Die europäische Integration ist auch dieser Tage wieder ein großes Thema. Derzeit wird über die Öffnung des Arbeitsmarktes für Bürger aus den östlichen Mitgliedsstaaten der EU diskutiert. Es wird viel über die Vor- und Nachteile, über Gefahren und Risiken und über die Auswirkungen auf die ökonomische Strukturen der Zuwanderungs- und Abwanderungsstaaten gesprochen. Der Startschuss für die Arbeitnehmerfreizügigkeit fällt am 01. Mai 2011.
Niemand kann vorhersagen ob es zu einer Bewegung der Arbeitnehmer aus den Mitgliedsstaaten kommt und wenn ja in welchen Dimensionen. Die Voraussetzungen sind durch die entsprechenden Gremien der Europäischen Union (EU) geschaffen worden. Doch auch heutzutage wird dieser Schritt des Integrationsprozesses mit Argwohn betrachtet. Dies geschieht teils aus Informationsmangel, Angst und Skepsis wie auch einer gewissen Machtlosigkeit, wenn denn der Ball ins Rollen gebracht wurde und die nachfolgenden Ereignisse scheinbar wenig beeinflussbar sind. Begonnen hat dieser europäische Integrationsprozess nach dem Zweiten Weltkrieg. Man hatte aus den Fehlern gelernt, die nach dem Ersten Weltkrieg gemacht wurden. Deutschland wurde vormals in die Isolation gedrängt und mit Reparationen belegt worden, die nicht bezahlbar waren um die Wirtschaft des Landes klein zu halten. Aufgrund dieser Situation und einiger anderer Ereignisse wie zum Beispiel der Weltwirtschaftskrise von 1929 keimte ein neuer Nationalismus in Deutschland auf. Adolf Hitler führte Deutschland und Europa mit Beginn des Zweiten Weltkrieges in eine soziale wie auch ökonomische Katastrophe, deren Folgen bis in die 1970er Jahre auf Westblockseite ökonomisch und bis in die 1990er Jahre auf gesamteuropäischer Seite politisch durch den Kalten Krieg spürbar waren.
Doch wie kam es zu diesem Prozess der Europa heute so geschlossen erscheinen lässt, trotz verschiedener Differenzen? Wie konnte die Einung Europas erfolgen und die paneuropäische Idee von Richard Nikolaus von Coudenhove-Kalergi, wenn auch anders im Aufbau, erfolgen? Wie entwickelten sich neue Wirtschaftsbeziehungen nach den einschneidenden Erlebnissen der vorangegangen Jahre? In dieser Arbeit soll als Teil des Integrationsprozesses die European Free Trade Association (EFTA) in ihrer Entwicklung gegenüber der Betrachtung der Entwicklung der Europäischen Gemeinschaften (EG).
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Kapitel I – Grundbegriffe
I.1 Freihandel und Freihandelszone
I.2 Protektionismus
I.3 Zölle
I.4 Der Europäische Wirtschaftsraum (EWR)
Kapitel II – Die Nachkriegssituation in Europa
II.1 Die North Atlantic Treaty Organization (NATO)
II.2 Der Warschauer Pakt (WVO)
II.3 Die Westeuropäische Union (WEU)
Kapitel III – Die Entstehung der Europäischen Gemeinschaften
III.1 Der Beginn des Integrationsprozesses (1951-58)
III.2 Die Übergangszeit (1958-69)
III.3 Ansätze zur Politikintegration und erste Erweiterung (1970-80)
III.4 Die Vertiefung und die zweite Erweiterung der EG (1989-90)
Kapitel IV – Die European Free Trade Association (EFTA)
IV.1 Die Stockholmer Konvention
IV.2 Die Ziele der EFTA
IV.3 EFTA - Warum?
Kapitel V – Die besondere Rolle Frankreichs
V.1 De Gaulles Erbe
Zusammenfassung
Quellen- und Literaturnachweis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den europäischen Integrationsprozess nach dem Zweiten Weltkrieg, wobei der Fokus auf der Entwicklung und der Bedeutung der European Free Trade Association (EFTA) im Vergleich zu den Europäischen Gemeinschaften (EG) liegt.
- Grundlagen des Freihandels und der wirtschaftlichen Integration
- Die politische Situation im Nachkriegseuropa und die Rolle von Militärbündnissen
- Entwicklungsschritte und Erweiterungen der Europäischen Gemeinschaften
- Gründung, Ziele und Wirken der EFTA
- Die einflussreiche, teils blockierende Rolle Frankreichs unter Charles de Gaulle
Auszug aus dem Buch
IV.1 Die Stockholmer Konvention
Bei der Ausarbeitung dieses Vertrags stand der Pragmatismus im Vordergrund und keine vorzeitige Ausleuchtung aller Wenn-dann-Szenarien. Mindestregeln und bestimmte Leitgrundsätze und Verfahren wurden festgelegt, um die Grundsätze der Konvention in entsprechender Situation anwenden zu können. Die Ursprungsregeln und der Zollabbau hingegen wurden detailliert festgelegt.
Damit war der Grundstein für flexibles und pragmatisches Handeln in den jeweiligen Situationen gelegt. Laut der des Vertrages sollten die Handelsbeschränkungen über zehn Jahre abgebaut werden, um mit der Entwicklung in der EWG Schritt halten zu können. Durch die rasante Entwicklung in der EWG und die Anpassung der EFTA konnten bereits am 31. Dezember 1966, drei Jahre früher als geplant, die meisten Zollbeschränkungen auf Industrieerzeugnisse abgebaut werden. Auch die mengenmäßigen Ausfuhrbeschränkungen konnte vor Ablauf des Zeitplans, Mitte 1965 erreicht werden. Generell besteht der EFTA-Vertrag aus 44 Artikeln, die einen Überblick geben die Präambel, Art. 1 über die Assoziation, Art. 2 legt die Ziele fest, Art. 3 die Einfuhrzölle, Art. 4 die Zollbehandlung der Zone und Art. 5 geht auf Handelsverzerrungen ein.
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel I – Grundbegriffe: Vermittelt ökonomische Basisbegriffe wie Freihandel, Protektionismus und Zölle, die für das Verständnis der Integrationsmodelle essenziell sind.
Kapitel II – Die Nachkriegssituation in Europa: Analysiert das politische Umfeld nach 1945, geprägt vom Ost-West-Konflikt und der Gründung bedeutender Sicherheitsbündnisse wie NATO, Warschauer Pakt und WEU.
Kapitel III – Die Entstehung der Europäischen Gemeinschaften: Zeichnet die Entwicklung der europäischen Integration von der EGKS über die EWG bis zur Einheitlichen Europäischen Akte nach.
Kapitel IV – Die European Free Trade Association (EFTA): Untersucht die Genese, die Stockholmer Konvention sowie die spezifischen Ziele und Gründe für die Gründung der EFTA.
Kapitel V – Die besondere Rolle Frankreichs: Beleuchtet das französische Dilemma zwischen europäischem Führungsanspruch, der Sorge vor deutscher Stärke und dem Konzept eines 'Europa der Nationen' unter de Gaulle.
Schlüsselwörter
Europäische Integration, EFTA, EWG, Freihandel, Freihandelszone, Protektionismus, Europäischer Wirtschaftsraum, EWR, Stockholmer Konvention, Charles de Gaulle, Kalter Krieg, Europäische Gemeinschaften, Wirtschaftsintegration, Westeuropa, EGKS
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Prozess der europäischen Integration nach 1945, indem sie die Entwicklung der EFTA der Entwicklung der Europäischen Gemeinschaften gegenüberstellt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Feldern gehören die ökonomischen Grundlagen des Freihandels, die sicherheitspolitische Lage im Kalten Krieg sowie die unterschiedlichen Ansätze zur wirtschaftlichen und politischen Zusammenarbeit in Europa.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Entwicklung der EFTA zu verstehen, ihren Stellenwert neben der EG einzuordnen und die Gründe für ihre Entstehung sowie ihre Funktion als Integrationsmodell zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine deskriptive und analytische Arbeit, die auf einer Auswertung von Fachliteratur und historischen Quellen zur europäischen Geschichte und Wirtschaftspolitik basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Begriffsdefinition, eine Darstellung der sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen, die historische Entwicklung der EG, eine detaillierte Analyse der EFTA und eine Untersuchung der Rolle Frankreichs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Europäische Integration, EFTA, EWG, Freihandelszone, Stockholmer Konvention und die politische Rolle Frankreichs.
Warum wurde die EFTA trotz des späteren EWR gegründet?
Die EFTA entstand primär aus der Furcht der beteiligten Staaten vor ökonomischer Diskriminierung durch die EWG und dem Wunsch, wirtschaftliche Integration ohne weitgehende politische Supranationalität zu erreichen.
Welche Bedeutung hatte das Veto Frankreichs für den Integrationsprozess?
Das Veto Frankreichs, insbesondere gegenüber dem Beitritt Großbritanniens, blockierte mehrfach die Erweiterung der EG und spiegelte de Gaulles Strategie wider, eine Vorherrschaft Frankreichs in einem autonomen Europa zu sichern.
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- Alexander Reden (Author), 2011, Der europäische Integrationsprozess am Beispiel der EFTA, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/170817