Die vorliegende Ausarbeitung untersucht Wahrnehmungs- und Interpretationsprozesse nonverbaler Signale in asymmetrischen forensischen Explorationsgesprächen aus kommunikationspsychologischer Perspektive. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Rolle nonverbale Kommunikation bei der Einschätzung von Glaubwürdigkeit und Täuschung spielt und wie Wahrnehmungsprozesse diese Beurteilungen beeinflussen.
Im theoretischen Teil werden Grundlagen der nonverbalen Kommunikation, Wahrnehmungsverzerrungen sowie psychologische Modelle der Täuschungsforschung dargestellt. Die Arbeit zeigt auf, dass nonverbale Signale wie Mimik, Gestik oder Blickverhalten häufig als Hinweise auf Täuschung interpretiert werden, ihre Aussagekraft jedoch stark von situativen, sozialen und individuellen Faktoren abhängt. Zudem werden kognitive Verzerrungen und stereotype Annahmen thematisiert, die die Wahrnehmung und Bewertung von Verhalten beeinflussen können.
Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurde ein Scoping Review durchgeführt. Dabei wurden wissenschaftliche Studien aus den Datenbanken PubMed und EBSCOhost systematisch recherchiert, ausgewählt und analysiert. Insgesamt flossen 20 relevante Studien in die Auswertung ein.
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Genauigkeit der Täuschungserkennung insgesamt gering ist und häufig nur knapp über dem Zufallsniveau liegt. Nonverbale Signale erweisen sich dabei nicht als verlässliche Indikatoren für Täuschung, da ihre Interpretation stark subjektiv geprägt ist. Besonders deutlich wird, dass Beobachter häufig auf stereotype Vorstellungen zurückgreifen und dadurch Fehlinterpretationen entstehen können. Zudem beeinflussen situative Bedingungen und asymmetrische Kommunikationsstrukturen die Wahrnehmung und Bewertung von Aussagen erheblich.
Abschließend kommt die Arbeit zu dem Ergebnis, dass die Problematik der Täuschungsbeurteilung weniger in der Sichtbarkeit von Täuschung liegt, sondern vielmehr in den kognitiven Deutungs- und Interpretationsprozessen der Beobachter. Für den forensischen Kontext wird daher ein reflektierter und evidenzbasierter Umgang mit nonverbalen Signalen empfohlen.
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- Ludmila Kravets (Author), 2026, Wahrnehmungs- und Interpretationsprozesse nonverbaler Signale in asymmetrischen forensischen Explorationsgesprächen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1730578