Wann können pädagogische Prozesse auch Kunst sein und wann übernimmt die Kunst oder die künstlerische Praxis die Rolle eines Pädagogen? Diese und ähnliche Fragen werden seit Gunter Otto in der Weiterentwicklung der Kunstdidaktik und in der Suche nach ihrem Selbstverständnis konträr diskutiert. Dieser Beitrag versucht eine Sichtung und ein Diskussionsbeitrag zu sein.
Somit findet sich zum einen kurze Darstellungen aktueller kunstdidaktischer Positionen, die versuchen Grenzen weiter zu stecken. Zum anderen aber findet sich eine eigene Positionierung des Autors in dem genannten Spannungsfeld.
Inhaltsverzeichnis
1 Einstieg: Aufeinander zugehen
2 Maset: KunstPädagogik
2.1 Ästhetsiche Operation
2.2 Beispiele
2.3 Selbstentwickeltes Beispiel: Operation Recycling
3 Kettel: SelbstFREMDheit
3.1 Selbst und Fremdheit
3.2 Pädagogisches Praxisbeispiel: Jeden Tag ein Bild, ...
4 Buschkühle: künstlerische Bildung
4.1 Philosophische Vorarbeit für Buschkühles Ansatz
4.2 Konzept Künstlerische Bildung (KB)
4.3 Die von Buschkühle aufgestellten Thesen
4.4 Abgrenzung Ästhetische Bildung gegen künstlerische Bildung
5 Pädagogische Nutzung
5.1 Das Konstruktive
5.2 Kontra – Verschiedene Posititonen
5.3 Was bleibt ist die Frage nach der Faszination der Schüler, ...
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Pädagogik und Kunst, indem sie verschiedene Konzepte zur Grenzbearbeitung analysiert. Ziel ist es, Ansätze für eine innovative kunstpädagogische Praxis zu gewinnen, die das „Kunsthafte“ in pädagogische Kontexte integriert, ohne dabei den eigenständigen Charakter der Kunst zu verlieren.
- Analyse aktueller kunstpädagogischer Ansätze nach Maset, Kettel und Buschkühle.
- Untersuchung des Konzepts der „künstlerischen Bildung“ und ihrer Abgrenzung zur ästhetischen Bildung.
- Praxisorientierte Erprobung von „ästhetischen Operationen“ in schulischen Kontexten.
- Reflexion über die Rolle des Schülers als aktiver Gestalter und „Kunstprojekt“.
- Diskussion der Möglichkeiten und Grenzen emotionalen Lernens durch künstlerische Verfahren.
Auszug aus dem Buch
Beispiel 1: Operation ECHOLOT
Bad Ischl (Oberösterreich) 1997; Zielgruppe sind die Bevölkerung und die Sommergäste; Das ganze fand innerhalb des sommerlichen Kulturprogramms statt.
Die Aktion: Kern waren ein bearbeiteter Schreibtisch und ein bearbeiteter Ohrensessel. Insgesamt wurde eine Art Arbeitsplatz im Bürostil aufgebaut, der zur interaktiven Kunsttätigkeit mit der Bevölkerung aufforderte. Aufgestellt war er abwechselnd im Bereich der Hauptschule des Ortes und auf dem Marktplatz. Beide Orte waren öffentlich zugänglich. Ziel war es eine Metakommunikation über die Sinnproduktion von Kunst zu initiieren und die Bevölkerung dazu zu animieren sich in diesen Diskurs produktiv durch Text- und Gedankenäußerung bzw. -verortung einzubringen.
Die Diskursproduktionen konnten auditiv auf Band aufgenommen und am im Ohrensessel installierten Tonbandgerät abgespielt werden oder sie konnten als Textstück unter einer Tischglasplatte auf dem Schreibtisch visualisiert werden. Auch wurden Textproduktionen in Freistellen und Restflächen der örtlichen Zeitung abgedruckt.
Die Aktion spaltete die Bevölkerung in zwei Lager, von dem das positiv eingestellte eher klein ausfiel. Somit blieb auch der Sinn und Gehalt des Projektes den meisten Personen der Stadt vorenthalten.
Zusammenfassung der Kapitel
Einstieg: Aufeinander zugehen: Dieses Kapitel skizziert die Annäherung von Pädagogik und Kunst und erläutert die Grundidee der „künstlerischen Bildung“ als Werkprozess.
Maset: KunstPädagogik: Maset führt den Begriff der „ästhetischen Operation“ ein, der darauf abzielt, das Kunsthafte methodisch in pädagogische Situationen zu integrieren.
Kettel: SelbstFREMDheit: Kettel stellt das Subjekt in den Mittelpunkt und betrachtet Lernprozesse als Suchen nach Identität, bei denen der Schüler selbst zum „Kunstprojekt“ wird.
Buschkühle: künstlerische Bildung: Dieses Kapitel widmet sich der „künstlerischen Bildung“, die durch philosophische Vorarbeiten gestützt wird und künstlerisches Denken in der pädagogischen Praxis formen soll.
Pädagogische Nutzung: Dieser abschließende Teil reflektiert die konstruktiven Möglichkeiten der vorgestellten Ansätze, diskutiert Gegenpositionen und erörtert die Rolle der Faszination bei Schülern.
Schlüsselwörter
Kunstpädagogik, Ästhetische Operation, Künstlerische Bildung, SelbstFREMDheit, Selbstorganisation, Kunstprojekt, Ästhetik, Pädagogische Praxis, Sensibilisierung, Subjektivität, Vermittlung, Interdisziplinarität, Kunstdiskurs, Lebenskunst, Identitätsbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert die Schnittstelle zwischen Pädagogik und Kunst. Sie untersucht, wie künstlerische Haltungen und Methoden genutzt werden können, um pädagogische Prozesse innovativ zu gestalten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Analyse von Kunstpädagogik-Konzepten (Maset, Kettel, Buschkühle), die Auseinandersetzung mit ästhetischen Operationen und die Frage nach der Identitätsentwicklung von Schülern durch künstlerisches Handeln.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel besteht darin, durch die Untersuchung verschiedener Ansätze eine fundierte Basis für eine neue, kunstnahe pädagogische Praxis zu schaffen, die den Schüler zur aktiven Gestaltung befähigt.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Der Autor nutzt eine Kombination aus theoretischer Aufarbeitung philosophischer Grundlagen und der Reflexion von praxisorientierten Beispielen und Aktionsformaten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Ansätze von Maset, Kettel und Buschkühle, detaillierte Praxisbeispiele wie die „Operation ECHOLOT“ oder „Operation HardEdge“ sowie eine kritische pädagogische Würdigung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernelemente sind Begriffe wie „KunstPädagogik“, „ästhetische Operation“, „SelbstFREMDheit“, „künstlerische Bildung“ und „Subjektivierung“.
Wie wird das Konzept der „ästhetischen Operation“ definiert?
Es handelt sich um operative Schemata oder Handlungsvorgänge, die das Kunsthafte in pädagogischen Situationen initiieren und so Lernprozesse jenseits klassischer kontemplativer Annäherung ermöglichen.
Was ist das Besondere am Praxisbeispiel „Jeden Tag ein Bild“?
Ein Schüler dokumentiert über ein Jahr hinweg seine künstlerische Entwicklung. Dies führt dazu, dass er nicht nur technisches Können erwirbt, sondern sich selbst in einem langfristigen, sinnstiftenden Kunstprojekt als Subjekt konstituiert.
Gibt es eine kritische Auseinandersetzung mit der Theorie?
Ja, der Autor hinterfragt kritisch, inwiefern eine autonome Dynamik der Kunst in der Schule immer erziehungsethisch vertretbar ist und ob diese Konzepte tatsächlich eine breite Schülerschaft erreichen können.
- Arbeit zitieren
- M.A. Aljoscha Kuch (Autor:in), 2003, Die Grenze zwischen Pädagogik und Kunst, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/170392