Nach dem Agathon als Höhepunkt der Sophisterei und Redekunst, mit seiner Lobrede auf den Eros abgeschlossen hat, tritt Sokrates aktiv im Gespräch auf. Hiermit beginnt ein einschneidender Wendepunkt im Symposion. Sokrates will hier nicht länger den Lobreden der anderen folgen, sondern von der Wahrheit sprechen.
Sokrates kritisiert seine Vorredner: Die Wahrheit spielte bei ihnen keine Rolle. Es ging lediglich darum, dem Eros möglichst viele schöne Attribute zuzuschreiben und dieses in einer außerordentlichen, rhetorisch geschmückten Rede, welche ihren Redner in Glanz erstrahlen lassen sollte. Weiterhin gibt sich Sokrates bescheiden: er könne keine solche Redekunst aufbringen, wie es seine Vorredner, allen voran Agathon, bereits getan haben.
Inhaltsverzeichnis
1. Wendepunkt im Symposion: Sokrates und die Wahrheit
2. Der Dialog mit Agathon: Das Wesen des Eros als Mangelwesen
3. Das Gespräch mit Diotima: Eros als Dämon und Vermittler
4. Die Herkunft und das Wirken des Eros auf die Menschheit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Analyse untersucht den zentralen Wendepunkt im platonischen Symposion, an dem Sokrates die rhetorisch geprägten Lobreden seiner Vorredner zugunsten einer philosophischen Wahrheitsfindung ablöst. Dabei wird insbesondere das Wesen des Eros als Mittler zwischen den Gegensätzen untersucht.
- Kritik an der sophistischen Redekunst im Symposion
- Bestimmung des Eros als Mangelwesen durch den Dialog mit Agathon
- Die Rolle des Eros als Dämon nach der Belehrung durch Diotima
- Philosophische Analogien zwischen Sokrates und Eros
- Die teleologische Ausrichtung des Eros auf das Gute und die Eudaimonie
Auszug aus dem Buch
Das Wesen des Eros als Mangelwesen
Wie sieht es nun mit dem Götterstatus des Eros aus? Immerhin wird keiner der Anwesenden bestreiten wollen, dass die Götter gut und schön sind. Eros jedoch werden diese Attribute nicht zugeschrieben. Ein weiterer Hinweis auf den Wendepunkt, denn erstmals wird Eros nicht mehr in den Himmel gelobt, ohne den Anspruch auf Wahrheit, sondern es wird versucht, das Wesen des Eros zu bestimmen. Obwohl Agathon in seiner Rede von einem zarten, jungen und schönen Eros gesprochen hatte, kann er hier Sokrates nur noch zustimmen. Denn beide stimmen darüber ein, dass man danach strebt, was man nicht hat, denn wenn man es bereits hat, dann kann man nur noch danach streben es auch in der Zukunft immer noch zu haben.
Wie aber ist nun Eros zu beschreiben? Eros ist das Begehren zu etwas bzw. die Liebe zu etwas, welches nun mit einschließt, dass er der Liebe bedürftig ist. Da Eros nach dem Schönen strebt, muss es ihm auch daran mangeln. Eros ist also ein Mangelwesen und nicht der vollkommen schöne Gott, zu dem er vorher gepriesen wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Wendepunkt im Symposion: Sokrates und die Wahrheit: Sokrates kritisiert die leere Rhetorik der Vorredner und leitet den Übergang von der bloßen Schmeichelei hin zur Suche nach objektiver Wahrheit ein.
2. Der Dialog mit Agathon: Das Wesen des Eros als Mangelwesen: Durch dialektische Prüfung wird Eros als ein Streben nach dem bestimmt, was man selbst nicht besitzt, womit er als Mangelwesen definiert wird.
3. Das Gespräch mit Diotima: Eros als Dämon und Vermittler: Mittels der Erzählung über die Priesterin Diotima wird Eros als Dämon charakterisiert, der als Vermittler zwischen menschlicher Unwissenheit und göttlicher Weisheit steht.
4. Die Herkunft und das Wirken des Eros auf die Menschheit: Das Kapitel erläutert den mythologischen Ursprung des Eros aus Poros und Penia und verdeutlicht dessen Funktion als Antrieb für das Streben nach Glückseligkeit und Wissen.
Schlüsselwörter
Sokrates, Platon, Symposion, Eros, Dialektik, Wahrheit, Mangelwesen, Dämon, Diotima, Eudaimonie, Philosophie, Sophisterei, Wissen, Weisheit, Vermittlung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert den argumentativen Wendepunkt im platonischen Symposion, eingeleitet durch den Auftritt des Sokrates.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Abgrenzung von Rhetorik zu Philosophie, die ontologische Bestimmung des Eros und die Parallelen zwischen dem Eros und der sokratischen Lebenshaltung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Sokrates durch die Dekonstruktion der vorherigen Reden den Weg für eine objektive Bestimmung des Eros ebnet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung basiert auf einer textanalytischen und philosophischen Exegese des platonischen Dialogs Symposion.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der methodischen Vorgehensweise des Sokrates im Gespräch mit Agathon sowie der zentralen mythologischen und dialektischen Einordnung des Eros durch Diotima.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören insbesondere Eros, Wahrheit, Mangelwesen, Dämon, Sokrates und Eudaimonie.
Inwiefern unterscheidet sich die Auffassung des Eros von der der Vorredner?
Während die Vorredner den Eros als vollkommenen Gott idealisierten und rhetorisch schmückten, definiert Sokrates ihn als strebendes Zwischenwesen.
Welche Bedeutung hat die Figur des Dämons in diesem Kontext?
Der Dämon fungiert als unverzichtbares Bindeglied zwischen den Sphären von Mensch und Gott, welches erst die Kommunikation und das Streben nach Erkenntnis ermöglicht.
Warum wird der Mythos von Poros und Penia herangezogen?
Der Mythos dient als ätiologische Erklärung für die Natur des Eros: Als Kind von Armut und Ressource trägt er die Eigenschaften des Strebens und der Bedürftigkeit in sich.
- Arbeit zitieren
- Mendina Morgenthal (Autor:in), 2008, Eros als Mangelwesen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/171295