Diese Ausarbeitung beschäftigt sich mit dem Thema Reformationsgedenken im 19. Jahrhundert. Hierbei soll besonders auf die Bedeutung des Neuluthertums für die Thesenanschlagslegende und der damit assoziierten Reformationsrezeption eingegangen werden. Es soll anhand von zwei exemplarischen künstlerischen Werken aus dem 19. Jahrhundert gezeigt werden, welchen Einfluss das Neuluthertum auf die Rezeption Luthers und die Rezeption der Thesenanschlagslegende gehabt haben könnte beziehungsweise gehabt hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Neuluthertum
2.1. Definition des Neuluthertums
2.2. Geschichte und Theologie des Neuluthertums
3. Lutherrezeption bzw. Reformationsrezeption
4. Darstellung des Thesenanschlages im 19. Jahrhundert
4.1. „Wandmalerei der Nordseite des Sitzungssaals im Ständehaus von Merseburg“ - Hugo Vogel
4.2. „Thesenanschlag an der Schloßkirche zu Wittenberg“ – Ferdinand Pauwels
5. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht den Einfluss des Neuluthertums auf die Reformationsrezeption und die Popularisierung der Thesenanschlagslegende im 19. Jahrhundert. Anhand von zwei prominenten Gemälden wird analysiert, wie Martin Luther in dieser Epoche als nationales Symbol und heroische Identifikationsfigur stilisiert wurde.
- Bedeutung des Neuluthertums als theologische Gegenbewegung zur Aufklärung
- Entwicklung und Transformation der Reformationsrezeption im 19. Jahrhundert
- Die Legende vom Thesenanschlag als zentrales Motiv der Luther-Ikonografie
- Heroisierung Luthers durch bildende Kunst (Hugo Vogel, Ferdinand Pauwels)
- Historisch-kritische Einordnung der Legendenbildung gegenüber dem wissenschaftlichen Diskurs
Auszug aus dem Buch
4.1. „Wandmalerei der Nordseite des Sitzungssaals im Ständehaus von Merseburg“ – Hugo Vogel
Das Gemälde zu Martin Luthers Thesenanschlag von Hugo Vogel stammt aus dem Jahr 1890. Es handelt sich dabei um ein Wandgemälde an der Nordseite des Sitzungssaals (Erhard-Hübener-Saal) im Ständehaus von Merseburg. Der Künstler Hugo Vogel, geboren 1855 in Magdeburg und gestorben 1934 in Berlin malte den Thesenanschlag als Teil eines Zyklus von mehreren Wandgemälden im Ständehaus Merseburg. Dieser Zyklus sollte das Thema Könige bzw. Kaiser haben. Mit seinem Wandgemälde heroisiert Hugo Vogel Luther zu einer Ikone bzw. in die Position eines Kaisers oder Königs, was Luther als eine Art von nationalem Symbol erscheinen lässt.
Das Gemälde zeigt Luther in dem Moment kurz nachdem er seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche Wittenberg geschlagen hat. Man sieht den nach rechts gewandten Luther, wie er mit einem Hammer in der Hand noch einen Moment inne hält und sein Werk betrachtet. Mit der linken Faust weist er auf die 95 Thesen hin. Diese „Lutherfaust“ wie sie von Bildhauer Ernst Rietschel (1804-1861) tituliert wurde kennt man bis zum Gemälde Vogels nur in Verbindung mit der Bibel, was die Wichtigkeit der 95 Thesen hervorhebt. In der Linken Hälfte des Gemäldes sieht man eine Menschenmenge, die Luthers Werken beobachtet. Die Kleidung der Beobachter lässt auf „normale“ Bürger aus der Volksmitte schließen.
Ursprünglich vorgesehen war ein Bild von der siegreichen Germania, da Deutschland wenige Jahre zuvor den Deutsch-Französischen Krieg gewonnen hatte. Da diese allerdings der französischen Nationalheldin Jeanne d´Arc ähnelte wollte man dieser kein Denkmal setzen. Als „Ersatz“ entschied man ein Gemälde von Luther anfertigen zu lassen. Luther wird hierdurch ein weiteres Mal in den Rang eines Nationalhelden bzw. eines nationalen Symbols erhoben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Fragestellung zur Rolle des Neuluthertums für die Rezeption der Thesenanschlagslegende im 19. Jahrhundert.
2. Das Neuluthertum: Definition und geschichtlicher Hintergrund der theologischen Erweckungsbewegung und ihrer Abgrenzung zur Aufklärung.
3. Lutherrezeption bzw. Reformationsrezeption: Analyse des Wandels im Lutherbild vom Zeitgeist der Aufklärung bis hin zur neulutherischen Prägung.
4. Darstellung des Thesenanschlages im 19. Jahrhundert: Untersuchung der malerischen Inszenierung Luthers als Nationalheld anhand der Werke von Hugo Vogel und Ferdinand Pauwels.
5. Fazit: Zusammenfassende Bestätigung der These, dass das 19. Jahrhundert eine Renaissance der Thesenanschlagslegende als identitätsstiftendes Element erlebte.
Schlüsselwörter
Neuluthertum, Reformation, Thesenanschlag, Reformationsrezeption, Martin Luther, 19. Jahrhundert, Hugo Vogel, Ferdinand Pauwels, Erweckungsbewegung, Historismus, Lutherbild, Nationalheld, Schlosskirche Wittenberg, Thesenanschlagslegende, Erlanger Schule
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie das Neuluthertum im 19. Jahrhundert die Wahrnehmung von Martin Luther und insbesondere die Legende vom Thesenanschlag an der Schlosskirche prägte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Schwerpunkten zählen das Neuluthertum als theologische Strömung, die Veränderung der Reformationsrezeption im Laufe der Geschichte und die künstlerische Heroisierung Luthers.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, dass die im 19. Jahrhundert entstandenen Gemälde von Vogel und Pauwels als Beleg für eine Renaissance der historisch umstrittenen Thesenanschlagslegende dienen.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive und analytische Methode, indem sie zeitgenössische Quellen sowie kunsthistorische Zeugnisse auswertet und historisch einordnet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition des Neuluthertums, die Analyse der veränderten Lutherrezeption und die detaillierte Betrachtung der zwei exemplarischen Gemälde.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Neuluthertum, Thesenanschlag, Lutherrezeption, Nationalsymbolik und die bildliche Darstellung im 19. Jahrhundert.
Warum wurde ausgerechnet der Thesenanschlag als Motiv gewählt?
Der Thesenanschlag wurde im 19. Jahrhundert instrumentalisiert, um Luther als heroische Ikone und nationales Symbol zu etablieren, ungeachtet seiner historischen Umstrittenheit.
Welche Bedeutung kommt den Gemälden von Vogel und Pauwels zu?
Sie dienen als visuelle Evidenz dafür, wie Luther im Kontext des Neuluthertums vom „Begründer der Aufklärung“ zum „Nationalhelden“ umgedeutet wurde.
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- Anonym (Author), 2018, Die Bedeutung des Neuluthertums im 19. Jahrhundert für die Thesenanschlagslegende und der damit assoziierten Reformationsrezeption, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1736674