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Zwischen Gründerzeit und Symbolismus. Franz Reder-Broilis Landschaftsmalerei

Titel: Zwischen Gründerzeit und Symbolismus. Franz Reder-Broilis Landschaftsmalerei

Wissenschaftlicher Aufsatz , 2026 , 31 Seiten

Autor:in: Joachim Stark (Autor:in)

Kunst - Bildende Künstler

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Franz Reder-Broili (Mellrichstadt 1854 - München 1918) war in der Kunstmetropole München in der Zeit zwischen 1880 und 1918 ein erfolgreicher Landschaftsmaler. Seine Gemälde vor allem aus dem Dachauer Moos und aus der Alpenregion wurden gerne gekauft. Auch Prinzregent Luitpold erwarb im Jahre 1900 ein Gemälde für seine Privatsammlung. Noch heute werden Reder-Broilis Gemälde immer wieder im Kunsthandel angeboten. Auch wenn Reder-Broili nicht zu den Akademie-Professoren oder gar den Künstlerfürsten der Epoche gehörte, so lohnt doch der Versuch, seine Biografie und sein Oeuvre zu rekonstruieren. Auch in Reder-Broilis Werk drückt sich der Wandel der Malstile und Kunstauffassungen aus, der sich zwischen Biedermeier, Gründerzeit, Impressionismus und Symbolismus erstreckt. So verarbeitet er in seiner Malerei Anregungen von Eduard Schleich, Ludwig Neubert und Arnold Böcklin. Auch scheint sich Reder-Broili im Laufe seines Schaffens eine durchaus eigenständige Position in Bezug auf das erarbeitet zu haben, was Stimmungslandschaft leisten soll: die Vergänglichkeit alles Menschlichen in Erinnerung zu rufen angesichts der Erhabenheit der Naturkräfte.
Zum Autor: Joachim Stark ist Soziologe, Politikwissenschaftler und Kunsthistoriker. In seiner Eigenschaft als Soziologe hat er einen großen Teil seiner Forschungen dem Werk des französischen Soziologen Raymond Aron gewidmet. Als Kunsthistoriker hat er unter anderem beim Grin-Verlag Studien über Louise Bourgeois und Christo & Jeanne-Claude veröffentlicht.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis:

1. Ein Landschaftsmaler im München der Prinzregentenzeit

2. Reder-Broilis Werdegang – Versuch einer Rekonstruktion

3. Italienreise

4. Ein Frauenporträt

5. Chiemsee und Starnberger See

6. Die Gemälde aus dem Dachauer Moos

7. Reder-Broili und die Malerei seiner Epoche

8. Literaturhinweise

Franz Reder-Broili war in der Kunstmetropole München in der Zeit zwischen 1880 und 1918 ein erfolgreicher Landschaftsmaler. Seine Gemälde vor allem aus dem Dachauer Moos und aus der Alpenregion stießen bei den Mitgliedern etwa des Münchner Kunstvereins auf reges Interesse. Seine Landschaften wurden gerne gekauft. Die Nachwelt hingegen scheint Reder-Broili nach seinem Tode 1918 bald vergessen zu haben, auch wenn bis zum heutigen Tage immer wieder Gemälde von ihm im Kunsthandel auftauchen.1 Auch wenn Reder-Broili nicht zu den Akademie-Professoren oder gar den Künstlerfürsten gehörte, so sei hier doch der Versuch unternommen, seine Biografie und sein Oeuvre zu rekonstruieren und es damit dem Nebel des Vergessens zu entwinden, der sich über sein Schaffen während einer wichtigen Kunstepoche Bayerns gelegt hat. Auch in Reder-Broilis Werk drückt sich der Wandel der Malstile und Kunstauffassungen aus, der sich zwischen Biedermeier, Gründerzeit, Impressionismus und Symbolismus erstreckt. Auch scheint sich Reder-Broili im Laufe seines Schaffens eine durchaus eigenständige Position in Bezug auf das erarbeitet zu haben, was Stimmungslandschaft leisten soll.

Übrigens auch Prinzregent Luitpold, selbst Mitglied im Kunstverein, erstand dort im Jahre 1900 ein Ölgemälde von Reder-Broili, das in der Sammlung des Prinzregenten den Titel „Herbst“ trug.2 Ein anderer Titel ist vom Kunstverein selbst überliefert. Demnach soll das Gemälde den Titel getragen haben „Aus dem Glonntal“.3 Letzteres würde daraufhin deuten, dass das Gemälde eine Szenerie im Dachauer Moos zeigt, war die Glonn um 1900 doch noch ein mäanderndes Flüßchen, das Mühlen antrieb, das von sumpfigen Wiesen gesäumt war, und das bei Allershausen/Freising in die Amper mündet.4 Reder-Broilis Bild könnte also den ursprünglichen Zustand des Glonntales zeigen. Aber solange über den Verbleib des Gemäldes nichts bekannt ist, lässt sich das nicht verifizieren.5

Jedenfalls gehörte Reder-Broili damit zu den rund 400 Künstlern, von denen der Prinzregent in der Zeit seiner Jahrzehnte währenden Sammlertätigkeit ein Bild erworben hatte. Ende des 19. Jahrhunderts sollen rund 3000 Maler in München tätig gewesen sein, bei einer Einwohnerzahl von rund 500.000.6 Die Konkurrenz auf dem Kunstmarkt muss also erheblich gewesen sein.

Nach dem Tode des Prinzregenten im Jahre 1912 ging das Bild an seine Tochter Prinzessin Therese von Bayern (1850-1925). Das gleiche gilt übrigens auch für ein Bild des Malers Heinrich Richard Reder, ein jüngerer Bruder von Franz Reder-Broili, der ebenfalls in München als Landschaftsmaler aktiv war. Sein Bild „Regenstimmung (Münster in Tirol)“ erwarb der Prinzregent im Jahre 1905, ebenfalls im Kunstverein. Auch dieses BIld wurde 1912 an Prinzessin Therese vererbt.7

Reder-Broilis Bild in der Sammlung des Prinzregenten wäre heute auch deshalb von Bedeutung, weil die Maltechnik, das Sujet und die Komposition Anhaltspunkte geben könnten für Reder-Broilis Auffassung von Landschaftsmalerei um 1900. Es hätte Hinweise für eine Datierung post quem bzw. ante quem geben können und wenigstens ansatzweise die Unterscheidung von Schaffensphasen ermöglicht. Die Sichtung der Gemälde, die in Auktionshäusern oder auf Online-Plattformen angeboten bzw.8 archiviert werden, ergibt nur selten auch datierte Stücke.9

Wenn man auf dieser Archiv-Grundlage nach den Sujets gehen will, so lassen sich zumindest vier unterscheiden: die Gemälde aus Italien – etwa Golf von Neapel, Golf von Sorrent -, dann die oberbayerischen Seen und Landschaften sowie die Alpen, schließlich das Dachauer Land, das die meisten Stücke umfasst. Diese Sujets wiederum lassen sich nach den geschilderten Witterungs- und Lichtstimmungen unterscheiden, sowie nach der Gegenwart bzw. dem Fehlen von Personen- und/oder Tierstaffagen. Gerade in seinen vermutlich späteren Werken konzentrierte sich Reder-Broili zunehmend auf Landschaft und Witterung und ließ Figuren gänzlich fort. Der Versuch eine chronologische Ordnung in das Bildmaterial zu bringen ist angestoßen worden von den drei Gemälden, die im Lauf von drei Jahrzehnten in den Besitz des Autors gelangt sind. Die Unterschiede in der Maltechnik, dem Blick auf die Landschaft und die Wiedergabe von Details, auch das Bildformat und die Bildträger (Karton und Leinwand) werfen Fragen nach Datierung und Schaffensperioden auf.

Der Prinzregent hatte das Gemälde aus einer Ausstellung des Münchener Kunstvereins erworben. Luitpold war ein bedeutender Förderer der Künste und der Künstler10 und wenn er ein Gemälde erwarb oder in Auftrag gab, so galt dies als eine hohe Auszeichnung des betreffenden Künstlers und war geeignet, dessen Renommee im Kunstbetrieb und bei den Käufern von bildender Kunst enorm zu steigern. Reder-Broili hätte also diesen Erfolg dazu nutzen können, sich noch weiter bekannt zu machen und zum Beispiel durch regelmäßige Teilnahme an den Jahresausstellungen im Glaspalast den Marktwert seiner Bilder zu erhöhen. Aber davon ist wenig überliefert. Sein jüngerer Bruder Heinrich Richard hingegen scheint sich hier viel energischer engagiert zu haben. Nachdem der Prinzregent 1905 ein Gemälde von ihm gekauft hatte, sorgte Heinrich Richard dafür, dass es 1907 in der Glaspalastausstellung gezeigt wurde, mit dem Vermerk: „Im Besitze S.K.H. des Prinzregenten Luitpold von Bayern.“11 Auch 1911 auf der Jubiläumsausstellung der Münchner Künstlergenossenschaft zu Ehren des 90. Geburtstages des Prinzregenten war Heinrich Richard Reder mit zwei Gemälden vertreten, mit einem „Hochwasser am Inn“ (Öl) und einer „Mondnacht (Motiv aus dem Urwald von Maine, Nordamerika)“.12 Reder-Broili hingegen ist nicht verzeichnet. Während Heinrich Richard in den Jahren 1902, 1904, 1906, 1907, 1908, 1910, 1911, 1912, 1916, 1917, 1918 in den Glaspalastausstellungen gelistet ist, finden wir seinen Bruder lediglich in den Ausstellungen der Jahre 1912 („Mondaufgang, Öl)“, 1918 („Mondschein im Gebirge, Öl“), und 1919. Die Ausstellung 1919 zeigte indessen drei Gemälde, was wohl als posthume Ehrung für Reder-Broili zu verstehen ist. Reder-Broili war im Juni 1918 im Alter von 63 Jahren verstorben.13 Die ausgestellten Stücke zeigten „Starnberg (Öl)“, eine „Mooslandschaft (Öl)“, und eine „Gewitterlandschaft (Öl)“. Bildträger, Maße und Entstehungsjahr waren nicht angegeben, was bei den Ausstellungskatalogen der Jahresausstellungen nicht üblich war.

Man kann also festhalten, dass Reder-Broili bei seinen Werbe-Aktivitäten im Kunstbetrieb eher zurückhaltend war. Es war für ihn anscheinend genug, über die Ausstellungen des Münchner Kunstvereins seine Arbeiten zu verkaufen, was ausreichend war, ihm den Lebensunterhalt zu sichern. Eine Folge war aber womöglich auch, dass Reder-Broili in der kunstwissenschaftlichen Literatur der Zeit, aber auch später, letztlich nur eine Nebenrolle spielt. So taucht er etwa im damaligen Standardwerk von Uhde-Bernays (1921) gar nicht auf. Lediglich sein Onkel Heinrich von Reder wird im Anhang genannt, mit der knappen Charakterisierung: „1824-1909, aus Mellrichstadt, Schüler von Millner“.14 Im Thieme-Becker (1933) werden sowohl der Onkel, als auch die beiden Brüder genannt, wobei bei Heinrich Richard sogar zwei Gemälde in der Würzburger Kunstvereins-Galerie angeführt werden („Mondaufgang am Bodensee“ und eine „Gewitterstimmung am Bodensee“.15 Über Franz Reder-Broili wird berichtet, dass er „Schüler von Hiltensperger, Löfftz u. Otto Seitz“ und dass er „Neffe des Heinr. V. Reder“ war. Sein Bruder Heinrich Richard ist somit ausführlicher präsent, auch in den Feuilletons.16 Das gleiche gilt für seinen Onkel Heinrich von Reder, den Offizier der bayerischen Artillerie, Maler und Dichter17. (Thieme Becker, Leipzig 1933/34, Bd. 27/28, p.72) aber auch andere zeitgenössische Maler, wie Defregger, Wenglein und Willroider.18 Vor diesem Hintergrund wird die Bemerkung in seinem Nachruf verständlich, wo es heißt: „Reder war ein feiner, stiller Künstler, der wenig Anlage hatte, sich in Szene zu setzen. Umso eindringlicher zeigten seine Arbeiten eine innige Liebe zur Natur.“19 Dabei ist Reder-Broili zumindest im Vergleich mit Bruder und Onkel in der Rückschau doch der innovativere, experimentierfreudigere Maler, indem er versuchte, zeitgenössische Stilrichtungen wie Impressionismus und Symbolismus in seine Stimmungs-Landschaften zu integrieren. Darauf werden wir zurückkommen.20

Der Verbleib des vom Prinzregenten 1900 erworbenen Bildes ist zwar unbekannt, aber es lässt sich zumindest über die Randbedingungen diskutieren, die es für den Prinzregenten interessant machten.

Von Ludwig Willroider zum Beispiel besaß der Prinzregent zwei Landschaftsgemälde, erworben in den 1880er Jahren im Kunstverein bzw. in der Ausstellung im Glaspalast.21 Ein Willroider, aber eben auch ein Reder-Broili oder Heinrich Richard Reder, repräsentieren die Vorlieben des Prinzregenten, der auch ein leidenschaftlicher Jäger war, für die Landschafts-, Tier- und Genremalerei. Von den 534 Gemälden, die für die Ausstellung von 1913 katalogisiert wurden, waren 185 Landschaften, Architekturstücke und Interieurs, 93 Tier- und Jagdbilder, 122 Schilderungen aus dem Volksleben, sieben religiöse Motive, 42 Stillleben, 9 Schlachtenbilder, und 56 Bildnisse verschiedener Persönlichkeiten.22

Es ist durchaus denkbar, dass auch Reder-Broili, so wie viele andere Künstler seiner Zeit, zu den häufig stattfindenden Hoftafeln in Gegenwart des Prinzregenten eingeladen war, in der Münchner Residenz oder auch in Nymphenburg.23 Außerdem hatte der Prinzregent die Angewohnheit, unangemeldet oft morgens gegen acht Uhr Künstlern in ihren Wohnungen einen Besuch abzustatten. Möglich, dass auch Franz Reder-Broili und sein Bruder Heinrich Richard in der Volkartstraße bzw. in der Landshuter Allee in Neuhausen unerwarteten Besuch des Hauses Wittelsbach hatten.24 So wird berichtet, dass der Prinzregent Ludwig Willroider mehrfach im Jahr besuchte, immer meist gegen acht Uhr, zu einer Zeit, wo der Herr Professor noch im Bett lag.

Reder-Broilis Werdegang – Versuch einer Rekonstruktion

Doch von diesen Rekonstruktionen zur Arbeits- und Lebenswelt Reder-Broilis und seinen möglichen Beziehungen zum Prinzregenten nun zu jenen biografischen Aspekten, die durch schriftliche Zeugnisse und amtliche Dokumente belegt sind.

Geboren wurde Franz Emil Robert am 28.10.1854 in die alte mainfränkische Familie Reder, deren Vorfahr Johann Ignaz Reder 1796 beim Kampf gegen französische Truppen im Ersten Koalitionskrieg gefallen war.

Franz Emil Robert war das zweite Kind der Eheleute Dr. Anton Reder (Anton geb. 19.10.1817, vermutlich in Mellrichstadt, möglicherweise auch Zell am Main oder Gemünden, laut den Archivalien von Herrn Nick), seit 1850 Stadtgerichts-Accessist (entspricht einem heutigen Rechtsreferendar), dann Bezirksgerichtsrat, seit 1854 Privatier, verstorben wohl 1902; und seiner Ehefrau, „Rathstochter“ Babette Sophie Broili, „Tochter des Magistratsraths und Stadtkämmerers Broili zu Würzburg“. (Laut Standesamt München war der Vorname der Mutter Barbara.) Taufpate von Franz Emil Robert (katholisch getauft in Mellrichstadt am 4.11.1854) war ein Franz Broili, Polizeikommissar in Würzburg, also möglicherweise der Vater von Babette (bzw. Barbara) Sophie.

Das erste Kind der Eheleute Reder war die Tochter Marie, sie war also Franz‘ ältere Schwester. Sie wurde ca. 1852 möglicherweise in Würzburg geboren (laut Archivalien Herrn Nick). Drittes Kind der Eheleute Reder war Carl Maximilian (Max), geboren am 28.11. 1858 in Memmingen. Max studierte Mathematik und Sprachen in München und war dann Kadett in der Kaiserlichen Marine. Er unternahm 1883 einen Besuch in den USA, von wo er anscheinend nicht wieder nach Deutschland zurückkehrte. Er arbeitete unter anderem als Illustrator für die Boston Post, ab 1893 dann für Zeitungen in Toledo, Ohio. Er betätigte sich auch als Landschaftsmaler. Seine Aquarelle verkaufte er anscheinend mit Erfolg. Max starb am 23.10.1948 in Toledo, Ohio, im Alter von 89 Jahren.

Das vierte Kind der Reders war schließlich der Sohn Heinrich Richard, geboren am 25.05.1862 in Memmingen. 1880 bis 1881 studierte Heinrich Richard am Polytechnikum und an der Akademie in München, hier bei Prof. Gabriel von Hackl und Wilhelm von Diez, und wurde dann Landschaftsmaler. Er wurde vor allem durch seine Regenstimmungen bekannt. Das vom Prinzregenten 1905 erworbene Gemälde wurde oben bereits erwähnt. Es hatte den Titel „Dorfstraße in Tirol bei Regenwetter“ bzw. „Regenwetter (Motiv aus Münster in Tirol)“.25 Heinrich Richard wohnte wie Franz ebenfalls überwiegend in München-Neuhausen. 1902 ist als Adresse die Nymphenburger Straße 167 nachweisbar, 1907 die Schulstraße 38, ab 1910 dann die Landshuter Allee 24. 1943, während des 2. Weltkrieges, scheint das Haus in der Landshuter Allee durch Bombeneinwirkung zerstört worden zu sein. Das mag Ursache gewesen sein für Heinrich Richards Umzug nach Schliersee, wo er am 11.11.1949 mit 87 Jahren starb. Es gab anscheinend Briefe aus den 1970er Jahren (Unterlagen Herr Nick, H.R. Reder, p. 17), die darauf hindeuten, dass die Maler Franz, Heinrich Richard sowie Heinrich von Reder Ende des 19. Jahrhunderts in den USA waren, möglicherweise in Verbindung mit einem Besuch bei Max. Zumindest bei Heinrich Richard fand die Reise Niederschlag in Gemälden, die Landschaften in Maine zeigen, die auch in den Ausstellungen im Glaspalast gezeigt wurden, so 1907: „Jagdhütte im Urwald von Maine“; 1911: „Mondnacht (Motiv aus dem Urwald von Maine)“. Was Franz angeht, so sind bislang keine Darstellungen mit Bezug zu Nordamerika bekannt.

Über Kindheit und Jugend von Franz ist wenig überliefert. Es wird berichtet, dass er das Gymnasium in Neuburg/Donau besuchte und dann 1871 ein Studium der Malerei in Wien begann und „zunächst in Niederösterreich Landschaftsstudien in der Art Gauermanns“ malte.26 Er wechselte 1874 an die Akademie der Bildenden Künste in München,27 wo er später in die Akademieklasse des Monumentalmalers Georg Hiltensberger aufgenommen wird. Es ist eine Zeit, wo die Zahl der Studenten, vor allem auch aus dem Ausland, stark anwuchs. So stieg die Schülerzahl zwischen 1872 und 1884 von 240 auf 552. Zahlreiche Bewerbungen blieben erfolglos. Unter dem Direktorat von Friedrich August von Kaulbach (1886-1891) etwa wurde die Hälfte der Anmeldungen abgelehnt.28 Um 1876 sei er in die Meisterklasse von Ludwig von Löfftz gewechselt.29 Dort wurde er auf die Stimmungslandschaft aufmerksam gemacht. Hier galt vor allem Eduard Schleich der Ältere als Referenz.

Reder-Broili wohnt seit 1883 in der Nymphenburgerstraße unter verschiedenen Adressen, dann ist er ab 3.10.1901 wohnhaft in München Neuhausen, Volkartstraße 17/3. Seit 1883 hatte Franz ein Atelier in der Arcostr. 12/4. Ein Luftbild, gemacht Ende des 19. Jahrhunderts von einem Ballon aus, zeigt, dass die Nymphenburgerstraße damals zum großen Teil noch durch Wiesen und Felder verlief. Der Stadtteil war aber bereits durch eine Pferde- bzw. Dampftram an die Maxvorstadt angeschlossen. (online: Der Betriebshof 5 der Münchner Trambahn Nymphenburgerstraße , letzter Aufruf April 2026)

1885 heiratet er die Münchnerin Friederike Maria Weinmüller, geb. in München am 17. Juni 1865, römisch-katholisch getauft. Die Trauung war am 21. Februar 1885 beim Standesamt Neuhausen. Friederike war „Schriftsetzerstochter“, (laut Städtischer Zivilconscription, Archivalien Isolde Höppner-Reder). Tatsächlich findet sich im „Adreßbuch für München“ von 1865 ein Weinmüller, Ferdinand, Schriftsetzer, Jägergasse 4.30 Die Jägergasse lag im Stadtteil Au (heute Au-Haidhausen) und wurde 1875 in Nockherstraße umbenannt.31 Trauzeugen waren die Münchner Maler Georg Nielsen32 und Leo Schönrock.33

Als erstes Kind wird den Reder-Broilis am 4. Juli 1885 die Tochter Theresia (Rosa? Laut Stammbaum der Familie Reder in den USA, Archivalien Herr Nick) geboren. 1893 kommt Sohn Armin zur Welt (13. Juli 1893). Armin fällt im I. Weltkrieg bei Arras in Nordfrankreich am 15. Juni 1915, wohl in den letzten Tagen der Loretto-Schlacht.

Verstorben ist Reder-Broili am 27. Juni 1918 in München. Der Begräbnisort ist nicht mehr feststellbar.34 Es ist denkbar, dass Reder-Broili auf dem Friedhof Neuhausen beigesetzt worden ist, jenem Friedhof, der zu dem Stadtbezirk gehörte, in dem Reder-Broili 35 Jahre lang gewohnt hat. Es kommen aber auch der seit 1902 bestehende Westfriedhof sowie der Alte Südliche Friedhof in Frage.

Zu seinem Freundeskreis ist wenig bekannt. Im Nachruf des Münchener Kunstvereins wird berichtet, dass Franz mit dem einige Jahre älteren Ludwig / Louis Neubert (1846 Leipzig – 1892 Pirna) in enger Freundschaft verbunden war.35 Neubert lebte wohl seit 1872 in München.36 Zum Kreis von Neubert, der sich von Adolf Lier und Eduard Schleich anregen ließ, der als großer Bewunderer von Arnold Böcklin sich aber auch symbolistischen Auffassungen öffnete, zählte etwa ein Toni Stadler der Ältere, der um 1890 auch in Dachau malte.37 Dass Reder-Broili während seiner Malaufenthalte in Dachau und im Amperland auch zahlreichen anderen Malern begegnet ist, darf angenommen werden. Dazu boten die Wirtshäuser, Biergärten und Brauereien manche Gelegenheit. Dazu zählen der Gasthof Burgmeier in Etzenhausen sowie die alte Schießstätte an der Schleißheimer Straße und die Bahnhofswirtschaft. Das Burgmeier und der Biergarten der Schießstätte galten als ausgesprochene Künstlertreffpunkte.38 Ab den 1870er Jahren wird Reder-Broili hier Philipp Röth, Adolf Lier, sowie die Lier-Schüler Josef Wenglein, Josef und Ludwig Willroider oder auch Toni Stadler, Wilhelm von Diez, Heinrich von Zügel sowie viele andere getroffen haben.39

Reder-Broilis Lehrer Ludwig von Löfftz wiederum war ein Schüler des Historienmalers Wilhelm von Diez, der wie sein Lehrer Piloty das farbig-malerische Element gegenüber dem Zeichnerischen betonte, das noch für die Epochen der Cornelius und Schwindt vorherrschend gewesen war. Diez ermutigte seine Schüler dazu, ohne zeichnerische Vorbereitung die Farbe direkt auf den Bildträger aufzutragen. Löfftz, der ab 1891 selbst zum Direktor der Akademie aufstieg, pflegte neben dem Historienbild auch verstärkt die Landschaft sowie Interieurs.40 Reder-Broili hat also hier schon die Anregung bekommen, sich sowohl der Landschaft zu widmen und sie unter atmosphärischen und malerischen Aspekten zu sehen und darzustellen. Eine Auffassung die ja bereits in Frankreich in der Schule von Barbizon gepflegt wurde. Landschaftsmalerei als eigenes Fach wurde übrigens zu Zeiten von Reder-Broilis Studium an der Münchner Akademie nicht gelehrt. Die Landschaftsklasse war 1826 auf Betreiben von Cornelius abgeschafft worden. Der Rang der Historienmalerei als höchster Gattung sollte nicht geschmälert werden. Nichts desto weniger war schon zu Zeiten Pilotys ein nachlassendes Interesse an der Historienmalerei zu Gunsten des Genre und der Landschaft festzustellen. Dem korrespondierte seit den 1860er Jahren ein Bedeutungsverlust des Unterrichts in Kunstgeschichte, der in den 1880er Jahren schließlich eingestellt wurde und nur noch an der Kunstgewerbeschule bzw. am Polytechnikum unterrichtet wurde.41

Warum es Reder-Broili letztlich zur Landschaft und zur Naturdarstellung hinzog, dies anscheinend schon in Wien, bleibt mangels Quellen spekulativ. Es ist aber eine ähnliche Neigung bei seinem Bruder Heinrich Richard festzustellen, der sich auf Landschaften mit Regenstimmungen spezialisiert hatte. Karl Josef Nick berichtet, dass Heinrich Richards Liebe zu Regenstimmung daher rührte, dass ihn sein Vater immer wieder zum Fischen mitnahm, „und zum Fischen geht man vorzugsweise bei Regenwetter oder wenn ein Gewitter naht. So hat er schon von frühester Jugend an die Schönheit und Poesie der Regenstimmungen kennen und lieben gelernt.“42 Möglicherweise war auch Franz immer wieder auf solchen Ausflügen des Vaters dabei und lernte so, geduldig die Natur zu betrachten, vor allem das Wasser, die Pflanzenwelt, das Licht am Horizont und seine Reflektion auf den Wasserflächen, die Wolkenformationen vor allem bei aufziehenden Gewitter. Ein Nachklang an diese Kindheits- und Jugenderlebnisse sind womöglich die zwei kleinen Gemälde einer Szenerie wohl im Dachauer Moos. Das eine zeigt im Mittelgrund einen Angler, der in seinem Kahn sitzend auf einem Gewässer treibt. Das zweite Stück zeigt im Mittelgrund einen Jäger mit Hund an einem Weiher.43 Die impressionistisch gemalten Bilder zeigen bereits das „Münchner Handtuchformat“,44 das Anfang der 1850er Jahre von Eduard Schleich eingeführt worden war, um die Weite der bayerischen Ebenen, wie im Dachauer Moos, besser darstellen zu können.

Abb. in Leseprobe nicht enthalten

Franz Reder-Broili, Szenerie im Dachauer Moos mit Jäger und Hund. Öl auf Holz, 13x29 cm, signiert links unten. Privatbesitz.

Mit dem 1895 an die Akademie berufenen Tiermaler Heinrich von Zügel hatte auch ohne eigenständige Klasse für Landschaftsmalerei die Landschafts- und Genremalerei einen festen Platz an der Akademie gefunden, womit auch der Nachfrage auf dem Kunstmarkt Rechnung getragen wurde. Reder-Broilis Landschaften, sowie die Landschafts- und Genremalerei vieler anderer Künstler der Zeit, mussten spätestens in den 1890er Jahren den vorherrschenden Publikumsgeschmack getroffen und von entsprechenden Absatzmöglichkeiten vor allem im bürgerlichen Milieu profitiert haben.

Dennoch bleibt die Nachzeichnung von Reder-Broilis Weg lückenhaft. Das Matrikelbuch 2 (1841-1884) der ADBK München belegt, dass Franz Reder am 19.10.1874 in die Antikenklasse eingeschrieben wurde.45 Er hat also an der Münchner Akademie noch die klassische Ausbildung durchlaufen, mit der Antikenklasse als Einstieg (Zeichnen nach Gipsabgüssen von antiken Skulpturen), dann der Wechsel zur Naturklasse, (eingeführt 1869, Zeichnen und Malen nach dem lebenden Modell), schließlich Wechsel in die Kompositionsklasse.46 Es ist anzunehmen, dass er bei Hiltensperger (Historienmaler und Corneliusschüler), Löfftz (Pilotyschüler, Historie, Landschaft, Genre) und Otto Seitz (Genre, Landschaft, Stillleben) sich ausführlich auch mit Kompositionsfragen befasste.

Reder-Broili scheint sich schon als Mittzwanziger – also Ende der 1870er, Anfang der 1880er Jahre entschlossen zu haben, als freischaffender Kunstmaler zu arbeiten. Dass er eine Anstellung an der Akademie erhalten haben könnte, ist jedenfalls unbekannt. Für 1883 ist der Besitz eines Ateliers in der Arcostraße überliefert. Das Atelier wird auch als Anlaufstelle für Kaufinteressenten gedient haben. Im Gegensatz zur Wohnung in der Nymphenburger Straße war die Arcostraße zentral gelegen an der Grenze zwischen Maxvorstadt und Stadtzentrum mit Marienplatz. Alte und Neue Pinakothek befinden sich in der Nähe, ebenso der Königsplatz mit dem damaligen Ausstellungsgebäude (errichtet 1845 gegenüber der Glyptothek).47 Möglicherweise wurden Gemälde Reder-Broilis auch über den Kunsthandel angeboten. Ein wichtiger Absatzweg war, wie oben erwähnt, auch der Münchner Kunstverein, der seit 1826 im Bazargebäude an der Nordseite des Hofgartens residierte und der schon früh mit Münchner Kunsthändlern kooperierte.48 Der Münchner Kunstverein sorgte schon in den 1830er Jahren zudem dafür, dass Austauschbeziehungen zu Kunstvereinen in anderen Städten angebahnt wurden, so dass Werke Münchner Künstler in den Ausstellungen der Kunstvereine etwa in Hannover, Hamburg, Braunschweig und Berlin in großer Zahl präsent waren.49 In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts kam es zu weiteren Kooperationen mit Kunstvereinen in Bayern, so mit Nürnberg, Augsburg, Bamberg, Würzburg, Fürth und Bayreuth, sowie außerhalb Bayerns mit Stuttgart, Heilbronn und Darmstadt.50

Für den Absatz beim Münchner Publikum war das Ausstellungswesen des Kunstvereins wichtig, das übrigens schon früh in Kooperation mit dem örtlichen Kunsthandel erfolgte. So konnten die Künstler ihre neuen Werke jederzeit im Verein abliefern. Im Wochenrhythmus wurden die Werke ausgestellt und so dem Publikum jede Woche eine neue Hängung geboten. Weitere Absatzmöglichkeiten waren die Ankäufe des Kunstvereins für die Jahresverlosungen unter den Mitgliedern,51 sowie die Jahresgaben für die Mitglieder.

Es gab übrigens, im Unterschied zu praktisch allen anderen Ausstellungen, keine Jurierung der eingelieferten Werke.52 Mit dem 1890 abgeschlossenen Um- und Erweiterungsbau erhöhten sich die Ausstellungskapazitäten, so dass noch mehr Künstler ihre Werke präsentieren konnten.53 1893 erreichte die Mitgliederzahl mit rund 6000 ihren Höhepunkt.54 Bis zur Jahrhundertwende blieb sie auf diesem Niveau. Unter den Mitgliedern waren vor allem seit der Gründerzeit neben Beamten und Bildungsbürgertum zunehmend „Partikuliers, Rentiers, Privatiers, Kaufleute, Banquiers, Prokuraträger, Commissionäre, Agenten, Direktoren, Fabrikanten, Realitätenbesitzer“,55 also das wirtschaftlich einflussreiche und wohlhabende Bürgertum, das seinen sozialen und kulturellen Status durch Erwerb von Kunstwerken für ihre Gründerzeithäuser und Etagenwohnungen dokumentieren wollte. Dies war der Markt, für den Reder-Broili letztlich malte. Entsprechend waren die Bildthemen und Formate gehalten. Kleine bis mittlere Formate boten die besten Verkaufschancen. Nur sie passten in die damaligen eher beschränkten Wohnverhältnisse.

Das großformatige, ikonographisch komplexe Historiengemälde war hier weniger geeignet. Es blieb beschränkt auf die Mitglieder der Hofgesellschaft und die Aristokratie. Gefragt waren eben die oberbayerische Landschaft, Dorfszenen, Tiermalerei, Genre, Porträt, Stillleben, und hier vor allem Motive, die die Kunstinteressenten mit ihrem Lebensumfeld in Beziehung setzen konnten. Dazu zählten etwa die Wochenendausflüge an die oberbayrischen Seen, ins Voralpenland, ins Isartal, oder ins Dachauer Moos.

Gerade Motive aus dem Dachauer Moos scheinen beim Münchner Publikum beliebt gewesen zu sein. So gibt es Berichte, dass die Einkünfte bei den Malern in Dachau bequem die Kosten für Gasthof und Unterkunft hereinspielten.

Dass Motive aus dem Münchner Umland so erfolgreich waren, ist auch durch die wachsende Mobilität der Ausflügler und Touristen beeinflusst. So war etwa der Starnberger See seit 1851 mit der Eisenbahn erreichbar. Der Erbauer, der Münchner Unternehmer Johann Ulrich Himbsel, war übrigens schon in der Gründungsphase Mitglied im Münchner Kunstverein. Seit 1860 war Prien am Chiemsee an die Bahnstrecke Rosenheim-Salzburg angeschlossen, 1867 wurde der Bahnhof Dachau zusammen mit der Strecke München-Ingolstadt in Betrieb genommen. Im selben Jahr wurde auch die Brennerbahn eröffnet. Damit wurden die Alpen zwischen Innsbruck und Bozen für den allgemeinen Tourismus zugänglich und die Reise nach Südtirol und Oberitalien wesentlich erleichtert.56

Italienreise

Dies bringt uns zu den italienischen Motiven in Reder-Broilis Malerei, die bislang nicht sicher datierbar sind.57 Möglicherweise hat Reder-Broili eine Italien-Reise vor seiner festen Etablierung als Maler in München gemacht, also Ende der 1870er / Anfang der 1880er Jahre, vielleicht auch schon Mitte der 1870er Jahre, etwa zusammen mit Neubert, der seit 1872 in München war.

Abb. in Leseprobe nicht enthalten

Reder-Broili, Am Golf von Neapel, Öl auf Karton , Größe:28,5 x 43,5 cm (11,2 x 17,1 in) (online: Am Golf von Neapel von Franz Reder-Broili auf artnet) (undatiert). Copyright Auktionshaus Kaupp, 79295 Sulzburg, Germany. Fotografie: Oliver Edelbruch.

Dazu zählt die oben abgebildete Ansicht vom Golf von Neapel. Von ungefähr dem gleichen Standpunkt aus hat der Düsseldorfer Landschafter Oswald Achenbach diese Küstenansicht gemalt.58 Das Achenbach-Bild wirkt durch die Verteilung der Hell-Dunkel-Partien plastischer, die Detailwiedergabe ist gegenüber Reder-Broili stark gesteigert, die Figurenstaffage mit Lasteseln und Gemüse- bzw. Obstverkäufer betont das Idyllische, die Tiefenwirkung mit Blick auf Meeresbucht und Vesuv und der fein abgestimmten Luftperspektive evoziert im Betrachter nördlich der Alpen die Sehnsucht nach der Harmonie und Schönheit des Südens. Während das Gemälde des 55jährigen Achenbach ihn auf der Höhe seines Schaffens zeigt, wird man Reder-Broilis Bild als frühen Versuch einordnen dürfen.

Ein weiteres Beispiel für Reder-Broilis Italien-Arbeiten ist eine Ansicht des Golfs von Sorrent, die im Handel auch schon einmal als „Blick auf die Küste von Capri“ betitelt wurde.

Abb. in Leseprobe nicht enthalten

Reder-Broili, Blick auf die Küste von Capri, Öl auf Leinwand, Größe 80 x 118 cm (31,5 x 46,5 in) (undatiert). Dasselbe Bild mit anderer Bezeichnung beschrieben als: „Reder-Broili, Franz Blick auf die Küste von Sorrent (Mellrichstadt 1854-1918 München) Lichtdurchflutete Ansicht mit Blick auf die Ortschaft, einem reisenden Bauernpaar im Vordergrund und kleinen Segelbooten auf dem Meer. Öl/Lwd. Rechts unten sign. 80 x 118 cm. Auktion 2022, Copyright Kunstauktionshaus Schlosser, Bamberg.

Wie eine Durchsicht der online verfügbaren Fotografien aus der Gegenwart zeigt, wird es sich höchstwahrscheinlich um eine Ansicht des Golfs von Sorrent handeln, vermutlich den Küstenabschnitt von Marina Piccola unweit des Stadtzentrums von Sorrent.

Diese Gemälde zeigen eine Konzentration auf den Vordergrund mit einer detailreichen Darstellung der Vegetation, sowie Figurenstaffage. Das Licht ist gleichmässig verteilt. Wolkenformationen sind im Gegensatz zu den bayrischen Landschaften wenig ausgearbeitet. Bemerkenswert ist die sorgfältige Behandlung der Luftperspektive für die weiter entfernten Küstenteile und dem Vesuv auf dem Neapelbild.

Ein weiteres Gemälde dürfte ebenfalls den italienischen Motiven zuzuordnen sein, auch wenn es sich um eine Phantasielandschaft, eine Art Cappriccio, handeln könnte. Jedenfalls arbeitet Reder-Broili hier mit Kompositionsprinzipien, die sich auch in einem Gemälde seines Freundes Louis Neubert finden. Es handelt sich um dessen „Ansicht von Olevano“, die in der Sammlung Schack in München aufbewahrt und auf um 1875 datiert ist. Es wurde 1877 durch Adolf Friedrich Graf von Schack erworben. 1883 wurde das Gemälde unter dem Titel „Italienische Landschaft“ in Wien auch als Heliogravüre vervielfältigt.59 Der bei Neubert von einem verschatteten Bergrücken im Mittelgrund gebildete dunkle Masse, die dem Betrachter den Blick in die Ferne verwehrt und wo das Unbekannte und Ungewisse beginnt,60 ist bei Reder-Broili eine dunkle Baumgruppe. Am Horizont ist ein Gebirge sichtbar, das die Alpen sein könnten. In der rechten Bildhälfte ragt auf einem Bergrücken eine Burg empor, die von letzten Sonnenstrahlen beleuchtet wird. Der Himmel ist von weißen bis dunkelgrauen Wolken überzogen. Ein Gewitter scheint aufzuziehen. Neuberts „Ansicht von Olevano“ ist gleichsam jetzt nördlich der Alpen angelegt. Der Farbauftrag erscheint flächig, die Natur und Vegetation ist summarisch aufgefasst. Ähnliche Kompositionsprinzipien wendet auch Böcklin an in den Werken, die die Sammlung Schack zeigt und die Reder-Broili gemeinsam mit Neubert gesehen haben könnte, etwa die „Villa am Meer“. In zahlreichen Arbeiten, vor allem aus dem Dachauer Moos, hat Reder-Broili sich immer wieder dieser Prinzipien bedient. Es scheint, dass Reder-Broili seit Anfang der 1880er Jahre, angeregt durch Neubert und Böcklin, bis hin zu seinen späten Werken immer wieder auf dieses Kompositions-Schema zurückgegriffen hat.

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Franz Reder-Broili: Landschaft mit Burg, Öl auf Karton, Größe: 20 x 28,5 cm (7,9 x 11,2 in) Neumeister Auktion 371, Kat.-Nr. 327 am 22./23. März 2016 (neumeister.com); undatiert. ©Bayer & Mitko GmbH, München / NEUMEISTER Münchener Kunstauktionshaus GmbH & Co. KG

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LOUIS (LUDWIG) NEUBERT (1846-1892), Ansicht von Olevano, um 1875.Öl auf Leinwand; 90,5 x 145,7 cm. Bayerische Staatsgemäldesammlungen - Sammlung Schack München, URL: https://www.sammlung.pinakothek.de/de/artwork/ZnxwNyo4Xg

In zeitlichem Zusammenhang mit der oder den Italienreisen Reder-Broilis könnte auch eine Szenerie stehen, die als Motiv aus dem Dachauer Moos im Handel auftauchte, was aber angesichts des alpinen Charakters der Landschaft von vorneherein abwegig erschien. Gleichwohl bleibt der Ort ungeklärt. Die Annahme, dass es sich um das Eisacktal bei Klausen / Chiusa mit Kloster Säben im Mittelgrund handeln könnte, konnte nicht bestätigt werden.61 Möglicherweise handelt es sich auch hier um eine Phantasiekomposition, bei der die Bergkulisse von Klausen eine gewisse Rolle gespielt hat. Zeitgenössische Postkarten von Klausen mit Kloster Säben zeigen zumindest eine Bergsilhouette, die der des Eisacktals ähnelt.

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Reder-Broili, alpine Landschaft mit Schloss oberhalb eines Sees oder Flusses im Vordergrund (undatiert), Öl auf Karton, Maße: 47,5x41 cm, Privatbesitz.

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Zeitgenössische Postkartenansicht von Klausen und dem Eisacktal um 1900 (Urheber unbekannt. aus der Detroit Publishing Co.-Sammlung der Library of Congress, Washington, D.C. Abrufbar unter Wikimedia Commons)

Eine exotische Besonderheit stellt das Bild dar, das den Amuntempel in Luxor in Ägypten zeigt. Es ist das einzige bislang bekannte außereuropäische Motiv von Reder-Broili. Es ist denkbar, dass er während seiner Italienreise von Süditalien. z.B. von Neapel aus, nach Ägypten gereist ist. Falls er diese Reise tatsächlich gemacht hat, so sollten mehrere Gemälde erhalten sein. Möglicherweise tauchen künftig weitere Stücke im Kunsthandel auf.

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Reder-Broili, Abend über dem Amuntempel in Luxor, Medium: Öl auf Leinwand, Größe: 54,5 x 36,5 cm (21,5 x 14,4 in). Links unten signiert, versteigert 2008 aus dem Nachlass einer Privatperson im Großraum Frankfurt. Mit freundlicher Genehmigung des Auktionshauses Arnold, Frankfurt am Main.

Ein Frauenporträt

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Franz Reder-Broili, Frauenporträt, 20x30 cm, Öl auf Holz. Undatiert, signiert rechts unten „F Reder.//“. Privatbesitz.

Dieses Frauenporträt, signiert rechts unten „F Reder.//“ wurde 2023 aus dem Raum Kempten auf einer Kleinanzeigen-Webseite angeboten. Es ist bislang das erste und einzige Porträt von der Hand Reder-Broilis, das dem Autor bekannt ist. Auffällig ist, dass es lediglich mit „Reder“ signiert ist, anstatt mit „Reder-Broili“. Es dürfte also aus einer Zeit stammen, wo Reder-Broili es noch nicht für notwendig erachtete, sich mit Reder-Broili etwa von seinem Bruder Heinrich Richard Reder zu unterscheiden. Dieser hatte 1880 die Akademie bezogen und dürfte ab Mitte der 1880er Jahre auf dem Kunstmarkt aufgetreten sein. Reder-Broili hatte sich ab 1883 als freischaffender Kunstmaler in einem Atelier in der Arcostraße eingerichtet und dürfte ab Mitte der 1880er Jahre seinen Künstlernamen angenommen haben. Aufgrund der Signatur dürfte das Bild also Anfang bis Mitte der 1880er Jahre zu datieren sein. Die Darstellung der jungen Frau, die entspannt in einem Sessel oder auf einem Sofa gesessen haben dürfte und die ein leichtes Lächeln zeigt, weist auf eine Situation, die ein privates, intimes Bildnis ermöglichte und eben kein gleichsam offizielles, repräsentatives Porträt, das Würde und sozialen Status dokumentieren sollte, wie es zu dieser Zeit etwa im Atelier Lenbachs entstanden wäre.

Diese eher private Malsituation zusammen mit dem kleinen Format, das einen privaten Zweck andeutet, sowie die Signatur dürften das Bild Mitte der 1880er Jahre oder früher positionieren. Es ist denkbar, dass wir hier Friederike Maria Weinmüller vor uns haben, die Mitte der 1880er Jahre 20 Jahre alt war und die im Februar 1885 Reder-Broilis Frau wurde. Eine weitere Hypothese wäre, dass es sich um Reder-Broilis 1885 geborene Tochter Theresia handelt. Dann würde das Bildnis auf etwa 1905 zu datieren sein, wenn man weiterhin annimmt, dass die porträtierte Frau um die 20 Jahre alt ist. Dazu würde die Signatur „F Reder“ indessen gar nicht mehr passen, so dass diese Option eher ausscheidet.

Chiemsee und Starnberger See

In einer „Seeansicht vor Bergkulissen“ kontrastiert die bräunlich-rote Vegetation der Uferpartie im Vordergrund mit der grau-bläulichen Wasseroberfläche des Sees, die dem in ähnlichen Tönen gehaltenen Himmel korrespondiert.62 Die in gedeckten braunrot-Tönen gehaltenen Dächer der Häuser auf der Insel im Mittelgrund bilden ein zusätzliches Gegengewicht zu den grau-blauen Tönungen der in Dunst angedeuteten Bergrücken im Hintergrund. Einen weiteren Akzent setzt das in gedecktem Grün gehaltene Laub der Birken am rechten Rand. Unter den Birken weiden Kühe, die von einer Hirtin begleitet sind. Der Farbauftrag ist in den See- und Himmelspartien breitflächig, die Vegetation sowie die Tier- und Figurenstaffage ist betont malerisch und nicht zeichnerisch realistisch. Die Bergkulisse im Hintergrund, die Insel im Mittelgrund und der spitz zulaufende Zwiebelaufsatz des Kirchturms lassen vermuten, dass es sich um eine Ansicht des Chiemsees mit Fraueninsel und Kloster Frauenwörth handelt. Große Aufmerksamkeit widmete Reder-Broili offenbar der Darstellung des Uferbereichs, wo sich das stille Seewasser gleichsam unmerklich mit dem Erdreich verbindet.

Ein weiteres undatiertes Gemälde ist vom Kunsthandel als Chiemseeszenerie gekennzeichnet.63 Es zeigt Fischer beim Entladen des Bootes und dem Aufhängen der Netze. Im Mittelgrund rechts ist wieder die Fraueninsel dargestellt, ihre Umrisse im Dunst verschwindend. Die beiden bekannten Chiemseeansichten stammen aus einer Schaffensphase, wo sich Reder-Broili noch für die Darstellung von Menschen und Tieren, wenn auch als Beiwerk der Landschaftskulisse, interessierte.

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Franz Reder-Broili, Chiemsee-Landschaft, undatiert, 67x100 cm; versteigert 2001 bei Neumeister, München. ©Bayer & Mitko GmbH, München / NEUMEISTER Münchener Kunstauktionshaus GmbH & Co. KG

Chiemseeszenerien samt Fraueninsel wurden von den Münchner Malern aus verschiedenen Perspektiven oft gemalt, zumal der Chiemsee ein beliebtes Ausflugsziel der Münchner Bürger war.64 Auch Reder-Broili hat hier Möglichkeiten gesehen, mit diesen Gemäldethemen in den Kunstvereinsausstellungen zu reüssieren.

Zu den Seemotiven gehört auch der Starnberger See, den Reder-Broili zumindest einmal möglicherweise in Anlehnung an ein Gemälde von Eduard Schleich gemalt hat. Während Schleich Figurenstaffage und Vegetation in großer Detailtreue zeichnerisch wiedergibt, löst Reder-Broili die Objekte in malerischer Manier auf, beschränkt sich auf Umrisse und Silhouetten und zeigt gleichsam eine Landschaft und Atmosphäre in Bewegung und Wandel. Auffällig ist auch die verschattete dunkle Partie im Mittelgrund, wie sie bei Neuberts Olevano-Gemälde durchgeführt war.

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Franz Reder-Broili, Blick auf Starnberg und den Starnberger See bei aufziehendem Gewitter, Öl auf Leinwand. 43 x 62 cm. Signiert. Gerahmt. Auktion 23.03.2010, ©Hampel Fine Art Auctions, München.

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Eduard Schleich d.Ä., Ansicht des Starnberger Sees, 1862, Öl auf Leinwand, 77,5 x 116,5 cm, 1868 durch Adolf Friedrich Graf von Schack erworben, Bayerische Staatsgemäldesammlungen - Sammlung Schack München. Ein früheres, erheblich kleineres Format dieser Ansicht ist im Lenbachhaus in München aufbewahrt: Schloss Starnberg mit Würmsee, 1852/60, Öl auf Holz, 16,2 cm x 22 cm x 0,5 cm, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, https://www.lenbachhaus.de/entdecken/sammlung-online/detail/schloss-starnberg-mit-wuermsee-30032081

Die Gemälde aus dem Dachauer Moos

Motive aus dem Dachauer Moos nehmen im Oeuvre Reder-Broilis einen breiten Raum ein. Zumindest scheinen diese Motive die Zeitläufte in größerer Zahl überdauert zu haben. Ansichten von den oberbayerischen Seen und aus den Alpen sind nur vereinzelt bekannt.

Bemerkenswert ist, dass schon Franz‘ Onkel Heinrich von Reder in der Umgebung von Dachau gemalt oder doch gezeichnet hat.65 Es ist möglich, dass Franz zusammen mit seinem Onkel schon in den 1870er Jahren gelegentlich Im Dachauer Gebiet unterwegs war.

Ein möglicherweise frühes Gemälde Reder-Broilis aus dem Dachauer Moos wird in der Dachauer Gemäldegalerie aufbewahrt.66

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Franz Reder-Broili, Flußlandschaft Öl auf Leinwand, 28 x 36 cm, re. u. sign. „Reder-Broili“,  40 x 47,5 x 7 cm, Dachauer Gemäldegalerie (Depot). ©Stadt Dachau (Foto: Brunner)

Es handelt sich bei dieser Landschaft um ein kleines Format. Das Bild war vermutlich auf Nahsicht gearbeitet und vielleicht für ein Studierzimmer oder eine Diele gedacht. Im Vordergrund erstreckt sich eine Wasserfläche, in deren gekräuselter Oberfläche sich das Sonnenlicht bricht, ebenso im Blattwerk des Strauches rechts unten. Die Vegetation im Vordergrund sowie die Bäume im Mittelgrund zeigen ein herbstliches Hellbraun, das mitunter ins Rötliche changiert. Im Mittelgrund links wird in der Ferne am Horizont der Blick freigegeben auf einen Kirchturm mit Satteldach und einige um die Kirche gruppierte Häuser, von denen im Wesentlichen die Dächer erkennbar sind. Der Himmel ist ohne Bewölkung gegeben. Seine Farbe changiert zwischen einem weißlichen Hellgrau und einem hellen Blau, bildet also einen fein abgestimmten Komplementärkontrast zu den bräunlich roten Tönen von Wasserpflanzen und dem Laub der Bäume.

Im Amperland rund um Dachau mit seinen Wiesen, Teichen, Bächen und Mooren hat Reder-Broili immer wieder gemalt. Er scheint dabei auch auf eine gewisse Wiedererkennbarkeit Wert gelegt zu haben. Das wird auch bei weiter unten angesprochenen Arbeiten eine Rolle spielen. Dass der Kirchturm ein Satteldach hat, ist vermutlich kein Zufall. Es könnte sich um St. Laurentius in Etzenhausen (heute ein Stadtteil von Dachau) oder St. Georg in Hebertshausen handeln. Das Gewässer im Vordergrund könnte mithin die Amper sein.

Aber auch eine andere Deutung ist möglich. Die Szenerie und die Herbststimmung des Gemäldes legen zumindest die Vermutung nahe, dass es das Gemälde aus der Sammlung des Prinzregenten sein könnte, wo das Reder-Broili-Gemälde den Titel „Herbst“ trug.67 Auch der vom Kunstverein München überlieferte Titel „Aus dem Glonntal“ würde zu dem wasserreichen, sumpfigen Vordergrund passen, wie er im Bereich des Flüßchens Glonn im Dachauer Moos um 1900 vorherrschte.68 Wenn es das Bild aus der Sammlung des Prinzregenten ist, so würde sich die Entstehungszeit wohl um oder vor 1900 datieren lassen. Damit wäre ein Anhaltspunkt gewonnen für Reder-Broilis Malweise um 1900. Sie wäre dann gekennzeichnet durch eine erheblich hellere Lichtstimmung und eine gesteigerte Farbigkeit, die in späteren Arbeiten, wie dem Bild von 1911, von dunklen, wolkenverhangenen Gewitterstimmungen abgelöst wird. Es bleibt indessen abzuwarten, ob sich in Zukunft weitere Quellen ergeben, die mehr über die Herkunft des Dachauer Gemäldes berichten und damit diese Vermutung entweder bestätigen oder widerlegen. Das Gemälde wurde in den 1970er Jahren von einem Vorbesitzer aus München an die Stadt Dachau verkauft.69 Weitere Angaben zur Provenienz sind nicht verfügbar.70

Nun zu zwei Gemälden in Privatbesitz, die bislang nicht in einem Online-Archiv verzeichnet sind, über die aber einige Zusatzinformationen vorliegen, die auch eine Eingrenzung der Entstehungszeit ermöglichen und Licht auf die Provenienz werfen.

Der maschinenschriftlich erstellte Zettel auf der Rückseite eines der beiden Gemälde enthält folgende Informationen: „Original-Ölgemälde „Aufziehendes Gewitter“ von Kunstmaler Reder-Broili“. Ausgestellt im Glaspalast München ---- Aus der Gemäldesammlung von Priv. Carl Gängel, München. Bes. des Inselhotels Konstanz.“ Der Privatier Carl Gängel hatte dieses Gemälde also für seine Sammlung erworben. Später ging es dann in den Besitz des Konstanzer Hotels am Bodensee über.

Im Münchner Adressbuch etwa von 1920 auf Seite 207 findet sich in der Tat ein Carl Gängel, Inhaber einer Kunsthandlung, Karlstrasse 22, München.71 Es wurde bereits oben erwähnt, dass die Glaspalast-Ausstellung von 1919, die also ein Jahr nach Reder-Broilis Tod stattfand, drei Gemälde von Reder-Broili zeigte: „Starnberg. (Öl.)“, „Mooslandschaft. (Öl.)“, und „Gewitterlandschaft. (Öl.)“72 Es lässt sich mit einiger Wahrscheinlichkeit annehmen, dass Gängel das Gemälde „Gewitterlandschaft“ in der Ausstellung von 1919 erwarb, und es als „Aufziehendes Gewitter“ in seiner Sammlung inventarisierte.

Wie das Gemälde nach Konstanz kam, und wo im Inselhotel es hing, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Die Geschichte des Hotels ist jedenfalls bemerkenswert. Es befindet sich in einem ehemaligen Dominikaner-Kloster, das Anfang des 13. Jahrhunderts gegründet wurde. Nach der Aufhebung des Klosters 1775 wurden die Gebäude als Fabrik genutzt, 1875 schließlich wurde durch die Familie von Zeppelin das Hotel gegründet. Anfang des 20. Jahrhunderts ging das Hotel an einen Schweizer Betreiber über. In den 1960er Jahren fehlte den Besitzern das Geld für dringend notwendige Renovierungen. Das Hotel wurde schließlich vom Land Baden-Württemberg gekauft und an eine große deutsche Hotelgesellschaft verpachtet. 1992 wurde das Hotel an eine württembergische Staatsbrauerei verkauft, die den Pachtvertrag mit der Betreibergesellschaft fortsetzte. Möglicherweise wurde das Gemälde mit weiterem Inventar im Zuge der Besitzerwechsel und Renovierungen veräußert. 2001 tauchte es im Kemptener Kunsthandel auf und dort von privat erworben.

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Franz Reder-Broili, Gewitterlandschaft, Öl auf Karton, 54x38 cm, undatiert, links unten signiert (ausgestellt im Glaspalast München, 1919); Privatbesitz.

Das Bild wird dominiert von den zwei links und in der Mitte platzierten Baumgruppen, deren Äste und Laub von Windböen aufgewirbelt werden. Schwere Gewitterwolken scheinen von links über das Land zu ziehen. Aus der gleichen Richtung nähert sich eine Regenwand. Himmel und Wolkenformationen nehmen die oberen zwei Drittel des Bildes ein, das untere Drittel wird eingenommen von Wiesen und vermutlich Mohnblumen, zwei Hausdächern, die sich in das Gelände ducken, und schließlich am tief liegenden Horizont wiederum einige Häuser und ein Kirchturm, die allerdings erst bei Nahsicht im Detail erkennbar werden.

Die Hauptsache in diesem Gemälde war für Reder-Broili offenbar die Darstellung der stürmischen Witterung, die Wolken, Vegetation und Landschaft in Aufruhr versetzt. Pole der Ruhe sind die menschlichen Behausungen im Mittelgrund und am Horizont. Ihre Statik verstärkt gleichsam den Eindruck der erratischen Bewegung von Wolken und Vegetation. Der Kontrast zum Gemälde in der Dachauer Gemäldegalerie ist augenfällig. Das Dachauer Bild wirkt ruhig und geradezu statisch mit seinen detailliert wiedergegebenen Bäumen, dem Gewässer und den Wasserpflanzen. Die rötlich-braunen Farben dominieren und vermitteln den Eindruck eines stillen Herbststages. Die Wirkung auf den Betrachter scheint beruhigend und zur Kontemplation einladend. Die Gewitterlandschaft hingegen lässt den Betrachter teilhaben an der Unruhe und dem Aufruhr der Elemente. Die Hoffnung auf Ordnung und Ruhe scheint allenfalls am Horizont auf, wo rechts ein schmales Band von gelb-ockrigem Licht auf die Wiederkehr von Sonne und Stille andeutet.

Die Gewitterlandschaft zeigt vermutlich wieder eine Szenerie im Dachauer Moos. Bei den vom Wind zerzausten Bäumen handelt es sich möglicherweise um Wacholderbüsche, die auch von anderen Malern in ihren Dachauer Ansichten thematisiert wurden.73 Reder-Broilis Blick über die Landschaft geht offenbar von einem erhöhten Standpunkt aus. Dafür kommt eigentlich nur die Erhebung infrage, auf der die Stadt Dachau selbst liegt. Der Blick könnte daher etwa aus dem Bereich der Freisinger Straße in nördlicher Richtung gehen, so dass am Horizont das damals noch selbständige Dorf Etzenhausen dargestellt sein könnte. Wenn man annimmt, dass es sich bei den roten Blüten im Vordergrund um Mohn handelt, so könnte die Jahreszeit ein Frühsommer sein.

Eine Datierung des Gemäldes bleibt offen. Eine Antwort auf die Frage, ab wann sich Reder-Broili für die Darstellung von intensiver Bewegung in Atmosphäre und Landschaft interessierte, könnte nur nach Sichtung einer größeren Zahl von Gemälden möglich sein. Vermutlich gehört dies aber zu einer späteren Schaffensphase. Das Dachauer Gemälde sowie die Ansichten vom Chiemsee geben noch eine eher ruhige, gelassene Stimmung. Die Ansicht von Starnberg, das an Neuberts Olevano-Bild erinnernde Cappriccio, oder auch der Angler im Dachauer Moos setzen den Akzent schon bei unruhigen, bedrohlichen Gewitterstimmungen.

Eine weitere Gewitterlandschaft in Privatbesitz, wohl aus dem Dachauer Moos, lässt sich dank eines sehr ähnlichen Gegenstücks zeitlich auf 1911 oder später datieren. Das erheblich kleinere Gegenstück kam 2015 in Australien in den Auktionshandel. Es handelt sich um Öl auf Holz, das auf der Rückseite recht detailliert beschriftet ist: Demnach handelt es sich um eine Szene im Dachauer Moos, die im September 1911 gemalt wurde.

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Aus der Originalbeschreibung des Auktionshauses: „Franz Reder Broili (German, 1854-1918) Landscape Depicting the Dachau Heath, Near Munich, 1911 oil on panel, signed l.l.c. ‘Reder Brioli’, (sic) inscribed in German verso, also dated verso ‘Sept 1911’ Measurements: 16 x 36 cm, Provenance: German Private Collection, Private Collection, Perth“. AUKTIONSHAUS: Shapiro Auctioneers, Queen Street 162, NSW 2025 Woollahra, Australien. AUKTION: Fine Furniture, Silver, Asian and Decorative Arts, DATUM: 05.12.2018. Copyricht Shapiro Auctioneers, Woollhara, Australia.

Das erheblich größere Format auf Leinwand wurde später vermutlich im Atelier ausgearbeitet:74

Abb. in Leseprobe nicht enthalten

Franz Reder-Broili, wohl Dachauer Moos, undatiert, Öl auf Leinwand, 80,5 x 48,5 cm, signiert links unten „Reder-Broili“; Privatbesitz.

Gegenüber der Gewitterlandschaft aus dem Glaspalast wirken Vegetation und Wolkenformationen eher ruhig. Die Pappeln, die die linke Hälfte des Bildes dominieren, sind nicht windgebeugt, sondern sind als dunkle, solide Massen mit wenig Binnenstruktur wiedergegeben. Nur wenige dunkelgrüne Einsprengsel lockern in der Leinwandversion die dunkelgrün-dunkelbraunen Volumina auf.75

Das Verhältnis von Landschafts- zu Himmelsflächen beträgt wieder 1:3. Schwere Gewitter- und Regenwolken, die am oberen Bildrand mit Magenta und Ockertönen abgedunkelt sind, bedecken den Himmel. Ihr matter Widerschein spiegelt sich im dunklen, ruhigen Gewässer im Vordergrund. Direkt über dem Horizont liegt ein schmales weißes Band aus Sonnenlicht, das in der Öl-auf-Holz-Version gelblich bis rötlich gegeben ist. Die Horizontlinie ist in der Mitte und rechts von angedeuteten Baumgruppen unterbrochen. Menschliche Behausungen sowie Figurenstaffagen fehlen. Der Betrachter soll sich auf das Schauspiel der Wolkenformationen und die damit kontrastierenden dunklen Umrisse der Pappeln konzentrieren. Im Vergleich zu der Glaspalast-Gewitterlandschaft, die Unruhe und ungestüme Bewegung der Elemente vermittelt, haben wir es hier mit einer ruhigen und eher kontemplativen Stimmungslandschaft zu tun.

In diesen dunklen, nur auf wenige gebrochene Farben reduzierten Palette könnte Reder-Broili die symbolistischen Strömungen verarbeitet haben, die auch die Münchner Malerei seit den 1860er Jahren beeinflussten, vertreten durch Böcklin, Reder-Broilis Freund Louis Neubert oder auch Franz Stuck.

Graf Schacks Erläuterungen zu Böcklins „Herbst und Tod“ (1871, Schack-Galerie) kann man auch lesen als einen Hinweis auf die Stimmung, die diese Malerei hervorrief und ihre Wahrnehmung durch zeitgenössische Betrachter: „Schwermutsvolle Stimmung waltet in der düstern Herbstlandschaft, durch die der Tod hinreitet. Es ist Spätherbst. Die letzten welken Blätter, gelb und rot, hängen an den Bäumen und schauern hernieder, wie der Tod auf seinem schwarzen Rosse daher zieht; eine halbzerfallene Ruine scheint bei seinem Nahen noch tiefer in Trümmer zu sinken; wir meinen, das Knistern in dem zerbröckelnden Gestein zu hören.“76

Die symbolistischen Maler verwendeten für ihre Bildwelten Mythen, Sagen, Traumbilder, Symbole der Vergänglichkeit, des Jenseitigen, des Verfalls, des Todes, oft in Verbindung mit dem Ambivalenten und Dekadenten, mit Anspielungen auf das Unbewusste, auf Träume, Ängste und Ungewissheiten. Beispiele für symbolistische Malerei in München, und mit denen Reder-Broili mutmaßlich Kontakt hatte, wären Böcklins „Villa am Meer“ (Version 1, 1864, Sammlung Schack),77 „Herbst und Tod“ (1871, Schack-Galerie), „Toteninsel“, (Version 1, Basel, Berlin Nationalgalerie, weitere in Leipzig, New York), Stucks „Die Suende“ (1893), ein damals sehr bekanntes und viel diskutiertes Bild, „Der Krieg“ (1894), (beide Neue Pinakothek), und Stucks „Glühwürmchen“ (eine Version von 1892 war direkt beim Künstler für die Sammlung des Prinzregenten angekauft worden).78

Eine spannende Hypothese wäre, dass Reder-Broilis Pappeln im Dachauer Moos im Gemälde von 1911 beim Betrachter die Zypressen in Böcklins „Villa am Meer“ (1864) und der „Toteninsel“ (erste Version 1880, Kunstmuseum Basel) evozieren und damit zur Meditation anregen sollten über die Vergänglichkeit alles Menschlichen und seiner Machtlosigkeit angesichts der Erhabenheit der Naturkräfte.

Abb. in Leseprobe nicht enthalten

Arnold Böcklin, Villa am Meer, Version I, 1864, Bayerische Staatsgemäldesammlungen - Sammlung Schack, Öl auf Leinwand, 124,5 x 174,5 cm, 1864 durch Adolf Friedrich Graf von Schack erworben. URL: https://www.sammlung.pinakothek.de/en/artwork/M0xy6JWLpl

Reder-Broili und die Malerei seiner Epoche

Wenn man eine der Landschaften Reder-Broilis betrachtet, dann schwingt in ihnen auch eine ganze Epoche der europäischen und deutschen Landschaftsmalerei mit, Barbizon, der Impressionismus, die Gründerzeit in Deutschland, der Symbolismus, die Zeit von Achenbach, Schleich, Spitzweg, Morgenstern, Lier, Langko, Willroider, Wenglein, und vieler anderer, ja, auch derer, die in der Historienmalerei, im Portrait und in der Genremalerei aktiv waren, wie die Piloty, Kaulbach, Lenbach, Böcklin, Stuck, Defregger, Zügel. Sie waren Reder-Broilis Zeitgenossen, mit ihnen hat sich Reder-Broili zumindest mittelbar auseinandergesetzt und sich von ihnen auch abgegrenzt durch seine persönliche Auffassung von Stimmungslandschaft.

An der menschlichen Figur schien er nur wenig interessiert, ebenso wenig am Menschen in seinen sozialen Bezügen und seiner Arbeitswelt, wie sie teils in der Münchner Genremalerei, in Dorfszenen oder auch in der Tiermalerei idyllisiert und romantisiert, oder auch, wie im sozialen Realismus eines Courbet und eines Leibl-Kreises, in seiner ganzen Herbheit und seinem Abgehärmtsein dargestellt wurde.

Mit seiner späteren Malerei konzentrierte sich Reder-Broili ganz und gar auf die Eigenheiten der Jahreszeiten, die Vegetation in ihrem Werden und Vergehen, die Gewässer, das Licht, die Atmosphäre und die Wettererscheinungen. Der Mensch, und sei es als Betrachter des Gemäldes, erschien ihm nur als Nebensache, ein Statist angesichts des großen Schauspiels der Natur.

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Wichmann, Siegfried, Münchner Landschaftsmaler im 19. Jahrhundert. Meister, Schüler, Themen. Weyarn 1996 (zuerst Herrsching 1981).

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1 Das Interesse scheint indes überschaubar, werden doch die Bilder zu eher mäßigen Preisen gehandelt. So wurden im November 2023 zwei kleine Formate, Öl auf Holz, gerahmt, für jeweils 298 EUR angeboten („Angler im Dachauer Moor“, und „Jäger im Dachauer Moor“, Öl auf Holz, vom Händler datiert auf „um 1900“, Größe jeweils 13x29 cm, mit Rahmen 33x49 cm. (Ebay) Gleichzeitig wurde ein etwa gleich großes Stück von Eduard Schleich angeboten zum Preis von 1298 EUR. („Kuhherde an Bachlauf“, Öl auf Holz, Bildmaß 10 x 22 cm, Format mit Rahmen 20,5 x 32 cm; undatiert). Größere Formate des stilbildenden Klassikers der Münchener Landschaftsmalerei Eduard Schleich werden für hohe vierstellige oder meist für fünfstellige Beträge angeboten. Gemälde von Reder-Broili bewegen sich eher im dreistelligen Euro-Bereich.

2 Pixis, Ernst, Kunstverein München. Ausstellung der Gemälde aus der Privatgalerie weiland seiner Königlichen Hoheit des Prinzregenten Luitpold von Bayern 1913, p. 54.

3 Kunstverein München, Rechenschaftsbericht 1923, Nachruf auf Franz Reder-Broili, p. 53f.

4 Es käme auch die südliche Glonn zwischen München und Rosenheim in Frage, die in die Mangfall mündet. Seit der Flussbegradigung Anfang der 1920er Jahre ist die Dachauer oder nördliche Glonn im wesentlichen ein kanalartiges Gewässer, das immer wieder durch Wehre aufgestaut wird.

5 Der Verbleib der Gemälde von Reder-Broili und Reder konnte bislang nicht geklärt werden (Stand September 2023). Weder bei den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen / Neue Pinakothek München sind sie nachweisbar (freundliche Mitteilung Dr. Herbert W. Rott vom September 2023), noch beim Wittelsbacher Ausgleichsfond lässt sich eine Spur ausmachen (freundliche Mitteilung Dr. Birgit Jooss vom September 2023). Es ist nicht auszuschließen, dass das Reder-Broili-Gemälde, das in der Dachauer Gemäldegalerie aufbewahrt wird, das Bild aus der Prinzregenten-Sammlung ist (siehe dazu die Erörterungen weiter unten). Die Neue Pinakothek hatte übrigens nie ein Gemälde von Reder-Broili in Ihren Beständen. Auch in den Museen der Stadt Lindau ist nichts erhalten (Freundliche Mitteilung des Kulturamts vom September 2023). Da die Gemälde an Prinzessin Therese von Bayern vererbt wurden, die bis zu ihrem Tode 1925 in der vom Prinzregenten als Sommersitz erbauten Villa Amsee in Lindau / Bodensee lebte, ist es denkbar, dass die Gemälde dort zum Inventar gehörten. Allerdings nahm die dortige Zimmereinrichtung Bezug auf die Reisen und Forschungen von Therese: „Die Wände zieren Bilder aus Griechenland, Skandinavien, Brasilien, Russland, lauter Reiseerinnerungen.“ (Therese, zitiert bei Bussmann 2013, 225) Es ist zu vermuten, dass die Gemäldesammlung des Prinzregenten sich größtenteils in der Residenz befand. Nach dem Tode des Prinzregenten hatte Therese die Aufgabe, die „hunderte und hunderte von Bildern, seiner Bilder, die ihm einen so großen Genuss bereitet hatten“, an die Erben zu verteilen. Die Stücke ihres Erbteils samt den dazugehörigen Gemälden ließ sie in das Palais Leuchtenberg umziehen, das von ihrem Vater zu ihrem „Waisenasyl“ bestimmt worden war. (Bussmann 2013, 224f) Die Villa Amsee wurde wohl bis in die 1950er Jahre vom Haus Wittelsbach genutzt und wurde dann anderen Verwendungen zugeführt. 1978 wurde das Anwesen verkauft. Angesichts des fortgeschrittenen Verfalls der Bausubstanz wurde es Anfang der 1980er Jahre abgerissen und durch eine Wohnanlage ersetzt. Zum Leben der Therese nach dem Ende der bayrischen Monarchie sowie den Regelungen betreffend den Nachlass siehe etwa Bussmann, Hadumod, Ich habe mich vor nichts im Leben gefürchtet. Die ungewöhnliche Geschichte der Therese Prinzessin von Bayern 1850–1925; München, C.H. Beck (4)2013. Dies., Prinzessin Dr. h. c. Therese von Bayern. Ihr Leben zwischen München und Bodensee – zwischen Standespflichten und Selbstbestimmung. Allitera Verlag, München 2015.

6 Siehe Jooss, Birgit, „Ein Tadel wurde nie ausgesprochen“. Prinzregent Luitpold als Freund der Künstler, in Leutheusser, Ulrike, Rumschöttel, Hermann (Hrsg.): Prinzregent Luitpold von Bayern: ein Wittelsbacher zwischen Tradition und Moderne. München 2012, p. 151 – 176, p. 160.

7 Sammlung Prinzregent, Pixis 1913, 54.

8 Das Matrikelbuch der ADBK München zeigt, dass ein Heinrich Richard Reder am 12.10.1880 in die Antikenklasse der Münchner Akademie eingeschrieben worden war. 03829 Heinrich Reder, Matrikelbuch 1841-1884, https://matrikel.adbk.de/matrikel/mb_1841-1884/jahr_1880/matrikel-03829 (Zugriff vom 12/01/24)

9 Nicht betrachtet werden können in dieser Darstellung die wohl 14 Gemälde, die in der Kreisgalerie Mellrichstadt, Kreis Rhön-Grabfeld in Unterfranken erhalten sind. Wegen eines Brandes in der Kreisgalerie im Jahre 2023 war die Galerie geschlossen und alle Gemälde mussten restauriert werden. Erst 2023 hatte Isolde Höppner-Reder, eine Nachfahrin der Familie Reder, der Galerie ein Werk mit dem Titel „Im Dachauer Moos“ von Reder-Broili geschenkt. Ferner umfasste die Schenkung ein Gemälde (Gewitterstimmung) von Heinrich Richard Reder sowie ein Gemälde („Sierra Nevada“) und fünf Skizzen von Heinrich von Reder. Siehe dazu Albert, Reinhold: Landkreis erhielt noble Geschenke, Heimatjahrbuch des Landkreises Rhön-Grabfeld, Mellrichstadt 2024, p. 285-290. Ich danke Reinhold Albert für die Überlassung des Manuskripts seines Beitrags noch vor Erscheinen des Heimatjahrbuchs.

10 Möckl, Karl, Die Prinzregentenzeit. Gesellschaft und Politik während der Ära des Prinzregenten Luitpold in Bayern, München 1972, p. 329. Möckl, Karl, Hof und Hofgesellschaft in Bayern in der Prinzregentenzeit, in Hof, Kultur und Politik im neunzehnten Jahrhundert, hg. Karl F. Werner, Bonn, 1985, p. 183-235, insbesondere p. 220-225.

11 Katalog Ausstellung Glaspalast 1907, laufende Nummer 821, online: Offizieller Katalog der Münchener Jahres-Ausstellung 1907 im kgl. Glaspalast ; 1. Juni bis Ende Okt. | bavarikon

12 Jubiläumsausstellung der Münchner Künstlergenossenschaft zu Ehren des 90. Geburtstags Sr. Kgl. Hoheit des Prinzregenten Luitpold von Bayern, Münchner Künstlergenossenschaft 1911 (online verfügbar, Bavarikon)

13 Auch der Münchener Kunstverein hatte Reder-Broili 1918 eine Gedächtnisausstellung ausgerichtet. Jahresbericht und Abrechnung des Kunstvereins München für das Jahr 1918, München im Oktober 1919, p.2 (mitgeteilt von Karl-Josef Nick, einem Nachfahren der Familie Reder im Typoskript „Die Maler der Familie Reder. Heinrich von Reder (1824-1909, Franz Reder-Broili 1854-1918, Heinrich Richard Reder 1862-1942. Lingen, im Januar 1997. Herr Nick hat sich insbesondere um die Stammbaumforschung betreffend die Familie Reder verdient gemacht. Das Typoskript wurde freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Isolde Höppner-Reder, ebenfalls Nachfahrin der Familie Reder, die in Kressbronn, Bodensee ansässig ist.

14 Uhde-Bernays, Hermann, Münchener Landschafter im neunzehnten Jahrhundert, München 1921, p. 152.

15 Thieme-Becker, Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Bd. 28, Nachdruck Leipzig 1999, p. 72.

16 Die Archivmaterialien von Frau Höppner zeigen, dass Heinrich Richards Gemälde auch immer wieder für Postkarten verwendet wurden. Anlässlich seines 70. Geburtstags im Jahre 1932 erschienen Würdigungen im Würzburger Generalanzeiger (23.05.1932) und anderen Blättern. Nach seinem Tode in Schliersee im Jahr 1949 veröffentlichte die MainPost einen ausführlichen Nachruf (10.12.1949).

17 Zur posthumen Würdigung als Dichter, siehe Heinrich von Reder – Gedichte. Herausgegeben und eingeleitet von Artur Kutscher, München 1910

18 Siehe dazu die Nachrufe des Kunstvereins im Rechenschaftsbericht von 1923, op.cit.

19 Kunstverein München, Rechenschaftsbericht 1922/23. Nekrologe 1914-23, p.53f. Die Webseite von artnet listet insgesamt 89 Gemälde von Reder-Broili auf, die seit den 1990er Jahren bei Kunstauktionshäusern angeboten wurden. Es handelt sich ausschließlich um Landschaften, meist aus Oberbayern, insbesondere aus dem Dachauer Moos: Franz Reder-Broili | Artnet

20 Immerhin wurde Reder-Broili mit einem kurzen Eintrag mit Gemäldeabbildung im Band 3 des „Bruckmann“ gewürdigt: Bruckmanns Lexikon der Münchner Kunst. Münchner Maler im 19. Jahrhundert, 6 Bände, Bd. 3, 1982, p.340. Das abgebildete Gemälde ist ein „Aufziehendes Gewitter im abendlichen Dachauer Moos“, München, Privatbesitz.

21 Pixis, Ernst, Kunstverein München. Ausstellung der Gemälde aus der Privatgalerie weiland seiner Königlichen Hoheit des Prinzregenten Luitpold von Bayern 1913, p. 74.

22 Pixis 1913, ebd., Einleitung, p. IV. Vgl. dazu Jooss, Birgit, „Ein Tadel wurde nie ausgesprochen“. Prinzregent Luitpold als Freund der Künstler, in Leutheusser, Ulrike, Rumschöttel, Hermann (Hrsg.): Prinzregent Luitpold von Bayern: ein Wittelsbacher zwischen Tradition und Moderne. München 2012, p. 151 – 176, p. 170, 172.

23 Jooss 2012, ebd., p. 160ff.

24 Jooss 2012, ebd, p. 167ff.

25 Dieser letztere Titel ergibt sich aus dem Katalog zur Ausstellung der Münchner Künstlergenossenschaft im Glaspalast im Jahr 1907.

26 Wichmann, Siegfried, Münchner Landschaftsmaler im 19. Jahrhundert. Meister, Schüler, Themen. Weyarn 1996 (zuerst Herrsching 1981); p.267. Friedrich Gauermann (1807 Miesenbach, Niederösterreich – 1862 Wien) war ein erfolgreicher Landschaftsmaler des Biedermeier, der sich von der niederländischen Landschaftsmalerei hatte anregen lassen. Zu seinen Auftraggebern zählte unter anderem die Wiener Aristokratie. Zu seinen Gemälden siehe die Webseite Werke – Friedrich August Mathias Gauermann – Künstler*innen – Sammlung Online (belvedere.at).

27 03071 Franz Reder, Matrikelbuch 1841-1884, https://matrikel.adbk.de/matrikel/mb_1841 1884/jahr_1874/matrikel-03071 (Zugriff vom 12/01/24)

28 Jooss, Birgit: „gegen die sogenannten Farbenkleckser“. Die Behauptung der Münchner Kunstakademie als eine Institution der Tradition (1886-1918); in: 200 Jahre Akademie der Bildenden Künste München; Hg. Nikolaus Gerhart, Walter Grasskamp, Florian Matzner; München 2008, p.54- 65, hier 55.

29 Ludwig von Löfftz (1845-1910) Der Prinzregent besaß ein Gemälde von Löfftz, siehe Pixis 1913, p.42.

30 Online Adreßbuch für München 1865 | bavarikon)

31 Freundliche Mitteilung des Stadtarchivs München vom 30.10.2023.

32 Laut Matrikelbuch der ADBK wurde Georg Nielsen am 25.10.1879 in die Naturklasse der Akademie eingeschrieben. 03723 Georg Nielsen, Matrikelbuch 1841-1884, https://matrikel.adbk.de/matrikel/mb_1841-1884/jahr_1879/matrikel-03723 (Zugriff vom 12/01/24)

33 Leo Schönrock (1858-1920, laut artnet) nahm 1904 an der Glaspalastausstellung teil mit einer Landschaft in Temperatechnik. Schönrock wohnte zu der Zeit in der Görresstraße 20 in München. Auf derselben Ausstellung war auch Heinrich Richard Reder mit drei Arbeiten vertreten: Reder, Heinrich Richard, München, Schulstraße 38. (M. K. G.): „Ein schwüler Tag (Motiv aus Oberbayern)“. „Mondaufgang über ein Gehöft in Oberbayern.“ „Nach dem Regen (An der Ziller in Tirol)“. Offizieller Katalog der Münchener Jahres-Ausstellung 1904 im Kgl. Glaspalast, 2. Ausgabe vom 25. Juni 1904, München, Verlag der Münchener Künstlergenossenschaft, p. 89; online: Offizieller Katalog der Münchener Jahres-Ausstellung im Kgl. Glaspalast (wikimedia.org)

34 Die beim Stadtarchiv München verwahrte Friedhofskartei beginnt erst mit dem Jahr 1930. Die Namensregister für alle Friedhöfe im Bestand des Bestattungsamts der Stadt München reichen nur bis zum Jahr 1908. (Freundliche Mitteilung des Stadtarchivs München vom 30.10.2023) Auch bei der Gräberverwaltung der Städtischen Friedhöfe München gab es keine Hinweise auf den Begräbnisort (freundliche Mitteilung vom 9. Januar 2024), ebenso in den Matrikeln des Erzbistums München und Freising (freundliche Mitteilung von Dr. Benita Berning, Archivarin, Erzbischöfliche Notarin, vom 11. Januar 2024). Die Einträge in der Matrikel von 1918 berichten, dass Reder-Broili am 27. Juni 1918 im Schwabinger Krankenhaus verstarb und zwar an Schrumpfniere und Urämie. Er war mit den Sterbesakramenten versehen. Die Bestattung war am 29. Juni 1918. Die Trauerfeier wurde von Kaplan Josef Senftl geleitet. Eine Angabe zum Friedhof fehlt.

35 Kunstverein München Rechenschaftsbericht, 1923, Nachruf auf Franz Reder-Broili, p. 53f. Zu Neubert siehe Wichmann, Siegfried, Münchner Landschaftsmaler im 19. Jahrhundert. Meister, Schüler, Themen; Weyarn 1997 (zuerst Herrsching 1981), p. 266.

36 Zu Neubert, Thieme-Becker, Bd. 25, p. 403; Anfang der 1880er Jahre muss Neubert ganz in der Nähe von Reder-Broili gewohnt haben und zwar in der äusseren Nymphenburgerstraße 23 in München. Katalog der von der Kön. Akademie der bildenden Künste in Dresden alljährlich veranstalteten Kunstausstellung. Dresden 1882 (Katalog der von der Kön. Akademie der bildenden Künste in Dresden alljährlich veranstalteten Kunstausstellung 1882 – Wikisource ) Unter der laufenden Nummer 351 ist Neubert mit einer „Frühlingslandschaft“ zum Preis von 800 Mark angekündigt. In der Ausstellung von 1888 ist Louis Neubert verzeichnet mit München, Marsstrasse 5, II als Adresse und den Werken: Nr. 130. Altes italienisches Schloss in den Appeninen. 2000 Mark; Nr. 131. Römische Campagna. Gewitterstimmung. 1500 Mark. ( Katalog der von der Königlichen Akademie der bildenden Künste in Dresden veranstalteten Kunstausstellung 1888 – Wikisource ) Zu den italienischen Motiven Neuberts zählt auch die „Ansicht von Olevano“, die in der Sammlung Schack, München, aufbewahrt wird (datiert auf 1875). Zeitgenössische Kunstkritiker sahen in dieser Landschaft bereits den Einfluss Böcklins, den Neubert in München kennengelernt hatte. In der Berliner Ausstellung …. Louis Neubert, München. Unter der laufenden Nummer 783 Haidelandschaft. Verein Berliner Künstler, Internationale Kunstausstellung 1891. ( Full text of "Internationale Kunst-Ausstellung veranstaltet vom Verein berliner Künstler anlässlich seines fünfzigjährigen Bestehens 1841-1894. Katalog" (archive.org) ) 1882 berichtet Oscar Berggruen in der Zeitschrift „Die graphischen Künste“ über LOUIS NEUBERT. „Obgleich seit Jahren in München schaffend, wo er auch jene Eindrücke empfangen hat, die für seine Richtung- bestimmend geworden sind, kann Louis Neubert doch nicht zur Schule der Münchener Landschafter gerechnet werden. Am 28. Februar 1846 in Leipzig geboren, musste er auf Wunsch seines Vaters gegen seine, der Kunst zugewendete Neigung das Polytechnicum in Dresden, dann die gleiche Lehranstalt in Zürich besuchen, und bezog später die Universität seiner Vaterstadt. Jeden freien Augenblick benutzte er zum Copiren von Bildern des dortigen Museums, die er nach einiger Zeit an den Altmeister Friedrich Preller in Weimar zur Begutachtung sendete. Alsbald räumte ihm der greise Künstler einen Platz in seinem Atelier ein und Neubert setzte in Weimar seine Studien an der dortigen Kunstakademie, unter Leitung der damals noch daselbst wirkenden bekannten Landschafter Max Schmidt und Graf Kalckreuth fort. Gelegentlich einer Reise nach München 1872 sah er in der Galerie Schack zuerst Bilder von Böcklin und der „Eindruck dieser poetischen, phantasievollen Kunstwerke mit ihren erträumten Motiven und ihrer eigenartigen Naturanschauung" war, wie Neubert selbst erzählt, ein so mächtiger, dass er beschloss, in München zu bleiben und die Landschaftsbilder Böcklin's, dessen persönliche Bekanntschaft zu machen ihm dann gegönnt war, zum Vorbilde seiner Production zu nehmen. Seither hat Neubert seinen Aufenthalt in München nur durch Studienreisen nach Italien und Frankreich unterbrochen. Gleich sein erstes grosses Bild: die in der Galerie Schack befindliche „Italienische Landschaft" lässt, neben Spuren des Preller'schen Stiles, den Einfluss Böcklin's deutlich wahrnehmen. Das einigermassen an die Gegend von Olevano erinnernde Motiv entspricht nicht einem bestimmten Naturbilde, sondern ist frei erfunden; die breite Behandlung des Vordergrundes, die Silhouette des Höhenzuges im Mittelgrunde, die in das Bild hineingestellte Architektur und die tiefe, ernste Stimmung vereinigen sich zu einer charakteristischen, energisch vor- getragenen Landschaft, deren südliche Heimat nicht zu verkennen ist. Auf dem Wege, den Neubert mit diesem Gemälde betreten, ist er seither rüstig weiter gewandelt, wie seine drei Bilder: „Abendstimmung", „An der französischen Küste" und „Norddeutsche Landschaft" auf der Nürnberger Ausstellung 1882 deutlich bekundet haben; dieser Weg wird den noch jungen Künstler ohne Zweifel zu einer angesehenen Stellung in der deutschen Landschaftsmalerei führen.“ Die graphischen Künste, redigiert von Dr. Oskar Berggruen, V. Jahrgang, Heft 1, Wien 1883, p. VIII. Der Betrag ist gefolgt von einer Abbildung von Neuberts „Italienischer Landschaft“ auf Basis einer Heliogravüre. Es handelt sich um eine Reproduktion des Gemäldes, das als „Ansicht von Olevano“ in der Schackgalerie aufbewahrt wird. (online unter https://doi.org/10.11588/diglit.3987#0020) 1883 war Neubert übrigens auch mit einer „Landschaft“ vertreten im Glaspalast München. Illustrirter Katalog der internationalen Kunstausstellung im königl. Glaspalaste in München, München, 1883, p. 16. ( Illustrirter Katalog der internationalen Kunstausstellung im Königl. Glaspalaste in München 1883 | bavarikon )

37 Dachauer Gemäldegalerie, Katalog (ed. Horst Heres), Dachau 1986, p.39, 215. Zu Neubert als Schüler von Lier, Uhde-Bernays, op.cit., 151. Zu Liers Beziehungen zur Schule von Barbizon und zu Eduard Schleich, ebenda, 98-106, sowie Wichmann, 114, 264.

38 Dachauer Gemäldegalerie, Katalog (ed. Horst Heres), Dachau 1986, p.42.

39 Dachauer Gemäldegalerie, Katalog (ed. Horst Heres), Dachau 1986, p. 30. Im Katalogteil ab Seite 204 sind die Aufenthalte der Maler dieser Epoche in Dachau aufgeführt.

40 Kohle, Hubertus, Die Münchener Akademie in den Jahren 1849-1886. Glanzzeit und Krisenphänomene, in 200 Jahre Akademie der Bildenden Künste München; Hg. Nikolaus Gerhart, Walter Grasskamp, Florian Matzner; München 2008, p.44-53, hier p. 48.

41 Jooss 2008, p. 56

42 Nick, Karl-Josef, Die Maler der Familie Reder. Heinrich von Reder, Franz Reder-Broili, Heinrich Richard Reder, Typoskript, Lingen Januar 1997, p. 3 (freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Isolde Höppner-Reder).

43 Die beiden Gemälde wurden 2023 im Wiener Kunsthandel angeboten. Vom Kunsthändler datiert auf „um 1900“, was zutreffen könnte. Wie dieser Beitrag noch zeigt, sind Datierungsfragen von Reder-Broili-Gemälden allerdings mit Unsicherheiten behaftet. Eine Abbildung des Gemäldes mit dem Angler ist beim Autor verfügbar.

44 Wichmann 1981/97, op. cit., p.114ff.

45 03071 Franz Reder, Matrikelbuch 1841-1884, https://matrikel.adbk.de/matrikel/mb_1841 1884/jahr_1874/matrikel-03071 (Zugriff vom 12/01/24)

46 Jooss, Birgit, »gegen die sogenannten Farbenkleckser« Die Behauptung der Münchner Kunstakademie als eine Institution der Tradition (1886-1918), in: Gerhart, Nikolaus; Grasskamp, Walter; Matzner, Florian (Hrsgg.): 200 Jahre Akademie der Bildenden Künste München:"... kein bestimmter Lehrplan, kein gleichförmiger Mechanismus". München 2008, p. 54 – 65, hier p. 58. Sowie Jooss, Birgit, Zwischen Antikenstudium und Meisterklasse. Der Unterrichtsalltag an der Münchner Kunstakademie im 19. Jahrhundert; in: Ptaszynska, Eliza (Hrsg.): Ateny nad Izarą: malarstwo monachijskie ; studia i szkice. Suwałki 2012, p. 23 - 45.

47 Zur Rolle des Künstlerateliers für die Selbstinszenierung und die gesellschaftliche Stellung des Malers siehe Jooss, Birgit, Ateliers als Weihestätten der Kunst. Der "Künstleraltar" um 1900; Vortrag gehalten am 4. Juli 2002 vor dem Verein zur Förderung der Stiftung Villa Stuck e.V. in der Villa Stuck München; München 2002.

48 Langenstein, York: Der Münchner Kunstverein im 19. Jahrhundert. Ein Beitrag zur Entwicklung des Kunstmarkts und des Ausstellungswesens; München 1983, p.104.

49 Langenstein, p.132.

50 Langenstein, p. 149, 157.

51 Ebd., 80ff.

52 Ebd., 213f

53 Ebd., p.196ff.

54 Der Rechenschaftsbericht des Münchner Kunstvereins für 1893 (München 1894, p. 3) nennt mit genau 6012 die höchste bis dahin gezählte Zahl an Mitgliedern.

55 Langenstein, ebd, p. 194. Der Rechenschaftsbericht des Münchner Kunstvereins für 1893 (München 1894, p. 36) nennt im Mitgliederverzeichnis „Reder, Dr. Anton, k. Bezirksgerichtsrath a.D.“, also Franz Reder-Broilis Vater, ferner Franz‘ Onkel „Reder, Heinrich Ritter von, Oberst a.D.“ sowie Franz‘ Bruder „Reder, Heinrich Rich., Maler“. Für Franz selbst ist keine Mitgliedschaft eingetragen.

56 Bei Reder-Broili wird das Ausflugswesen gelegentlich thematisiert, etwa mit seiner Ansicht vom Starnberger See mit Schloss Berg und den Spaziergängern, die sich vor einem nahenden Gewitter in Sicherheit bringen. Abbildung siehe unten.

57 Bei artnet (https://www.artnet.de/) sind 11 italienische Motive aufgelistet, die seit Anfang der 1990er Jahre in den Auktionshandel gekommen sind. Einige Motive sind mehrfach gelistet, mitunter mit unterschiedlichen Bezeichnungen. (Franz Reder-Broili | Artnet )

58 Oswald Achenbach „Küstenlandschaft bei Neapel“ (1882, Öl auf Leinwand, 139x195 cm), Remscheid, Sammlung Volmer. Abbildung in: Andreas und Oswald Achenbach. „Das A und O der Landschaft“. Ausstellung des Kunstmuseums Düsseldorf, November 1997 bis Februar 1998, ed. Martina Sitt, Köln 1997, p. 137 (auch Titelbild des Einbands).

59 Siehe oben Fußnote 36 und die dortigen Ausführungen Berggruens zu diesem Gemälde. Ein Exemplar dieser Heliogravüre aus dem Jahre 1883 ist auch im Besitz des Autors.

60 Arnold Böcklin, Giorgio de Chirico, Max Ernst. Eine Reise ins Ungewisse; Ausstellungskatalog Haus der Kunst, herausgegeben von Guido Magnaguagno und Juri Steiner, München 1998.

61 Laut Dr. Christoph Gasser, Direktor, Stadtmuseum Klausen / Chiusa, handelt es sich bei der Ansicht nicht um die Partie Klausen mit Säben. Das Eisacktal ist von Bozen bis Schrambach ein V-Tal, es gibt also keine flache Uferpartie, wie im Vordergrund des Gemäldes, das einen Blick auf Kloster Säben ermöglicht. In der Dokumentation zur Klausner Künstlerkolonie, die bislang über 300 Namen registriert, ist Reder-Broili nicht verzeichnet, obwohl sehr viele Maler der Münchner Schule hier tätig waren. www.museumklausenchiusa.it; Freundliche Mitteilung vom 30. Januar 2024. Siehe auch Stadtmuseum Klausen | Koester – Stiftung & Künstlerkolonie (museumklausenchiusa.it)

62 Franz Reder-Broili, Öl/Holz. 18 x 28 cm, gerahmt, undatiert. Das Bild trug im Kunsthandel den Titel „Seeansicht vor Bergkulissen“, Auktion 2021 im oberbayerischen Kunsthandel. Abbildung beim Autor verfügbar.

63 Chiemsee-Landschaft, Öl auf Leinwand, Größe: 67 x 100 cm (26,4 x 39,4 in).

64 Siehe Beispiele bei Wichmann 1981/1997, p. 217ff, z.B. auch Eduard Schleich, p.170, 219.

65 Reitmeier, Lorenz Josef (ed.) 1979 Dachau. Ansichten und Zeugnisse aus zwölf Jahrhunderten – Der andere Teil, Dachau 1979, p. 58, Abb. 113. Reders Zeichnung ist datiert „um 1870“.

66 Freundliche Mitteilung von Dr. Elisabeth Boser, Gemäldegalerie Dachau, vom 10. Oktober 2023.

67 Pixis, Ernst, Kunstverein München. Ausstellung der Gemälde aus der Privatgalerie weiland seiner Königlichen Hoheit des Prinzregenten Luitpold von Bayern 1913, p. 54.

68 Kunstverein München, Rechenschaftsbericht 1923, Nachruf auf Franz Reder-Broili, p. 53f.

69 Freundliche Mitteilung der Gemäldegalerie Dachau vom Januar 2025.

70 Erstmals dokumentiert ist das Gemälde 1982 bei Reitmeier, Lorenz Josef: Dachau. Ansichten und Zeugnisse aus zwölf Jahrhunderten. Der letzte Teil der Trilogie, Dachau 1982, p.123. Der Titel dort lautet: „Stiller Moortümpel“.

71 Online einsehbar unter Adreßbuch für München (1920) - Digibib

72 Online unter Münchener Kunst-Ausstellung 1919 im Glaspalast : 1. Aug. bis Oktober ; offizieller Katalog | bavarikon, p.40.

73 Siehe dazu die Gemälde von Adolf Hölzel, Wacholder im Moos, (1901), in Horst Heres 1985, p.93; sowie Ludwig Dill, Wacholder im Moos, (1901) ebd., p. 91.

74 Zur Provenienz: das Gemälde wurde 2021 von privat beim Kunsthandel in Hanau erworben, wo es sich rund ein Jahrzehnt befunden hatte. Davor war es ca. drei Jahrzehnte, also seit Anfang der 1980er Jahre, in Privatbesitz in Bruchköbel, im Raum Frankfurt am Main.

75 Pappeln waren um 1900 im Dachauer Moos verbreitet, die Schleißheimer Allee z.B. war von Pappeln gesäumt. Vgl. Horst Heres 1985, p.92, sowie die Gemälde von Ludwig Dill: „Dachau“ (1901), ebd., p.94, und „Abend in der Heide“ (1897), p. 87.

76 Ludwig, Münchner Malerei 1978, p.124. siehe dazu Adolf Friedrich von Schack, Die Gemälde-Galerie des Grafen A. F. von Schack in München. Mit begleitendem Text von Graf A. F. von Schack, München 1890, p. 33 (Kap.6; online: Die Gemälde-Galerie des Grafen Schack − Kapitel 6 – Wikisource) Bemerkenswert ist, dass Schack Louis Neubert, von dem er die Ansicht von Olevano erworben hatte, als „Carl Neubert“ aufführt, ebd., Kap. 9, p.48. (online: Die Gemälde-Galerie des Grafen Schack − Kapitel 9 – Wikisource).

77 1893 wurde eine Radierung nach dem Böcklin-Gemälde „Römische Villa am Meere“ (Schack-Galerie) als Vereinsblatt an die Vereinsmitglieder verteilt. Münchner Kunstverein, Rechenschaftsbericht für 1893, München 1894, p.3.

78 Pixis 1913, p.67, Abbildung ebenfalls bei Pixis, die Prinzregenten-Version allerdings mit zwei menschlichen Figuren, weitere Varianten des Gemäldes zeigen Pan-Figuren.

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Details

Titel
Zwischen Gründerzeit und Symbolismus. Franz Reder-Broilis Landschaftsmalerei
Autor
Joachim Stark (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2026
Seiten
31
Katalognummer
V1708093
ISBN (eBook)
9783389187395
ISBN (Buch)
9783389187401
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Landschaftsmalerei, Münchner Schule, Prinzregentenzeit
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Joachim Stark (Autor:in), 2026, Zwischen Gründerzeit und Symbolismus. Franz Reder-Broilis Landschaftsmalerei, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1708093
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  31  Seiten
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