Das Rolandslied gilt als das älteste, französische Heldenepos und wurde um ca. 1100 von einem anonymen Autor verfasst. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts (die Datierung ist stark umstritten ) wurde das Rolandslied durch den Pfaffen Konrad aus dem Französischen ins Lateinische und anschließend ins Deutsche übersetzt.
Dieser nennt sich selbst im Epilog „ich haize der phaffe Chunrat“(V. 9079) und man geht davon aus, dass es sich hierbei um einen Kleriker handelt. Genaueres ist uns zum Leben des Pfaffen Konrad nicht bekannt.
In der Heidelberger Handschrift (P) ist das Rolandslied weitgehend vollständig auf 123 Pergamentblättern erhalten (nur ein Doppelblatt, auf dem sich ca. 150 Verse befunden haben fehlt).
39 Federzeichnungen, welche in den Text integriert sind, verschönern die Handschrift.
In der Forschungsliteratur gibt es vergleichsweise nur wenige Un-tersuchungen, die sich mit dem Verhältnis von Text und Bild im Rolandslied beschäftigen. Jedoch gerade die außerordentlich gut erhaltene Heidelberger Handschrift bietet Wissenschaftlern und Forschern vielseitige Möglichkeiten, darzulegen, wie der Illustrator und der Dichter auf unterschiedliche Weise das Rolandsthema wiedergeben. Ein wichtiger, interessanter Aspekt hierbei ist die Aussage der Zeichnungen in direktem Bezug zum dichterischen Text. Ziel dieser Seminararbeit ist es, auf ausgewählte Zeichnungen näher einzugehen und diese auf den Kontext des Rolandsliedes zu beziehen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. IKONOGRAPHIE
2. 1. MITTELALTERLICHE FEDERZEICHNUNGEN
2. 2. AUFBAU UND KOMPOSITION DER HANDSCHRIFT
2.3. BILDANALYSE
2.3.1. Abbildung Nr. 5
2.3.1.1. Dargestellter Inhalt
2.3.1.2. Einordnung in den Kontext
2.3.2. Abbildung Nr. 12
2.3.2.1. Dargestellter Inhalt
2.3.2.2. Einordnung in den Kontext
2.3.3. Abbildung Nr. 19
2.3.3.1. Dargestellter Inhalt
2.3.3.2. Einordnung in den Kontext
2.3.4. Abbildung Nr. 30
2.3.4.1. Dargestellter Inhalt
2.3.4.2. Einordnung in den Kontext
2.3.5. Abbildung Nr. 31
2.3.5.1. Dargestellter Inhalt
2.3.5.2. Einordnung in den Kontext
2.4. DIE ART UND WEISE DER DARSTELLUNG
2.4.1. Darstellung der Charaktere
2.4.2. Darstellung des Raumes
3. SCHLUSSFOLGERUNG:
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist es, die Federzeichnungen der Heidelberger Handschrift des Rolandsliedes im Hinblick auf ihren direkten inhaltlichen Bezug zum dichterischen Text zu untersuchen und zu analysieren, wie der Illustrator die Szenen interpretiert und darstellt.
- Analyse des Verhältnisses von Text und Bild in der Heidelberger Handschrift (P)
- Stilistische Untersuchung der Federzeichnungen und deren Funktion
- Untersuchung der Darstellung von Charakteren und Räumlichkeit
- Dekodierung ausgewählter Schlüsselszenen durch Vergleich mit dem Text
Auszug aus dem Buch
2.3.1.1. Dargestellter Inhalt
Die Illustration Nr. 5 befindet sich eingegliedert zwischen die Verse 882 und 883 am unteren Ende der Pergamentseite und misst 21 x 15 cm19. Sie ist das erste Kampfbild und deutet unmittelbar auf die bevorstehenden Kämpfe zwischen Christentum und Heidentum hin. In der linken Bildhälfte befinden sich acht Männer, die so eng beisammen stehen, dass man nur die Gesichter der vorderen drei ausmachen kann. Die übrigen Fünf halten sich im Hintergrund und von ihnen ist nur die obere Hälfte des Kopfes erkennbar. Bekleidet sind die Krieger mit schlichten Oberhemden und breiten Gürteln um die Hüften. Sie tragen allesamt Helme (teilweise mit Nasenschutz versehen) und Hauben, so dass man von ihren Gesichtern nur die Augen erkennen kann. Zwei der Männer tragen Schwerter, mehrere sind mit großen, dreieckigen Schilden ausgerüstet. Der Krieger im Vordergrund, welcher als Anführer der Gruppe definiert werden kann, hält seinen Schild in der linken Hand und blickt über seine rechte Schulter zu seinem Gefolgsmann neben ihm. Mit seinem rechten Arm deutet er ausgestreckt auf eine befestigte Stadt, von welcher man ein geöffnetes Tor und einen Turm (Bildmitte) erkennen kann. Im rechten Teil des Bildes sind sieben Krieger unter einem wehenden Banner auf den Zinnen der Befestigungsmauer abgebildet, welche dieselbe Kleidung tragen, wie die Gruppe links im Bild. Jedoch sind sie unbewaffnet und empfangen die nahenden Krieger mit geöffneten Händen, welche sie ihnen entgegenstrecken.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die Heidelberger Handschrift des Rolandsliedes und Definition der Zielsetzung der Arbeit.
2. IKONOGRAPHIE: Theoretischer Rahmen zur Bedeutung und Verwendung mittelalterlicher Federzeichnungen.
2. 1. MITTELALTERLICHE FEDERZEICHNUNGEN: Erläuterung der Bedeutung von Federzeichnungen im Kontext der volkssprachlichen Literatur des Mittelalters.
2. 2. AUFBAU UND KOMPOSITION DER HANDSCHRIFT: Analyse der materiellen Beschaffenheit und der Entstehungsumstände der Handschrift P.
2.3. BILDANALYSE: Detaillierte Untersuchung und inhaltliche Einordnung von fünf ausgewählten Schlüsselszenen.
2.4. DIE ART UND WEISE DER DARSTELLUNG: Untersuchung der stilistischen Besonderheiten und der Darstellungsweise von Figuren und Raum.
3. SCHLUSSFOLGERUNG:: Zusammenfassende Bewertung der Funktion der Illustrationen als Deutungsebene für den Text.
Schlüsselwörter
Rolandslied, Heidelberger Handschrift, Federzeichnungen, Bildanalyse, Mittelalter, Pfaffe Konrad, Illustrationen, Text-Bild-Verhältnis, Buchmalerei, Ikonografie, Handschrift P, Literaturgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der 39 Federzeichnungen in der Heidelberger Handschrift des Rolandsliedes und untersucht deren Verhältnis zum dichterischen Text.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Untersuchung der mittelalterlichen Buchmalerei, die Interpretation ausgewählter Bildszenen sowie die stilistische Untersuchung der Figuren- und Raumdarstellung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Illustrationen als eigenständige Deutungsebene fungieren und wie sie sich inhaltlich auf den Kontext des Rolandsliedes beziehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine deskriptive Bildanalyse angewandt, bei der die Illustrationen detailliert beschrieben und anschließend in den Kontext der entsprechenden Textstellen des Rolandsliedes gesetzt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine eingehende Analyse spezifischer Abbildungen und eine Untersuchung der stilistischen Darstellungsmittel des Illustrators.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Rolandslied, Heidelberger Handschrift, Federzeichnungen, Text-Bild-Verhältnis, Buchmalerei und Ikonografie.
Wie unterscheidet sich die Darstellung von Turpin im Bild von der im Text?
Während das Rolandslied den Kampf und Tod des Kriegers Turpin schildert, stellt der Illustrator ihn bewusst als Bischof in bischöflichem Ornat dar, wodurch die Szene eher wie ein Martyrium wirkt.
Welche Rolle spielt die Darstellung des Raumes in den Illustrationen?
Der Illustrator verzichtet weitgehend auf eine realistische Hintergrunddarstellung; Räumlichkeit entsteht primär durch die Anordnung der Figuren und deren Interaktionen, nicht durch architektonische Details.
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- Lorena Allwein (Author), 2008, Zur Ikonographie des Rolandslieds, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/171072