanimation im Vergleich zur stabilen Seitenlage.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von theoretischen und praktischen Unterrichtsinhalten, die Vermittlung der korrekten Atemkontrolle und die Anwendung von Reanimationsmaßnahmen bei Laien.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu klären, warum Laienhelfer bei eigentlich reanimationspflichtigen Patienten häufig fälschlicherweise die stabile Seitenlage anwenden, anstatt mit der Herzdruckmassage zu beginnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor hat einen standardisierten Evaluationsbogen entwickelt und diesen als teilnehmender Beobachter in drei Erste-Hilfe-Kursen großer Hilfsorganisationen in Berlin auf seine Praxistauglichkeit getestet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die erhobenen Daten zu den Kursinhalten, die tatsächlichen Übungszeiten der Teilnehmer an Phantomen sowie die Fehlerkorrekturen durch die Dozenten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Erste Hilfe, Laienausbildung, Reanimation, stabile Seitenlage, Atemkontrolle und Kursqualität.
Warum ist die Atemkontrolle für Laienhelfer so kritisch?
Da das Tasten des Pulses für Laien als zu fehleranfällig gilt, ist die Prüfung der Atmung das einzige diagnostische Instrument, um die Entscheidung zur Reanimation zu treffen.
Welches Fazit zieht der Autor zur praktischen Übung?
Die stabile Seitenlage wird deutlich häufiger geübt und in Fallbeispiele integriert als die Reanimation, was dazu führt, dass sie von Laien sicherer beherrscht wird als lebensrettende Wiederbelebungsmaßnahmen.
- Arbeit zitieren
- Patrick Wagner (Autor:in), 2010, Ausbildung von medizinischen Laien in Kursen für "Erste Hilfe", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1737216