Ziel der vorliegenden Arbeit soll es sein, die weitestgehend im Dunkeln liegenden Umstände der Etablierung und Entfaltung des Mainzer Einflusses über Erfurt, der ja bekanntlich zeitweise bis hin zur Stadtherrschaft reichte, etwas zu erhellen und die mit der Mainzer Territorialpolitik in Thüringen verbundenen Intentionen und Ziele zu deuten. Anhand dreier ausgewählter Beispiele der Geschichte Erfurts und der Mainzer Rolle dabei soll im Folgenden die Verbindung von Mainz und Erfurt dargestellt werden. Zum Einen werden zwei kirchengeschichtlich interessante Ereignisse untersucht, nämlich die Erfurter Bistumsgründung durch Bonifatius und die Gründungstradition des Erfurter Petersklosters. Die Umstände um den Übergang der politischen Herrschaft über Erfurt an das Mainzer Erzbistum liegen weitestgehend im Dunkeln und können deshalb nur am Rande beleuchtet werden. Zum Anderen sollen daraufhin noch die im 12./13. Jahrhundert aufkommenden Emanzipationsbestrebungen Erfurter Bürger in den Blick genommen und den dabei verfolgten Intentionen nachgespürt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 BONIFATIUS UND DIE ANFÄNGE DER VERBINDUNG ERFURTS MIT MAINZ
3 DIE GRÜNDUNGSTRADITION DES PETERSKLOSTERS ZU ERFURT
3.1 Forschungstradition I: Fälschung ohne Vorlage
3.2 Forschungstradition II: Zeitgenössische Urkunde(n) als Vorlage
4 ÜBERGANG DER POLITISCHEN HERRSCHAFT AN MAINZ
5 ERFURTER SELBSTSTÄNDIGKEITSBESTREBUNGEN SEIT ENDE DES 12. JAHRHUNDERT
6 RESÜMEE
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die historischen Entwicklungslinien der kirchenrechtlichen und politischen Verbindung zwischen der Stadt Erfurt und dem Erzbistum Mainz vom frühen Mittelalter bis zum 13. Jahrhundert. Dabei wird insbesondere analysiert, mit welchen Intentionen die Mainzer Erzbischöfe ihren Einfluss in Erfurt ausbauten und wie die Stadtgesellschaft auf diesen wachsenden Druck mit Emanzipationsbestrebungen reagierte.
- Die Rolle des Missionars Bonifatius bei der Gründung des Bistums Erfurt.
- Die Analyse der Gründungstradition und der gefälschten Dagobert-Urkunde des Petersklosters.
- Die schrittweise Übernahme der politischen Herrschaft durch das Mainzer Erzstift.
- Die Entwicklung eines städtischen Selbstbewusstseins und die Bemühungen zur kommunalen Autonomie im 13. Jahrhundert.
Auszug aus dem Buch
Die Gründungstradition des Petersklosters zu Erfurt
Ein interessantes Kapitel in der Verbindung der beiden Städte Mainz und Erfurt bildet die Historie des Petersklosters und hier insbesondere die Frage nach dessen Alter. Die in diesem Zusammenhang seit vielen Jahrzehnten den Gegenstand kontroverser Forschungsergebnisse darstellende angebliche Dagobert-Urkunde, die als Gründungsurkunde des Petersklosters konzipiert worden war, steht auch im Mittelpunkt der folgenden Erörterungen.
In ihr wird die Gründung des Petersklosters im Jahr 706 datiert und eine – mittels der angeblich von einem fränkischen König Dagobert vorgenommen Beurkundung samt Schenkung der Besitzrechte am Petersbergs und verschiedener anderer Rechte als Klosterausstattung – bis in merowingische Tage zurückreichende Königstradition des Klosters behauptet. Dass die Gründungsurkunde nur angeblich eine solche ist und in Wirklichkeit eine wohl aus der Mitte des 12. Jahrhunderts stammende Fälschung darstellt ist in der Forschung m. W. nach unbestritten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Arbeit erläutert die Zielsetzung, die Umstände der Mainzer Einflussnahme auf Erfurt zu untersuchen und die dahinterstehenden politischen Intentionen zu deuten.
2 BONIFATIUS UND DIE ANFÄNGE DER VERBINDUNG ERFURTS MIT MAINZ: Dieses Kapitel behandelt die frühe kirchenrechtliche Anbindung Erfurts an Mainz durch Bonifatius und diskutiert die Forschungskontroverse um den ersten Erfurter Bischof.
3 DIE GRÜNDUNGSTRADITION DES PETERSKLOSTERS ZU ERFURT: Hier werden die kontroversen Ansätze zur Deutung der gefälschten Dagobert-Urkunde des Petersklosters und deren Funktion für die klösterlichen Ansprüche analysiert.
4 ÜBERGANG DER POLITISCHEN HERRSCHAFT AN MAINZ: Das Kapitel skizziert den allmählichen Prozess der Herrschaftsübernahme Erfurts durch das Mainzer Erzstift, eingebettet in das Umfeld des Investiturstreites.
5 ERFURTER SELBSTSTÄNDIGKEITSBESTREBUNGEN SEIT ENDE DES 12. JAHRHUNDERT: Es wird die Entstehung eines städtischen Selbstbewusstseins und der Weg zur quasiautonomen Ratsverwaltung im 13. Jahrhundert beschrieben.
6 RESÜMEE: Das abschließende Kapitel fasst die Hypothesen zur Verbindung von Mainz und Erfurt sowie die Ergebnisse zur Klostergründung und den Emanzipationsbestrebungen der Bürger zusammen.
Schlüsselwörter
Erfurt, Mainz, Bonifatius, Peterskloster, Dagobert-Urkunde, Fälschung, Stadtentwicklung, Herrschaftsübergang, Investiturstreit, Ratsreform, Emanzipation, Stadtbürgertum, Mittelalter, Kirchengeschichte, politische Autonomie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die historische Verbindung zwischen der Stadt Erfurt und dem Erzbistum Mainz im frühen und hohen Mittelalter, insbesondere den Wandel von der kirchenrechtlichen zur politischen Herrschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Rolle des Bonifatius, die Gründungstradition des Petersklosters (einschließlich der Dagobert-Fälschung) und die Entwicklung städtischer Selbstständigkeitsbestrebungen der Erfurter Bürger.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die weitgehend im Dunkeln liegenden Umstände der Etablierung des Mainzer Einflusses in Erfurt zu erhellen und die Intentionen hinter dieser Territorialpolitik zu deuten.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Der Autor nutzt eine quellenkritische Analyse, inklusive des Vergleichs historischer Urkunden und historiographischer Zeugnisse sowie die Bewertung aktuellerer Forschungskontroversen zur Mittelalter-Geschichte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Bistumsgründung, die Auseinandersetzung mit der gefälschten Klostergründungsurkunde, den Prozess der politischen Herrschaftsübernahme und die soziale Entwicklung des Bürgertums.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Mainz, Erfurt, Bonifatius, Peterskloster, Stadtwerdung, Herrschaftslegitimation und bürgerliche Emanzipation charakterisieren.
Warum spielt die sogenannte Dagobert-Urkunde eine zentrale Rolle?
Sie dient als exemplarisches Fallbeispiel für die strategische Nutzung von Fälschungen im Mittelalter, um Rechtsansprüche gegenüber dem Mainzer Erzbischof abzusichern oder zu festigen.
Welche Bedeutung hatte die Ratsreform von 1255 für Erfurt?
Sie markiert einen Wendepunkt, da sie die städtische Führungsschicht (summi burgenses) legitimierte und den Grundstein für einen quasiautonomen Status gegenüber dem Mainzer Erzbischof legte.
- Arbeit zitieren
- Daniel Braner (Autor:in), 2008, Mainz in Erfurt – Früh- und Hochmittelalterliche Entwicklungslinien des Mainzer Einflusses in Erfurt, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/171825