Während meines Studiums konnte ich mehr über diese Übergangssituationen in den Arbeitsmarkt und die damit aufkommenden Probleme anhand der Darstellungen und Diskussionen in der Literatur kennen lernen. Praktische Einsichten erhielt ich, als ich selbst eine Praktikumsstelle suchte und erstmals die Konkurrenz der Bewerber bei besonders begehrten Stellen in Institutionen und Unternehmen zu spüren bekam. Erst als ich durch meinen ersten Praktikaplatz Kontakte aufgebaut hatte, erhielt ich im folgenden Jahr ein Angebot für eine bezahlte Stelle. Dies führte mich zu der Einsicht, dass der Wettbewerb um bevorzugte Arbeitsplätze auf dem Markt für Akademiker beziehungsweise der von Sozial- und Organisationspädagogen gewachsen sein muss. Studenten benötigen zunehmend eine Vielfalt an Kontakten aus unterschiedlichen Bereichen, die Zugang zu den unterschiedlichsten Ressourcen wie lebenspraktische Erfahrungen im Arbeitsleben oder Informationen gewähren.
Dies warf bei mir die Frage auf, wo Studenten soziale Unterstützungen durch Freunde oder Bekannte in ihrem Umfeld sehen oder sogar schon haben. Die vorliegende Arbeit setzt deshalb ihren Fokus auf die Situation von Studenten und untersucht ihre sozialen Netzwerke und soziale Unterstützung. Den Schwerpunkt bilden hier so genannte Schlüsselpersonen oder Torwächter, die es herauszufinden gilt. Sie können den Studenten auf ihrem Lebensweg und ihrer
Übergangsituation beistehen oder weiterhelfen. Ebenso werden ihre
verschiedenen Unterstützungsmöglichkeiten erfragt.
Ich möchte mit dieser Abschlussarbeit das „Rad“ über soziale Netzwerke und soziale Unterstützung nicht neu erfinden, sondern richte mich nach bereits bewiesenen Aussagen aus der Literatur, die ich anhand von Beispielen beleuchte. Wichtig für meine Ausführungen ist herauszufinden, ob Studenten der Sozial- und Organisationspädagogik und der Pädagogischen Psychologie über
informelle Beziehungen und nach Bourdieu sozialem Kapital für das Studium und den Übergang in das Arbeitsleben verfügen oder wo diese Kontakte im sozialen Umfeld angesiedelt sind.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Rahmenbedingungen in der Gesellschaft
1.1 Die ökonomischen Bedingungen in Deutschland und ihr Einfluss
1.2 Die historischen Entwicklungen von den 1950ern bis 1980ern
1.3 Der Strukturwandel in Deutschland ab den 1980er Jahren
1.4 Die entgrenzte Jugend
1.5 Entgrenzung – begriffliche Einordnung
2. Junge Erwachsene
2.1 Eine begriffliche Einführung
2.2 Die Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt
2.3 Studium als Erweiterung der Zugangsmöglichkeiten
2.3.1 Betrachtung der biografischen Studienverläufe in der Sozialpädagogik
3. Soziale Netzwerke und soziale Unterstützung
3.1 Soziale Netzwerke und soziale Unterstützung – theoretische Aspekte
3.2 Über die Entstehung des Begriffs soziales Netzwerk
3.3 Charakteristika sozialer Netzwerke
3.4 Formen von sozialen Netzwerken
3.5 Forschungsgegenstand Networking am Beispiel des „YOYO“- Projekts
4. Betrachtung sozialer Netzwerke und soziale Unterstützung bei Erziehungswissenschaftsstudenten der Universität Hildesheim
4.1 Die Idee für die Befragung
4.2 Durchführung und Auswertungsmethode der Befragung
4.2.1 Überprüfung mit der Think-Aloud- Methode
4.2.2 Die Durchführung
4.2.3 Die Auswertung
4.3 Erörterung der Ergebnisse
4.3.1 Das soziale Netzwerk der Studenten
4.3.2 Die soziale Unterstützung der Studenten
Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle sozialer Netzwerke und informeller Unterstützungsleistungen für Studenten beim Übergang in das Berufsleben. Ziel der empirischen Studie ist es zu analysieren, inwieweit Studierende der Sozial- und Organisationspädagogik sowie der Pädagogischen Psychologie über soziale Kontakte verfügen, die als Ressource für ihren Berufseinstieg dienen können, und welche Bedeutung dabei sogenannten "Schlüsselpersonen" oder Torwächtern zukommt.
- Gesellschaftlicher Strukturwandel und seine Auswirkungen auf junge Erwachsene
- Die Rolle sozialer Netzwerke und soziale Unterstützung in Übergangsphasen
- Empirische Untersuchung des studentischen Kontakt- und Unterstützungsmanagements
- Bedeutung von informellen Kontakten und "gate-keepern" für den Berufseinstieg
- Integration in den Arbeitsmarkt im Kontext der "unternehmerischen Wissensgesellschaft"
Auszug aus dem Buch
Die entgrenzte Jugend
Der strukturelle Wandel in der Gesellschaft führte im Zuge der Globalisierung, Technologisierung und Automatisierung zu veränderten Zugangsmöglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt. Die beruflichen Integrationsperspektiven, die aufgrund der Veränderungen hin zu einem „digitalen Kapitalismus“ (Arnold/ Böhnisch/ Schröer 2002, S. 163) in Deutschland an Verlässlichkeit eingebüßt haben, wirken auch auf die Heranwachsenden und bilden eine neue Gestalt von Jugend, mit einer Erweiterung dieses Begriffes (vgl. Schröer 2002).
Der Begriff Jugend ist ein soziales Konstrukt, welches gegen Ende des 19. Jahrhunderts in die Gesellschaft als eigene Lebensphase im Zeitalter der fortschreitenden Industrialisierung eingeführt wurde (vgl. Arnold 2005, S. 168). Laut Arnold (2005) bedeutete diese Gruppe von Heranwachsenden eine Verbindung zu den bereits erwachsenen Mitbürgern, die durch „öffentliche Bildung und den Generationenvertrag“ (ebd. S. 169) miteinander verknüpft waren. Das Ende dieser Lebensphase wurde, abgekoppelt von der sozialen Wirklichkeit und dem endgültigen Einstieg ins Erwachsenenleben, abgetrennt durch das „Moratorium“ (ebd.) der öffentlichen Bildung aufgeschoben (vgl. ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Rahmenbedingungen in der Gesellschaft: Dieses Kapitel erläutert den ökonomischen Strukturwandel in Deutschland und dessen Einfluss auf die Lebensbedingungen und Übergangssituationen junger Menschen.
2. Junge Erwachsene: Hier wird der Begriff "junge Erwachsene" als neue Lebensphase eingeführt und die Herausforderungen für diesen Personenkreis beim Übergang von der Ausbildung in den Arbeitsmarkt thematisiert.
3. Soziale Netzwerke und soziale Unterstützung: Das Kapitel bietet eine theoretische Einführung in das Konstrukt der sozialen Netzwerke und analysiert deren Funktion für die soziale Unterstützung und den Erfolg bei Übergängen.
4. Betrachtung sozialer Netzwerke und soziale Unterstützung bei Erziehungswissenschaftsstudenten der Universität Hildesheim: Dieses Kapitel präsentiert die methodische Durchführung und die Ergebnisse der empirischen Studie, welche die Kontaktnetzwerke und Unterstützungspotenziale der befragten Studenten untersucht.
Schlüsselwörter
Soziale Netzwerke, soziale Unterstützung, Berufseinstieg, Übergangsphase, Studenten, Sozialpädagogik, Netzwerkanalyse, gate-keeper, Humankapital, Bildungsgesellschaft, Empowerment, Networking, Arbeitsmarkt, Sozialkapital, Lebensverlauf
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Bedeutung von sozialen Netzwerken und informeller Unterstützung für Studenten beim Übergang in das Berufsleben vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Veränderungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind der gesellschaftliche Strukturwandel, die Situation junger Erwachsener in der heutigen Wissensgesellschaft sowie die theoretische und empirische Analyse sozialer Kontakte als Ressource.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es herauszufinden, ob Studenten über informelle Beziehungen verfügen, die ihnen als "Torwächter" oder Unterstützer bei der Bewältigung des Berufseinstiegs behilflich sein können.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Studie verwendet?
Die Autorin führte eine quantitative Befragung mittels Fragebögen bei Studenten der Universität Hildesheim durch, die anschließend mit der Software SPSS ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Ausführungen zu gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und Netzwerktheorien sowie eine eigene empirische Untersuchung an erziehungswissenschaftlichen Studiengängen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Soziale Netzwerke, soziale Unterstützung, Übergangsmanagement, gate-keeper und Sozialkapital aus.
Warum spielt das "YOYO"-Projekt eine wichtige Rolle im Theoriekapitel?
Das Projekt dient als Basis für das Verständnis von Erfolgskriterien beim Networking, da es aufzeigt, wie junge Erwachsene durch gezielte Vernetzung Übergangsschwierigkeiten überwinden können.
Welche Bedeutung haben "gate-keeper" im Kontext des Berufseinstiegs?
Gate-keeper fungieren als Schlüsselpersonen, die durch ihren Einfluss oder ihre Informationen Türen zu Institutionen und Unternehmen öffnen und somit den Eintritt in den Arbeitsmarkt erleichtern können.
- Quote paper
- Pamela Hackel (Author), 2006, Soziale Netzwerke und soziale Unterstützung von Studenten , Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/172047