Es mehren sich die Anzeichen, dass die Inklusionsbewegung in der Regelschule als gescheitert betrachtet werden muss. Die Gründe hierfür sind vielfältiger Natur und werden in dieser Streitschrift anhand von 20 ausführlich beschriebenen Thesen, inklusive Fallbeispielen, dargelegt. Die Abschaffung der Förderklassen für Schüler und Schülerinnen mit einer Lernbehinderung hat dazu geführt, dass insbesondere Heilpädagogische Sonderschulen, die für kognitiv beeinträchtigte Schüler und Schülerinnen konzipiert worden sind, heutzutage aus allen Nähten platzen. Zudem werden viele in den Regel-Kindergarten bzw. in die Regel-Grundschule 'integrierte' Kinder in der Mittelstufe dann doch in eine Heilpädagogische Schule überwiesen. Diese Integrationsbewegung steht auch völlig schief in der Bildungslandschaft, weil sich das Schulsystem in den letzten 50 Jahren immer weiter aufgegliedert hat, um individuellen Bedürfnissen gerecht werden zu können. So kennt man z. B. heute auch Klassen, ja kleine Schulen, in denen Kinder und Jugendliche mit einer Hochbegabung beschult und gefördert werden. Warum dies nicht auch bei kognitiv beeinträchtigten Kindern und Jugendlichen so sein soll, erscheint nicht einsichtig. Diese sogenannte schulische Integration ist wesentlich teurer als ursprünglich gedacht und womit vor ca. 25 Jahren Bildungspolitiker geködert worden sind. Letztendlich kann es für ein behindertes Kind kein Vergnügen sein, Tag für Tag zu erleben, dass es im Grunde nicht zur Klassengemeinschaft dazugehört, weil es den vermittelten Stoff nicht oder nur ansatzweise versteht. Auch im sozialen Bereich versteht es die Sprüche und Witze, die in den Pausen gemacht werden, nicht, und wenn es selber etwas zum Besten geben möchte, verdrehen die anderen Kinder offen oder heimlich, die Augen.
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- Riccardo Bonfranchi (Author), 2026, Die Inklusion bei kognitiv beeinträchtigten Kindern und Jugendlichen misslingt bzw. stellt eine Würdeverletzung dar, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1708416