Unterhaltung ist in der Medienlandschaft des 21. Jahrhunderts ein nicht mehr wegzudenkender Faktor. Rund drei Viertel der Fernseh-Sendezeit im deutschen Fernsehen besteht inzwischen aus unterhaltenden Produktionen. Der Trend zur „Spaßkultur“ betrifft dabei nicht allein von Haus aus unterhaltsam angelegte Formate, sondern hält auch Einzug in solche, deren eigentliches Sendekonzept grundsätzlich weniger mit Unterhaltung als viel mehr mit Information zu tun hat. Die Rolle der Unterhaltung im Kampf um Aufmerksamkeit ist man sich seit mehreren Jahren auch im Bereich der Politikvermittlung bewusst. Moderatoren von Polit-Talks werden zu Alleinunterhaltern und in TV-Magazinen werden politische Inhalte amüsant aufbereitet und präsentiert, um den Zuschauer im heimischen Wohnzimmer am Bildschirm zu halten. Politische Information und politische Unterhaltungen kommen sich immer näher.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 POLITAINMENT
2.1 FUNKTIONEN VON POLITAINMENT
2.2 ENTWICKLUNG
2.3 AKTUELLE BEISPIELE
2.4 CHANCEN UND RISIKEN
3 DIE „HEUTE-SHOW“
3.1 VORBILD AMERIKA
3.2 DAS SENDEKONZEPT
3.3 POLITAINMENT-FUNKTIONEN
3.4 PUBLIKUMSREAKTIONEN
4 DIE „TV TOTAL BUNDESTAGSWAHL 2009“
4.1 KONZEPT DER SHOW
4.2 WAHLERGEBNIS 2009
4.3 POLITAINMENT-FUNKTIONEN
4.4 PUBLIKUMSREAKTIONEN
5 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle des Politainment in den deutschen Medien mit einem Fokus auf das Fernsehen. Dabei wird analysiert, wie politische Akteure und Medienmacher Unterhaltungsformate nutzen, um politische Inhalte zu vermitteln und das Interesse der Bevölkerung – insbesondere junger Menschen – an Politik zu fördern, wobei die Ambivalenz zwischen Information und reiner Unterhaltungsinszenierung im Vordergrund steht.
- Grundlagen und Definition von Politainment
- Die Entwicklung und Funktionen der Vermischung von Politik und Unterhaltung
- Analyse der „heute-show“ als Nachrichtensatire
- Untersuchung der „TV total Bundestagswahl 2009“ als interaktives Format
- Chancen und Risiken politischer Inszenierungen im Fernsehen
Auszug aus dem Buch
2 Politainment
Wie einleitend erwähnt, lässt sich in der Berichterstattung der Medien seit geraumer Zeit ein Trend der Verwischung der Grenzen zwischen Informations- und Unterhaltungsformaten feststellen (vgl. Brosda / Schicha 2002a: 13). „In Anlehnung an den mittlerweile gebräuchlichen Begriff des ‚Infotainment‘" (Dörner 2001: 31) entwickelte sich der des Politainment. Dieser verweist darauf, dass sich in den 1990er Jahren die Bereiche Politik und Entertainment stark angenährt beziehungsweise vermischt haben. Politische und unterhaltende Kommunikation haben eine Verbindung herausgebildet, die man vorher nicht kannte (vgl. ebd.: 31). Diese neue Form der Politikvermittlung reagiert auf die Veränderungen in der Politikrezeption sowie der zunehmenden Bedeutung unterhaltsamer Elemente in den Medien (vgl. Brosda / Schicha 2002a: 18). Politische Akteure nutzen politikfremde Genres, um sich für die (Jung-)Wählerschaft zu öffnen (vgl. Brosda / Schicha 2002b: 161). Dabei entsteht eine symbiotische Beziehung zwischen Politikern und Medienmachern, wie in folgender Definition von Andreas Dörner deutlich wird:
„Politainment bezeichnet das Zusammenspiel von Politik und Unterhaltungskultur, das sich – teilweise nach amerikanischem Vorbild – in den 90er Jahren herausgebildet hat. Politiker suchen bei unsicher geworden Wählermärkten den Kontakt zum Publikum im Unterhaltungsformat, während Unterhaltungsmacher politische Themen und Settings zur Steigerung von Marktanteilen nutzen.“ (Dörner 2001: 2)
Generell lassen sich trotz dieser Wechselbeziehung zwei Ebenen des Politainment unterscheiden. Zum einen die unterhaltende Politik, zum anderen die politische Unterhaltung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die zunehmende Verwischung von Unterhaltung und Information ein und skizziert die Relevanz des Politainment für die Politikvermittlung im 21. Jahrhundert.
2 POLITAINMENT: Dieses Kapitel definiert Politainment als Symbiose zwischen Politik und Unterhaltung und unterscheidet zwischen unterhaltender Politik sowie politischer Unterhaltung.
3 DIE „HEUTE-SHOW“: Hier wird das Konzept der ZDF-Nachrichtensatire beleuchtet, die sich am US-Vorbild der „Daily Show“ orientiert und politische Prozesse humoristisch verarbeitet.
4 DIE „TV TOTAL BUNDESTAGSWAHL 2009“: Das Kapitel analysiert das interaktive Talkshow-Format von Stefan Raab, das Politikern eine Plattform bot und insbesondere junge Wähler ansprechen sollte.
5 FAZIT: Das Fazit fasst zusammen, dass Politainment ein wirksames Mittel gegen Politikverdrossenheit sein kann, sofern die Balance zwischen Unterhaltung und inhaltlicher Tiefe gewahrt bleibt.
Schlüsselwörter
Politainment, Politikvermittlung, Unterhaltungsmedien, heute-show, TV total, Bundestagswahl 2009, Politikverdrossenheit, Nachrichtensatire, Medieninszenierung, Politische Kommunikation, Unterhaltende Politik, Politische Unterhaltung, Stefan Raab, Oliver Welke, Fernsehformate
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen „Politainment“ in deutschen Fernsehformaten, also die Vermischung von politischen Inhalten mit Elementen der Unterhaltungsindustrie.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Entwicklung des Politainment, seine Funktionen für die Rezipienten, die Chancen und Risiken für die Politik sowie die Analyse spezifischer Formate.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Aufbau und die Wirkung von Politainment-Formaten wie der „heute-show“ und der „TV total Bundestagswahl“ im Hinblick auf die Politikvermittlung zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse medienwissenschaftlicher Fachwerke, die den theoretischen Rahmen für die empirische Betrachtung der ausgewählten Fernsehformate bilden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Politainment-Begriffs und eine detaillierte Fallanalyse der „heute-show“ sowie der „TV total Bundestagswahl 2009“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Politainment, Politikvermittlung, Nachrichtensatire, Medieninszenierung und Politikverdrossenheit.
Wie unterscheidet sich die „heute-show“ von der „TV total Bundestagswahl“?
Während die „heute-show“ als Nachrichtensatire fungiert, um komplexe Prozesse zu veranschaulichen, dient das Format von Stefan Raab primär als Plattform für Politiker, um direkten Kontakt zur Zielgruppe der jungen Wähler aufzubauen.
Welche Risiken birgt die Nutzung von Politainment für Politiker?
Ein wesentliches Risiko besteht darin, dass Auftritte als bloße Inszenierung wahrgenommen werden könnten, was die Glaubwürdigkeit des Politikers schädigt, wenn dieser den Anforderungen der Unterhaltungsformate nicht gerecht wird.
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- Annabelle Seibt (Author), 2010, Politik als Show?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/173427