Dank der großen Migrationsbewegungen im 20. und 21. Jahrhundert ist die Hauptstadt Perus zu einer der größten Metropolen Lateinamerikas angewachsen. Durch einen „proceso que envuelve, en gran medida, a mundos culturales distintos“ [, se enlazó] un universo rural […] con un mundo urbano (Caravedo 1990: 18). Im Zuge dessen hat sich in Lima ein heterogenes Stadtbild herausgebildet, dessen kulturelle und sprachliche Divergenz im Interesse zahlreicher Studien stehen und auch Teil dieser Arbeit sein sollen.
Wie wir im Folgenden sehen werden, geht diese „diversificación cultural [einher mit einem] contacto y [..] conflicto de lenguas diversas, tipológicamente muy distintas, como lo son el español y el quechua“ (ebd. 18). Neuere Studien, wie u.a. Godenzzi (2008), beschäftigen sich in diesem Zusammenhang mit den sozio-linguistischen Auswirkungen dieses Sprachkontaktes in den verschiedenen sozialen Schichten Limas und zeigen, dass sich Sprache hier zum Identifikations- und Distinktionsmerkmal entwickelt hat.
Ziel dieser Arbeit ist es, die verschiedenen Faktoren, die für diese Entwicklung ausschlaggebend waren, aufzuzeigen. Dazu wird zuerst ein Blick auf die Geschichte der Kolonialzeit Perus geworfen, die durch einen „contacto lingüístico [entre] hablantes monolingües del español [y] quechuahablantes de la zona andina“ (Fernández 2008: 34) gekennzeichnet war. Dabei soll Lima als Zentrum dieses Kontaktes charakterisiert werden, wobei hier das Augenmerk auf der demografischen Entwicklung liegt.
Im weiteren Verlauf sollen dann die unterschiedlichen Gründe für die Urbanisierung im 20. Jahrhundert aufgezeigt werden, um danach einen erneuten Blick auf Lima als primäres Ziel dieser Landflucht zu werfen. Im engeren Interesse stehen hier die neu gegründeten Stadtviertel, in denen sich die Migranten vorwiegend ansiedelten. Damit einhergehend wird jetzt das Thema ihrer Integration aufgegriffen, aus der sich schnell Konflikte im Zusammenleben der einzelnen Bevölkerungsgruppen ergaben. Diese Differenzen machten in kurzer Zeit „la forma de hablar español [zu einem] elemento importante […] para identificar y diferenciar a los limeños“ (Smith 2008: 79).
Um hier eine Unterscheidung vornehmen zu können, widmet sich der nächste Abschnitt der Entstehung des Castellano Andino. Dafür soll abermals ein Blick auf die frühe Kolonialzeit geworfen werden, wobei nun der Fokus auf dem Quechua als die prominenteste beeinflussende Sprache liegt. Danach sollen Anhand ausgewählter Beispiel...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschichte
2.1. Sprachkontakt während der Kolonialzeit
2.2. Lima in der Kolonialzeit
3. Urbanisierung
3.1. Urbanisierung im 20. Jahrhundert
3.2. Lima heute
4. Entstehung des Castellano Andino
4.1. Frühe Andinisierung des Spanischen
4.2. Merkmale des Quechua im Castellano Andino
4.2.1. Phonetik - Phonologie
4.2.2. Morphosyntax
4.2.3. Lexik
5. Lima im 21. Jahrhundert
5.1. Der Migrant erster Generation
5.2. Der Neo-Limeño
5.3. Der Alt-Limeño
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die sozio-linguistischen Entwicklungen in Lima als Folge massiver Migrationsbewegungen im 20. und 21. Jahrhundert. Das primäre Ziel ist es, die Herausbildung des Castellano Andino und dessen Rolle als soziales Distinktionsmerkmal zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen in der peruanischen Hauptstadt zu analysieren.
- Historische Entwicklung des Sprachkontakts zwischen Quechua und Spanisch
- Demografischer Wandel und Urbanisierungsprozesse in Lima
- Linguistische Merkmale des Castellano Andino (Phonetik, Morphosyntax, Lexik)
- Soziale Differenzierung und Identitätsbildung verschiedener Gruppen (Migranten, Neo-Limeños, Alt-Limeños)
Auszug aus dem Buch
4.2. Merkmale des Quechua im Castellano Andino
Die Mannigfaltigkeit der Züge des Quechua im CA, ist in allen Bereichen der theoretischen Linguistik zu finden. Hier sollen nun phonetisch-phonologische, morphosyntaktische und lexikalische Elemente charakterisiert und mit Beispielen von FERNÁNDEZ (2008) belegt werden.
4.2.1. Phonetik - Phonologie
Eines der prominentesten Merkmale des CA ist dessen Aussprache, welche sich hauptsächlich „[en] el confundir [de] las vocales de abertura media del español con las altas del quechua [bemerkbar macht und von manchen als] problema [...] en el lenguaje peruano [bezeichnet wird]“ (ebd. 39f.). Das rührt daher, dass das Quechua mit /i/, /u/ und /a/ nur drei Vokalphoneme hat und die Allophone [e] und [o] lediglich geschlossene Varianten der Phoneme /i/ und /u/ sind (vgl. CARRANZA 1993: 19). Das Spanische hingegen hat mit /i/, /e/, /a/, /o/ und /u/ fünf Vokalphoneme woraus resultiert, dass die Phoneme /e/ und /o/ des Spanischen Bedeutungsunterschiede hervorrufen, dessen Nuancen das Quechua nicht erkennt. So kommt es unvermeidlich zu Irrtümern in der Anwendung der spanischen Phoneme /e/ und /o/, wie in folgenden Beispielen zu sehen ist:
caldo con fidios - hace llurar a la gente
„caldo con fideos“ - „hace llorar a la gente“ (37)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Migrationsbewegungen in Lima und die daraus resultierenden sozio-linguistischen Auswirkungen auf das Stadtbild.
2. Geschichte: Analyse des historischen Sprachkontakts zwischen Spanisch und Quechua seit der Kolonialzeit sowie der demografischen Entwicklung Limas.
3. Urbanisierung: Untersuchung der Faktoren, die zur massiven Urbanisierung im 20. Jahrhundert und zur Entstehung neuer Stadtviertel führten.
4. Entstehung des Castellano Andino: Wissenschaftliche Betrachtung der linguistischen Adaption des Spanischen durch Einflüsse des Quechua, inklusive phonetischer und grammatikalischer Analysen.
5. Lima im 21. Jahrhundert: Differenzierung der heutigen Stadtgesellschaft in Migranten erster Generation, Neo-Limeños und Alt-Limeños hinsichtlich ihres Sprachgebrauchs und Status.
6. Zusammenfassung: Synthese der Forschungsergebnisse zur Sprache als soziales Kriterium und Ausblick auf die weitere Entwicklung in Lima.
Schlüsselwörter
Lima, Castellano Andino, Sprachkontakt, Quechua, Migration, Urbanisierung, Soziolinguistik, Identität, Diskriminierung, Neo-Limeño, Alt-Limeño, Sprachvariation, Diglossie, Kolonialzeit, Sozialstatus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den sozio-linguistischen Folgen der starken Binnenmigration in Peru, die Lima seit dem 20. Jahrhundert nachhaltig verändert hat.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte des Sprachkontakts, Prozesse der Urbanisierung, die Entstehung des Castellano Andino sowie die soziale Schichtung der Bevölkerung in Lima.
Was ist die zentrale Forschungsfrage der Arbeit?
Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie sich der Kontakt zwischen Quechua und Spanisch auf die Sprache in Lima auswirkt und inwieweit diese Sprachvariation als soziales Distinktionsmerkmal fungiert.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse, die soziolinguistische Studien, demografische Daten und historische Quellen auswertet, um die Entwicklung der "Stadtsprache Lima" zu belegen.
Was bildet den Schwerpunkt des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Aufarbeitung des Sprachkontakts, die Analyse der demografischen Urbanisierung und die linguistische Untersuchung der Besonderheiten des Castellano Andino.
Welche Schlüsselbegriffe definieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Castellano Andino, Sprachkontakt, Migration, soziale Distinktion und die soziolinguistische Charakterisierung der Limeño-Bevölkerungsgruppen.
Wie unterscheidet sich der Sprachgebrauch eines Neo-Limeño von dem eines Alt-Limeño?
Der Alt-Limeño repräsentiert oft den traditionellen Standard, während der Neo-Limeño eine Hybridform verwendet, die durch die Integration in die Stadt und die eigene Herkunft geprägt ist, wobei Sprache als Abgrenzungsinstrument dient.
Warum spielt das Quechua eine Rolle für das Spanische in Lima?
Aufgrund der massiven Migration indigener Bevölkerungsgruppen haben laut Arbeit sprachliche Strukturen des Quechua (wie Vokalreduktion oder morphosyntaktische Besonderheiten) das in Lima gesprochene Spanisch maßgeblich beeinflusst.
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- Nico Hübner (Author), 2011, Untersuchung der Stadtsprache in Lima, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/173216