Zwangsmaßnahmen sind im Rahmen der psychiatrischen Behandlungsstrukturen und Versorgungssysteme nicht zu leugnen und stellen die beteiligten Akteure sowie die Betroffenen auf allen Ebenen vor besondere Herausforderungen. Sie sind mit komplexen und vielschichtigen Spannungsfeldern verbunden und unterliegen diversen Einflussfaktoren. Mehrere Berufsgruppen sind aus multiprofessioneller Sicht an den Prozessabläufen und den Systemdynamiken beteiligt und in diese eingebunden. Der Verlust von Autonomie ist für von Zwangsmaßnahmen betroffene Personen als hohe psychische und physische Belastung anzusehen. Das diese Thematik zunehmend in den Fokus rückt, belegt unter anderem eine entsprechende S3-Leitlinie aus dem Jahr 2018. In ihr wird ausdrücklich darauf hingewiesen und festgehalten, dass Zwangsmaßnahmen nur als letzte mögliche Intervention auf ärztliche Anordnung von berechtigtem und geschultem Personal durchgeführt werden dürfen.
Deeskalationsversuche sind dabei vorzuschalten und die Maßnahmen dürfen nur Anwendung finden, wenn eine hohe situative Gefahr ein direktes Reagieren erforderlich macht. Der Verhältnismäßigkeit ist besondere Aufmerksamkeit zu schenken, Zweck und Risiken müssen sorgfältig abgewogen werden. Das Agieren in den entstehenden Spannungsfeldern ist begleitet von vielen Grenzfragen mit oft konkreten Bezugspunkten auf den Arbeitsalltag in psychiatrischen Settings. Zielsetzung dieser Arbeit soll es sein, die Haltung von Pflegekräften auf akutpsychiatrischen Stationen wissenschaftlich fundiert zu erfassen und darzustellen. Aus Sicht des Verfassers der vorliegenden Arbeit stellt dieser Prozess die Grundlage dar, um darauf aufbauend, einrichtungsbezogene Faktoren zu eruieren, die grundsätzlich im Kontext der Zwangsmaßnahmen stehen. Erst wenn diese Basis vorhanden ist, kann es gelingen zielführend Einfluss darauf zu nehmen und darüber die eigentlichen Prozessabläufe, Systemzusammenhänge und Ablaufdynamiken zu steuern, um einen Beitrag zu ethisch humanen Versorgungsstrukturen im Rahmen der psychiatrischen Akutbehandlungen zu leisten. Geplant ist der Einsatz eines testtheoretisch fundierten Fragebogens, welcher die Einstellung des Personals zur Zwangsanwendung in psychiatrischen Einrichtungen erfasst.
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- Anonym (Author), 2022, Analyse der Haltungen von Pflegemitarbeitern zu Zwangsmaßnahmen auf akut psychiatrischen Stationen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1733077