Das Spanische verfügt über ein von der maskulinen Form verschiedenes, neutrales Subjektpronomen ello. Ziel dieser Arbeit ist es, den Gebrauch von ello im gesprochenen Spanisch der Dominikanischen Republik zu beschreiben und zu analysieren. Dabei soll der Frage nachgegangen werden, ob es sich bei ello um ein Expletivum oder einen Diskursmarker handelt. Dafür ist es zunächst wichtig zu wissen, welchen Status ello im Standardspanisch hat. Die spanischen Personalpronomen werden durch die grammatischen Kategorien Person, Numerus, Genus und Kasus modifiziert. Durchgängig ausgeprägt ist dabei der Kasus sowie der Person- und Numerusbezug.
Im Zentrum dieser Arbeit steht das neutrale Personalpronomen ello (rechte Seite), welches im heutigen Standardspanisch wenn überhaupt nur noch in der Schriftsprache vorkommt. Wie bereits durch das obige Zitat von Henríquez Ureña deutlich wird, kann ello nur noch als linguistisches Fossil betrachtet werden. Umso erstaunlicher ist es, dass dieses Pronomen ello in der Varietät des dominikanischen Spanisch gesund munter zu sein scheint. Neben seinem relativ häufigen Auftreten kommt hinzu, dass es teilweise in Verwendungsweisen zu finden ist, die es im Standardspanisch nicht gibt und offensichtlich auch noch nie gegeben hat.
Um dieses Phänomen genauer zu untersuchen gliedert sich die vorliegende Arbeit in fünf Abschnitte. Im folgenden Abschnitt wird die Distribution expletiver Pronomen genauer betrachtet. Dabei ist es wichtig, eine Unterscheidung von Null-Subjekt- und Nicht-Null-Subjekt-Sprachen zu machen. Abschnitt drei widmet sich ausführlich dem Auftreten und der Verwendung von ello im dominikanischen Spanisch. Um seine grammatikalische Verwendung genau bestimmen zu kennen, werden diesbezüglich zwei Ansätze vorgestellt. Zunächst die Studie von Toribio, welche ello als Expletivum analysiert und die These vertritt, dass im dominikanischen Spanisch zwei grammatikalische Systeme miteinander konkurrieren. Im fünften Absatz wird die Untersuchung von Hinzelin & Kaiser analysiert, in deren Kontext ello als Diskursmarker betrachtet wird. Abschließend werden beide Ansätze miteinander verglichen und die Ergebnisse zusammengeführt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Distribution expletiver Pronomen
2.1 Nicht-Null-Subjekt-Sprachen
2.2 Null-Subjekt-Sprachen
2.2.1 Standardspanisch
2.2.2 Varietäten des Spanischen
3 „Ello“ im dominikanischen Spanisch
4 „Ello“ als Expletiva – Die Studie von Toribio (2000)
4.1 Darstellung der Daten
4.2 Das Minimalist Program nach Chomsky
4.3 Ergebnisse
5 „Ello“ als Diskursmarker – Die Studie von Hinzelin & Kaiser (20006)
5.1 Informantenbefragung in der Dominikanischen Republik
5.2 Der Status von „Ello“
5.3 Ergebnisse
6 Zusammenfassung und Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Gebrauch des neutralen Personalpronomens „ello“ im gesprochenen Spanisch der Dominikanischen Republik. Ziel ist es, den grammatikalischen Status von „ello“ zu bestimmen und zu klären, ob es sich dabei um ein expletives Pronomen oder einen Diskursmarker handelt, um so die Besonderheiten dieser Varietät innerhalb der romanischen Sprachen besser zu verstehen.
- Distribution expletiver Pronomen im Vergleich von Null-Subjekt- und Nicht-Null-Subjekt-Sprachen.
- Analyse der Studie von Toribio (2000) zur Hypothese von „ello“ als Expletivum und zur sprachlichen Bivalenz.
- Untersuchung der empirischen Studie von Hinzelin & Kaiser (2006) mit Fokus auf „ello“ als Diskursmarker.
- Diskussion der soziolinguistischen Variation, insbesondere der diastratischen und diatopischen Unterschiede.
- Syntaktische Einordnung im Rahmen des Minimalist Program nach Chomsky.
Auszug aus dem Buch
3 „Ello“ im dominikanischen Spanisch
Im Vergleich zum Standardspanisch gibt es eine Besonderheit des dominikanischen Spanisch, welche es mit allen anderen Varietäten des karibischen Spanisch gemeinsam hat. „Diese Besonderheit besteht darin, dass aufgrund eines Schwunds der Auslautkonsonanten das Flexionsparadigma des Verbs im karibischen Spanisch wesentlich geringer ausgeprägt ist als im Standardspanisch“ (Hinzelin/Kaiser 2006:28).
Der Schwund der Auslautkonsonanten hat zur Folge, dass die Verbalflexion des karibischen Spanisch im Allgemeinen und des dominikanischen Spanisch im Besonderen nicht als morphologisch „reich“ angesehen werden kann. Folglich werden im dominikanischen Spanisch die Subjektpronomina, und vor allem die der 1. und 2. Person, wesentlich häufiger gebraucht als im Standardspanisch.
Für das Standardspanisch wurde deutlich, dass das Pronomen ello weitgehend aus der gesprochenen Sprache verschwunden ist. Allerdings gilt diese Aussage nicht für das umgangssprachliche dominikanische Spanisch, worauf auch schon Henríquez Ureña (1939, 1940) hingewiesen hat. Demnach handelt es sich im dominikanischen Spanisch um den Gebrauch dieses als „linguistisches Fossil“ betrachteten Pronomens, welches gesund und munter ist und eine weite diatopische Verbreitung aufweist. Hinzu kommt, dass ello teilweise in Verwendungsweisen zu finden ist, wie es sie im Standardspanisch nicht gibt und anscheinend auch nie gegeben hat (Hinzelin/Kaiser 2006:8).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Phänomen des neutralen Pronomens „ello“ ein und formuliert die zentrale Fragestellung, ob es sich um ein Expletivum oder einen Diskursmarker handelt.
2 Die Distribution expletiver Pronomen: Das Kapitel differenziert zwischen Null-Subjekt- und Nicht-Null-Subjekt-Sprachen und erörtert die theoretischen Rahmenbedingungen für das Auftreten expletiver Elemente.
3 „Ello“ im dominikanischen Spanisch: Hier werden die Besonderheiten der Varietät des dominikanischen Spanisch, insbesondere der Schwund der Auslautkonsonanten, als Grundlage für den Gebrauch von „ello“ dargelegt.
4 „Ello“ als Expletiva – Die Studie von Toribio (2000): Dieser Abschnitt analysiert Toribios Ansatz, der „ello“ als Expletivum einstuft und die Hypothese zweier konkurrierender Grammatiken innerhalb der Sprachvarietät aufstellt.
5 „Ello“ als Diskursmarker – Die Studie von Hinzelin & Kaiser (20006): Das Kapitel stellt die empirische Informantenbefragung vor und begründet, warum „ello“ eher als Diskursmarker denn als expletives Pronomen zu bewerten ist.
6 Zusammenfassung und Diskussion: Die Ergebnisse beider Ansätze werden kritisch gegenübergestellt und es wird konstatiert, dass „ello“ in verschiedenen Kontexten als Diskursmarker fungiert, auch wenn eine expletive Interpretation in Einzelfällen plausibel erscheinen mag.
Schlüsselwörter
Ello, dominikanisches Spanisch, Null-Subjekt-Sprache, Expletivum, Diskursmarker, Sprachwandel, Minimalist Program, syntaktische Variation, Morphologie, Verbalflexion, Informantenbefragung, Sprachkontakt, Soziolinguistik, Standardspanisch, diachrone Entwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert den Gebrauch des neutralen Pronomens „ello“ im dominikanischen Spanisch, welches im Standardspanisch kaum noch vorkommt, dort aber eine aktive Rolle spielt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Untersuchung konzentriert sich auf syntaktische und soziolinguistische Analysen, insbesondere auf die Frage des grammatikalischen Status von „ello“ als Expletivum oder Diskursmarker.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist die Beschreibung und Analyse von „ello“ im gesprochenen dominikanischen Spanisch, um zu klären, ob es sich um ein expletives Pronomen oder einen Diskursmarker handelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Es werden zwei Ansätze gegenübergestellt: Einerseits die generative Analyse nach dem Minimalist Program (Toribio) und andererseits eine empirische Informantenbefragung zur Bestimmung der Funktion (Hinzelin & Kaiser).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur Distribution von Expletiva, eine detaillierte Betrachtung des dominikanischen Spanisch sowie die explizite Analyse der Studien von Toribio und Hinzelin & Kaiser.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Expletivum, Diskursmarker, Null-Subjekt-Sprache, Minimalist Program und die spezifische Variation innerhalb der dominikanischen Sprachvarietät.
Warum wird der Schwund der Auslautkonsonanten als relevant für „ello“ angeführt?
Der Schwund der Auslautkonsonanten führt im dominikanischen Spanisch zu einer morphologischen Reduktion der Verbendungen, was den häufigeren Gebrauch von Subjektpronomina als Ausgleichsstrategie begünstigt.
Was ist das zentrale Ergebnis der Studie von Hinzelin und Kaiser?
Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass „ello“ im dominikanischen Spanisch primär als Diskursmarker fungiert, da es fakultativ auftritt und nicht den restriktiven Regeln eines echten expletiven Pronomens unterliegt.
Welche Rolle spielt die diastratische Variation bei der Verwendung von „ello“?
Die Untersuchung zeigt, dass der Gebrauch von „ello“ sozial stigmatisiert ist, insbesondere in gebildeten Schichten, während er in informellen, familiären Kontexten oder bei Sprechern mit geringerem Bildungsgrad häufiger vorkommt.
- Arbeit zitieren
- Julia Leib (Autor:in), 2010, "Ello" im dominikanischen Spanisch, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/171550