Der 2004 erschienene Film "Barbie als die Prinzessin und das Dorfmädchen" ist hier der zentrale Untersuchungsgegenstand. Essentiell in der Analyse ist die Frage nach dem filmischen und sozialen Raum und der dortigen Entfaltung der weiblichen Protagonistinnen, in Kombination mit in ihm widergespiegelten, genderstereotypischen Merkmalen. Anhand der physischen Konstruktion der Räume und der Analyse des Raums als soziale Instanz, soll in dieser Arbeit herauskristallisiert werden, wie die weibliche Barbiefigur dargestellt wird und inwiefern "Barbie als die Prinzessin und das Dorfmädchen" als feministisch gelesenes Werk verstanden werden kann. Dazu wird im ersten Kapitel des Hauptteils eine definitorische Einordnung geschaffen, wo zunächst der Begriff des „Raums“ dargestellt wird sowie eine kurze informatorische Eröffnung des Barbieuniversums. Anschließend wird der Film im Analyseteil auf seine architektonische Raumkonstruktion und Raumüberschreitung und die persönliche Entfaltung analysiert. Im nächsten Kapitel geht es dann um den Vergleich zu der modernisierten Version des Films; "Barbie: Prinzessin und der Popstar" aus dem Jahr 2012. Durch den konkreten Vergleich sollen die bereits erarbeiteten Ergebnisse erweitert und in einen neuen Kontext eingebettet werden. Im abschließenden Kapitel wird dann die Frage nach der Barbiefigur (filmisch und physisch) als feministisches Vorbild gestellt und bearbeitet, um die gendertheoretische Perspektive zu erweitern. Die Ergebnisse werden abschließend in einem Fazit zusammengetragen und resümiert.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Definitorische und informatorische Einordnungen
2.1 „Raum“ in der Filmwissenschaft und der Soziologie:
2.2 Barbiefilme und eine kurze Inhaltsangabe der hier behandelten Beispiele:
III. Analyse von Barbie als Prinzessin und das Dorfmädchen
3.1 Darstellung des filmischen Raums:
3.1.1 Farbgebung und architektonische Raumgestaltung:
3.1.2 Raumeinnehmung und Überschneidungen:
3.2 Persönliche Entfaltung im architektonischen und sozialen Raum:
IV. Vergleich des Originalfilms zu Barbie: die Prinzessin und der Popstar
V. Barbie als mustergültige weibliche Vorbildfigur?
VI. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die filmische und soziale Raumkonstruktion in den Animationsfilmen "Barbie als Prinzessin und das Dorfmädchen" sowie "Barbie: die Prinzessin und der Popstar". Dabei wird analysiert, inwiefern die Darstellung weiblicher Protagonistinnen und deren Entfaltung im Raum gendertheoretisch als feministisch oder als Reproduktion tradierter Rollenbilder verstanden werden kann.
- Analyse filmischer Raumgestaltung und Montagetechniken
- Soziologische Betrachtung von Raum als Behälter- und Beziehungsraum
- Untersuchung von Genderstereotypen und Klassenhierarchien in Barbiefilmen
- Vergleich von klassischen und modernisierten Narrativen der Reihe
- Diskussion der Barbiepuppe als ambivalente feministische Ikone
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Raumeinnehmung und Überschneidungen:
Um einen Raum der Erzählung zu generieren und diesen weiterführend zu inszenieren, wird die Technik der Montage präferiert (Diekmann 125). Montage ist essentiell für die mentale Ordnung des Films und modifiziert seine Wirkungsweise fundamental (Fahle 51). In Barbie als Prinzessin und das Dorfmädchen lassen sich einige Montagetechniken beobachten, die als Wirkungsweise eine Verschmelzung des Raums und somit auch der Erzählungen haben. Bereits in der Exposition des Films, wo die Geschichte von Anneliese und Erika malerisch dargestellt wird, ist die erste Raumparallelität zu finden (Abb. 4).
Die beiden Protagonistinnen stehen auf ihrem jeweiligen Balkon und schauen in die Ferne. Diese Balkone sind durch eine Art Splitscreen kongruierend in den gleichen Bildkader eingefügt. Dieses stilistische Mittel wird auch in dem ersten Song „Frei“ (Minute 2:38-6:07) eingesetzt. Hierbei handelt es sich um eine Parallelmontage. Damit ist der Wechsel zwischen zwei Handlungssträngen gemeint, der durch Montage evoziert wird (Keutzer et. al. 162). Dadurch wird eine Gleichzeitigkeit des Geschehens assoziiert und die Zuschauer*innen werden weiterführend an die Handlung gebunden.
Anneliese und Erika eröffnen ihre konträren Räume in ihrem Gesangspart. Im weiteren Verlauf des Songs werden die differenzierten, gesungenen Parts frequenzieller und bei jedem auditiven Wechsel erfolgt auch ein Schnitt auf die jeweilige aktive Protagonistin, um das visuelle mit dem Musikalischen zu verknüpfen. Dabei ist auch anzumerken, dass beide immer jeweils ähnliche Handlungen vollziehen, beispielsweise ähnliche Tanzbewegungen das simultane Hinausschreiten auf den Balkon. Bei dem gemeinsam gesungenen Wort „Frei“ wird dann die Technik des gespaltenen Bildkaders verwendet, um beide Handlungsebenen fortführend miteinander zu verknüpfen (Abb. 5). Dies passiert vier mal während dem Song. Der Splitscreen ist nach Malte Hagener eine Form der simultanen Montage, wo mehrere, sichtbar geteilte Bilder in einem Bildkader zusammengefasst werden (121). Der Splitscreen ist in seiner Funktion deutlich multidimensionaler als nur als Mittel zur Darstellung von Simultaneität beschrieben werden zu können (ebd. 130).
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung stellt die Bedeutung von Barbie als kulturelle Institution dar und umreißt die Fragestellung nach der Raumdarstellung und den Entfaltungsmöglichkeiten weiblicher Protagonisten in den analysierten Filmen.
II. Definitorische und informatorische Einordnungen: Dieses Kapitel erläutert zentrale Begriffe wie filmischen Raum und Raumsoziologie und bietet einen Überblick über die Barbiefilm-Historie sowie die behandelten Werke.
III. Analyse von Barbie als Prinzessin und das Dorfmädchen: Hier liegt der Fokus auf der architektonischen Gestaltung, Montagetechniken wie dem Splitscreen und der sozialen Einordnung der Protagonistinnen Anneliese und Erika.
IV. Vergleich des Originalfilms zu Barbie: die Prinzessin und der Popstar: Es werden Unterschiede in der Charaktergestaltung und den Freiheitsgraden der Figuren zwischen dem Original von 2004 und dem Remake von 2012 herausgearbeitet.
V. Barbie als mustergültige weibliche Vorbildfigur?: Eine kritische Auseinandersetzung mit der Barbie-Identität im Kontext feministischer Diskurse über Körperbilder, Girl Power und transmediale Repräsentation.
VI. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Raumanalyse zusammen und bewertet das Potenzial der Barbiefilme als Texte, die patriarchale Strukturen hinterfragen oder reproduzieren.
Schlüsselwörter
Barbie, Filmwissenschaft, Raumsoziologie, Montage, Splitscreen, Genderstereotype, Feminismus, Hyperfeminität, Repräsentation, Klassengesellschaft, Intermedialität, Identitätskonstruktion, Patriarchat, Girl Power, Mädchenkultur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Darstellung von filmischem und sozialem Raum in ausgewählten Barbiefilmen und hinterfragt deren Bedeutung für die Entfaltung weiblicher Rollenbilder.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf Raumsoziologie, filmischen Montagetechniken, Genderstereotypen sowie der Entwicklung der Barbie-Figur vom klassischen zum modernen Erzählmodell.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu ergründen, ob die behandelten Barbiefilme als feministisch gelesene Werke verstanden werden können, die Frauen trotz bestehender klassenspezifischer Beschränkungen Möglichkeiten zur Selbstbestimmung aufzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine filmwissenschaftliche Analyse angewandt, die insbesondere Aspekte der Montage (wie Splitscreens) und die architektonische Raumgestaltung in einen soziologischen, gendertheoretischen Kontext einbettet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einordnung des Raumbegriffs, eine detaillierte Analyse der Raumkonstruktion in "Barbie als Prinzessin und das Dorfmädchen" sowie einen vergleichenden Abschnitt zum Remake "Barbie: die Prinzessin und der Popstar".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Die zentralen Schlagworte umfassen Raumsoziologie, Genderstereotype, Filmische Montage, Feminismus und Barbie-Kultur.
Welche spezifische Rolle spielt der Splitscreen in der Analyse?
Der Splitscreen wird als zentrales Mittel identifiziert, um die Gleichzeitigkeit von Handlungssträngen darzustellen und die Verbundenheit der beiden Protagonistinnen über ihre räumliche Trennung hinaus zu visualisieren.
Wie unterscheidet sich das Remake von 2012 vom Original?
Das Remake reduziert physische Unterdrückungsszenarien und thematisiert Identität eher als soziale Konstruktion, wobei die Protagonistinnen als erfolgreiche Frauen ohne primäre Notwendigkeit einer traditionellen Heirat dargestellt werden.
- Arbeit zitieren
- Svenja Cremers (Autor:in), 2024, Die persönliche Entfaltung im filmischen und sozialen Raum, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1710578