Wenn von der deutschen Theaterlandschaft die Rede ist, werden häufig Attribute wie „einzigartig“ und „vielfältig“ verwendet1. Das liegt auf der einen Seite daran, dass es „nur im deutschsprachigen Raum … dieses in der Welt einmalige flächendeckende System Öffentlicher Theater [gibt]“2, andererseits gelten auch die zahlreichen in ihrer Form sehr unterschiedlichen nicht öffentlichen Theater als wichtiger Bestandteil dieser Theaterlandschaft3.
Doch die seit Jahren sinkenden öffentlichen Zuschüsse bei gleichzeitig steigenden Kosten stellen für viele Theater eine existentielle Bedrohung dar, die schon die Streichung von Stellen, Sparten und sogar die Schließung ganzer Theater nach sich zog4. Angesichts des erheblichen Anstiegs der Staatsverschuldung aufgrund der Finanz- und Wirtschaftskrise prognostizieren neue Studien gar ein regelrechtes Theatersterben in den nächsten zehn Jahren. Hinzu kommt der Trend rückläufiger Besucherzahlen - ein Problem, das u.a. aufgrund des demografischen Wandels immer drängender wird und welches den finanziellen Engpass der Theater durch sinkende Einnahmen aus dem Kartenverkauf noch weiter erhöhen wird.
Die Verfasser der Studien und Autoren von Fachliteratur zum Thema Kulturfinanzierung empfehlen als Lösung der Finanzierungsprobleme neben einer verstärkten Nutzung alternativer Finanzierungsformen wie Sponsoring und Fundraising auch die Steigerung der Eigeneinnahmen. Umso verwunderlicher ist es, dass ein betriebswirtschaftliches Konzept, das schon einigen anderen Dienstleistungsbranchen Erlössteigerungen in Höhe von 2-5% eingebracht hat, noch kaum Beachtung in der Literatur und Praxis gefunden hat: Yield-Management.
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1 u.a. Vgl. Hausmann, 2005, S. S. 1; Vgl. Deutscher Bundestag, 2007, S. 106
2 Lange, 2006, S. 55
3 Vgl. Bolwin, 2010, www.nmz.de
4 Die in diesem und dem folgenden Absatz getroffenen Aussagen, werden in der vorliegenden Arbeit an anderer Stelle noch genauer erläutert und dort auch belegt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Hintergrund und Problemstellung
1.2 Aufbau und methodisches Vorgehen
2. Theater in Deutschland
2.1 Theaterformen
2.1.1 Öffentliche Theater
2.1.2 Nicht-öffentliche Theater
2.1.3 Spielbetrieb
2.2 Finanzielle Situation
2.2.1 Finanzierung
a) Öffentliche Zuwendungen
b) Private Förderung
c) Eigeneinnahmen
2.2.2 Problemfelder
a) Rückgang der öffentlichen Zuschüsse
b) Steigende Kosten
c) Besucherrückgang
2.2.3 Bisherige Lösungsansätze
3. Yield Management
3.1 Begriffsfassung und Einordnung
3.2 Ursprung und Entwicklung
3.3 Anwendungsvoraussetzungen
3.4. Bestandteile des YM-Systems
3.5 Ausprägung des Yield-Managements
4. Yield-Management bei Theatern
4.1 Bisherige Auseinandersetzung in der Literatur
4.2 Prüfung der Eignung
4.2.1 Allgemeine Anwendungsvoraussetzungen
4.2.2 Andere Einflussfaktoren
a) Preiselastizität
b) Auswirkungen von Preisaktionen
c) Preisfairness
d) Konsumentenverhalten
e) Möglichkeit der Datenauswertung und Prognose an Theatern
4.3 Chancen und Risiken gegenwärtiger Anwendungsmethoden
4.3.1 Last-Minute-Rabatt
a) An der Abendkasse
b) Last-Minute-Ticketkasse
4.3.2 Frühbucherrabatt
4.3.3 Dynamic Pricing
4.4 Ergebnis
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendbarkeit des Yield-Managements als betriebswirtschaftliches Instrument zur Erlösoptimierung im deutschen Theaterbetrieb. Angesichts sinkender öffentlicher Subventionen, steigender Kosten und rückläufiger Besucherzahlen analysiert die Autorin, ob Ansätze wie Last-Minute-Rabatte, Frühbucherermäßigungen oder Dynamic Pricing dazu beitragen können, die Eigeneinnahmen von Theatern nachhaltig zu steigern und somit ihre wirtschaftliche Existenz zu sichern.
- Analyse der aktuellen finanziellen Situation und Problemfelder deutscher Theater.
- Theoretische Grundlagen und Funktionsweise des Yield-Management-Konzepts.
- Überprüfung der Eignung von Yield-Management für die Theaterbranche anhand spezifischer Rahmenbedingungen.
- Empirische Untersuchung praktischer Anwendungsansätze und deren Chancen sowie Risiken.
- Bewertung der Übertragbarkeit von Yield-Management-Strategien auf öffentliche und private Theater.
Auszug aus dem Buch
1.1 Hintergrund und Problemstellung
Wenn von der deutschen Theaterlandschaft die Rede ist, werden häufig Attribute wie „einzigartig“ und „vielfältig“ verwendet. Das liegt auf der einen Seite daran, dass es „nur im deutschsprachigen Raum … dieses in der Welt einmalige flächendeckende System Öffentlicher Theater [gibt]“, andererseits gelten auch die zahlreichen in ihrer Form sehr unterschiedlichen nicht öffentlichen Theater als wichtiger Bestandteil dieser Theaterlandschaft.
Doch die seit Jahren sinkenden öffentlichen Zuschüsse bei gleichzeitig steigenden Kosten stellen für viele Theater eine existentielle Bedrohung dar, die schon die Streichung von Stellen, Sparten und sogar die Schließung ganzer Theater nach sich zog. Angesichts des erheblichen Anstiegs der Staatsverschuldung aufgrund der Finanz- und Wirtschaftskrise prognostizieren neue Studien gar ein regelrechtes Theatersterben in den nächsten zehn Jahren. Hinzu kommt der Trend rückläufiger Besucherzahlen - ein Problem, das u.a. aufgrund des demografischen Wandels immer drängender wird und welches den finanziellen Engpass der Theater durch sinkende Einnahmen aus dem Kartenverkauf noch weiter erhöhen wird.
Die Verfasser der Studien und Autoren von Fachliteratur zum Thema Kulturfinanzierung empfehlen als Lösung der Finanzierungsprobleme neben einer verstärkten Nutzung alternativer Finanzierungsformen wie Sponsoring und Fundraising auch die Steigerung der Eigeneinnahmen. Umso verwunderlicher ist es, dass ein betriebswirtschaftliches Konzept, das schon einigen anderen Dienstleistungsbranchen Erlössteigerungen in Höhe von 2-5% eingebracht hat, noch kaum Beachtung in der Literatur und Praxis gefunden hat: Yield-Management.
Die vorliegende Arbeit soll eine Einführung in diese in Deutschland bislang kaum erforschte Thematik darstellen. Ziel ist es zu untersuchen, ob sich Yield-Management auch für die Anwendung bei Theatern eignet und zu einer Verbesserung der finanziellen Situation durch Erhöhung der Eigeneinnahmen beitragen kann. Neben der theoretischen Überprüfung anhand der in der Fachliteratur genannten Kriterien sollen auch die Ansätze, die in der Praxis schon zu finden sind, hinsichtlich ihrer
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die finanzielle Problematik der deutschen Theaterlandschaft ein und definiert das Ziel, die Eignung von Yield-Management für Theater zu untersuchen.
2. Theater in Deutschland: Dieses Kapitel beschreibt die verschiedenen Theaterformen und die finanzielle Situation der Branche, wobei die Herausforderungen durch sinkende Zuschüsse und steigende Kosten analysiert werden.
3. Yield Management: Es erfolgt eine theoretische Einführung in das Yield-Management, einschließlich seiner Herkunft, Definition und der wesentlichen Bestandteile wie Preis- und Kapazitätssteuerung.
4. Yield-Management bei Theatern: Dieses Hauptkapitel prüft die praktische Eignung von Yield-Management für Theater, diskutiert Einflussfaktoren wie Preiselastizität und analysiert konkrete Methoden wie Last-Minute-Rabatte, Frühbucherrabatte und Dynamic Pricing.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung, dass Yield-Management zwar kein Allheilmittel für die Finanzprobleme der Theater ist, aber in Kombination mit anderen Strategien einen wertvollen Beitrag zur Einnahmensteigerung leisten kann.
Schlüsselwörter
Yield-Management, Theatermanagement, Kulturfinanzierung, Eigeneinnahmen, Preisdifferenzierung, Last-Minute, Frühbucherrabatt, Dynamic Pricing, Kostenkrankheit, Besucherschwund, Erlösoptimierung, Preispolitik, Marketinginstrumente, Kapazitätssteuerung, Kulturökonomie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung des aus der Dienstleistungsbranche stammenden Yield-Managements auf deutsche Theaterbetriebe, um deren finanzielle Situation durch verbesserte Eigeneinnahmen zu optimieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Finanzierungssituation deutscher Theater, die theoretischen Grundlagen des Yield-Managements sowie die kritische Analyse von Preisstrategien wie Last-Minute-Rabatten und Dynamic Pricing.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel besteht darin, theoretisch zu fundieren und praktisch zu prüfen, ob sich Yield-Management-Ansätze für Theater eignen, um durch eine intelligente Preis- und Kapazitätssteuerung die Eigeneinnahmen zu steigern.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse sowie eine empirische Untersuchung, die Internetrecherche und Experteninterviews mit leitenden Mitarbeitern von Theatern und Branchenexperten umfasst.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die aktuellen Rahmenbedingungen der Theaterbranche (Finanzierung, Kosten, Besucherzahlen) analysiert, das Konzept des Yield-Managements theoretisch erläutert und anschließend dessen Eignung für den Theaterbetrieb anhand von Expertenmeinungen und Best-Practice-Beispielen diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Yield-Management, Theatermanagement, Preisdifferenzierung, Erlösoptimierung und Kulturfinanzierung charakterisieren.
Warum sind öffentliche Theater besonders von der Finanzkrise betroffen?
Öffentliche Theater leiden besonders unter dem Rückgang öffentlicher Zuwendungen bei gleichzeitig stetig steigenden Betriebskosten (oft als "Baumol'sche Kostenkrankheit" bezeichnet), da sie in ihren Möglichkeiten zur marktorientierten Preisgestaltung durch kulturpolitische Vorgaben eingeschränkt sind.
Wie unterscheiden sich die Anwendungsformen des Dynamic Pricing?
Die Arbeit differenziert zwischen DP-Ansätzen, die ab einer gewissen Auslastungsgrenze Preise schrittweise erhöhen, und komplexeren Modellen, die durch den ständigen Abgleich der aktuellen Buchungskurve mit historischen Verläufen eine zeitnahe, dynamische Preisanpassung vornehmen.
Welche Rolle spielen Last-Minute-Ticketkassen für das Yield-Management?
Last-Minute-Ticketkassen wie HEKTICKET fungieren als unabhängige Mittler, die es Theatern ermöglichen, Restkapazitäten zu verkaufen, ohne die reguläre Preisstruktur an der eigenen Abendkasse zu gefährden, was somit ein wirksames Instrument zur Segmentierung darstellt.
- Quote paper
- Stefanie Reimann (Author), 2010, Yield-Management bei Theatern , Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/170977