„Das Thema ist klassisch: Macht und Moral. Das "und" bezeichnete stets beides: Einen Gegensatz und eine wechselseitige Bedingung. Während die erste Variante, der Gegensatz von rücksichtslos egoistischem Machtwillen auf der einen Seite und moralischer Bindung an überindividuelle Normen auf der anderen, ohne weiteres deutlich ist, so liefert die zweite Variante, die wechselseitige Bedingung von Macht und Moral, viel Diskussionsstoff für Theorie und Praxis. Macht braucht, wenn sie dauern will, ein sittliches Überzeugungssystem, das die freiwillige Folgebereitschaft der Machtlosen legitimiert, und umgekehrt. Moral braucht, wenn sie wirksam sein will, machtgestützte Sozialisationsinstanzen.“
Wie in dem einleitenden Zitat bereits dargestellt, braucht Moral ein effektives Mittel zur Durchsetzung. Die Macht. Andererseits ist Macht nur dann legitim, wenn sie durch ein moralisches Fundament Akzeptanz bei den Beherrschten erzeugt. Sonst ist Macht nur illegitime Unterdrückung. Betrachtet man aber den Widerstreit und den Zusammenhang dieser beiden Begriffe im Licht eines ganz besonderen Berufes; der des Offiziers; so kann man eine weitere Ebene aufdecken. Verantwortung und Gewissen. Diese Arbeit wird sich mit den Begriffen Macht und Moral beschäftigen, mit Blick auf die Profession des Offiziers und so versuchen die Diskussion der ethischen Forschung um eine weitere Facette zu bereichern. Macht und Moral; Verantwortung und Gewissen; ihr Gegensatz, ihrer gegenseitigen Bedingung, vor allem aber welche Rolle diese Begriffe spielen, bei der Betrachtung des Offizierberufs unter den besonderen Gegebenheiten und eventueller Dilemmata im Auslandseinsatz. Da der Offizier als einzelner Soldat mit dem Recht auf freie Gewissensentscheidungen, gleichzeitig aber auch als Verantwortung tragender Menschenführer im Ausland seinen Dienst tut, wird im Besonderen ein Augenmerk auf den Konflikt von Verantwortung und Gewissen gelegt werden. Hierbei gilt es die militärische Berufsethik, als Werkzeug der Hilfestellung zu beleuchten.
Inhaltsverzeichnis
A) Einleitung
1. Einleitende Worte und Argumentationsgang
2. Begriffsklärung
2.1 Der Offizierberuf als Profession
2.2 Ethik, Innere Führung und militärische Berufsethik
B) Hauptteil
3. Macht und Moral; Theorie und Praxis
4. Die Besonderheit des Offiziers (im Einsatz)
4.1 Moral und Gewissensentscheidung
4.2 Macht und Verantwortung
4.3 Die militärische Berufsethik
C) Schluss
5. Fazit und Erklärungsversuche. Die militärische Berufsethik als Ausweg
6. Weiterführende Gedanken
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Macht und Moral sowie die Rolle von Verantwortung und Gewissen im Kontext des Offizierberufs, insbesondere unter den besonderen Bedingungen von Auslandseinsätzen.
- Grundlagen von Macht und Moral in Theorie und Praxis.
- Einordnung des Offizierberufs als Profession.
- Die Rolle der militärischen Berufsethik und der Inneren Führung.
- Konfliktpotenziale zwischen Gewissensentscheidung und Verantwortung.
- Notwendigkeit einer normativen Theorie für militärisches Handeln.
Auszug aus dem Buch
4. Die Besonderheit des Offiziers (im Einsatz)
Wie oben erwähnt, ist der Offizierberuf von erheblicher Machtfülle geprägt. Es soll im Folgenden aber nicht auf die Notwendigkeit eingegangen werden, diese Macht moralisch zu unterfüttern oder dem Offizier ein normatives Regelwerk vorzugeben.
Es soll vielmehr aufgezeigt werden, dass in der besonderen Situation des Auslandseinsatzes, bzw. der unvergleichbaren Rolle des Offiziers und seiner Aufgaben eine weitere Ebene in dem Konflikt und der gegenseitigen Bedingung von Macht und Moral erscheint.
Zusammenfassung der Kapitel
A) Einleitung: Einführung in die Thematik von Macht und Moral und Darlegung des Argumentationsgangs zur Rolle des Offiziers.
1. Einleitende Worte und Argumentationsgang: Hinführung zur Fragestellung, wie sich Macht und Moral im Kontext des Offizierberufs und bei Auslandseinsätzen verhalten.
2. Begriffsklärung: Definition zentraler Begriffe zur Einordnung des Offizierberufs und der ethischen Grundlagen.
2.1 Der Offizierberuf als Profession: Analyse der Merkmale, die den Offizierberuf als Profession definieren.
2.2 Ethik, Innere Führung und militärische Berufsethik: Erläuterung des ethischen Rahmens und der Bedeutung der Inneren Führung als Führungsphilosophie.
B) Hauptteil: Untersuchung der theoretischen und praktischen Aspekte von Macht, Moral und militärischer Verantwortung.
3. Macht und Moral; Theorie und Praxis: Theoretische Auseinandersetzung mit dem Spannungsverhältnis von Macht und Moral.
4. Die Besonderheit des Offiziers (im Einsatz): Analyse der spezifischen ethischen Herausforderungen für Offiziere in Einsatzszenarien.
4.1 Moral und Gewissensentscheidung: Diskussion des Rechts und der Pflicht des Offiziers zur Gewissensentscheidung.
4.2 Macht und Verantwortung: Betrachtung der ethischen Verantwortung, die aus der Machtposition des Offiziers resultiert.
4.3 Die militärische Berufsethik: Darlegung der Notwendigkeit einer reflexiven militärischen Berufsethik über die reine Legalität hinaus.
C) Schluss: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Ausblick.
5. Fazit und Erklärungsversuche. Die militärische Berufsethik als Ausweg: Abschließende Betrachtung der Dilemmata und der Rolle der Ethik als Orientierung.
6. Weiterführende Gedanken: Überlegungen zur Weiterentwicklung der Ausbildung und Forschung im Bereich der militärischen Berufsethik.
Schlüsselwörter
Macht, Moral, Offizierberuf, Verantwortung, Gewissen, militärische Berufsethik, Innere Führung, Auslandseinsatz, Profession, Ethik, Legalität, Normenkonflikt, Führung, Staat, Werte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem ethischen Spannungsfeld zwischen Machtausübung und moralischer Verantwortung im Kontext des Offizierberufs.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind Macht, Moral, das Berufsbild des Offiziers, die militärische Berufsethik sowie Gewissensentscheidungen im Auslandseinsatz.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Rolle von Gewissen und Verantwortung als notwendige Facetten bei der Ausübung militärischer Macht zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die Begriffe klärt, theoretische Ansätze gegenüberstellt und auf die Praxis des Offizierberufs anwendet.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil analysiert die theoretische Beziehung von Macht und Moral, die besonderen Herausforderungen für Offiziere im Einsatz und die Rolle der militärischen Berufsethik.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den Schlüsselwörtern gehören insbesondere Macht, Moral, Verantwortung, Offizierberuf, Gewissen und militärische Berufsethik.
Warum ist der Offizierberuf als Profession zu verstehen?
Die Arbeit definiert den Offizierberuf aufgrund seiner spezifischen Ausbildung, seiner hohen moralischen Attribute und seiner Verantwortung gegenüber der Gesellschaft als Profession.
Welche Rolle spielt das Konzept der Inneren Führung?
Die Innere Führung dient als Führungsphilosophie der Bundeswehr, in der die wesentlichen Kriterien einer militärischen Berufsethik verankert sind.
Wie geht die Arbeit mit Dilemmata im Auslandseinsatz um?
Sie identifiziert potenzielle Konflikte zwischen der Befehlserfüllung und dem Gewissen und plädiert für eine militärische Berufsethik als reflexives Orientierungswissen.
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- Julian Liese (Author), 2010, Macht und Moral - Verantwortung und Gewissen. Die 2. Dimension des Konflikts und der gegenseitigen Bestimmung von Macht und Moral, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/172662