Wenn man von „Global Playern“ im Spätmittelalter spricht, denkt man meist an die Hanse, die Fugger oder die Welser. Dabei wird jedoch oft vergessen, dass es bereits vor diesen drei Gesellschaften ein oberschwäbisches Unternehmen gab, dass sich zu einem der wichtigsten Deutschlands entwickeln sollte und die Wirtschaft des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit maßgeblich prägte. Die Bedeutung und der Einfluss der der Magna Societas Alamannorum ist in der Forschung weithin anerkannt. Zuletzt bezeichnete sie der renommierte Wissenschaftler Marco VERONESI sogar als „Global Player“! Die Bezeichnung scheint auf den ersten Blick durchaus gerechtfertigt, doch gilt es bei dem Umgang mit dem Begriff Vorsicht walten zu lassen. Inwiefern diese Bezeichnung zutreffend ist oder nicht und was einen „Global Player“ des Spätmittelalters überhaupt ausmacht, soll daher im Folgenden behandelt werden. Dazu wird zuerst auf das Weltbild des europäischen Spätmittelalters, sowie die Vernetzungen zwischen Asien, Europa und Nordafrika eingegangen werden. Anschließend wird die Gesellschaft selbst behandelt. Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Struktur, Ausbreitung und Vernetzung des Unternehmens. Nach einem kurzen Vergleich mit ähnlichen Gesellschaften dieser Zeit folgt die Bewertung der Ravensburger Handelsgesellschaft als „Global Player“ und ein Fazit. Da das Unternehmen von ca. 1380 bis 1530 bestand, wird der Fokus der Arbeit auf dieser Zeit liegen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 „Global Player“ im Spätmittelalter?
2.1 Das europäische Weltbild im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit
2.2 Interkontinentale Handelsbeziehungen Europas
2.3 Definition „Global Player“ des Spätmittelalters
3 Die Ravensburger Handelsgesellschaft – Ein „Global Player“?
3.1 Überblick über die Ravensburger Handelsgesellschaft
3.1.1 Struktur und Aufbau
3.1.2 Ausbreitung und Handelsbeziehungen
3.1.3 Niedergang
3.2 Kommunikation und Handelswege
4 Andere Gesellschaften
5 Bewertung der Gesellschaft als „Global Player“
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, inwiefern die Ravensburger Handelsgesellschaft als „Global Player“ des Spätmittelalters bezeichnet werden kann. Dabei wird die wissenschaftliche Forschungsfrage verfolgt, ob die Strukturen, Handelswege und die Reichweite des Unternehmens unter Berücksichtigung des mittelalterlichen Weltbildes eine solche Kategorisierung rechtfertigen oder ob das Unternehmen treffender als „European Player“ zu charakterisieren ist.
- Analyse des mittelalterlichen europäischen Weltbildes und seiner globalen Verflechtungen.
- Untersuchung der inneren Struktur und des Aufbaus der Ravensburger Handelsgesellschaft.
- Rekonstruktion der Handelsbeziehungen, Niederlassungen und Kommunikationssysteme.
- Vergleich der Ravensburger Handelsgesellschaft mit zeitgenössischen Akteuren wie den Fuggern oder der Welser-Vöhlin Gesellschaft.
- Kritische Bewertung der Eignung des modernen Begriffs „Global Player“ für spätmittelalterliche Wirtschaftsakteure.
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Struktur und Aufbau
Im Folgenden soll nun die innere Struktur der Gesellschaft über die Jahre hinweg behandelt werden. Veronesi zufolge handelte es sich bei dem Unternehmen nicht nur ihrer schieren Größe und ihres langen Bestehens wegen, sondern auch wegen dessen besonderer Struktur um einen „Sonderfall der spätmittelalterlichen Unternehmensgeschichte“. Wie bereits erwähnt, schlossen sich die Familien Mötteli, Muntprat und Humpis, die alle bereits im Katalonienhandel etabliert waren, zu einem gemeinsamen Unternehmen zusammen. Der Zusammenschluss senkte die bei gesonderten Reisen anfallenden Unkosten erheblich. Zudem war es den Kaufleuten möglich, weitaus größere Warenquantitäten zu verarbeiten.
Nach der Schulteschen Auflistung der Mitglieder bestand auch der Kern der Gesellschaft aus eben diesen Familien, allen voran den Humpis. Allerdings finden sich unter den Mitgliedern eine Vielzahl von Kaufleuten der umliegenden Reichsstädte, die mit mindestens einem Mitglied ihrer führenden Geschlechter an der Gesellschaft beteiligt waren. Daraus resultiert auch die für diese Zeit ungewöhnliche Größe der Gesellschaft. 267 Männer und 39 Frauen aus insgesamt 25 verschiedenen Städten Süddeutschlands und der Ostschweiz waren an der Gesellschaft beteiligt, 1497 lassen sich 38 Gesellen nachweisen, eine beachtliche Menge für damalige Verhältnisse. Ziel der Gesellschaft war es jedoch keineswegs, wie etwa von Schulte behauptet, „natürliche Konkurrenten zusammenzubinden, (und) einer gemeinsamen starken Leitung zu unterstellen“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einführung erläutert die Fragestellung und den historischen Kontext der Ravensburger Handelsgesellschaft als bedeutendes oberschwäbisches Unternehmen.
2 „Global Player“ im Spätmittelalter?: Hier werden der Begriff „Global Player“ und das spätmittelalterliche Weltbild definiert, um eine theoretische Basis für die Untersuchung zu schaffen.
3 Die Ravensburger Handelsgesellschaft – Ein „Global Player“?: Dieses Kapitel bietet einen detaillierten Überblick über die Gründung, Struktur, den wirtschaftlichen Niedergang und die Kommunikationswege der Gesellschaft.
4 Andere Gesellschaften: Es erfolgt ein Vergleich der Ravensburger Handelsgesellschaft mit anderen bedeutenden Akteuren der Zeit wie den Fuggern und der Welser-Vöhlin Gesellschaft.
5 Bewertung der Gesellschaft als „Global Player“: Die Arbeit schließt mit einer kritischen Reflexion, die das Unternehmen eher als „annähernd global“ einstuft.
Schlüsselwörter
Ravensburger Handelsgesellschaft, Spätmittelalter, Global Player, Fernhandel, Humpis, Wirtschaftsgeschichte, Handelswege, Faktoreien, Oberschwaben, Mittelalterliche Wirtschaft, Geldhandel, Warenverkehr, Unternehmensgeschichte, Europa, Handelsgesellschaften
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen Einordnung der Ravensburger Handelsgesellschaft und prüft deren Rolle als international agierendes Wirtschaftsunternehmen im Spätmittelalter.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Unternehmensstruktur, das geografische Ausbreitungsnetzwerk, die Kommunikationsmethoden sowie der Vergleich mit anderen Handelsgesellschaften jener Epoche.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es zu ergründen, ob die Bezeichnung „Global Player“ für die Ravensburger Handelsgesellschaft historisch und wirtschaftlich haltbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung bestehender Quellen, Fachliteratur und der Rekonstruktion von Handelsstrukturen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Definition von Globalisierung im Mittelalter, die detaillierte Vorstellung der Gesellschaft und deren Handelsbeziehungen sowie eine vergleichende Analyse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Ravensburger Handelsgesellschaft, Fernhandel, Global Player, Spätmittelalter, Faktoreien und europäische Handelsnetzwerke.
Welche Rolle spielten die Familien Humpis, Mötteli und Muntprat für das Unternehmen?
Diese drei Familien bildeten den Ursprung und den Kern der Gesellschaft, wobei insbesondere die Familie Humpis maßgeblich an der langfristigen Entwicklung des Unternehmens beteiligt war.
Warum wird die Gesellschaft im Fazit eher als „European Player“ bezeichnet?
Da der Gesellschaft der direkte Import aus Asien und Nordafrika sowie die Teilnahme am neuartigen Amerikahandel fehlte, erscheint die Bezeichnung „European Player“ passender als das moderne Label eines „Global Players“.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2021, Die Ravensburger Handelsgesellschaft. Ein Global Player des Spätmittelalters?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1718695