Eine von Kriegen geprägte Zeit ist während der kurzen Regentschaft Joseph I. (1705-11) zu verzeichnen. So auch im Jahr 1702, als sich am Hof des Kaisers auf den geplanten Feldzug gegen Frankreich im Zuge der Spanischen Erbfolgekriege vorbereitet wurde. In der Chronik der Stadt Wien schreibt P. Mathias Fuhrmann 1738: „Als nun in diesem Jahr [1702] zu solcher Campagne alle behörigen Anstalten gemacht worden, und der 26. Juni, an welchem der Aufbruch fest gestellt war, herbey kam, fuhr der Römische König, Fruhe-morgens nach Schönbrunn und gings von dar in cognito durch den Garten nach Maria Hietzing, um in selbiger Kirche nochmals seine Devotion zu verrichten.“ Dieser Feldzug Josephs I. wurde schließlich erfolgreich beendet. Zu Ehren des sieghaften Kaisers wurde Sebastiano Ricci damit beauftragt die Decke des ehemaligen Salle à manger, heute Blaue Stiege genannt, in der kaiserlichen Residenz Schönbrunn in Wien zu freskieren. Dieses Fresko, Anmerkungen zu seinem Standort und zu Beginn Einblicke in das Leben und Werk des ausführenden Künstlers Sebastiano Ricci sollen im nun Folgenden erläutert werden.
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitende Worte
B. Hauptteil
I. Sebastiano Ricci – Leben und Werk
II. Schloß Schönbrunn – Lage des Deckenfreskos
III. Das Deckengemälde und seine ikonographische Bedeutung
C. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das von Sebastiano Ricci in den Jahren 1702/03 geschaffene Deckenfresko in der Blauen Stiege des Schlosses Schönbrunn und analysiert dessen Funktion als politisches Instrument zur Verherrlichung und Apotheose von Kaiser Joseph I. als tugendhafter Kriegsheld.
- Biografie und künstlerischer Werdegang von Sebastiano Ricci
- Baugeschichte und architektonischer Kontext des Schlosses Schönbrunn
- Ikonographische Deutung des Deckenfreskos
- Vergleich der allegorischen Darstellung mit antiken Mythen und Vorbildern
- Politische Symbolik und Herrschaftslegitimation im Barock
Auszug aus dem Buch
Das Deckengemälde und seine ikonographische Bedeutung
Das Thema der hier ausgeführten Deckenmalerei ist die Verherrlichung und schließlich Apotheose von Joseph I. als Kriegshelden und tugendhaften Mann (vgl. Abbildung 3, Seite 16). Auf einem von links unten nach rechts oben diagonal geführten braun-gelben bis goldenen Wolkenband wird der Held von Merito, beide eine Vielzahl von schwebenden Putti zu Füßen und über ihnen begleitend, zur Personifikation der Aeternitas geführt (vgl. Abbildung 4, Seite 17). Die rechte Hand der vermenschlichten Darstellung des Verdienstes, verschränkt sich mit der Linken des mit einer antikischen Rüstung gekleideten Heros und geleitet ihn zu Aeternitas Wolkenthron (vgl. Abbildung 5, Seite 17). Mit dem ausgestreckten Zeigefinger des linken Arms deutet der einen langen, braunen Bart tragende alte Merito zur Ewigkeit und blickt dabei zum Helden empor.
Aeternitas, deren Kopf ein breiter, hellleuchtender Nimbus (vgl. Abbildung 6, Seite 17) umgibt, erwartet den Helden bereits und streckt ihm mit ihrer Rechten einen Lorbeerkranz als Auszeichnung für all seine Verdienste entgegen. Sie hält zudem einen Schlangenring, Symbol für die Ewigkeit, fest in der linken Hand. Hinter dem Thron werden Lastergestalten, wie beispielsweise Satyrn und Dämonen, vom Genius der Tugendliebe in die Tiefe gestürzt (vgl. Abbildung 7, Seite 18). Links sitzt zu Füßen von Aeternitas eine Frau, deren Gesicht von ihrem linken, nach oben gestreckten Arm verdeckt wird. Mit der linken Hand zieht sie nämlich eine bräunliche Kette nach oben. Jene Gliederkette dient als Sinnbild für die Verbindung von Himmel und Erde bzw. von Mensch und Gott, hier zu verstehen als symbolische Nahtstelle der Göttin der Ewigkeit und dem Tugendhelden, einer Allusion also auf Joseph I.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einleitende Worte: Einführung in den historischen Kontext der Regentschaft Joseph I. und die Beauftragung des Künstlers Sebastiano Ricci für die Ausgestaltung der Blauen Stiege in Schönbrunn.
B. Hauptteil: Detaillierte Analyse des künstlerischen Werdegangs von Ricci sowie der baulichen Genese des Schlosses, gefolgt von einer tiefgehenden ikonographischen Interpretation des Deckengemäldes.
C. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Würdigung des Deckenfreskos als künstlerisches und politisches Programm, das den Herrscher als tugendhaften Helden legitimiert und überhöht.
Schlüsselwörter
Sebastiano Ricci, Schloss Schönbrunn, Blaue Stiege, Deckenfresko, Joseph I., Apotheose, Barockmalerei, Ikonographie, Tugendheld, Allegorie, Merito, Aeternitas, Herrschaftslegitimation, venezianische Malerei, Kunstgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Deckenfresko von Sebastiano Ricci in der Blauen Stiege des Schlosses Schönbrunn, das Kaiser Joseph I. gewidmet ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Biografie des Malers, die Baugeschichte des Schlosses Schönbrunn und die ikonographische Analyse des Freskos.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Entschlüsselung der politischen und moralischen Bedeutung des Deckengemäldes sowie die Aufarbeitung seiner kunsthistorischen Einordnung.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine kunsthistorische Analyse, die formale Bildbeschreibungen mit ikonographischen und historischen Quellenvergleichen kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Riccis Leben und Werk, die Einbettung in die Architektur von Schönbrunn und die detaillierte Deutung der bildnerischen Symbole.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Sebastiano Ricci, Schloss Schönbrunn, Apotheose, Tugendheld und Barock geprägt.
Warum wurde das Werk lange Zeit falsch zugeordnet?
Seit dem 19. Jahrhundert galt fälschlicherweise Johann Michael Rottmayr als Schöpfer, bevor 1962 durch Klara Gara die Autorenschaft von Sebastiano Ricci zweifelsfrei belegt wurde.
Welche Rolle spielt das Motiv der Sonne im Fresko?
Die Sonne dient als Symbol für Joseph I. und zieht eine Parallele zu Louis XIV. ("Sonnenkönig"), um den kaiserlichen Anspruch zu untermauern.
Was bedeutet der "Scheideweg" im Gemälde?
Der Scheideweg symbolisiert die Wahl des Kaisers zwischen den Versuchungen des Lasters (Venus) und dem moralisch anstrengenden Weg zur Tugend und Ewigkeit (Aeternitas).
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- Karina Fuchs (Author), 2009, Analyse "Sebastiano Ricci: Taten und Apotheose des Tugendhelden. Wien, Schönbrunn. 1702/03.", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/172480