Leistungsschwierigkeiten in der Schule sind als eine Diskrepanz zwischen den gestellten Anforderungen und den erreichten Leistungen zu betrachten. Unter den Anforderungen versteht man, dass sich jeder Lehrer bestimmte Orientierungspunkte zur Bewertung eines Schülers setzen muss. Somit hat ein Schüler Schulschwierigkeiten, wenn er entweder unter dem Klassendurchschnitt liegt oder sich nicht von einem einmal erreichten Niveau weiter bewegt oder die absolut gesetzten Lernziele nicht erreicht. Die Diskrepanz hängt also von dem Vergleichsmaßstab ab, der vom Lehrer als gültig angesehen wird. Daraus ergeben sich die dem zugrunde liegenden Bezugsnormen; die soziale, die individuelle und die sachliche Bezugsnorm. Bei der sozialen Bezugsnorm wird ein Schüler, der unter dem Durchschnitt seiner Bezugsgruppe (zum Beispiel seiner Klasse) liegt, als leistungsschwach bezeichnet. Hierbei muss beachtet werden, dass die Beurteilung des Betroffenen nur aufgrund der Bezugsgruppe erfolgt, was bedeutet, dass seine Mitschüler indirekt entscheiden, ob dieser Schüler als leistungsschwach eingestuft wird oder nicht. Dementsprechend ist eine vernünftige Diagnose nur begrenzt möglich.
Inhaltsverzeichnis
1. Definition von Lernschwierigkeiten und deren Klassifikation
2. Ursachen von Lernschwierigkeiten
2.1. Bezugsnormen
2.2. psychologische Ansätze
2.3. multikausale Faktorentheorie
3. verschiedene Reaktionen auf Lernschwierigkeiten
4. Folgen für die betroffenen Schüler
5. Interventionsmaßnahmen
6. Lernschwierigkeiten am Beispiel von Legasthenie
6.1. Was ist Legasthenie?
6.2. Voraussetzungen zum Lesen- und Schreiben lernen
6.3. Ursachen
6.4. Symptome
6.5. Förderungsmöglichkeiten
6.6. Rechte legasthener Schüler in Sachsen-Anhalt
7. Bibliographie
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit der theoretischen Systematisierung von Lernschwierigkeiten und analysiert deren Ursachen, Folgen sowie Interventionsmöglichkeiten im schulischen Kontext unter besonderer Berücksichtigung der Legasthenie.
- Klassifikation und Definition von Lernstörungen
- Multikausale Erklärungsansätze für Schulversagen
- Die Auswirkungen schulischer Selektionsmaßnahmen
- Psychosoziale Folgen für betroffene Schüler
- Praktische Förderansätze am Beispiel der Legasthenie
Auszug aus dem Buch
6.1. Was ist Legasthenie?
Es gibt verschiedene Auffassungen was genau Legasthenie ist, zum einen eine durch Vererbung bedingte Lernstörung, zum anderen als auf eine Entwicklungsstörung zurückzuführende Schwäche. Der Begriff Legasthenie wurde für Leseschwächen geprägt, die trotz guter Schulung, häuslicher Förderung, genügender Intelligenz und allgemeiner Schulreife das Lesen- und Schreibenlernen erschweren. Zusammengesetzt wird er aus dem Lateinischen legere (zu deutsch lesen) und dem Griechischen asthenia (zu deutsch Schwäche).
Allgemein definiert ist Legasthenie eine Schwäche im Erlernen des Lesens und Rechtschreibens, die deutlich negativ vom sonstigen durchschnittlichen Grad der Schulleistung und der mindestens als durchschnittlich einzustufenden Intelligenz eines Kindes abweicht oder als variables Syndrom mit multipler Verursachung auftritt. Diese Leseschwäche beschränkt sich also auf die Fälle, bei denen von der Intelligenz her ein besseres Lesen lernen erwartet werden könnte. Das nachfolgende, keiner gängigen Sprache abgeleitete Beispiel soll zeigen wie ein Legastheniker einen für andere „normal“ verständlichen Text wahrnimmt bzw. liest.
Der Marlup et die Narg Der Marlup prlovte frinkle Fruits an dem Kumpbelt. Er war muvgvly tingrig et hoptem but die Fruits lingen too wight. Pimlich prlovte eine Narg den Marlup et jurfte: „So wight narrst tu nicht hopen!“ Der Marlup war tingy et buggelte: „Die Fruits an dem Kumpbelt lingen nicht too wight; sie sind unfrinkle“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Definition von Lernschwierigkeiten und deren Klassifikation: Das Kapitel definiert Lernschwierigkeiten als Leistungsdiskrepanz zu Bezugsnormen und grenzt diese nach ICD-10 von anderen Störungsbildern ab.
2. Ursachen von Lernschwierigkeiten: Hier werden soziale, psychologische und multikausale Faktoren erläutert, die maßgeblich zur Entstehung von Lernproblemen beitragen.
3. verschiedene Reaktionen auf Lernschwierigkeiten: Das Kapitel kritisiert selektive Maßnahmen der Schule wie Zurückstellungen oder Separation als oft ineffektive Mittel zur Bewältigung von Lernproblemen.
4. Folgen für die betroffenen Schüler: Es wird dargelegt, welche psychischen und psychosomatischen Belastungen sowie Verhaltensänderungen bei Schülern durch anhaltendes Schulversagen entstehen können.
5. Interventionsmaßnahmen: Das Kapitel diskutiert pädagogische und therapeutische Ansätze zur Anpassung von Lernbedingungen und zur Förderung von Schülern mit Leistungsdefiziten.
6. Lernschwierigkeiten am Beispiel von Legasthenie: Dieser Abschnitt bietet eine detaillierte Analyse der Legasthenie, von deren Ursachen über typische Symptome bis hin zu Fördermöglichkeiten und rechtlichen Rahmenbedingungen.
7. Bibliographie: Ein Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Literatur und Quellen.
Schlüsselwörter
Lernschwierigkeiten, Legasthenie, Schulerfolg, Bezugsnormen, Teilleistungsstörungen, Förderpädagogik, Schulversagen, Entwicklungsstörung, Interventionsmaßnahmen, Nachteilsausgleich, psychologische Ansätze, Lernstörungen, Diagnose, Schulpädagogik, Leistungsmessung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Lernschwierigkeiten aus psychologischer und pädagogischer Sicht, um deren Ursachen und Folgen im Schulalltag systematisch zu erfassen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Schwerpunkten gehören die Definition von Lernstörungen, die Analyse familiärer und schulischer Einflussfaktoren, selektive Schulmaßnahmen sowie spezifische Unterstützungsmöglichkeiten bei Legasthenie.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, ein Verständnis für die komplexen Entstehungsbedingungen von Lernproblemen zu schaffen und aufzuzeigen, wie Schule und Elternhaus effektiv reagieren können.
Welche wissenschaftlichen Perspektiven werden eingenommen?
Es werden verschiedene psychologische Ansätze wie die multikausale Faktorentheorie, interaktionistische Modelle und lerntheoretische Perspektiven auf das Schulversagen angewandt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Ursachen, eine kritische Betrachtung schulischer Reaktionen und eine Fallstudie zur Legasthenie inklusive diagnostischer und pädagogischer Hilfestellungen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Kernbegriffe sind Lernschwierigkeiten, Legasthenie, individuelle Förderung, Bezugsnormen, Schulleistung, Separation und Nachteilsausgleich.
Warum wird die soziale Bezugsnorm in der Schule kritisch gesehen?
Die soziale Bezugsnorm bewertet Schüler primär im Vergleich zur Klasse, was schwächere Schüler demotivieren kann und eine individuelle Förderung oft erschwert.
Welche Bedeutung hat das Lehrerverhalten für Schüler mit Lernproblemen?
Das Lehrerverhalten beeinflusst durch Erwartungshaltungen (selbsterfüllende Prophezeiung) das Selbstbild des Schülers maßgeblich, was entweder zu einer positiven Entwicklung beitragen oder negative Verhaltensmuster verfestigen kann.
- Arbeit zitieren
- Alida Ziehm (Autor:in), 2008, Lernschwierigkeiten und deren Systematik, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/172197