Das Ziel dieser Arbeit ist es, Tillichs Verständnis von Angst darzustellen und die zentralen Gedanken aus seinem Buch „Mut zum Sein“ zu erläutern. Anschließend wird betrachtet, welche Bedeutung dieses Werk für die Gegenwart hat.
Um den begrifflichen Rahmen von Tillichs Konzept zu klären, erfolgt zunächst eine Erläuterung der von Tillich vorgenommenen Unterscheidung zwischen Angst und Furcht. Darauf folgt die Darstellung der drei von Tillich beschriebenen Haupttypen der Angst sowie deren Zuordnung zu geschichtlichen Epochen. Im weiteren Verlauf wird die Beziehung zwischen Angst und Mut analysiert, um die Bedeutung von Tillichs Verständnis des „Mutes zum Sein“ als Reaktion auf die existenzielle Bedrohung des Nichts zu erläutern. Abschließend wird die Rolle der Angst im Zusammenhang mit Tillichs Gottesverständnis herausgearbeitet und ein Bezug zur Gegenwart bzw. zu aktuellen Rezeptionen hergestellt.
German Angst, dieser Ausdruck hat es bis in die internationale Alltagssprache geschafft. Er steht für eine angeblich typisch deutsche Grundstimmung: eine Mischung aus Skepsis, Vorsicht und einer allgemeinen Sorge vor einer noch nicht zu definierenden Gefahr.
So oberflächlich der Begriff im alltäglichen Sprachgebrauch erscheinen mag, deutet er doch auf etwas Tieferes hin: Er beschreibt die Erfahrung einer unspezifischen, schwer greifbaren Bedrohung, eine Art Angst ohne klares Ziel. Damit berührt der Begriff eine Dimension, die Paul Tillich nicht als kulturelle Prägung, sondern als universale Struktur des Menschseins versteht.
In seinem Werk „Der Mut zum Sein“ beschreibt Tillich diese allgemeine Angst nicht als rein psychologisches Phänomen, sondern deutet sie als Ausdruck der menschlichen Konfrontation mit seiner Endlichkeit, Schuld und Sinnlosigkeit. Er erkennt Angst als existenzielle Grundbefindlichkeit des Menschen: „Angst ist das existentielle Gewahrwerden des Nichtseins“.
In dieser Spannung entfaltet sich für Tillich der „Mut zum Sein“. Es ist eine theologische Haltung der Selbstbejahung, die nicht versucht, die Angst zu besiegen, sondern es dem Menschen zu ermöglichen, ihr zu begegnen, ohne von ihr gelähmt zu werden.
- Arbeit zitieren
- Elias Balthasar Möller (Autor:in), 2026, Am Rande des Seins. Angst, Glaube und der "Mut zum Sein" bei Paul Tillich, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1723629