Die Profession der Sozialen Arbeit blickt in Deutschland auf eine über hundert jährige Geschichte zurück. Während dieser Zeit wurde die Sozial Arbeit immer von dem Umstand begleitet, dass sie sich einerseits überhaupt erst erkämpfen musste, dass manche ihrer Handlungsfelder als überhaupt nötig angesehen wurden, und andererseits dass die dafür nötigen Ressourcen bereitgestellt wurden (vgl. Schacht 2005). Das Erstreiten bestimmter Rechte und Privilegien kann jedoch nur durch eine starke Basis und einer gemeinsamen Stimme erreicht werden. Dazu sind in erster Linie Zusammenschlüsse von mehreren Personen nötig, die sich strukturell organisieren. Diese Arbeit soll daher der Frage nachgehen, wie und weshalb Praktiker der Sozialen Arbeit in Deutschland seitdem organisiert sind, wie ihre Strukturen aussehen, und somit darlegen, wie der Stand berufsverbandlicher und gewerkschaftlicher Organisation dieser Profession in Deutschland ist.
Diese Studienarbeit gibt die Inhalte der Präsentation „Berufsverbände, gewerkschaftliche Interessenvertretung und Interessenhandeln der Praktiker der Sozialen Arbeit?“ in erweiterter Form wieder. Zunächst wird auf den allgemeinen Begriff des Interessensverbandes als Grundlage eingegangen, bevor sich anschließend dem Themenfeld mit der historischen Entwicklung genähert wird. Im darauf folgenden Abschnitt wird gezielt auf die existierenden Formen der sozialarbeiterischen Interessensverbünde eingegangen. Im Anschluss wird ein Ausblick auf den internationalen Stand unternommen. Ebenfalls werden mögliche Gründe für eine geringe Interessensvertretung der Praktiker der Sozialen Arbeit aufgezeigt. Zum Schluss werden die Erkenntnisse dieser Arbeit in einem Fazit und Ausblick zusammengetragen.
Inhaltsverzeichnis
1) Interessensverband
2) Historische Entwicklung der Interessensverbande der Sozialen Arbeit
3) Interessensverbände der Sozialen Arbeit
a. Wohlfahrtsverbände
b. Gewerkschaften
c. Berufsverbände
d. Exkurs: Der DBSH als exemplarisches Beispiel einer interessensverbandlichen Identitätsfrage
e. Bündnisse, Initiativen und Arbeitsgemeinschaften
4) Internationale Interessensverbünde der Sozialen Arbeit – ein Ausblick
5) Geringe Interessensvertretung der Praktiker der Sozialen Arbeit – mögliche Gründe
6) Fazit und Ausblick
7) Anhang
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung, die Organisationsstrukturen sowie die Herausforderungen bei der Interessenvertretung von Praktikern der Sozialen Arbeit in Deutschland. Dabei wird analysiert, warum trotz vielfältiger Verbandslandschaften nur ein geringer Organisationsgrad unter den Professionellen besteht und welche Rolle die Identitätsbildung zwischen Berufsverband und Gewerkschaft dabei spielt.
- Grundlagen des Begriffs "Interessensverband"
- Historische Genese der Berufsverbände in der Sozialen Arbeit
- Differenzierung zwischen Wohlfahrtsverbänden, Gewerkschaften und Berufsverbänden
- Identitätsdiskurs am Beispiel des DBSH
- Ursachenanalyse für die geringe gewerkschaftliche und berufsverbandliche Organisation
Auszug aus dem Buch
d.) Exkurs: Der DBSH als exemplarisches Beispiel einer interessensverbandlichen Identitätsfrage
Da sich der DBSH neben arbeits- und tarifrechtlichen Belangen auch für Professionsfragen als Ansprechpartner sieht, fällt auf den ersten Blick eine klare Trennung hinsichtlich einer üblichen Gewerkschaft schwer, da diese genau so die Interessen ihrer Mitglieder in arbeitsrechtlichen Belangen vertritt. Somit sind Berufsverbände wie der DBSH gefordert ein klares Profil zu zeigen. Doch dass die Schaffung einer klaren Identität nicht immer einfach zu gewährleisten ist, zeigt ein Diskurs, der schon lange vor Gründung des DBSH die Berufsverbände der Sozialen Arbeit beschäftigte. Im Kern geht es dabei um die Frage, ob die Interessensvereinigung schwerpunktmäßig als Berufsverband oder Gewerkschaft gesehen und gelten möchte. Allein die Fachzeitschriften des letzten Jahrzents lassen die Diskussion anschaulich verfolgen. Nachfolgend ein paar exemplarische Textauszüge aus einem Streitinterview mit vier Mitgliedern des DBSH:
„Sozialarbeiterinnen standen historisch bedingt, immer auf der Seite der Schwachen, auch in der Arbeitswelt und für Arbeitnehmerrechte.“
„Soziales wird in Staatsgefügen immer zu einer Verhandlungs- und Spielmasse, besonders wenn es knapp wird. Die Entstehung der Sozialarbeit stammt ja aus der ehrenamtlichen Tätigkeit, aus der nichtprofessionellen Tätigkeit. Ich glaube, dass dies immer noch zu spüren ist. Von daher halte ich es für wichtig dass der Verband Gewerkschaft ist. Andererseits bezweifle ich, dass Mitglieder geworben werden können mit dem Argument, der DBSH ist Gewerkschaft.“
Zusammenfassung der Kapitel
1) Interessensverband: Definition und theoretische Einordnung von Interessensverbänden unter Berücksichtigung von Organisationsformen und rechtlichen Rahmenbedingungen.
2) Historische Entwicklung der Interessensverbande der Sozialen Arbeit: Nachzeichnung der Entstehung beruflicher Zusammenschlüsse von den Anfängen bis zur Situation nach 1945.
3) Interessensverbände der Sozialen Arbeit: Klassifizierung der zentralen Akteure in Wohlfahrtsverbände, Gewerkschaften und Berufsverbände sowie deren spezifische Aufgabenbereiche.
4) Internationale Interessensverbünde der Sozialen Arbeit – ein Ausblick: Erläuterung der internationalen Vernetzung durch Organisationen wie den IFSW und deren Bedeutung für professionelle Standards.
5) Geringe Interessensvertretung der Praktiker der Sozialen Arbeit – mögliche Gründe: Analyse der Ursachen für den geringen Organisationsgrad, insbesondere bezogen auf die Zersplitterung und fehlende einheitliche Professionsbasis.
6) Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der aktuellen Situation und Empfehlungen zur Stärkung der Interessenvertretung.
7) Anhang: Auflistung der verwendeten Abbildungen, Abkürzungen und Quellenangaben.
Schlüsselwörter
Soziale Arbeit, Berufsverbände, Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbände, Interessenvertretung, Professionalisierung, DBSH, Identitätsbildung, Soziallobbyismus, Arbeitsbedingungen, Fachverband, Organisationsgrad, Sozialpädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die verschiedenen Formen der Interessenvertretung für Praktiker der Sozialen Arbeit in Deutschland und untersucht deren Strukturen und Probleme.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die Abgrenzung von Berufsverbänden, Gewerkschaften und Wohlfahrtsverbänden sowie deren historischer und aktueller Status.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es darzulegen, wie und warum Praktiker der Sozialen Arbeit organisiert sind und warum es Schwierigkeiten gibt, eine starke, gemeinsame Interessenvertretung zu etablieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine studienbasierte Arbeit, die auf Literaturanalyse, historischen Daten und einer Diskussion des Identitätsdiskurses innerhalb der Profession basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Verbandstypen, eine Analyse der historischen Entwicklung, eine Betrachtung internationaler Aspekte und eine Untersuchung der Gründe für die schwache Interessenorganisation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Soziale Arbeit, Berufsverbände, Gewerkschaften, Professionalisierung, Interessenvertretung und Soziallobbyismus.
Welche Rolle spielt der DBSH in der Diskussion um die Identitätsbildung?
Der DBSH dient als Fallbeispiel für den schwierigen Spagat zwischen gewerkschaftlicher Arbeit zur Durchsetzung von Arbeitnehmerrechten und dem berufsverbandlichen Ziel der fachlichen Profilierung.
Warum ist der Organisationsgrad in der Sozialen Arbeit laut Autor so gering?
Der Autor führt dies unter anderem auf eine historische Zersplitterung, eine fehlende einheitliche Wissensbasis, die Identifikation über Teilbereiche statt über den Gesamtberuf und die Struktur des Arbeitsmarktes zurück.
- Quote paper
- Mario Schmiedel (Author), 2011, Berufsverbände, gewerkschaftliche Interessensvertretung und Interessenhandeln der Praktiker der Sozialen Arbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/171020