Bilder machen den Unterricht lebendig. Sie vertiefen das Gehörte und
motivieren zu neuen Sichtweisen. Daher ist es für Lehrer unumgänglich, sich mit dem Medium der Fotografie auseinander zu setzen und selbiges in den eigenen Unterricht zu implizieren.
Doch Fotografie ist schon lange nicht mehr nur ein Abbild der Realität. Die Interpretation ist abhängig vom Kontext, von der Kombination mit Text und der Beobachtungsperspektive. Hinzu kommt, dass die Fotografie wie kein anderes Medium starken Manipulationsmöglichkeiten unterliegt und keinesfalls mehr als ein Darstellungsmittel der Realität gesehen werden kann.
“Diese angenommene Nähe einer Fotografie zur vergangenen
Realität, ihr scheinbarer Abbildungscharakter, die Behauptung des
Authentischen auf der einen, die Einmischung der subjektiven
Betrachtung bei jedem Blick auf die Aufnahme auf der anderen
Seite, macht sie zu einem schillernden Medium und zu einer
schwierigen Quelle.“ (Pilarczyk/Mietzner, 21)
Aber es ist auch gerade diese Möglichkeit zur Manipulation oder zur sinnverändernden Kombination mit weiteren Elementen wie Text, die den Einsatz von Fotografien besonders im Unterricht der beruflichen Fachrichtung Gestaltungstechnik interessant macht.
Im Folgenden werde ich auf die Ausdrucksmöglichkeiten der Fotografie,
insbesondere durch die Kombination von Text und Bild eingehen und an
einem Beispiel erörtern. Daraufhin werde ich einen Unterrichtsentwurf
darstellen, der sich genau dieser Kombination von Fotografien mit Texten und dem dadurch neu entstandenen Sinnzusammenhang anhand einer
Werbekampagne annährt und die SchülerInnen in eine Lernfeldthematik
einführen will. Dies geschieht anhand des Lernfeldes 2, „Medienprodukte typografisch gestalten“, im ersten Lehrjahr des Ausbildungsberufes der MediengestalterInnen für Digital- und Printmedien.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ausdrucksmöglichkeiten eines Fotos
3. Einsatz von Fotos im Unterricht der Gestaltungstechnik
3.1 Analyse
3.2 Unterrichtsentwurf
3.3 Artikulationsschema
3.4 Tafelbilder
3.5 Intentionen des Unterrichtsentwurfs
3.6 Einordnung des Unterrichtsentwurfs in das Lernfeld
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Potenzial der Fotografie als manipulierbares Medium im beruflichen Unterricht der Gestaltungstechnik, wobei das Hauptziel darin besteht, Schülern die sinnverändernde Wirkung von Text-Bild-Kombinationen zu verdeutlichen und sie für die damit verbundene gestalterische sowie moralische Verantwortung zu sensibilisieren.
- Bedeutung der Fotografie in der visuellen Kommunikation
- Analyse der Manipulationsmöglichkeiten von Bildmaterial
- Didaktische Konzepte zur Bildbetrachtung im Unterricht
- Ethische Reflexion von Werbekampagnen
- Integration von Medienkompetenz in die Berufsausbildung
Auszug aus dem Buch
2. Ausdrucksmöglichkeiten eines Fotos
Das Medium der Fotografie bietet unendliche viele Möglichkeiten zum Einsatz im Unterricht. Besonders in der Gestaltungstechnik, die den Fokus auf Medien, Kommunikation und Werbung setzt, ist der Einsatz von Fotomaterial unumgänglich.
So weit das Einsatzfeld auch ist, bedarf der Umgang mit Fotografie aber einer besonderen Vorsicht, da eine fotografische Aufnahme oft vielschichtig ist und diversen Interpretationen eine Basis bietet. So gibt es nicht nur unterschiedliche Beobachtungsperspektiven gegenüber einer Fotografie, die das Foto selbst schwer greifbar machen, insbesondere im Bereich der Werbung ist die Kommunikation durch die Kombination einer Fotografie mit einem Text typisch und oft sinnverändernd in der Hinsicht, dass die Addition eines Textes eine Fotografie in einen völlig neuen Zusammenhang stellen kann. „Das Herzstück der Werbung ist die Text/Bild Kommunikation [...]“ (Grebe, 45).
Abbildung 1 zeigt eine Gruppe von Kindern, die auf einer gepflasterten Straße stehen. Die Kinder stehen in einer Gruppe zusammen und scheinen gerade ihre Freizeit gemeinsam zu verbringen. Möglicher Ort der Aufnahme mag ein Spielplatz sein oder ein Innenhof in einem Wohnkomplex. Die dargestellten jungen Menschen scheinen sorglos und glücklich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Bedeutung der Fotografie für einen lebendigen Unterricht und stellt die Forschungsabsicht dar, das Medium im Kontext des Mediengestalter-Berufsbildes kritisch zu untersuchen.
2. Ausdrucksmöglichkeiten eines Fotos: Dieses Kapitel thematisiert die Vielschichtigkeit und Manipulierbarkeit von Fotografien, insbesondere durch die Kombination mit Text in der Werbewirtschaft.
3. Einsatz von Fotos im Unterricht der Gestaltungstechnik: Dieser Abschnitt beschreibt die konkrete unterrichtspraktische Anwendung, inklusive Lernfeldanalyse, methodischem Vorgehen und ethischer Reflexion von Werbekampagnen.
Schlüsselwörter
Fotografie, Gestaltungstechnik, Medienprodukte, Text-Bild-Kommunikation, Werbekampagne, Medienkompetenz, Bildanalyse, Unterrichtsentwurf, Oliviero Toscani, Benetton, Lernfeld, Typografie, Werbewirtschaft, Mediengestalter, Berufsbildung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse und dem didaktischen Einsatz von Fotografie im Unterricht für angehende Mediengestalter, wobei ein Schwerpunkt auf der kritischen Auseinandersetzung mit der Bildmanipulation liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Ausdrucksmöglichkeiten von Fotos, die sinnverändernde Wirkung durch Textkombinationen und die ethische Bewertung von Bildsprache in der Werbung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Schülern durch Unterrichtsentwürfe ein Bewusstsein für die gestalterische und moralische Verantwortung bei der Arbeit mit Bildmedien zu vermitteln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden fachdidaktische Analyse- und Unterrichtsentwurfsmethoden angewandt, unterstützt durch die theoretische Fundierung zur Fotografieanalyse.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst eine theoretische Auseinandersetzung mit der Bildwirkung sowie eine detaillierte Ausarbeitung einer Unterrichtseinheit zum Thema Werbekampagnen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Medienkompetenz, Bildanalyse, Werbewirtschaft und Gestaltungstechnik charakterisiert.
Warum spielt die Marke „Benetton“ eine zentrale Rolle?
Die Benetton-Kampagnen dienen als Fallbeispiel, um die komplexe und kontroverse Nutzung von Fotografie zur politischen und ethischen Stellungnahme in der Werbung zu illustrieren.
Welche Rolle spielt die „verzögerte Bildbetrachtung“?
Diese Methode dient als motivierender Einstieg, um Schüler zunächst ohne Kontext zu Spekulationen anzuregen und anschließend die Bedeutung des Kontextes für die Bildinterpretation aufzuzeigen.
Welches Lernfeld wird im Unterrichtsentwurf adressiert?
Die Arbeit bezieht sich konkret auf das Lernfeld 2, „Medienprodukte typografisch gestalten“, im ersten Ausbildungsjahr von Mediengestaltern.
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- M. A. Alisa Westermann (Author), 2009, Fotoanalyse in der beruflichen Bildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/173375