Direkter Vergleich der Premierminister in Bezug auf Macht
Die Fallauswahl wurde getroffen vor dem Hintergrund der gemeinsamen Geschichte und der Abhängigkeit Irlands von Großbritannien bis 1937. Die direkte geographische Nähe Irlands zum Vereinigten Königreich, wozu bis zum heutigen Tage auch Nordirland gehört, macht diesen Vergleich interessant. Da die Republik Irland nicht nur abhängig war, sondern auch direkter Inselnachbar Großbritanniens und die irische Insel bis heute in Republik Irland und Nordirland geteilt ist, stellt die geographische Lage ein weiteres Indiz für die Nähe der Systeme dar. Der Einfluss Großbritanniens auf das Irische Regierungssystem ist unverkennbar und weist bis zum heutigen Tage viele Parallelen zum „Westminster-System“ auf. Gerade hier gilt es, die Variation in Bezug auf den Premierminister im System der beiden Staaten heraus zuarbeiten, denn nach O´Leary besitzen beide Amtsträger das gleiche Potential. Um die untersuchten Aspekte richtig darstellen zu können, ist es unabdingbar, diese in dem dazugehörigen Systemzusammenhang zu präsentieren. Es wird zunächst der Staatsaufbau mit seinen Institutionen der beiden Länder in Grundzügen skizziert, „polity“ orientiert. Weiter folgt die Betrachtung nach „politics“ orientiert, in den Prozessen der Vermittlung und Durchsetzung von Interessen der Premierminister. Hier sollen die spezifischen Charakteristika des Premierministers im parlamentarischen System Großbritanniens und der Republik Irland herausgearbeitet und auf die Stellungen detailliert eingegangen werden, dafür werden im Vorfeld Kriterien herausgearbeitet nach denen der direkte Vergleich hergestellt wird. Als weiterer Schritt folgt ein Resümee, in dem dann beide Amtspositionen ausgewertet werden, hier sollen besonders die Unterschiede der Amtsträger in den zwei ausgewählten westlichen Regierungssystemen hervorgehoben werden. Es folgen die politikwissenschaftliche Bedeutung dieser Hausarbeit sowie das Literaturverzeichnis.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Einleitung und Begründung der Fallauswahl
1.2 Fragestellung und gewähltes Untersuchungsdesign
1.3 Skizzierung des Britischen Systems
1.4 Skizzierung des Irischen Systems
2. Hauptteil
2.1 Definition Effektivität/Macht, Vorstellung der Kriterien
2.2 Stellung des Premierministers im Vereinigten Königreich Großbritannien im direkten Vergleich zum Premierministers in der Republik Irland
2.2.1 Regierungsformat
2.2.2 Durchsetzungsfähigkeit gegenüber der Partei und der Opposition
2.2.3 Effektivität in der Gesetzgebung
2.2.4 Effektivität im Kabinett
2.2.5 Einschränkung der Effektivität durch Ausschüsse
2.2.6 Einfluss auf die Macht der Öffentlichkeit
2.2.7 Effektivität durch das Demokratiemodell
2.2.8 Effektivität durch persönlichen Führungsstil
3. Schluss
3.1 Resümee der herausgearbeiteten Faktoren
3.2 Schlussbetrachtung
4. politikwissenschaftliche Bedeutung des Ergebnisses der Untersuchung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht vergleichend die Stellung des Premierministers im Regierungssystem Großbritanniens und der Republik Irland, um die Auswirkungen unterschiedlicher politischer Strukturen auf die Machtfülle und Effektivität des jeweiligen Regierungschefs zu analysieren.
- Vergleich der Machtressourcen von Premierminister und Taoiseach.
- Einfluss von Regierungsformaten (Einparteien- vs. Koalitionsregierungen) auf das Regierungshandeln.
- Bedeutung parlamentarischer Kontrollstrukturen und Ausschüsse.
- Wirkung von Demokratiemodellen auf die Durchsetzungsfähigkeit.
- Rolle von persönlichen Führungsstilen innerhalb der Exekutive.
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Regierungsformat
Durch das Regierungsformat eines Landes können sich für den Premierminister große Vorteile als auch enorme Nachteile ergeben. Der Premierminister kann in seiner Macht hier extreme Zugewinne oder auch Verluste verzeichnen. Da das Regierungsformat, wie im Anschluss dargestellt wird, extrem auf das Machtpotenzial und die Effektivität des Premierministers einwirkt, zählt dieser Indikator zur Kategorie der harten Faktoren. Großbritannien und die Republik Irland unterscheiden sich in diesem Punkt voneinander. In Großbritannien finden sich vorwiegend Einparteienregierungen. In der Republik Irland sieht das anders aus, hier existieren eine Vielfalt von Regierungs- bzw. Koalitionsformaten, deshalb ist Irland keinem bestimmten Regierungsformat zuzuordnen. (vgl. Kropp, 2008: 526) Ein entscheidender Faktor im System Großbritanniens ist das Muster der Koalitionsvermeidung, welches durch die Mehrheitsdemokratie (relative Mehrheitswahl) gestärkt wird. Eine Ausnahme stellt die jetzige Regierung in Großbritannien dar, aktuell eine Koalitionsregierung zwischen den Konservativen und den Liberaldemokraten, jedoch seit dem Zweiten Weltkrieg die Erste wieder in Großbritannien. Doch trotz der aktuellen Koalitionsregierung ist der Prime nicht in die Koalitionsverträge mit eingebunden und erfährt durch diese wenig Einschränkungen in der Machtausübung.
In der Republik Irland herrscht ein außergewöhnliches Mischwahlsystem, dadurch ergibt sich die Vielfalt der Regierungsformate. Jedoch äußert die Irische Fachliteratur, wie folgt dazu: „Coalition government became the norm, the position of Taoiseach may have diminished in importance.“ (O´Malley/Martin, 2010: 312) Am 25.02.2011 fanden in der Republik Irland Neuwahlen statt, als stärkste Partei ist konservativen Fine Gael Partei hervorgegangen mit mehr als 70 Sitzen von 166 Sitzen insgesamt, die Koalitionsverhandlungen mit der zweit stärksten Labour Partei dauern noch an.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung begründet die Auswahl der Fälle Großbritannien und Irland aufgrund ihrer historischen und geographischen Nähe sowie der gemeinsamen institutionellen Wurzeln bei gleichzeitig divergierender Entwicklung der Machtstellung der Regierungschefs.
2. Hauptteil: Dieser Abschnitt definiert Macht und Effektivität als zentrale Analysekriterien und unterteilt sie in harte und weiche Faktoren, um die Machtbasis der Regierungschefs in beiden Ländern detailliert zu vergleichen.
3. Schluss: Das Kapitel fasst die Untersuchungsergebnisse zusammen und stellt fest, dass die Machtstellung des irischen Premierministers aufgrund systemischer Wandlungen gegenüber dem britischen Amtskollegen deutlich abgenommen hat.
4. politikwissenschaftliche Bedeutung des Ergebnisses der Untersuchung: Dieser Teil reflektiert die Relevanz der Ergebnisse für die Regierungslehre und betont die Wandlungsfähigkeit von politischen Systemen über die Zeit.
Schlüsselwörter
Premierminister, Taoiseach, Großbritannien, Republik Irland, Regierungssystem, Westminster-System, Machtpotenzial, Effektivität, Koalitionsregierung, Parlamentssouveränität, Demokratiemodell, politische Institutionen, Exekutive, Regierungsformat, Vergleichende Regierungslehre
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Hausarbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die Machtfülle und Effektivität des britischen Premierministers im direkten Vergleich zum irischen Regierungschef, dem Taoiseach, innerhalb ihres jeweiligen Regierungssystems.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die institutionellen Rahmenbedingungen, die Koalitionsformen, parlamentarische Kontrollmechanismen, die Rolle der Öffentlichkeit sowie persönliche Führungsstile als Einflussfaktoren auf das Regierungshandeln.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, welche Macht der jeweilige Regierungschef im Gefüge zwischen Exekutive und Legislative besitzt und welche Funktionsweisen des Systems seine Effektivität einschränken oder fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Es wird das "most similar case"-Design nach John Stuart Mill angewandt, um die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Regierungen methodisch kontrolliert zu vergleichen.
Welche Schwerpunkte werden im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine systematische Analyse von harten Faktoren wie dem Regierungsformat und Gesetzgebungsbefugnissen sowie weichen Faktoren wie dem persönlichen Führungsstil oder dem Einfluss durch Medien.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Westminster-System, Regierungsformat, Koalitionsregierungen, Machtpotenzial, Exekutive, parlamentarische Kontrolle und Effektivität.
Warum wird Irland als Vergleichsobjekt für das britische System gewählt?
Irland wurde gewählt, da es historisch stark von Großbritannien geprägt ist und viele Institutionen nach britischem Vorbild gestaltete, was einen aussagekräftigen Vergleich über die Entwicklung unterschiedlicher Machtverhältnisse ermöglicht.
Was ist das Hauptergebnis bezüglich der Macht des irischen Premierministers?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass der irische Taoiseach durch systemische Veränderungen der letzten Jahrzehnte – wie die Etablierung von ständigen Ausschüssen und ein stabiles Koalitionssystem – deutlich an Macht und Gestaltungsspielraum verloren hat.
Welche Rolle spielt das Kabinett für die Macht des Premierministers?
Das Kabinett dient in Großbritannien primär der Unterstützung der Regierungspolitik, während in Irland die Notwendigkeit von Koalitionsabsprachen den Spielraum des Premierministers spürbar einschränkt.
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- Tatjana Funke (Author), 2011, Vergleich des Regierungssystems Irlands mit dem Großbritanniens, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/171905