Der Hintergrund dieser Arbeit ist, die Frage welchem Idealmodell eines Gesundheitssystems lässt sich die Organisationsstruktur des tschechischen Gesundheitswesen zuordnen und stellt damit den grundlegenden Orientierungspunkt bei der Neugestaltung im Transformationsprozess dar. Des Weiteren ist zu untersuchen, ob die Änderungen Auswirkungen auf die bisherigen Probleme hatten und somit eine Verbesserung bewirkt.
Um die Neustrukturierung zu untersuchen, sind zunächst der Ursprung und die grundlegenden Merkmale eines Gesundheitssystems darzustellen. Dies erfolgt im Kapitel 2 dieser Arbeit.
Um eine Zuordnung und Beurteilung des tschechischen Gesundheitssystems zu ermöglichen, ist es notwenig mögliche Ansatzpunkte für eine Untersuchung darzustellen. Hierzu werden im Kapitel 3 Organisationsformen, sowie die Qualität und Effizienz von Gesundheitssystemen thematisiert.
Kapitel 4 widmet sich der Darstellung und Analyse des tschechischen Gesundheitssystems nach dem Transformationsprozess. Im Rahmen dessen wird zunächst im Abschnitt 4.1 der Aufbau des Systems analog zur Darstellung der Idealmodelle in Kapitel 3.1 beschrieben und mit den Merkmalen der idealtypischen Ausprägungen der Modellvarianten verglichen, um abschließend eine Zuordnung zu einem der drei Idealtypen vornehmen zu können. Wie bei allen vorangehenden Darstellungen des Systemaufbaus erfolgt eine Beschränkung auf die ambulante und stationäre Leistungserbringung. Der Arzneimittelbereich wird ausgelassen, da zum einen keine Verbindungen zu einem Idealmodell bestehen und zum anderen die Datenlage zu schlecht ist, um eine Betrachtung zu zulassen. Daran schließt die Untersuchung der Qualität und der Effizienz des Systems an, indem eine Datenauswertung im Vergleich zu anderen europäischen Staaten erfolgt.
Als letztes Kapitel umfasst der Abschnitt 5 eine Zusammenfassung der grundlegenden Erkenntnisse der vorangegangenen Betrachtungen, die Beantwortung der Ausgangsfrage dieser Arbeit und zeigt die grundlegenden Probleme des Gesundheitswesens der Tschechischen Republik auf.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Vorgehensweise
2. Gesundheitssysteme
2.1 Der Begriff „Gesundheit“
2.2 Der Begriff „System“
2.2.1 Systemelemente
2.2.1.1 Bürger, Versicherter, Patient
2.2.1.2 Leistungserbringer
2.2.1.3 Drittfinanzierer
2.2.2 Ordnungsprinzipien und Strukturmerkmale
2.2.3 Definition und Aufgaben
2.3 Marktversagen als Begründung staatlicher Eingriffe
2.3.1 Der Markt für Gesundheitsgüter
2.3.1.1 Externe Effekte
2.3.1.2 Optionsgutcharakter medizinischer Leistungen
2.3.1.3 Fehlende Konsumentensouveränität
2.3.1.3.1 Unfähigkeit zu rationalen Entscheidungen
2.3.1.3.2 Minderschätzung zukünftiger Bedürfnisse
2.3.1.4 Informationsasymmetrie zwischen Arzt und Patient
2.3.2 Der Markt für Krankenversicherungen
2.3.2.1 Informationsasymmetrien zwischen Versicherung und Versicherten
2.3.2.1.1 Adverse Selektion oder ex ante asymmetrische Information
2.3.2.1.2 Moral Hazard oder ex post asymmetrische Information
2.3.3 Fazit für die Märkte für Gesundheitsgüter und Krankenversicherungen
2.3.4 Verteilungspolitische Argumente
3. Ansatzpunkte für die Untersuchung eines Gesundheitssystems
3.1 Betrachtung idealtypischer Organisationsformen
3.1.1 Privates Krankenversicherungssystem
3.1.1.1 Grundgedanke
3.1.1.2 Rolle des Staates
3.1.1.3 Finanzierung
3.1.1.4 Leistungserstellung
3.1.1.5 Vor- und Nachteile
3.1.2 Sozialversicherungssystem
3.1.2.1 Gesetzliche Krankenversicherung und Grundgedanke
3.1.2.2 Rolle des Staates
3.1.2.3 Finanzierung
3.1.2.4 Leistungserstellung
3.1.2.5 Vor- und Nachteile
3.1.3 Nationaler Gesundheitsdienst
3.1.3.1 Grundgedanke
3.1.3.2 Rolle des Staates
3.1.3.3 Finanzierung
3.1.3.4 Leistungserstellung
3.1.3.5 Vor- und Nachteile
3.1.4 Zusammenfassende Darstellung
3.2 Qualität und Effizienz
3.2.1 Qualität
3.2.1.1 Definition
3.2.1.2 Qualitätsindikatoren
3.2.2 Effizienz
3.2.2.1 Definition
3.2.2.2 Kosten- Nutzen- Analyse
3.2.2.3 Kosten- Effektivitäts- Analyse
3.2.2.4 Kosten- Nutzwert- Analyse
4. Das Gesundheitssystem der Tschechischen Republik
4.1 Untersuchung der Organisation
4.1.1 Grundgedanke
4.1.1.1 Vergleich des Grundgedankens mit den Idealmodellen
4.1.2 Rolle des Staates
4.1.2.1 Vergleich der Rolle des Staates mit den Idealmodellen
4.1.3 Finanzierung
4.1.3.1 Vergleich der Finanzierung mit den Idealmodellen
4.1.4 Leistungserstellung
4.1.4.1 Vergleich der Leistungserstellung mit den Idealmodellen
4.1.5 Das tschechische Sozialversicherungssystem
4.1.6 Einordnung des tschechischen Gesundheitssystems
4.2 Untersuchung von Qualität und Effizienz
4.2.1 Begründung und Festlegung des Vergleichsrahmens
4.2.2 Demographische Entwicklung
4.2.3 Qualitätsbeurteilung
4.2.3.1 Monetärer Input
4.2.3.2 Realer Input
4.2.3.2.1 Ärztedichte
4.2.3.2.2 Krankenhausbetten
4.2.3.2.3 Verweildauer
4.2.3.2.4 Arztkontakte
4.2.3.3 Ergebnisqualität
4.2.3.3.1 Lebenserwartung bei Geburt
4.2.3.3.2 Lebenserwartung im Alter von 65
4.2.3.3.3 Säuglingssterblichkeit
4.2.3.3.4 Gesunde Lebenserwartung
4.2.3.4 Abschließende Beurteilung der Qualität des tschechischen Gesundheitssystems
4.2.4 Effizienzbeurteilung
4.2.4.1 Input- Output- Betrachtung
4.2.4.2 Output- Outcome- Betrachtung
4.2.4.3 Kosten- Wirksamkeits- Analyse
4.2.4.4 Kosten- Nutzwert- Analyse
4.2.4.5 Abschließende Beurteilung der Effizienz des tschechischen Gesundheitssystems
5. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht die strukturelle Entwicklung und die Leistungsfähigkeit des tschechischen Gesundheitssystems nach dem Transformationsprozess, mit dem Ziel, das System in idealtypische Gesundheitsmodelle (Privates Versicherungssystem, Sozialversicherungssystem, Nationaler Gesundheitsdienst) einzuordnen und seine Effizienz im europäischen Vergleich zu bewerten.
- Analyse der theoretischen Grundlagen von Gesundheitssystemen und Marktversagen
- Definition und Vergleich von idealtypischen Organisationsformen im Gesundheitswesen
- Detaillierte Untersuchung der Organisation, Finanzierung und Leistungserstellung in der Tschechischen Republik
- Empirische Beurteilung von Qualität und Effizienz mittels verschiedener gesundheitsökonomischer Indikatoren
- Vergleich der Tschechischen Republik mit anderen europäischen Staaten
Auszug aus dem Buch
1.1 Problemstellung
Das Jahr 1989 veränderte die Welt.
Der alles umfassende politisch, sowie wirtschaftliche Wandel der Länder des ehemaligen Ostblocks brachte eine völlige Kehrtwende von der zentralen Planwirtschaft hin zu einem freien Markt durch die Abwendung vom Kommunismus zur Demokratie.
Die Entwicklung, bedingt durch den Transformationsprozess, lässt sich mit den Begriffen Dezentralisierung, Liberalisierung und Privatisierung zusammenfassen.1 Das vorherige System war geprägt durch die staatliche Oberhand in jedem Bereich.2 Im Rahmen des Wandels stand die Dezentralisierung und Verringerung der staatlichen Steuerung im Vordergrund, was zu mehr Markt und somit Wettbewerb führen sollte. Die Märkte wurden liberalisiert und ein Großteil des Staatseigentums in Privatbesitz überführt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt den politischen und wirtschaftlichen Transformationsprozess ab 1989 und definiert die Fragestellung zur Einordnung des tschechischen Gesundheitssystems.
2. Gesundheitssysteme: Erläutert die theoretischen Grundlagen, Systemelemente und die ökonomische Begründung für staatliche Eingriffe aufgrund von Marktversagen.
3. Ansatzpunkte für die Untersuchung eines Gesundheitssystems: Definiert die drei idealtypischen Organisationsmodelle und legt Kriterien zur Messung von Qualität und Effizienz fest.
4. Das Gesundheitssystem der Tschechischen Republik: Analysiert detailliert die Organisation, Finanzierung und Leistungsfähigkeit des tschechischen Systems und vergleicht es mit europäischen Nachbarstaaten.
5. Zusammenfassung und Ausblick: Resümiert die Ergebnisse und gibt einen Ausblick auf notwendige weitere Reformschritte zur Effizienzsteigerung.
Schlüsselwörter
Gesundheitsökonomie, Transformation, Tschechische Republik, Sozialversicherungssystem, Gesundheitssystem, Marktversagen, Effizienz, Qualität, Lebenserwartung, Säuglingssterblichkeit, Gesundheitsausgaben, Privatisierung, Liberalisierung, Dezentralisierung, Gesundheitsreform.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die strukturelle Neugestaltung des tschechischen Gesundheitssystems nach dem Ende des Kommunismus und seiner Transformation in eine Marktwirtschaft.
Welche Themenfelder sind zentral?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen von Gesundheitssystemen, die Abgrenzung von Versicherungsmodellen sowie die empirische Analyse von Qualität und Effizienz.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, das tschechische Gesundheitssystem einem der drei idealtypischen Modelle zuzuordnen und zu prüfen, ob die Reformen zu einer verbesserten Versorgung geführt haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine theoretische Analyse der Organisationsmodelle mit einer anschließenden empirischen Datenauswertung und einem internationalen Vergleich auf Basis gesundheitsökonomischer Kennzahlen durchgeführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Systemmerkmale, die detaillierte Analyse der tschechischen Strukturen und die datengestützte Bewertung mittels Indikatoren wie Lebenserwartung und Gesundheitsausgaben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Gesundheitsökonomie, Transformation, Effizienz, Sozialversicherungssystem und Gesundheitsversorgung in der Tschechischen Republik charakterisieren.
Wie ist das tschechische System laut der Autorin einzuordnen?
Die Autorin ordnet das tschechische System dem Modell der Sozialversicherung mit gesetzlicher Krankenversicherung zu, stellt jedoch fest, dass es aufgrund staatlicher Eingriffe und spezifischer historischer Gegebenheiten vom klassischen Idealmodell abweicht.
Welche Rolle spielt der "Assekuranzfonds" für die Finanzierung?
Der Assekuranzfonds diente als Mechanismus zur Budgetumverteilung zwischen den Krankenkassen, um Unterschiede in der Versichertenstruktur auszugleichen, insbesondere um Kassen mit einem hohen Anteil staatlich geförderter Versicherter zu unterstützen.
- Arbeit zitieren
- Janina Wiefel (Autor:in), 2007, Die Entwicklung der Gesundheitssysteme in den ehemaligen Ostblockstaaten am Beispiel der Tschechischen Republik, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/173451