Die politische Bildung in der Grundschule rückte Ende der 1960er Jahre in das Bewusstsein der Pädagogen und Didaktiker, da empirische Untersuchungen erstmals die frühkindliche politische Sozialisation belegen konnten.
Politische Bildung in der Grundschule ist auch heute noch sehr wichtig, da ein Umgehen von Konflikten und kritischen Themen die soziale Entwicklung der Kinder behindert. Aus diesem Grund wird im Folgenden zunächst geklärt, was unter „Politik“ genau zu verstehen ist. Erläutert wird das Ziel der politischen Bildung in einer Demokratie und welche Ziele speziell in der Grundschule verfolgt werden. Anschließend wird bewiesen, dass Kinder im Grundschulalter über die kognitiven Fähigkeiten, die für politisches Lernen notwendig sind, verfügen. Es wird aufgezeigt welche Themen des Sachunterrichtlehrplans für eine politische Bildung geeignet sind und welche didaktischen Prinzipien man dabei beachten sollte. Durch die Nennung der methodischen Umsetzung wird der Auftrag des Sachunterrichts zur politischen Bildung verdeutlicht und veranschaulicht. Abschließend wird die Bedeutsamkeit politischer Bildung im Primarbereich hervorgehoben.
Inhaltsverzeichnis
I. Politische Bildung als vernachlässigte Aufgabe des Sachunterrichts
II. Definition des Begriffs „Politik“
III. Politische kognitive Fähigkeiten im Grundschulalter
IV. Ziele politischer Bildung
1. Oberstes Ziel der politischen Bildung in einer Demokratie
2. Ziele der politischen Bildung in der Grundschule
V. Politische Bildung als Auftrag des Sachunterrichts
1. Lehrplanangaben zum politischen Lernen im Sachunterricht
2. Didaktische Prinzipien
3. Methodische Umsetzung
VI. Politische Bildung als wichtiger Auftrag des Sachunterrichts
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung und Notwendigkeit der politischen Bildung im Grundschulalter, analysiert bestehende kognitive Voraussetzungen der Kinder und zeigt Möglichkeiten der Umsetzung im Sachunterricht auf. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie politische Mündigkeit als oberstes Ziel bereits frühzeitig durch didaktisch fundierte Methoden im Unterricht gefördert werden kann, um der aktuellen Entpolitisierung in der Grundschule entgegenzuwirken.
- Historische Entwicklung der politischen Bildung in der Grundschule
- Kognitive Voraussetzungen und Lernfähigkeit von Kindern im Bereich Politik
- Relevanz und Ziele der politischen Mündigkeit in der Demokratie
- Verankerung politischer Bildung in aktuellen Lehrplaninhalten
- Methodische Konzepte für den Sachunterricht (z. B. Konfliktanalyse)
Auszug aus dem Buch
3. Methodische Umsetzung
Die methodische Umsetzung politischen Lernens kann sehr vielfältig erfolgen, beruht jedoch immer auf dem gleichen Grundkonzept:
Eine gestaltete Lernsituation, die einen Interessenskonflikt thematisiert, bildet den Ausgangspunkt. Die Schüler sammeln zunächst Informationen zu der vorliegenden Sachsituation und tauschen sich anschließend darüber aus. In einem nächsten Schritt werden die gewonnenen Informationen analysiert und interpretiert. Es folgen ein Perspektivenwechsel und eine Vergewisserung der gewonnen Informationen. In einem letzten Schritt wird versucht das Allgemeine im Besonderen zu entdecken.
Im Folgenden werden die einzelnen methodischen Schritte durch ein konkretes Beispiel verdeutlicht, desweitern wird aufgezeigt, wie man diese Schritte auf unterschiedliche Art und Weise umsetzten kann.
Als Ausgangsthema wird der Interessenskonflikt zwischen einem Hausbesitzer und einem Graffitisprayer verwendet. Den Schülern wird ein Zeitungsartikel vorgelegt, der von einem Fall berichtet, indem ein Grafittisprayer unerlaubt die Wand eines Eigentumhauses besprühte.
„Um die Interessenkonstellation zu verstehen […] sind begriffliche und themenspezifische Sachinformationen unabdingbar“ (Schneider 2007, 9) und deren Ermittlung gilt als erster Schritt im politischen Lernen. Die Schüler müssen sich Informationen über beispielsweise die künstlerische Freiheit oder das Eigentumsrecht aneignen. Diese Aneignung kann auf unterschiedliche Art erfolgen, die Lehrkraft kann die notwendigen Informationen vorgeben, die Schüler können diese selbst durch eigene Erkundungen, Befragungen oder Medienrecherche ermitteln oder durch eine Fallanalyse oder Bildbetrachtung herausfiltern.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Politische Bildung als vernachlässigte Aufgabe des Sachunterrichts: Das Kapitel erläutert die historische Entwicklung und die Gründe für die aktuelle Entpolitisierung des Sachunterrichts, die vor allem auf Lehrkräfte und mangelnde Materialien zurückzuführen ist.
II. Definition des Begriffs „Politik“: Es wird die Vielschichtigkeit des Politikbegriffs aufgezeigt und durch die Dimensionen „polity“, „policy“ und „politics“ strukturiert definiert.
III. Politische kognitive Fähigkeiten im Grundschulalter: Dieses Kapitel widerlegt die veraltete Annahme der kognitiven Überforderung von Grundschülern und belegt, dass Kinder bereits über basale politische Konzepte verfügen.
IV. Ziele politischer Bildung: Hier wird die politische Mündigkeit als oberstes Ziel definiert und die Notwendigkeit von politischem Wissen, Verantwortungsbewusstsein und Partizipation dargelegt.
V. Politische Bildung als Auftrag des Sachunterrichts: Das Kapitel verknüpft Lehrplanvorgaben mit didaktischen Prinzipien und konkreten methodischen Schritten der Unterrichtsgestaltung.
VI. Politische Bildung als wichtiger Auftrag des Sachunterrichts: Der abschließende Teil betont die notwendige Unterstützung der Lehrkräfte zur erfolgreichen Implementierung politischer Bildung im Primarbereich.
Schlüsselwörter
Politische Bildung, Sachunterricht, Grundschule, Politische Mündigkeit, Demokratieerziehung, Didaktik, Methodik, Lehrplan, Partizipation, Konfliktanalyse, Perspektivenwechsel, Politische Sozialisation, Interessenkonflikt, Kognitive Fähigkeiten, Grundrechtserziehung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Notwendigkeit und den Möglichkeiten der politischen Bildung im Sachunterricht der Grundschule, um dem Problem der Entpolitisierung entgegenzuwirken.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die kognitiven Voraussetzungen von Grundschulkindern für politisches Lernen, die Definition politischer Mündigkeit sowie didaktisch-methodische Umsetzungsstrategien im Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie durch eine gezielte politische Bildung im Grundschulalter die Entwicklung von Urteils- und Handlungsfähigkeit gefördert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse, um den aktuellen Forschungsstand zu kognitiven Entwicklungsstufen und fachdidaktischen Konzepten zusammenzuführen und auf den Sachunterricht zu übertragen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Politikbegriffs, die Analyse der kindlichen Lernfähigkeit, die Zielsetzung der politischen Mündigkeit und die konkrete methodische Umsetzung im Lehrplan.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind politische Bildung, Sachunterricht, Mündigkeit, Partizipation, Konfliktanalyse und Demokratieerziehung.
Warum wird im Text Bezug auf den „Beutelsbacher Konsens“ genommen?
Er dient als fundamentaler Minimalkonsens für die politische Bildung in Deutschland und legt die Prinzipien des Überwältigungsverbots, der Kontroversität und des Analysegebots fest.
Wie kann ein Lehrer politische Bildung in der 1. Jahrgangsstufe integrieren?
Beispielsweise durch Themen wie „Spielen“ und das Einhalten von Spielregeln oder „Schule als Gemeinschaft“ unter dem Aspekt von Regeln und verantwortungsbewusstem Handeln.
Was bedeutet das „Analysegebot“ für Grundschüler?
Es bedeutet, dass Schüler befähigt werden sollen, eigene Interessen und politische Sachverhalte zu analysieren und Wege zur Einflussnahme auf soziale Situationen zu entwickeln.
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- Julia Müller (Author), 2010, Politische Bildung im Sachunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/173025