In dieser Arbeit soll unter Berücksichtigung der Bedeutung Alexanders für die deutsche Literatur diese Untersuchung der Frage nachgehen, welchen Darstellungsweisen Alexander der Große im Roman des Pfaffen Lamprecht – der ersten deutschen Bearbeitung des Stoffes – unterliegt. Insgesamt soll der Fokus auf die Darstellung des Königs in Bezug auf seine Macht und sein Handeln gegenüber Frauen gelegt werden. Das Ziel der Analyse ist also, anhand exemplarischer Episoden zu untersuchen, inwiefern sich das von Widersprüchen und Gegensätzen gekennzeichnete Wesen Alexander des Großen anhand der Parameter Macht und Gender belegen lässt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Die Fragestellung und Zielsetzung der Untersuchung
1.2 Der Modus Procedendi
1.3 Generelle Überlegungen zu dem soziologischen Rahmen der Untersuchung
2. Die Einordnung des Romans
2.1 Der Entstehungskontext des Romans: Die deutsche Literatur des 12. und 13. Jahrhunderts
2.2 Die Entstehungsgeschichte des Romans
2.2.1 Die V- und B-Fassung
2.2.2 Die S-Fassung
3. Die Parameter Macht und Gender
3.1 Das Konzept der Macht
3.2 Frauen- und Geschlechterforschung in der Literatur
4. Die Darstellung Alexander des Großen in Bezug auf Macht
4.1 Die Geburt und Jugend von Alexander
4.2 Die Euphrat-Episode
4.3 Die Episoden des Rates
4.4 Die Verschiebung der Macht in der Relation von Alexander und Gott
5. Die Darstellung Alexander des Großen in Bezug auf Frauen
5.1 Die Amazonen-Episode
5.2 Die Blumenmädchen-Episode
5.3 Die Candacis-Episode
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung und das Handeln Alexander des Großen im Roman des Pfaffen Lambrecht, wobei ein besonderer Fokus auf den soziologisch relevanten Parametern Macht und Gender liegt. Die zentrale Forschungsfrage zielt darauf ab, wie sich das widersprüchliche Wesen des Herrschers anhand dieser Kategorien analysieren und in den Kontext mittelalterlicher Literatur sowie höfischer Ideale einordnen lässt.
- Literarische und historische Einordnung des Alexanderstoffs im 12. und 13. Jahrhundert
- Analyse des Machtbegriffs im Kontext soziologischer Modelle
- Untersuchung der Geschlechterrollen und der Stellung der Frau
- Exemplarische Analyse zentraler Episoden (Geburt, Euphrat, Rat, Amazonen, Candacis)
- Die Relation zwischen Alexander und Gott als regulative Instanz
Auszug aus dem Buch
Die S-Fassung
Die S-Fassung ist in dem Molsheimer Manuskript überlassen, das 1870 während eines durch die heranrückenden preußisch-deutschen Truppen ausgelösten Brand in der Molsheimer Bücherhalle vernichtet wurde. Dem Manuskript konnten manche Forscher einen Hinweis auf die Eroberung Jerusalems durch Saladin im Jahr 1187 entnehmen, sodass sie zu dem Entschluss gekommen sind, der Text entspringe dem Jahr. Generell kann S als Fortsetzung von V verstanden werden – sie ist aber nicht nach romanischen, sondern nach lateinischen Quellen gearbeitet, in der Hauptsache nach der Historia de Preliis Alexandri Magni. Zudem hat der Autor die Epistola Alexandri ad Aristotelem und den Iter Ad Paradisum in den Roman integriert – die Geschichte wurde also bis zu dem Tod von Alexander ausgeweitet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die Fragestellung, das methodische Vorgehen sowie den soziologischen Rahmen der Untersuchung.
2. Die Einordnung des Romans: Hier wird der historische Entstehungskontext im 12. und 13. Jahrhundert beleuchtet und die verschiedenen Überlieferungsfassungen (V, B, S) des Alexanderromans miteinander verglichen.
3. Die Parameter Macht und Gender: Dieses Kapitel führt theoretische Konzepte zur Macht sowie zur Frauen- und Geschlechterforschung ein, die für die Analyse des Romans grundlegend sind.
4. Die Darstellung Alexander des Großen in Bezug auf Macht: Die Machtausübung des Herrschers wird anhand zentraler Episoden wie der Geburt, dem Euphrat-Übergang und den Beratungen mit den Fürsten analysiert.
5. Die Darstellung Alexander des Großen in Bezug auf Frauen: Die Untersuchung konzentriert sich hier auf das Verhalten Alexanders gegenüber Frauenfiguren, insbesondere in der Amazonen-, Blumenmädchen- und Candacis-Episode.
6. Schlussbetrachtung: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und ordnet das widersprüchliche Bild Alexanders als Ikone der Macht, Superbia und Vanitas in den literaturgeschichtlichen Kontext ein.
Schlüsselwörter
Alexander der Große, Pfaffe Lambrecht, Mittelalter, Alexanderroman, Macht, Gender, Geschlechterforschung, S-Fassung, Literaturgeschichte, höfische Dichtung, Superbia, Vanitas, Heldenepos, Translatio Imperii, Soziologie der Literatur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die literarische Darstellung Alexander des Großen im Alexanderroman des Pfaffen Lambrecht unter besonderer Berücksichtigung der Konzepte von Macht und Gender.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Untersuchung?
Im Mittelpunkt stehen die literarische Einordnung des Stoffes in das 12. und 13. Jahrhundert, die Analyse des Machtverhaltens im feudalen Kontext sowie die Untersuchung der Rollenbilder von Mann und Frau.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, das ambivalente Wesen Alexanders zu ergründen, das zwischen den Polen heroischer Selbstbehauptung und der Unterordnung unter göttliche oder moralische Ordnungen schwankt.
Welche methodischen Ansätze werden verwendet?
Die Arbeit nutzt eine methodische Kombination aus literaturwissenschaftlicher Quellenanalyse, strukturalistischen Ansätzen zur Textgattung und soziologischen Modellen zur Machtstruktur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Machtstrukturen anhand von Schlüssel-Episoden (z.B. Euphrat, Rat) und die Analyse von Geschlechterbeziehungen in Episoden wie der Amazonen- oder Candacis-Begegnung.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Herrschaftslegitimation, höfische Ideale, Ambivalenz, Gender-Studies und Alexander-Rezeption beschreiben.
Warum wird die S-Fassung besonders hervorgehoben?
Die S-Fassung wird als besonders relevant erachtet, da sie durch inhaltliche Erweiterungen und eine spezifische höfische Ausrichtung Alexander zu einem exemplarischen Herrscher idealisiert.
Welche Rolle spielt Gott in der Machtdarstellung des Romans?
Gott fungiert als oberste Instanz, die Alexanders grenzenloses Streben nach Macht begrenzt und ihn als sterbliches Subjekt im Rahmen der Vanitas-Thematik einordnet.
- Quote paper
- Jan Heydenreich (Author), 2024, Der Alexanderroman des Pfaffen Lamprecht. Zur Darstellung Alexander des Großen in Bezug auf Macht und Frauen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1714422