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Die deutsche Politik in der Julikrise 1914 „verstehend erklären“

Titel: Die deutsche Politik in der Julikrise 1914 „verstehend erklären“

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2010 , 25 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Oliver Mohr (Autor:in)

Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Abschliessend möchte ich einen Erklärungsansatz vorschlagen, der die subjektive Dimension der Geschichte der Julikrise mit allgemeinen Handlungsmustern verbindet. In Anlehnung an Gregory Bateson fasse ich Konflikte als Lernprozesse auf.1 Unter Lernen kann ein adaptiver Prozess verstanden werden, in dem ein System sich durch „Rückkoppelungsschleifen“ seiner Umwelt nach den Prinzipien Versuch und Irrtum anpasst. Lernen bedeutet eine Problemlösungskompetenz, die Gewohnheiten entwickelt, nicht nur einzelne Probleme, sondern ganze „Klassen“ von Problemen zu lösen. Diese Fähigkeit bezeichnet Bateson als „lernen, zu lernen“ oder „deutero-lernen“. Genau an dieser Aufgabe scheiterte die deutsche Politik in der Julikrise. Die Logik des Schlieffenplans, die Haltung des „Jetzt oder nie“ oder die Einstellung „Not kennt kein Gebot“ waren starre Handlungsmuster, die eine erfolgreiche Anpassung der Politik an ihre internationalen Kontexte verhinderte. Die deutsche Politik war im internationalen Konflikt des Julis 1914 nicht mehr in der Lage, durch Lernprozesse diese Muster aufzubrechen. Sie war zwar fähig, taktische Einzelentscheidungen zu treffen, vermochte aber nicht mehr, Erfahrungen mit ihren Gewohnheiten zurückzukoppeln, hatte also die Fähigkeit des Deutero-Lernens verloren. Im Gegenteil, subjektiv gesehen schienen sich die starren Muster immer mehr zu bestätigen und bestärkten dadurch die Überzeugung der Reichsleitung, dass ein Waffengang unvermeidlich war, um dem Dilemma der eigenen Politik zu entkommen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Zur Einführung: Die Julikrise 1914 – der äussere Geschehensablauf

III. „Dieses in allen Fugen krachende Staatengebilde“: Das 'Freundbild' Österreich-Ungarn

IV. Die Gefahr des „Slawentaumels“: Das Feindbild Russland

V. In den Fallstricken der eigenen Strategie: Der Schlieffenplan

VI. „Das Netz ist uns plötzlich über dem Kopf zugezogen“: Der Weg in den Weltkrieg

VII. Schlussbetrachtung: Verstehen und Erklären der deutschen Politik in der Julikrise

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die deutsche Politik während der Julikrise 1914 mit dem Ziel, die subjektiven Wahrnehmungshorizonte der maßgeblichen Akteure der deutschen Reichsleitung zu rekonstruieren. Anstatt lediglich objektive Handlungsabläufe zu beschreiben, fragt die Untersuchung danach, welche kognitiven Regeln und Handlungsspielräume das normative Koordinatensystem der Beteiligten prägten und wie diese zur Eskalation des Konflikts beitrugen.

  • Analyse der subjektiven Konstruktion von Wirklichkeit innerhalb der deutschen Reichsleitung.
  • Untersuchung der Rolle des Bündnisses mit Österreich-Ungarn als "Dilemma" und Belastung.
  • Bewertung des Russlandbildes und der wahrgenommenen Gefahr des Panslawismus.
  • Kritische Reflexion der militärischen und strategischen Logik des Schlieffenplans.
  • Reflexion über die Begriffe der Einkreisung und die Eskalationsdynamik der Krise.

Auszug aus dem Buch

Die Gefahr des „Slawentaumels“: Das Feindbild Russland

In der bosnischen Annexionskrise 1908 / 09 hatte Russland, das von Großbritannien und Frankreich unterstützt wurde, aufgrund der vorbehaltlosen Unterstützung des Deutschen Reiches für Österreich-Ungarn noch einen Rückzieher gemacht und die Besetzung Bosniens und der Herzegowina durch die Donaumonarchie anerkannt. Seither war jedoch erkennbar, dass Russland in Zukunft nicht mehr bereit war, eine derartige Niederlage hinzunehmen. Vielmehr erhöhte sich die russische Bereitschaft, künftige Konflikte kriegerisch zu entscheiden.

So war die 1909 vom deutschen Generalstabschef Helmuth von Moltke seinem österreichsich-ungarischen Kollegen Conrad vorgelegte Rundumschau über die Sicht der deutschen Militärführung auf die internationalen Beziehungen und ihre militärstategischen Folgerungen durchaus hellsichtig. In dieser Betrachtung kam Russland als möglicher Kriegsgegner in Betracht. Zwar hielt der deutsche Generalstabschef drei Jahre nach der Niederlage im Krieg gegen Japan die russische Kriegsbereitschaft für gering, rechnete aber dennoch mit einem Kriegseintritt Russlands, wenn Österreich-Ungarn gegen Serbien kämpfen würde, was er wiederum als unausweichlich ansah. Dann träte für Deutschland der Bündnisfall ein und es würde der Habsburgermonarchie beispringen müssen, was dann den Krieg zwischen Deutschland und Russland zur Folge hätte.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Arbeit führt in die methodische Unterscheidung zwischen „Verstehen“ und „Erklären“ ein und begründet den Fokus auf die subjektive Wahrnehmung der Akteure der deutschen Reichsleitung.

II. Zur Einführung: Die Julikrise 1914 – der äussere Geschehensablauf: Dieses Kapitel rekonstruiert die chronologischen Ereignisse von der Ermordung Franz Ferdinands bis zur Mobilmachung und dem Kriegsausbruch.

III. „Dieses in allen Fugen krachende Staatengebilde“: Das 'Freundbild' Österreich-Ungarn: Es wird analysiert, wie die deutsche Führung das Bündnis mit Österreich-Ungarn als zwiespältiges Dilemma zwischen Bündnistreue und Sorge um den Zerfall des Partners wahrnahm.

IV. Die Gefahr des „Slawentaumels“: Das Feindbild Russland: Die Untersuchung zeigt auf, wie Russland durch die Brille der „Panslawismus“-Angst als bedrohlicher Akteur wahrgenommen wurde, was die Eskalationsbereitschaft in Berlin erhöhte.

V. In den Fallstricken der eigenen Strategie: Der Schlieffenplan: Das Kapitel erläutert, wie die starre militärische Planung des Schlieffenplans den politischen Handlungsspielraum in der Krise massiv einengte.

VI. „Das Netz ist uns plötzlich über dem Kopf zugezogen“: Der Weg in den Weltkrieg: Der Topos der „Einkreisung“ wird als zentrales Element der deutschen Selbstwahrnehmung und Rechtfertigungsstrategie untersucht.

VII. Schlussbetrachtung: Verstehen und Erklären der deutschen Politik in der Julikrise: Die Arbeit fasst zusammen, dass die Handlungen der Reichsleitung aus einem kollektiven „Wissensfundus“ an pessimistischen Zukunftsprojektionen und kognitiven Dispositionen resultierten, die Lernprozesse blockierten.

Schlüsselwörter

Julikrise 1914, Erster Weltkrieg, deutsche Reichsleitung, subjektive Wahrnehmung, Schlieffenplan, Österreich-Ungarn, Russland, Panslawismus, Einkreisung, Konflikteskalation, Bethmann Hollweg, Helmuth von Moltke, Handlungsspielräume, Wissensfundus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die deutsche Politik während der Julikrise 1914 unter einem subjektivistischen Blickwinkel, um zu verstehen, warum die Akteure so handelten, wie sie es taten.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentral sind die Wahrnehmung des Bündnispartners Österreich-Ungarn, das Feindbild Russland, die Auswirkungen des Schlieffenplans und die kollektive Angst vor der sogenannten Einkreisung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, das normative Koordinatensystem und die subjektiven Wahrnehmungshorizonte der deutschen Entscheidungsträger zu rekonstruieren, um ihre kriegsfördernden Entscheidungen begreifbar zu machen.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor wählt einen hermeneutischen Ansatz, der „Verstehen“ und „Erklären“ verbindet, um Handlungen nicht nur datenbasiert, sondern als sinnhaftes Handeln im sozialen Kontext zu deuten.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der äußeren Abläufe, die psychologische Ebene der Allianzen und Feindbilder sowie die Analyse der handlungsleitenden, oft fatalen strategischen Muster.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die wichtigsten Schlagworte sind Julikrise, subjektive Wahrnehmung, Einkreisung, Schlieffenplan, Handlungsoptionen und Eskalationsdynamik.

Warum wurde das Verhältnis zu Österreich-Ungarn als Dilemma empfunden?

Berlin empfand Österreich-Ungarn einerseits als "kranken Mann Europas" und Belastung, fühlte sich aber gleichzeitig durch die "Nibelungentreue" und die Furcht vor dem Verlust des letzten Bundesgenossen in die Unterstützung des riskanten Balkan-Kurses gezwungen.

Welche Rolle spielte der "Faktor Zeit" bei der Entscheidung der Reichsleitung?

Der Faktor Zeit wirkte eskalationsfördernd, da die Militärführung davon ausging, dass Russland 1916/17 militärisch zu stark sein würde, was zu einer Logik des "jetzt oder nie" und zum "Eventualpräventivkrieg" führte.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die deutsche Politik in der Julikrise 1914 „verstehend erklären“
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Institut für Politische Wissenschaft)
Note
1,3
Autor
Oliver Mohr (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
25
Katalognummer
V171399
ISBN (eBook)
9783640907854
ISBN (Buch)
9783640908035
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konfliktforschung Erster Weltkrieg Julikrise Politische Wissenschaft Geschichte Kriegsschuld Konflikte Krieg Kriegsursachen Kultur Handlung Deutschland Österreich-Ungarn Moltke Wilhelm II. Diplomatie Bethmann-Hollweg Bateson Dilemma
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Oliver Mohr (Autor:in), 2010, Die deutsche Politik in der Julikrise 1914 „verstehend erklären“, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/171399
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Leseprobe aus  25  Seiten
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