Ich möchte mit dem kurzen Artikel einen Überblick geben, wie das Türkenbild im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation im 16 Jahrhundert und 17 Jahrhundert und bei den europäischen Völkern war? Wie die Begriffe zum Beispiel Türkenbriefe, Türkenpredigten, Türkengebete und Türkenglocke überhaupt entstanden?
Die Geschichte beider Völker lässt sich jedoch bis über 500 Jahre zurückfolgen und es ist davon auszugehen, daß die Nachwirkung an dieser historischen Beziehungen noch heute zu spüren sind. Reisebeschreibungen prägten die abendländischen Vorstellungen von der Türkei / dem Orient nachhaltig.
Die Reiseliteratur ist besonders geeignet, um die damalige westliche Wahrnehmung des Orients zu veranschaulichen. Denn die Fremdenwahrnehmung der Türkei- Reisenden hängt eng mit ihren Möglichkeiten der Selbstwahrnehmung und Selbstdefinition zusammen. Das bedeutet, daß die Erfahrungsmöglichkeiten das Selbst die Erfahrung und Erfassung des Fremden bestimm(t)en.
Die Orientalistik geht in ihren Anfängen bis ins 12. Jahrhundert zurück, als nach der Konfrontation des christlich-lateinischen Abendlandes mit dem islamisch-arabischen Orient (durch die Kreuzzüge und die Reconquista in Spain) eine rege Übersetzungstätigkeit einsetzte. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Das Türkenbild im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation im 15., 16. und 17. Jahrhundert und der Kontakt mit europäischen Völkern
2. Das Türkenbild im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation im 16. und 17. Jahrhundert
3. Der Einfluss der römisch-katholischen Kirche auf das Türkenbild des 15., 16. und 17. Jahrhunderts
3.1 Türkenbriefe
3.2 Türkenpredigten
3.3 Türkengebete
3.4 Türkenglocken
4. Die Türkenbild in Reisebeschreibungen des 16. Und 17. Jahrhunderts
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Konstruktion und Entwicklung des westlichen Türkenbildes im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation während des 16. und 17. Jahrhunderts. Dabei wird analysiert, wie religiöse und politische Akteure durch gezielte Propaganda und mediale Instrumente ein Feindbild schufen, um innergesellschaftliche Spannungen zu überdecken und die christliche Identität gegen den "orientalischen Anderen" abzugrenzen.
- Die Entstehung und Funktion christlicher Feindbilder (Türkenbriefe, -predigten, -gebete, -glocken).
- Die Rolle der römisch-katholischen Kirche bei der Stabilisierung religiöser Identität durch externe Bedrohungsszenarien.
- Die Wahrnehmung der Osmanen in der zeitgenössischen Reiseliteratur als Projektionsfläche für eigene gesellschaftliche Defizite.
- Die ambivalente Faszination für das Osmanische Reich als Ort religiöser Toleranz und sozialer Aufstiegschancen für Bauern und Soldaten.
Auszug aus dem Buch
Der Einfluss der römisch-katholischen Kirche auf das Türkenbild des 15., 16. und 17. Jahrhunderts
Während der Reformation war die Kirche in das protestantische und katholische Lager gespalten, und die Katholiken hatten ein starkes Interesse daran, diesen Machtverlust rückgängig zu machen. Um von den inneren religiösen und politischen Spaltungen abzulenken, wurden das Feindbild des Islam und die alte Kreuzzugsidee wieder aufgegriffene. Die katholische Kirche propagierte einen größeren Zusammenhalt der Christenheit, um den zeitgenössischen Reformationsbestrebungen entgegenzuwirken.
Pfeffermann (1946) stellte in seiner Studie über die Zusammenarbeit der Renaissancepäpste mit den Türken die Motivation des Papsttums, die Kreuzzugeidee wiederzubeleben. Die durch die Reformation fortschreitenden Differenzierungsprozesse in Europa wurden von der römischen Kirche weitgehend ignoriert. Es wurde gemeinsame christliche Außenpolitik gegenüber den Türken beibehielten, und die Kampfe gegen die Türken propagandistisch übertrieben. Um das Feindbild des Islam umzusetzen, benutzte die römische Kirche die folgenden unterschiedlichen Mittel, um ein sehr negatives Bild türkischer Menschen im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern, wie zum Beispiel:
- Türkenbriefe
- Türkenpredigten
- Türkengebebete
- Türkenglocken u.a.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das Türkenbild im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation im 15., 16. und 17. Jahrhundert und der Kontakt mit europäischen Völkern: Diese Einleitung skizziert die langfristige historische Beziehung zum Orient und stellt die zentralen Konzepte des Orientalismus sowie die Konstruktion westlicher Vorstellungen über den Orient dar.
2. Das Türkenbild im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation im 16. und 17. Jahrhundert: Das Kapitel analysiert den sozio-ökonomischen Kontext der osmanischen Expansion und die wahrgenommene Bedrohung durch die militärische Übermacht des Osmanischen Reiches.
3. Der Einfluss der römisch-katholischen Kirche auf das Türkenbild des 15., 16. und 17. Jahrhunderts: Hier wird detailliert aufgezeigt, wie die Kirche durch mediale Instrumente wie Briefe, Predigten und Gebete aktiv an der Verankerung eines negativen Türkenbildes im Bewusstsein der Bevölkerung mitwirkte.
4. Die Türkenbild in Reisebeschreibungen des 16. Und 17. Jahrhunderts: Dieses Kapitel untersucht anhand ausgewählter Reiseberichte von Paul Rothan, Bartholomeus Georgievics und Salomon Schweigger, wie zeitgenössische Autoren das Bild des "heidnischen Zerstörers" prägten.
Schlüsselwörter
Türkenbild, Osmanisches Reich, Orientalismus, Fremdenwahrnehmung, Reformation, Propaganda, Christentum, Islam, Reiseliteratur, Glaubensfeinde, Feudalgesellschaft, Türkenpredigten, Religionskonflikt, Kulturgeschichte, Selbstdefinition.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historische Entstehung und mediale Verbreitung des Bildes vom "Türken" als Feindbild im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation während des 16. und 17. Jahrhunderts.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Untersuchung?
Im Fokus stehen die Rolle der Kirche als Propagandainstanz, die Einflüsse politischer Spannungen sowie die Bedeutung von Reiseberichten für die Formung der abendländischen Wahrnehmung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Es wird untersucht, welche Funktionen die Konstruktion eines negativen Türkenbildes für die damalige europäische Gesellschaft hatte und wie diese Fremdwahrnehmung zur eigenen Selbstfindung diente.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine historische Analyse, bei der sozio-ökonomische Rahmenbedingungen der jeweiligen Zeit mit der Auswertung zeitgenössischer Quellentexte und kirchlicher Propagandamittel verknüpft werden.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit kirchlichen Mitteln wie Türkenpredigten und Gebeten sowie mit der Analyse von Reiseberichten von Zeitzeugen wie Schweigger und Georgievics.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Zentrale Begriffe sind Türkenbild, Orientalismus, christliche Identität, Propaganda, Reformation und die Dichotomie zwischen Okzident und Orient.
Welche Rolle spielten die sogenannten "Türkenbriefe" in der kirchlichen Propaganda?
Sie dienten als fingierte Schriftstücke dazu, dem Volk Grausamkeiten der Osmanen vor Augen zu führen und die christliche Bevölkerung durch Angst vor Vernichtung zu einen.
Warum war das Osmanische Reich für Teile der europäischen Bevölkerung trotz des Feindbildes attraktiv?
Aufgrund von Steuerfreiheit, fehlender Fronarbeit und religiöser Toleranz stellte der Osmanische Staat für viele Bauern und Soldaten eine soziale Alternative zur rigiden europäischen Feudalgesellschaft dar.
- Quote paper
- Dr. phil. M.A Mehmet Metin (Author), 2011, Das Türkenbild im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation im 15., 16. und 17. Jahrhundert und der Kontakt mit europäischen Völkern, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/173468