Sportliche Veranstaltungen sind schon zumindest seit den Olympischen Spielen der Antike zu einem Schauspiel mit großen Zuschauermassen geworden. Im klassischen Theater ist der ganze Inhalt schon vor Beginn des Spektakels bekannt und wenn doch nicht, so kann es in dem Programmheft nachgelesen werden. Von Auftritt zu Auftritt sterben Romeo und Julia, Faust sucht nach dem Sinn des Lebens, Dostojevskis Raskolnikow aus „Schuld und Sühne“ leidet unter Schuldgefühlen bzw. Gewissenbissen und Anna Karenina wirft sich unter die Räder des Zuges. Im experimentellen „Theater des Sportes“ ist der Ausgang bis zum Ende ungewiss, wobei durch gewisse Richtlinien und Regeln Grenzen gewiesen werden. Die Spannung ist hinsichtlich des Ausgangs hoch und die Emotionen kochen sowohl im sportlichen Geschehen als auch auf den Zuschauerplätzen. Sport gebärt Helden und tragische Figuren, Dramas und spannende Vorwürfe. Der Sport zwingt den Zuschauer sich zu freuen und zu ärgern, zu leiden und zu genießen. Er lässt keinen auf den Rängen Sitzenden gleichgültig und unbeteiligt. Demgemäß feuern die Zuschauer ihre Helden an, oder versuchen den Gegner zu demütigen und glauben, somit an dem Geschehen einen bedeutenden Anteil zu haben.
Im Rahmen dieser Arbeit beschäftigen wir uns daher mit der Frage, ob und wie Zuschauer sportliche Leistungen durch ihr Verhalten beeinflussen können. Zunächst wird das Phänomen des Zuschauens unter einem geschichtlichen Blickwinkel betrachtet und Motive zum Zuschauen im Sport bestimmt. Darauf aufbauend setzen wir uns im zentralen Teil der Arbeit mit der Wirkung der Zuschauer auf sportlerische Leistungen auseinander. Zunächst wird geklärt, ob passive sowie koagierende Zuschauer einen Einfluss haben. Im Weiteren werden auch die Merkmale einer aktiven Zuschauerschaft und die Effekte ihrer Wirkung betrachtet: positive bzw. negative öffentliche Erwartungen; verschiedene Verhaltensweisen wie Unterstützung, Abweisung oder Aggression; letztendlich die Zuschauerzahl. Der Schluss der Arbeit stellt eine kleine Zusammenfassung sowie eine Fazit der Auseinandersetzung mit dem Thema dar.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Phänomen der Zuschauer: Geschichte
3. Motive der Zuschauer
4. Auswirkung der Zuschauer auf sportliche Leistungen
4.1 Einfluss passiver und koagierender Zuschauer auf sportliche Leistungen
4.2 Einfluss aktiver Zuschauer auf sportliche Leistungen
4.2.1 Öffentliche Erwartungen der Zuschauer
4.2.1.1 Die Bedeutung der Erwartungen hinsichtlich der Aufgabenart
4.2.1.2 Auswirkungen positiver bzw. negativer öffentlicher Erwartungen
4.2.2. Direkte Einflussnahme der Zuschauer
4.2.2.1 Unterstützendes Verhalten vs. Abweisendes Verhalten
4.2.2.2 Aggressives Verhalten von Zuschauern
4.2.2.3 Lärm und visuelle Merkmale
4.2.3. Zuschauerzahl
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die psychologischen Wirkungsmechanismen von Zuschauern auf die sportliche Leistung von Athleten, mit besonderem Fokus auf die Unterscheidung zwischen verschiedenen Zuschauerformen sowie deren Einflussfaktoren unter variierenden Bedingungen.
- Historische Entwicklung der Zuschauerrolle im Sport
- Motivationsstrukturen für den Besuch von Sportveranstaltungen
- Soziale Erleichterung und Beeinträchtigung durch Zuschauerpräsenz
- Einfluss öffentlicher Erwartungen und Leistungsdruck ("Choking")
- Auswirkungen von Lärm, visuellen Reizen und Zuschauerverhalten
Auszug aus dem Buch
4.2.1.2 Auswirkungen positiver bzw. negativer öffentlicher Erwartungen
Weiterhin müssen auch Auswirkungen verschiedener Richtungen öffentlicher Erwartungen (positiv oder negativ) diskutiert werden. Die berühmte Studie „Pygmalion“ von Rosenthal und Jacobson (1971) hat gezeigt, dass Schüler ihre intellektuellen Leistungen steigerten, wenn es der Lehrer von ihnen erwartet. Aus dieser Untersuchung lässt sich das Korrespondenzprinzip ableiten: positive Erwartungen führen zu positiven Leistungen und negative Erwartungen bewirken negative Leistungen.
Nach Baumeister/ Hamilton/ Tice (1985) kommt aber das Korrespondenzprinzip nur dann zu Stande, wenn die Erwartung der Öffentlichkeit in den Augen des Akteurs, in unserem Fall des Sportlers, begründet ist. Bei positiven öffentlichen Erwartungen soll das Publikum demnach über objektive Informationen verfügen, die einen Sieg als wahrscheinlich erscheinen lassen. Durch diese Informationsaspekte in der öffentlichen Erwartung würden dann die eigenen (subjektiven) Erfolgserwartungen positiv beeinflusst, was dann letztendlich zu Leistungssteigerungen führen sollte. Falls aber die positiven Erwartungen des Publikums nicht begründet und aus diesem Grund überhöht sind, entsteht ein „sozialer Druck“, der zu Leistungsminderungen führen würde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Bedeutung der Zuschauer ein und definiert das Forschungsziel der Arbeit, nämlich den Einfluss von Zuschauern auf sportliche Leistungen zu analysieren.
2. Phänomen der Zuschauer: Geschichte: Das Kapitel beleuchtet die historische Entwicklung des Zuschauens von der Antike über das Mittelalter bis zur modernen Professionalisierung im 19. Jahrhundert.
3. Motive der Zuschauer: Hier werden psychologische Studien (insb. von Wann) genutzt, um die unterschiedlichen Beweggründe für den Besuch von Sportveranstaltungen zu klassifizieren.
4. Auswirkung der Zuschauer auf sportliche Leistungen: Dieses Kapitel bildet den Hauptteil und analysiert differenziert die Auswirkungen von passiven, koagierenden und aktiven Zuschauern sowie externe Einflussfaktoren.
5. Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass Zuschauereinflüsse stark von der Aufgabenart und dem wahrgenommenen sozialen Druck abhängen und bei komplexen Aufgaben oft eher leistungsmindernd wirken können.
Schlüsselwörter
Zuschauer, Sportpsychologie, Heimvorteil, Leistungssteigerung, Leistungshemmung, Sozialer Druck, Erregungsniveau, Erwartungshaltung, Sportmotivation, Soziale Förderung, Wettbewerbssituation, Zuschauerverhalten, Aktive Zuschauerschaft, Choking under pressure, Zuschauerzahl
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der psychologischen Analyse, wie Zuschauer durch ihre Präsenz und ihr Verhalten die sportliche Leistung von Sportlern beeinflussen können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Zuschauer-Geschichte, die psychologischen Motive für das Zuschauen sowie die detaillierte Untersuchung von Einflüssen wie Erwartungshaltungen, Lärm und direktem Zuschauerverhalten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es, zu klären, ob und auf welche Weise Zuschauer durch ihr Verhalten die sportliche Leistung von Athleten beeinflussen und ob dabei Leistungssteigerungen oder -minderungen überwiegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und dem Vergleich zahlreicher psychologischer Studien, darunter Experimente zur Sozialen Förderung und Beeinträchtigung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Einflusses passiver sowie aktiver Zuschauer, der Auswirkungen öffentlicher Erwartungen und der Folgen von Zuschauerzahl und Verhalten auf die Leistung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Sportpsychologie, sozialer Druck, Heimvorteil, Erregungsniveau und Leistungsbeeinflussung charakterisiert.
Was besagt das "Choking under pressure"-Phänomen im sportlichen Kontext?
Es beschreibt den Effekt, dass Athleten unter hohem Erwartungsdruck des Publikums versagen, da sie ihre Aufmerksamkeit zu stark auf den automatisierten Bewegungsablauf lenken, anstatt unbefangen zu agieren.
Spielt die Zuschauerzahl eine entscheidende Rolle für die Leistung der Sportler?
Studien deuten darauf hin, dass die absolute Zuschauerzahl oder Dichte selbst kaum signifikante Auswirkungen auf die Leistung hat; ausschlaggebender ist die Interpretation der Situation durch den Athleten.
- Quote paper
- Lev Esipovich (Author), 2008, Der Einfluss der Zuschauer auf sportliche Leistungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/171103