Der Beitrag untersucht die bislang kaum beachteten Möglichkeiten des gustatorischen Sinns im Philosophieunterricht. Exemplarisch wird eine Unterrichtsstunde im Themenbereich „Was können wir wissen?“ des Hamburger Bildungsplans entwickelt. Die Schülerinnen und Schüler stellen sich zunächst vor, einen Chip mit Gurkengeschmack zu essen, den viele aus ihrer Lebenswelt nicht kennen. Anschließend diskutieren sie, ob die fehlende Vorstellbarkeit oder Wahrnehmbarkeit eines Gegenstandes dessen Existenz ausschließt. Die spätere Verkostung realer Gurkenchips macht erfahrbar, dass die Grenzen der eigenen Wahrnehmung nicht mit den Grenzen der Wirklichkeit identisch sind. Der Beitrag zeigt, dass sich der gustatorische Sinn besonders zur Problematisierung des naiven Realismus eignet und sich zugleich durch problemorientierte, dialogisch-pragmatische, kulturtechnische und wissenschaftsorientierte Ansätze fundieren lässt.
This article explores the largely neglected potential of the gustatory sense in philosophy education. It develops an exemplary lesson within the Hamburg curriculum section “What can we know?”. Students first imagine eating a cucumber-flavored potato chip, a taste unfamiliar to many of them. They then discuss whether the inability to imagine or perceive something is sufficient reason to deny its existence. When actual cucumber-flavored chips are later presented, students experience that the limits of their imagination are not identical with the limits of reality. The article argues that gustatory experiences are particularly useful for challenging naïve realism and can be justified through problem-oriented, dialogical-pragmatic, culture-technical, and science-oriented approaches to philosophy education.
Der Verfasser ist hauptberuflich als Oberstudienrat unter anderem in den Fächern Philosophie, Psychologie und Deutsch tätig.
- Arbeit zitieren
- Christian Trautsch (Autor:in), 2026, Der vergessene Sinn? Möglichkeiten des gustatorischen Wahrnehmens im Philosophieunterricht am Beispiel einer Unterrichtsstunde zur Erkenntnistheorie, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1718749