Das Phänomen von Macht in Organisationen ist von zentraler Bedeutung für deren Funktionsfähigkeit. Effizientes kollektives Handeln setzt funktionierende Machtverhältnisse voraus. Aufgrund der Unbestimmtheit von Arbeitsverträgen benötigt das Management einerseits Kontrollmechanismen, ist andererseits aber auf das Engagement und die Kooperation der Beschäftigten angewiesen. Diese bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Widerstand gegen Kontrolle und dem Interesse an Arbeitsplatzsicherheit sowie organisationaler Stabilität.
Die Verfolgung individueller Interessen ist – neben der Voraussetzung des Fortbestands der Organisation – nur möglich, wenn gemeinsame Regeln bestehen. Diese Regeln sind soziale Konstrukte, die auf Abstimmungsprozessen beruhen und häufig das Ergebnis von Machtkämpfen sind. Gleichzeitig müssen sie als verlässlich gelten. Obwohl Machtbeziehungen erhebliche Auswirkungen auf Organisationen haben, wird das Thema selten explizit thematisiert. Gerade deshalb ist die Frage „Wer hat hier das Sagen?“ aus organisationssoziologischer Perspektive zentral.
Die vorliegende Arbeit untersucht, wodurch die Machtstellung eines Akteurs legitimiert ist und wie sie sich mikropolitisch herausbildet. Im Fokus stehen theoretische Ansätze, die Akteure als handlungsbestimmende Größe begreifen. Zur Eingrenzung wird exemplarisch die Kommunalverwaltung betrachtet. Aufgrund ihrer formalisierten Ordnungen lassen sich hier – so die erste These – die Legitimationsquellen formeller Macht besonders gut identifizieren. Dies erfolgt sowohl über den hierarchischen Verwaltungsaufbau (z. B. Organigramme und Aufgabenverteilungen) als auch über die kommunale Selbstverwaltung mit politischen Gremien und deren Satzungskompetenz.
Der mikropolitische Ansatz geht davon aus, dass informelle Machtstrukturen existieren, die quer zu offiziellen Strukturen verlaufen und entscheidend sind. Um diese sichtbar zu machen, müssen interne Faktoren der Machtbeziehungen analysiert werden. Auch in bürokratischen Organisationen identifizieren Akteure Unsicherheitszonen und nutzen diese strategisch zur Durchsetzung eigener Interessen. In einem besonders stark formalisierten Kontext wie der Kommunalverwaltung – so die zweite These – treten diese Unsicherheitszonen besonders deutlich hervor und können gezielt genutzt werden.
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- Kim Wiesel (Author), 2025, "Wer hat hier das Sagen?" – Organisationale Macht aus legitimitätsorientierter und mikropolitischer Perspektive am Beispiel der Kommunalverwaltung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1711379