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Der Kunstgenuss in der Dialektik der Aufklärung

Exkurs I: Mythos und Aufklärung von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer

Titel: Der Kunstgenuss in der Dialektik der Aufklärung

Hausarbeit , 2023 , 16 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Hannah Reith (Autor:in)

Kunst - Allgemeines, Kunsttheorie

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Wenn Adorno und Horkheimer von Aufklärung sprechen, meinen sie weder die Epoche der Aufklärung noch die bloße Geistesgeschichte, sondern Aufklärung als realen Prozess, der die Verbürgerlichung der Welt beschreibt. Sie erläutern in ihrem Buch, dass die ersten zivilisatorischen Regungen der Menschen schon einen Herrschafts- und Gewaltakt in sich bergen. Im Zentrum der Aufklärung stecke schon ein autoritärer Charakter.
Ausgehend von diesem hypothetischen Urbild der Individuation erläutern die beiden Autoren die verschiedenen Stadien der Menschheitsgeschichte, in denen sich der Versuch des Menschen, sich aus seinen widrigen Lebensumständen zu befreien, widerspiegelt und wiederholt. Auf den Spuren der Zivilisation entschlüsseln Horkeimer und Adorno den Homer‘ischen Epos der Odyssee als eines der ersten Zeitdokumente bürgerlicher Selbstkonstitution. Im Folgenden wird der Vorgang der Individuation und das daraus folgende System der Naturbeherrschung erläutert. Der Mensch versucht sich von der Natur zu distanzieren, um sich ihrer Herrschaft zu entziehen und sie sich zu unterwerfen. Er entfremdet sich. Im Zuge dessen wird auf den ersten Exkurs ‚Odysseus und Mythos und Aufklärung‘ der Dialektik der Aufklärung eingegangen, indem das System der Naturbeherrschung auf den Epos der Odyssee übertragen wird. Anschließend soll der Kunstbegriff in das System der Dialektik von Mythos und Aufklärung eingeordnet werden. Auf seinen Abenteuern begegnen Odysseus und seine Gefolgschaft mythische Gestalten, die versuchen, sie mit ihrem Gesang zu verführen. Auf der Basis dieser Begegnung wird erläutert, welchen Stellenwert die Kunst für das Erfahren von Wirklichkeit hat. Kann die Kunst das Individuum aus der Qual der Entfremdung, als Folge des Zivilisationsprozesses, befreien?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Individuation

3. Naturbeherrschung

4. Odysseus und Mythos und Aufklärung

5. Kunstgenuss

6. Fazit

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die Arbeit untersucht die kritische Auseinandersetzung von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer mit den gesellschaftlichen Transformationsprozessen in der "Dialektik der Aufklärung". Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie die durch Fortschrittsglaube und Vernunft geprägte moderne Zivilisation in Barbarei umschlagen konnte und welchen Stellenwert der Kunstgenuss in diesem Spannungsfeld von Individuation, Naturbeherrschung und mythischer Wiederholung einnimmt.

  • Die Entstehung und der inhärente Widerspruch des Aufklärungsbegriffs.
  • Prozesse der Individuation und die daraus resultierende Naturbeherrschung.
  • Die Analyse des Homer’schen Epos der Odyssee als Dokument bürgerlicher Selbstkonstitution.
  • Das Verhältnis von rationaler Zweckmäßigkeit, Arbeitsteilung und Entfremdung.
  • Der Stellenwert und die Funktion der Kunst als kritische Gegenkraft zur rationalisierten Welt.

Auszug aus dem Buch

4. Odysseus und Mythos und Aufklärung

Besonders deutlich wird die Dialektik, die Verschränkung von Aufklärung und Mythos, in dem Epos der Odyssee, der zehnjährigen Irrfahrt Odysseus nach der Belagerung Trojas, auf dem Weg zurück in seine Heimat Ithaka. Odysseus verkörpert für die beiden Autoren die Präfiguration des bürgerlichen Individuums. Er stellt den Beginn der Zivilisationsgeschichte dar. Der Seefahrer übersteht auf seiner Reise die Gefahren und Verlockungen der Natur, die ihm in Form von mythischen Gestalten begegnen. Sie unterliegen dem Kreislauf der Wiederholung, müssen tagein, tagaus dasselbe tun und sind somit Personifikation des mythischen Ritus. Sie zwingen ihn immer wieder Opfer zu bringen oder mit List sein Überleben zu retten. Dafür muss er allerdings Lust und Genuss unterdrücken, sich selbst verleugnen und seine Gefährten opfern. Die Natur tritt dem identischen, männlichen Subjekt als das Chaos gegenüber, in deren Anblick es sein Leben behaupten muss. Odysseus überwältigt die mythischen Gestalten, indem er den unbekannten und mächtigen Gewalten zum Schein Genüge tut, sich ihnen fadenscheinig unterwirft und anpasst, um letztlich umso stärker über sie triumphieren zu können. Odysseus ist jede Verlockung verdächtig.

Die Lotusblüten, die von den Lotophagen vernascht werden und einen in süßes Vergessen und Willenlosigkeit verfallen lassen oder die Rinder der heiligen Hyperion, bei dessen Verzehr er sich in Verzicht übt; die Unwiderstehlichkeit der Verführerin Kirke, die ihn auf den willenlosen Trieb zu reduzieren versucht; der einäugige Zyklop, dessen Hunger nach Menschenfleisch er trotzt, indem er seine Identität verleugnet und sich selbst als ‚Niemand‘ bezeichnet; sich behauptet, indem er sich verleugnet, „und wenn er durch die Meerenge steuert, muß er den Verlust der Gefährten einkalkulieren, welche Szylla aus dem Schiff reißt“. Die Begegnung mit Polyphem ist besonders interessant, da Odysseus, indem er sich als Niemand bezeichnet, Dualismus inkorporiert. Er erkennt, dass das identische Wort verschiedene Bedeutungen umfasst: „Weil sich dem Namen Udeis sowohl der Held wie Niemand unterschieben läßt, vermag jener den Bann des Namens zu brechen“.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung erläutert die Entstehung der "Dialektik der Aufklärung" im Exil und skizziert die zentrale Problematik des Umschlagens von rationalem Fortschritt in eine neue Form der Barbarei.

2. Individuation: Dieses Kapitel beschreibt den Prozess der Identitätsbildung durch Abgrenzung vom Anderen und die damit einhergehende Entfremdung sowie den ständigen Zwang zur Selbstbehauptung gegenüber der Natur.

3. Naturbeherrschung: Hier wird analysiert, wie der Mensch versucht, die Natur mittels Technik und Arbeit zu unterwerfen, was jedoch in eine totalitäre Logik mündet, in der alles Lebendige der Zweckmäßigkeit geopfert wird.

4. Odysseus und Mythos und Aufklärung: Dieses Kapitel nutzt die Irrfahrt des Odysseus, um die Verschränkung von mythischer Wiederholung und rationaler Aufklärung sowie die Konstitution des modernen Subjekts als "listigen Einzelgänger" aufzuzeigen.

5. Kunstgenuss: Es wird untersucht, wie die Kunst als eigenständiger Bereich der alltäglichen Logik entzogen bleibt und welche Rolle sie als Medium zur Ahnung einer Versöhnung mit der Natur in einer rationalisierten Welt spielt.

6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die aufgeklärte Gesellschaft in ihrem Versuch, den Menschen zu befreien, letztlich in neue Zwänge und Barbarei verfällt, wobei die Kunst zwar keinen Ausweg bietet, aber dennoch einen anderen Zugang zur Wirklichkeit eröffnet.

Schlüsselwörter

Dialektik der Aufklärung, Theodor W. Adorno, Max Horkheimer, Naturbeherrschung, Individuation, Mythos, Odysseus, Zivilisationsprozess, Barbarei, Entfremdung, Vernunft, Kunstgenuss, Subjektivität, Sirenen, Selbsterhaltung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die philosophische Kritik von Adorno und Horkheimer an der Aufklärung, insbesondere deren fatales Umschlagen in Mythologie und Barbarei.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Individuation und Naturbeherrschung, die Rolle der Vernunft in der Moderne sowie die gesellschaftliche Bedeutung und Ambivalenz von Kunst.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es, den "Preis" des Zivilisationsprozesses aufzuzeigen und zu analysieren, ob und wie Kunst als Gegenentwurf zur totalitären Logik der Zweckmäßigkeit fungieren kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine textnahe, kritische Analyse der "Dialektik der Aufklärung" und bezieht diese auf die literarische Vorlage der Odyssee, um abstrakte theoretische Begriffe historisch und narrativ zu veranschaulichen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Individuation, Naturbeherrschung, der mythologischen Ebene der Odyssee und die spezifische Rolle des Kunstgenusses als Gegenpol zur rationalisierten Arbeitswelt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Dialektik, Naturbeherrschung, Entfremdung, Odysseus, Mythos und Fortschrittskritik charakterisieren.

Warum wird die Odyssee als Beispiel gewählt?

Die Odyssee dient als Zeitdokument der bürgerlichen Selbstkonstitution; Odysseus verkörpert den modernen Menschen, der sich durch List und Selbstfesselung von der mythischen Natur abspaltet.

Welche Rolle spielt die Kunst im Verhältnis zur Arbeitsteilung?

Kunst wird als ein Bereich begriffen, der nicht der direkten Nützlichkeit unterworfen ist, aber durch die fortschreitende Rationalisierung zunehmend in die Rolle eines neutralisierten Kulturguts für eine entfremdete Gesellschaft gedrängt wird.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Der Kunstgenuss in der Dialektik der Aufklärung
Untertitel
Exkurs I: Mythos und Aufklärung von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer
Hochschule
Hochschule der Bildenden Künste Saar
Veranstaltung
Theodor W. Adorno
Note
1,0
Autor
Hannah Reith (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2023
Seiten
16
Katalognummer
V1737117
ISBN (eBook)
9783389196625
ISBN (Buch)
9783389196632
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dialektik der Aufklärung Mythos und Aufklärung Theodor W. Adorno Max Horkheimer Odyssee kunstgenuss Sirenen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Hannah Reith (Autor:in), 2023, Der Kunstgenuss in der Dialektik der Aufklärung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1737117
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Leseprobe aus  16  Seiten
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