Zu Beginn des letzten vorchristlichen Jahrtausends entwickelte sich die Urnenfelderkultur, die
der genannten Villanovakultur. Benannt wurde sie nach dem Vorort Villanova in der Nähe von
Bologna, in Italien. Die Villanovakultur ist durch die zahlreichen Gräberfelder mit tausenden
von Gräbern und runden bzw. ovalen Hausgrundrissen unter dem mittelalterlichen Stadtkern
belegt. Ebenso wichtig sind die bikonischen Urnen, durch die die Villanovakultur häufig
definiert wird. Diese Vielzahl von Gräberfeldern deutet auf eine vermutlich reiche Siedlung,
die über lange Zeit hinweg fortlebte. Trotzt einer großen Anzahl von archäologischen Funden
sind die Publikationen über der Villanovakultur meist sehr spärlich und strittig.1
Ziel dieser Seminararbeit ist die Durchführung einer so weit wie möglich vollständigen
Untersuchung der „Villanoviano“ Urnenfelderkultur während der Spätbronzezeit beginnenden
Eisenzeit. Allerdings werden im Rahmen der Arbeit nur die Gräberfelder in der Nähe von
Bologna im näheren Betracht gezogen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Topographie
Forschungsgeschichte
Grabformen, Urnen und Beigaben
Relative Chronologie von San Vitale und Benacci-Caprara
San Vitale
Benacci- Caprara
Absolute Chronologie
Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Durchführung einer weitgehend vollständigen Untersuchung der Villanovakultur (Urnenfelderkultur) in der Region um Bologna während des Übergangs von der Spätbronzezeit zur Eisenzeit, wobei der Fokus auf der Analyse der dortigen Gräberfelder liegt.
- Regionale Topographie und archäologische Einordnung von Gräberfeldern in Bologna
- Systematische Aufarbeitung der Forschungsgeschichte und chronologischer Debatten
- Klassifizierung von Grabformen, Urnentypen und Beigabenkomplexen
- Erarbeitung eines relativen Chronologiesystems für die Fundstätten San Vitale und Benacci-Caprara
- Versuch der absoluten Datierung durch Parallelisierung mit mitteleuropäischen und mittelitalischen Chronologiesystemen
Auszug aus dem Buch
Forschungsgeschichte
Der Forschungsstand der oben erwähnten Gräberfelder Bologna's wird oft von den heutigen Forschern als mangelhaft bezeichnet, sowohl wegen fehlender Publikationen, als auch wegen der unvollständigen Untersuchungen der Gräberfelder. Allerdings sind in den letzten zwanzig Jahren neue Publikationen erschienen, die sich stets nach modernen Gesichtspunkten richten. In diesem Kapitel wird die Forschungsgeschichte der bolognesischen Gräberfelder systematisch dargestellt.
Als der Archäologe Giovanni Gozzadini in den Jahren 1853-1855 einen Teil vom Gräberfeld „Benacci“auf seinem Privatgrundstück in der Nähe von Bologna freigelegt hatte, kam zum ersten Mal der Begriff Villanovakultur zum Erscheinen. Im Jahr 1855 publizierte Gozzadini die Ergebnisse seiner Untersuchungen im Buch „Di un sepolcreto etrusco scoperto presso Bologna“. Wie man vom Namen der Publikation schon Schlussfolgerungen ziehen kann, ordnete Gozzadini die Villanovakultur den Etruskern zu. Diese Zugehörigkeit der Villanovakultur zu den Etruskern löste große Diskussionen aus.
Nach der Entdeckung neuer Gräberfelder wie Aronaldi und Certosa wurde die These Gozzadinis im Jahr 1870 während des Kongresses für Archäologie und Prähistorische Antrophologie in Bologna durch die Forscher Zanoni und Brizio stark bestritten. Ihre Begründung dafür lag darin, dass die Gräberfelder der Villanovakultur und der Etrusker stets benachbart zueinander standen, jedoch blieben sie immer separat voneinander. Dies wiederum führte zur Überlegung, ob die beiden Kulturen wirklich eine und die selbe sein können. Zanoni und Brizio waren der Meinung, dass es nicht möglich ist, die Villanovakultur als Koloniestadt der Etrusker zu betrachten, da die Villanovakultur schon vor dem 6 Jh. v. Chr. zu datieren ist, wohingegen die Etrusker erst Ende des 6 Jhs. v. Chr. ihre erste Koloniestädte gründeten.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Definition der Villanovakultur als regionale Ausprägung der Urnenfelderkultur und Darstellung des Forschungsziels bezüglich der Gräberfelder um Bologna.
Topographie: Geografische Verortung der wichtigsten Villanovakultur-Gräberfelder im Stadtgebiet von Bologna in Ost- und Westlage.
Forschungsgeschichte: Überblick über die Entwicklung der archäologischen Forschung seit 1853, einschließlich der kontroversen Diskussionen zur Identität der Träger der Villanovakultur.
Grabformen, Urnen und Beigaben: Analyse der typischen Bestattungsformen und der materiellen Hinterlassenschaften, die als Grundlage für eine relative Chronologie dienen.
Relative Chronologie von San Vitale und Benacci-Caprara: Vergleich der beiden Gräberfelder zur zeitlichen Einordnung der Beigabentypen und Grabformen.
Absolute Chronologie: Versuch der absoluten zeitlichen Einordnung durch Synchronisation mit der mitteleuropäischen Hallstattzeit und Importen aus dem mediterranen Raum.
Fazit: Zusammenfassende Bewertung der chronologischen Abfolge und Bestätigung des Forschungsstandes basierend auf der Analyse von Pare.
Schlüsselwörter
Villanovakultur, Urnenfelderkultur, Bologna, Spätbronzezeit, Früheisenzeit, San Vitale, Benacci-Caprara, Chronologie, Grabformen, Beigaben, Keramik, Fibeln, Hallstattzeit, absolute Datierung, relative Chronologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der archäologischen Aufarbeitung der Villanovakultur im Raum Bologna, wobei der Fokus auf der chronologischen Einordnung der dortigen Gräberfelder während des Übergangs von der Bronze- zur Eisenzeit liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Typologie der Gräber und Beigaben, die historische Entwicklung der Erforschung sowie der Versuch, diese Funde durch den Vergleich mit überregionalen Chronologiesystemen zeitlich präzise einzuordnen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist eine möglichst vollständige Untersuchung der Villanovakultur-Gräberfelder bei Bologna, um basierend auf den vorhandenen Grab- und Funddaten eine belastbare relative und absolute Chronologie zu erstellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Es wird eine vergleichende chronologische Analyse (Cross-Dating) angewandt, bei der lokale bolognesische Fundphasen mit mitteleuropäischen (Hallstattzeit) und mittelitalischen Chronologien parallelisiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Topografie der Gräberfelder, der Beschreibung von Grabformen (z.B. einfache Urnengräber vs. Steinkisten) sowie einer detaillierten chronologischen Differenzierung der Stufen Bologna I bis III.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Villanovakultur, Bologna, Chronologie, Grabformen und Beigaben sowie die fachspezifische archäologische Einordnung in die Stufen von Bologna IA bis IIIA charakterisiert.
Warum wird San Vitale als das älteste Gräberfeld angesehen?
Aufgrund der einfachen Grabformen und der spezifischen, älteren Beigabentypen, die im Vergleich zu anderen Fundplätzen eine zeitliche Einordnung in die Stufe Bologna I nahelegen.
Welche Bedeutung haben die importierten griechischen Funde für die Datierung?
Sie dienen als absolutchronologische Fixpunkte, insbesondere für die späteren Phasen, da sie einen direkten zeitlichen Vergleich mit griechischen Kolonien und deren datierbarer Keramik ermöglichen.
- Arbeit zitieren
- Teodora Spasova (Autor:in), 2010, Bologna - Urnenfelderkultur während der Spätbronzezeit und dem Übergang zur Früheisenzeit, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/172133