Ziel dieser Arbeit ist es, Rilkes poetologische Grundlagen des mittleren Werks herauszuarbeiten. Im Zentrum steht dabei der daraus resultierende Gedichtstypus, das Dinggedicht. Im ersten Schritt soll die Entwicklung zur neuen Kunstauffassung dargestellt werden, weiter sollen die verschiedenen thematischen Schwerpunkte und Gestaltungskonzepte der Neuen Gedichte aufgezeigt werden. Eine genauere Analyse folgt dann anhand des Gedichts Das Karussell. Dabei soll zuerst mit der formalen Untersuchung gezeigt werden, inwiefern sich die Poetologie im Text niederschlägt. In einem nächsten Schritt soll das Gedicht unter zwei Aspekten genauer betrachtet werden. Im ersten Teil stehen dabei die Themen Dasein und Kindheit im Zentrum, zweitens soll dargestellt werden, wie sich das Gegenüber − ein zentrales Element des Dinggedichts − konstituiert und welche Prozesse durchlaufen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Poetologie des Dinggedichtes
3. Das Karussell
3.1 Formale Analyse
3.2 Dasein und Kindheit
3.3 Das Gegenüber und der Prozess der Wahrnehmung
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die poetologischen Grundlagen des mittleren Werks von Rainer Maria Rilke, wobei das Dinggedicht als zentraler Gedichtstypus im Fokus steht. Anhand einer vertieften Analyse des Gedichts „Das Karussell“ wird der Frage nachgegangen, wie Rilke durch eine sachlich-objektive Darstellung eine Projektion innerer Prozesse auf die Dingwelt ermöglicht und dabei komplexe Themen wie Dasein und Kindheit verarbeitet.
- Poetologie des mittleren Werks von Rilke
- Konzept und Struktur des Dinggedichts
- Analyse der Wahrnehmungsprozesse in „Das Karussell“
- Thematisierung von Dasein, Kindheit und Sinnlosigkeit
- Einfluss bildender Künste auf die Lyrik
Auszug aus dem Buch
3.1 Formale Analyse
Das Gedicht Das Karussell ist Teil der Neuen Gedichte und entstand 1907. In seiner Form ist es ein typisches Dinggedicht, steht doch ein wahrnehmbares Ding im Zentrum des Interesses. Inwiefern und an welchen Stellen sich die verschiedenen Spezifika eines Dinggedichts in Das Karussell zeigen, wird im Weiteren zu untersuchen sein.
Zuerst ist festzustellen, dass das Gedicht zweigeteilt ist. Betrachtet man allein das Reimschema, zeigt sich die formale Trennung. So bestehen die ersten 5 Strophen – obwohl die Versanzahlen variieren – jeweils aus umfassenden Reimen, Strophe 4 und 6 stechen als einversige Strophen heraus, dazu jedoch später mehr. In den „regulären“ Strophen kommen jeweils zusätzliche Reimpaare hinzu, so findet von Strophe 1 zu Strophe 2 folgender Wechsel statt: abba bccb; ded. Die neuen Reime werden im weiteren Verlauf erneut aufgegriffen, beispielsweise in der dritten Strophe: fbf. So entsteht eine Verbindung zwischen den Strophen des ersten Teils. In der siebten Strophe findet allerdings ein kompletter Wechsel statt. Hier werden zwei neue Reimpaare eingeführt, die teils dem Kreuz-, teils dem umfassenden Reimschema folgen. Neben den Reimstrukturen wird eine Zäsur auch innerhalb der Metrik deutlich. Während die Strophen 1 bis 6 durchgehend fünfhebig und jambisch sind, findet in Vers 4 der fünften Strophe ein Betonungswechsel statt. Zwar bleibt es bei den 5 Hebungen, die Jamben werden jedoch durch 2 Daktylen ersetzt. Der Vers wird abschließend mit einem Trochäus beendet. Es ist unschwer zu erkennen, dass hier eine deutliche Trennung stattfindet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert den Wandel der Schaffensphasen Rilkes und definiert das Ziel der Arbeit, die poetologischen Grundlagen des mittleren Werks anhand des Gedichts „Das Karussell“ zu untersuchen.
2. Poetologie des Dinggedichtes: Dieses Kapitel beschreibt die Hinwendung Rilkes zu einer sachlich-objektiven Darstellung unter dem Einfluss der bildenden Künste wie Rodin und Cézanne.
3. Das Karussell: Dieses Kapitel widmet sich der formalen Untersuchung, der inhaltlichen Daseins- und Kindheitsthematik sowie dem Prozess der Wahrnehmung innerhalb des Gedichts.
3.1 Formale Analyse: Die Analyse deckt die formale Zweiteilung, die Reimstruktur, metrische Besonderheiten und die zentralen Stilmittel zur Erzeugung des Bewegungseindrucks auf.
3.2 Dasein und Kindheit: Dieser Abschnitt beleuchtet die philosophischen Bezüge zu Nietzsche und die Ambivalenz zwischen kindlicher Sorglosigkeit und einer pessimistischen Sicht auf die Sinnlosigkeit des Daseins.
3.3 Das Gegenüber und der Prozess der Wahrnehmung: Hier wird untersucht, wie ein wahrnehmendes Subjekt durch die Gestaltung der Sprache und die Intensivierung der Wahrnehmung zur Selbsterkenntnis gelangt.
4. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass Rilke in „Das Karussell“ seine poetologische Grundhaltung mit der Vorstellung einer idealen Kindheit verbindet und das Gedicht somit als Prototyp des Dinggedichts fungiert.
Schlüsselwörter
Rainer Maria Rilke, Dinggedicht, Das Karussell, Poetologie, Mittleres Werk, Dasein, Kindheit, Wahrnehmung, Auguste Rodin, Paul Cézanne, Friedrich Nietzsche, Subjektivität, Objektivität, Ikonizität, Epiphanie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die poetologischen Merkmale des mittleren Schaffensabschnitts von Rainer Maria Rilke anhand des berühmten Gedichts „Das Karussell“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung des Dinggedichts, dem Einfluss der bildenden Künste auf Rilkes Lyrik sowie der Reflexion über Dasein und Kindheit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Entwicklung zur neuen Kunstauffassung Rilkes aufzuzeigen und durch eine detaillierte Analyse des Gedichts „Das Karussell“ zu belegen, wie Rilke subjektive Prozesse in eine sachliche Form übersetzt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die formale Aspekte (Metrik, Reim, Struktur) mit inhaltlichen Interpretationen und biographischen Kontexten verbindet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert das Dinggedicht „Das Karussell“ formal, untersucht die philosophischen Dimensionen von Dasein und Kindheit und beleuchtet den Wahrnehmungsprozess des lyrischen Subjekts.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen unter anderem Dinggedicht, Wahrnehmung, Rilkes mittleres Werk, Ikonizität und die Verbindung von Lebenslust und Lebensskepsis.
Inwiefern beeinflusste die Philosophie von Friedrich Nietzsche das Gedicht?
Nietzsches Gedanken über die ewige Wiederkehr des Gleichen werden im Gedicht als Symbol für die scheinbare Sinnlosigkeit des kreisförmigen Daseins interpretiert.
Welche Bedeutung hat das „selige Lächeln“ am Ende des Gedichts?
Es repräsentiert eine wehmütige Sehnsucht nach der kindlichen Naivität und Leichtigkeit, die selbst in der ansonsten pessimistischen Weltsicht des Erwachsenenfortbesteht.
Warum wird das Gedicht als „Prototyp des Dinggedichts“ bezeichnet?
Weil es die poetologischen Prinzipien Rilkes – wie das schaffende Schauen und das sachliche Sagen – in einer komplexen Verschränkung von Objekt- und Subjektdarstellung beispielhaft vereint.
- Arbeit zitieren
- Ulrike Ziegler (Autor:in), 2011, Das Karussell - Interpretation und Auseinandersetzung mit Rilkes Poetologie des mittleren Werks , München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/170824