Im Folgenden soll eine knappe Einleitung zum Buch des Propheten Sacharja gegeben werden.
Damit der Leser eine solche Einleitung theologisch richtig einordnen kann, ist es wichtig, dass der
Autor dieser Arbeit den eigenen Standpunkt darlegt.
Bekanntlich hat sich die historisch-kritische Methode der alttestamentlichen Exegese allgemein
durchgesetzt. Obwohl vor allem in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts neue
Methoden2 Eingang in die wissenschaftliche Exegese der Bibel gefunden haben, so stehen auch
diese dem Inhalt der Bibel grundsätzlich kritisch gegenüber, fallen sie doch alle immer noch unter
den Begriff der „Bibelkritik“.
Hier möchte sich der Verfasser der Feststellung von C. D. Stoll anschliessen: „Eine zum
allgemeinen Konsens gewordene Ansicht setzt grundsätzlich noch keine ideologiekritische Absicherung
voraus.“ Vielmehr geht dem Konsens ein Paradigmen-Wechsel voraus, welcher auf der
mehrheitlichen Durchsetzung der neuen Ansichten und Argumente, der Prämissen, beruht. In
diesem Bewusstsein soll in vorliegender Arbeit die bibeltreue, konservative Ansicht als Paradigma
vor einem, wie er sich wohl selber versteht, revolutionären Wechsel dargestellt werden. Die
historisch-kritische Sicht, welche in diesem Falle den allgemeinen Konsens aufgrund neuer Paradigmen
darstellt, soll der Vollständigkeit halber Eingang in die Arbeit finden, jedoch nicht unbedingt
diskutiert werden. Es soll hier auch nicht eine Darlegung der konservativen Ansätze aus der
Defensive stattfinden, sondern vielmehr eine Darlegung der Umstände aus dem Selbstverständnis
der Schrift, wenn diese als von Gott inspiriert, als Wort Gottes, betrachtet wird, eben unter Verwendung eines mittlerweile belächelten Paradigmas. Das vaticinia ex eventu, als prophetische
Ansage nach dem Eintreten der Ereignisse, würde meines Erachtens die Bibel zu einem
Geschichtenbuch mit allenfalls historischem Wert degradieren. Somit wird auch klar, dass der
Verfasser die supranaturalistische Einstellung befürwortet und diese in die Arbeit mit einfliesst.
Eine Ablehnung von Prophetie würde auch den beiden Stellen in Am 3,8 und Hebr 1,1 widersprechen. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 ZUR AUSGANGSPRÄMISSE
2 ALLGEMEINER HINTERGRUND DES BUCHES
2.1 DER VERFASSER
2.1.1 Bibelkritische Sicht zur Verfasserschaft und Einheit
2.2 ABFASSUNGSZEIT
2.2.1 Bibelkritische Sicht zur Abfassungszeit
2.3 HISTORISCHE EINORDNUNG / KULTURKREIS
2.4 INTENTION / ADRESSATEN
3 EINHEITLICHKEIT UND AUFBAU DES BUCHES
3.1 GLIEDERUNG DES BUCHES NACH AEBI
4 INHALT UND BOTSCHAFT
4.1 FORMALE CHARAKTERISTIKA
4.2 THEOLOGISCHE CHARAKTERISTIKA
4.2.1 Christologie
4.2.1.1 Einzug in Jerusalem
4.2.1.2 Silberschekel
4.2.1.3 Durchbohrte Seite
4.2.1.4 Krönung des Hohepriesters
4.2.2 Tabelle 1: Jesus in Jesaja, Sacharja und im NT
4.2.3 Nationen und Israel
5 SCHLUSSBEMERKUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, eine bibeltreue und konservative Einführung in das Buch des Propheten Sacharja zu geben. Dabei soll der Prophet Sacharja als Verfasser des gesamten Buches gewürdigt und seine Botschaft in den historischen Kontext der nachexilischen Wiederaufbauphase eingeordnet werden, wobei besonders die christologischen Bezüge im Vordergrund stehen.
- Bibeltreue Untersuchung von Autorschaft und historischem Kontext.
- Strukturelle Analyse des Buches in Gegenwarts- und Zukunftsfragen.
- Herausarbeitung der christologischen Charakteristika und ihrer Erfüllung im Neuen Testament.
- Die prophetische Bedeutung für Israel und das endzeitliche Völkergericht.
Auszug aus dem Buch
2.1 Der Verfasser
Als Literat des gesamten Buches geht Sacharja hervor. Er berichtet über die Visionen in der ersten Person Singular. Ebenso spricht er in der Ichform in den Kapiteln 8,18 und 11,4.13-15. Der Name Sacharja (hebr.: זכריה) bedeutet „JHWH erinnert sich“ und war zu seiner Zeit ein gebräuchlicher Name. Zur Person des Propheten finden sich nur wenige Hinweise. Sacharja war der Sohn Berechjas, der Enkel Iddos, welcher das Haupt einer Priesterfamilie darstellte und mit dem Hohepriester Jeschua von Babylon zurückkehrte. Sacharja kam wahrscheinlich im Exil zur Welt und kehrte mit einer der ersten Gruppen von Rückwanderern um 537 v.Chr. nach Jerusalem zurück.
Es ist wahrscheinlich, dass Sacharja nicht nur als Prophet, sondern auch als Priester tätig war und seine Priesterschaft dem Prophetentum eine besondere Weihe und Authentizität gab.
Zusammenfassung der Kapitel
1 ZUR AUSGANGSPRÄMISSE: Der Autor legt seine wissenschaftliche Haltung dar, die sich explizit für eine bibeltreue, supranaturalistische Sichtweise als Gegenpol zur historisch-kritischen Methode entscheidet.
2 ALLGEMEINER HINTERGRUND DES BUCHES: Dieses Kapitel behandelt die Person Sacharjas, seine Datierung im 6. Jahrhundert v.Chr. sowie den historischen Kontext des Wiederaufbaus Jerusalems unter persischer Herrschaft.
3 EINHEITLICHKEIT UND AUFBAU DES BUCHES: Hier wird die Struktur des Buches in zwei Hauptteile (Gegenwarts- und Zukunftsfragen) unterteilt und gegen die Fragmentierungstheorien der historisch-kritischen Forschung verteidigt.
4 INHALT UND BOTSCHAFT: Das Kapitel erläutert die theologische Tiefe des Buches, insbesondere die Christologie, die Rolle des Messias, sowie die prophetische Deutung der Beziehung zwischen Gott, Israel und den Nationen.
5 SCHLUSSBEMERKUNG: Der Verfasser bekräftigt seine Überzeugung von der Echtheit und Geschichtlichkeit des Buches Sacharja und betont die Bedeutung des Glaubens angesichts der göttlichen Pläne.
Schlüsselwörter
Sacharja, Prophetie, Altes Testament, Bibeltreue, Messias, Tempelbau, Jeschua, Christologie, Historischer Kontext, Nachexilische Zeit, Israel, Völkergericht, Supranaturalismus, Wiederaufbau, Gottes Souveränität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine konservative, bibeltreue Einleitung zum Buch des Propheten Sacharja, die den Propheten als authentischen Autor würdigt.
Welche zentralen Themenfelder behandelt das Buch?
Zentrale Themen sind der Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem, der Aufruf zur Umkehr, messianische Prophezeiungen und die Rolle Israels in der Endzeit.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, Sacharja als Einheit darzustellen und zu belegen, dass die prophetischen Aussagen Gottes Plan mit seinem Volk Israel treffend beschreiben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt einen bibeltreuen, supranaturalistischen Ansatz, der die historische Forschung integriert, aber die Inspiration der Schrift als Grundlage voraussetzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert Hintergrund, Aufbau, Inhalt und theologische Schwerpunkte, insbesondere die Christologie und die Bedeutung von Ereignissen wie dem Einzug in Jerusalem.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Sacharja, Messias-Erwartung, Bibeltreue und heilsgeschichtliche Souveränität Gottes charakterisieren.
Wie geht der Autor mit der "Zweiteiligkeit" des Buches um?
Der Autor argumentiert gegen die Aufteilung in "Proto-" und "Deuterosacharja" und betont die inhaltliche und stilistische Einheit trotz der zeitlichen Differenz zwischen den Kapiteln.
Welchen Bezug stellt der Autor zum Nahostkonflikt her?
Der Autor verknüpft die prophetischen Aussagen über den Kampf um Jerusalem mit der aktuellen Weltsituation und interpretiert diese aus einer göttlichen Perspektive.
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- David Jäggi (Author), 2011, Kurze Einleitung zum Buch Sacharja, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/170584