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Pius XII. - Kirchenpolitik und ethisch-moralisches Handeln des Pacelli-Papstes im Spannungsfeld weltanschaulicher Gegensätze

Titel: Pius XII. - Kirchenpolitik und ethisch-moralisches Handeln des Pacelli-Papstes im Spannungsfeld weltanschaulicher Gegensätze

Masterarbeit , 2011 , 76 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Anna Lena Krumme (Autor:in)

Geschichte Europas - Zeitalter Weltkriege

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Während der Lektüre von Rolf Hochhuths Stellvertreter begegnete mir Papst Pius XII. zum ersten Mal. Ergänzende Recherchen zu der historischen Person des Papstes, der mit bürgerlichem Namen Eugenio Pacelli hieß, offenbarten mir dann schnell eine in der Geschichtswissenschaft höchst umstrittene Figur. Das Schauspiel selbst hat einen beträchtlichen Teil zur Entstehung einer Debatte beigetragen, die bis in die heutige Zeit hineinreicht. Hochhuth erhebt in seinem Bühnenstück die Anschuldigung, dass der Papst angesichts des Holocausts aus eigenen wirtschaftlichen Interessen und aus Angst vor der Ausbreitung des Kommunismus „geschwiegen“ habe.
Obwohl es auch vor der Uraufführung des Stellvertreters 1963 bereits kritische Stimmen gegen das Verhalten Pius’ XII. während des Zweiten Weltkrieges, insbesondere zur Judenverfolgung und -vernichtung gegeben hatte, begann sich zu diesem Zeitpunkt auch das öffentliche Bild des Pacelli-Papstes zu wandeln. Waren sich noch unmittelbar nach dessen Tod 1958 nicht nur die Gläubigen „einig in ihrem Lob für die Lebensleistung Eugenio Pacellis“ , so waren die Anschuldigungen gegen Pius XII., auch von Seiten der Historiker, seit Hochhuths Stellvertreter doch gravierend. Diese Vorwürfe gegen den Papst richten sich auch schon gegen Pacellis Aktivitäten vor Beginn seines Pontifikates 1939. So habe Pacelli bereits als Kardinalstaatssekretär mit dem von ihm ausgehandelten Reichskonkordat 1933 für eine offizielle Anerkennung Adolf Hitlers und des nationalsozialistischen Regimes vor den Augen der Welt gesorgt. Um das Konkordat nicht zu gefährden, habe er sogar die Selbstauflösung der katholischen Zentrumspartei gefordert. Grundsätzlich soll der Papst totalitäre Regime eher befürwortet haben als liberal-demokratische Rechtsstaatensysteme.
Der immer wieder vorgebrachte Hauptvorwurf gegen Pius XII. ist der des „Schweigens“ zum Holocaust: Er habe trotz früher Kenntnis und zahlreicher Bitten aus aller Welt um einen öffentlichen Protest sich nicht gegen die nationalsozialistischen Verbrechen an den europäischen Juden ausgesprochen. Als Gründe hierfür werden entweder seine Deutschlandfreundlichkeit – aufgrund seiner langjährigen Amtszeit als Nuntius in Deutschland –, eigene antisemitische Ansichten, oder seine große Angst vor dem Kommunismus genannt, vor dem nur ein Pakt mit dem Nationalsozialismus die westliche Welt hätte schützen können. Die Vorwürfe sind somit politischer und moralischer Natur.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die ideologische Einstellung des Papstes

2.1. Die Haltung Pius’ XII. gegenüber dem Kommunismus

2.2. Die Haltung Pius’ XII. gegenüber dem Nationalsozialismus und dem Faschismus

2.2.1. Pius XII. und der italienische Faschismus

2.2.2. Pius XII. und der Nationalsozialismus

2.2.3. Pius XII. und der Antisemitismus

2.3. Die Haltung Pius’ XII. gegenüber den liberal-demokratischen Rechtsstaatensystemen

3. Zwischenfazit

4. Das politische Verhalten des Papstes: Die Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Deutschen Reich

4.1. Das Reichskonkordat

4.2. Pius XII. und die Judenverfolgung

4.3. Politische Neutralität

4.4. Die Deportation in Rom

4.5. Hilfeleistungen für Juden in anderen europäischen Ländern

4.6. Das Verhalten des Papstes im Angesicht des Holocausts

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen dem Heiligen Stuhl und dem nationalsozialistischen Regime während des Pontifikats von Pius XII. Im Zentrum steht dabei die Analyse der ideologischen Grundlagen, Handlungsabsichten sowie der Handlungsoptionen des Papstes, wobei das Hauptaugenmerk auf seiner Rolle gegenüber dem Antisemitismus, der Judenverfolgung und dem Holocaust liegt.

  • Ideologische Einstellung von Pius XII. gegenüber totalitären Systemen
  • Diplomatische Strategien und das Reichskonkordat von 1933
  • Umgang des Vatikans mit der Judenverfolgung und dem Holocaust
  • Konflikt zwischen politischer Neutralität und moralischer Instanz
  • Hilfeleistungen für jüdische Verfolgte in Europa

Auszug aus dem Buch

2.2.3. Pius XII. und der Antisemitismus

Der Vorwurf, Pacelli sei durch den jahrhundertealten Antijudaismus der katholischen Kirche geprägt oder gar selbst Antisemit gewesen, taucht auch in der jüngeren Debatte über das Verhalten des Papstes immer wieder auf. Besonders die Frage nach dem eventuell antijudaistisch begründeten Verhalten der katholischen Kirche verdient eine genaue Überprüfung, da eine Bestätigung „über ein ‚bloßes‘ Versagen einzelner ihrer Repräsentanten und Amtsträger weit hinausgeht“. So wäre das „Schweigen“ zum Holocaust als „konsequentes ‚Handeln‘ im Sinne des katholischen Dogmas“ zu bewerten und die gesamte Kirche hätte versagt.

Schon seit seiner Kindheit hatte Pacelli ein besonderes Interesse am Judentum. Auch während seiner Ausbildung wurden ihm nie irgendwelche antijudaistischen Ansichten nachgesagt. Während seiner Zeit in Deutschland konnte er die Entwicklung des extremer werdenden Antisemitismus, der dort von der politisch rechten Bewegung ausging, aus der Nähe beobachten. Dieser war ihm „suspekt“. Die gesamte Thematik der Judenverfolgung hatte allerdings keine herausragende Wichtigkeit für den damaligen Nuntius. Auch kann nicht von einer „Offenheit“ des päpstlichen Botschafters gegenüber dem Judentum gesprochen werden. In den Nuntiaturberichten sind durchaus „antisemitische Stereotype“ zu finden. Besonders in Pacellis Darstellungen zur „Münchener Räterepublik“ fallen negative Äußerungen auf, so spricht er beispielsweise über die „sehr harte russisch-jüdisch-revolutionäre Tyrannei“.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Kontroverse um Pius XII. und dessen Rolle während des Holocausts sowie Darlegung der Forschungsfrage.

2. Die ideologische Einstellung des Papstes: Analyse von Pacellis Haltung gegenüber Kommunismus, Faschismus, Nationalsozialismus und liberalen Demokratien.

3. Zwischenfazit: Zusammenfassende Bewertung von Pius XII. als Papst, der keine Bevorzugung totalitärer Systeme erkennen lässt, jedoch primär um die Unabhängigkeit der Kirche besorgt war.

4. Das politische Verhalten des Papstes: Die Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Deutschen Reich: Detaillierte Untersuchung des Reichskonkordats und der päpstlichen Reaktion auf die Judenverfolgung und den Holocaust.

5. Fazit: Schlussfolgerung, dass Pius XII. trotz schwieriger Bedingungen und begrenzter Handlungsoptionen als Diplomat agierte und das "Schweigen" als diplomatische Zurückhaltung zu bewerten ist.

Schlüsselwörter

Pius XII., Eugenio Pacelli, Nationalsozialismus, Kommunismus, Holocaust, Judenverfolgung, Reichskonkordat, Vatikan, Neutralität, Antisemitismus, katholische Kirche, Diplomatie, Moral, Zweiter Weltkrieg, Kirchengeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Masterarbeit analysiert die kirchenpolitische Haltung und das Handeln von Papst Pius XII. im Kontext des nationalsozialistischen Regimes und der totalitären Strömungen des 20. Jahrhunderts.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit beleuchtet die ideologische Einstellung des Papstes, die vatikanische Diplomatie, das Verhältnis zum Deutschen Reich sowie das Verhalten des Vatikans angesichts der Judenverfolgung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Handlungsoptionen von Pius XII. in seiner multiplen Rolle als Staatsoberhaupt und moralische Instanz im Spannungsfeld politischer Ideologien kritisch zu hinterfragen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer fundierten Auswertung historischer Quellen, Enzykliken und wissenschaftlicher Sekundärliteratur zur Auseinandersetzung mit der Rolle des Papstes während der NS-Zeit.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die ideologische Analyse des Papstes gegenüber verschiedenen Systemen sowie die detaillierte Betrachtung des Reichskonkordats und der Interventionen (bzw. des Schweigens) bei der Judenverfolgung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Pius XII., Nationalsozialismus, Holocaust, Judenverfolgung, Vatikan, Neutralität, Diplomatie und kirchenpolitisches Handeln.

Wie bewertet die Autorin die Rolle des Vatikans bei der Deportation in Rom?

Die Autorin sieht die Deportation als Wendepunkt, nach dem Pius XII. durch geheime Schutzmaßnahmen in kirchlichen Institutionen aktiv in das Geschehen eingriff, um Juden zu retten.

Ist Papst Pius XII. laut der Arbeit als Antisemit zu bezeichnen?

Nein, die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass er nicht als Antisemit bezeichnet werden kann, auch wenn seine diplomatische Zurückhaltung und frühere Formulierungen in Berichten heute kontrovers diskutiert werden.

Ende der Leseprobe aus 76 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Pius XII. - Kirchenpolitik und ethisch-moralisches Handeln des Pacelli-Papstes im Spannungsfeld weltanschaulicher Gegensätze
Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg)  (Geschichte und ihre Didaktik)
Note
1,3
Autor
Anna Lena Krumme (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2011
Seiten
76
Katalognummer
V172512
ISBN (eBook)
9783640924363
ISBN (Buch)
9783640924479
Sprache
Deutsch
Schlagworte
pius kirchenpolitik handeln pacelli-papstes spannungsfeld gegensätze
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anna Lena Krumme (Autor:in), 2011, Pius XII. - Kirchenpolitik und ethisch-moralisches Handeln des Pacelli-Papstes im Spannungsfeld weltanschaulicher Gegensätze, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/172512
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