Die erste These lautet: Greiffenberg konzipiert in ihrer Dichtung ein Ich, welches im Zuge der Selbstdarstellung einen Raum für „Deoglori“ schafft, wodurch eine paradoxe Spannung zwischen Individualismus und absoluter Hingabe entsteht. Dass die „Deoglori“ das Lebensprogramm Greiffenbergs mit Blick auf ihr Werk ausmacht, ist offenkundig, dennoch soll dies in den einzelnen Gedichten aufgezeigt werden, um die Konzeption des Ich im Zuge dessen untersuchen zu können, denn beides geht ineinander einher und kann in der Untersuchung lediglich im Einzelnen voneinander getrennt werden. Trotz einiger Linien zur Biografie Greiffenbergs lässt sich nicht pauschalisieren, dass das Ich der Gedichte ausschließlich der historischen Catharina Regina von Greiffenberg entspricht, gleichzeitig lässt sich der starke Bezug auch nicht außer Acht lassen, weshalb in dieser Arbeit von einer „Inklusionsindividualität“ ausgegangen werden soll, so vertrete „[d]as ‚Ich‘ im Text […] nicht nur, wenig verhüllt, die Autorin, sondern kann auch als ‚Leerdeixis‘ fürs – vor allem zeitgenössische – Publikum stehen“, wodurch der Begriff
Subjektfokus vor dem Hintergrund der These passender erscheint. Der Individualismus Greiffenbergs ist somit in dieser Arbeit lediglich stellenweise relevant. In diesem Zusammenhang sollen die Gedichte Auf die unverhinderliche Art der Edlen Dicht-Kunst
und Demütiger Entschluß / Gott zu loben untersucht werden. Die zweite These ist dann: Anhand ihrer Dichtung stellt Greiffenberg das Unendliche über das Endliche, indem sie sprachlich Grenzen überschreitet, um der Allheit gerecht zu werden. In beiden Thesen findet sich ein starker Fokus auf die formal-sprachliche Gestaltung der Gedichte wieder, nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass die „Deoglori“ nicht nur auf semantischer Ebene, sondern auch auf metatextueller Ebene vollzogen wird.
Und trotzdem „bedient sich [die Dichterin] der gedanklichen und formalen Konventionen ihrer Zeit, und ihr Sprachstil ist unverkennbar der des Barock-Jahrhunderts“. In einigen Gedichten funktioniert dies als Grundlage, um die dichterische Aussage zu artikulieren, so zeigt sich auch hier eine Ambivalenz zwischen Tradition und Innovation. Dafür werden die Gedichte Verlangen / nach der herrlichen Ewigkeit und Auf meinen bestürmeten Lebens-Lauff in den Blick genommen.
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- Jessica Lanert (Author), 2026, Mystik zwischen dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1724681