Diese qualitative Hausarbeit widmet sich der Frage, wie sogenannte „First-Generation-Studierende“ – insbesondere Nicht-Akademikerinnen – ihren Weg durch die Universität erleben und gestalten. Im Mittelpunkt steht die Analyse von Herausforderungen und Erfolgsfaktoren, die Studienleistungen und spätere Karrierechancen während des Universitätsabschlusses beeinflussen.
Anhand leitfadengestützter Interviews werden strukturelle Barrieren wie fehlendes kulturelles Kapital, finanzielle Unsicherheiten und implizite Erwartungen des Hochschulsystems ebenso beleuchtet wie individuelle Ressourcen, Unterstützungsnetzwerke und Strategien der Selbstermächtigung. Die Arbeit zeigt, wie soziale Herkunft, Geschlecht und institutionelle Rahmenbedingungen miteinander verwoben sind und Bildungsungleichheiten reproduzieren oder überwinden helfen können.
Die Ergebnisse liefern differenzierte Einblicke in subjektive Erfahrungen und verdeutlichen, welche Maßnahmen Hochschulen ergreifen können, um Chancengleichheit nachhaltig zu fördern.
Inhaltsverzeichnis
- Tabellenverzeichnis
- Abkürzungsverzeichnis
- 1 Einleitung
- 2 Theoretischer Hintergrund
- 2.1 Definitionen
- 2.1.1 Soziale Bildungsungleichheit in Deutschland
- 2.1.2 Typologisierung 1st Gen Studierende
- 2.2 Theorien
- 2.2.1 Intersektionalitätstheorien
- 2.2.2 Resilienztheorie
- 2.2.3 Kapitaltheorie nach Pierre Bourdieu
- 2.1 Definitionen
- 3 Aufbau und Ablauf der qualitativen Untersuchung
- 3.1 Methodische Strukturierung des Grundmaterials
- 3.2 Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring
- 3.3 Auswertung der Ergebnisse
- 4 Interpretation der Analysedaten und Handlungsempfehlungen
- 5 Fazit und Güteprüfung
- Anhang
- Literaturverzeichnis
- KI-Hilfsmittelverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit befasst sich mit den Herausforderungen und Erfolgsfaktoren von Studierenden ohne akademischen Familienhintergrund, sogenannten „First Generation Students“ (FGS), in Bezug auf ihre Studienleistungen und Karrierechancen. Das primäre Ziel ist es, diese Faktoren zu analysieren und daraus gezielte Handlungsempfehlungen zur Förderung von Chancengleichheit abzuleiten. Die Untersuchung basiert auf einer literaturorientierten Herangehensweise, ergänzt durch qualitative Leitfadeninterviews und eine qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring.
- Analyse sozialer Bildungsungleichheit und ihrer Auswirkungen auf den Bildungsweg.
- Typologisierung und Definition von „First Generation Students“ und ihren spezifischen Merkmalen.
- Untersuchung von Barrieren wie mangelnde finanzielle Ressourcen, fehlende familiäre Unterstützung und unzureichender Zugang zu Netzwerken.
- Identifikation von Erfolgsfaktoren wie individuelle Resilienz, Selbstmotivation und die Nutzung von Unterstützungsangeboten der Hochschulen.
- Anwendung theoretischer Konzepte, insbesondere Pierre Bourdieus Kapitaltheorie, zur Analyse von Ungleichheiten.
- Entwicklung von konkreten Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Chancengleichheit in der Bildung.
Auszug aus dem Buch
Interpretation der Analysedaten und Handlungsempfehlungen
Die Ergebnisse der Analyse werden im Folgenden zusammenfassend wiedergegeben. 53 Anhand dessen werden dann diese interpretiert und ausgehend von dem Forschungsthema Handlungsempfehlungen abgeleitet.
Hinsichtlich des ökonomischen Kapitals (K1) lässt sich sagen, dass wahrnehmbare Unterschiede bei den finanziellen Ressourcen zwischen Studenten aus Akademikerhaushalten und FGS bestehen, z.B. bei der technischen Ausstattung oder Urlaubsmöglichkeiten. Der Mangel an finanziellen Ressourcen (K1.1) macht die Aufnahme eines Nebenjobs bzw. einer Festanstellung mit eigenständigem Erwerb (K1.3) notwendig und kann zudem die Studienauswahl (Studienform, Studienort, Studiengang) einschränken. Finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten für Erstakademiker: innen erfolgen insbesondere durch staatliche Maßnahmen wie BAföG oder Stipendien, welche finanzielle Barrieren beseitigen und die Studienbewältigung erleichtern können. Die staatlichen Förderungsmaßnahmen wie BAföG bieten jedoch Verbesserungspotenziale hinsichtlich ihrer Umsetzung und ihrer Inhalte. Neben stark bürokratisierten und langwierigen Beantragungsprozessen ist der gesetzliche Förderungsbeitrag ohne zusätzliches Nebeneinkommen meist nicht ausreichend (K1.4). Daher wird eine weitreichende Abdeckung von staatlichen Unterstützungsmöglichkeiten gefordert, welche auf die Bedürfnisse von Erstakademiker: innen abgestimmt wird und die Zugänglichkeit dessen erhöht. Zudem sollen Förderungsmöglichkeiten unabhängiger von den elterlichen Einkommen gestaltet werden und sich beispielsweise mehr am Netto-Haushaltseinkommen orientieren. Kostenfreie Angebote zur Nachhilfe und Mentoringprogramme, welche eine gezielte Förderung von sozial benachteiligten Kindern bieten, können ebenfalls wirksame Unterstützungsinstrumente sein. Zuletzt kann eine vermehrte Präsenz von Beratungsstellen an Bildungseinrichtungen auf die Herausforderungen von Erstakademiker: innen aufmerksam machen und zur Chancengleichheit beitragen (K1.5).
Fehlendes Wissen über das akademische Umfeld (K2.1) und der fehlende Zugang zu Vorerfahrungen (K2.2) stellen die zentralen Herausforderungen von FGS bzgl. des kulturellen Kapitals (K2) dar. Aufgrund von Informationsmängeln hinsichtlich ihrer Möglichkeiten im Studienalltag müssen Erstakademiker: innen viel selbst ausprobieren und Anpassungsstrategien zur Studienbewältigung entwickeln. Sie profitieren nicht von vorausgegangenen Erfahrungen, welches sich als Nachteil sowie als zusätzlicher Stressfaktor auf FGS auswirkt. Diese Herausforderungen stehen in Korrelation mit dem Hintergrund und Erziehung der Eltern (K2.6), welche maßgleich die Bildungsziele ihrer Kinder beeinflussen. So herrschen insbesondere bei Familien mit Migrationshintergrund eine klare elterliche Erwartungshaltung, ein Studium zu absolvieren für ihre Kinder. Ein hoher Bildungsstand wird dabei als erstrebenswert und als (einziger) Weg zu besseren Zukunftschancen und Wohlstand angesehen. Diese Einstellungen bieten die Basis für die eigenen Überzeugungen und Werte (K2.8): Temporäre Überforderungen werden mit Selbstvertrauen und dem inneren Glauben, den richtigen Weg gewählt zu haben, überwunden; durch eigene Anstrengung und Eigenverantwortung werden Lernerleichterungen geschaffen und der Studienalltag bewältigt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der sozialen Ungleichheit im Bildungssystem ein und beleuchtet die Relevanz der Chancengleichheit, insbesondere für Erstakademikerinnen.
2 Theoretischer Hintergrund: Hier werden Definitionen zur sozialen Bildungsungleichheit und der Typologisierung von „First Generation Students“ gegeben, gefolgt von einer Vorstellung relevanter Theorien, darunter die Kapitaltheorie nach Pierre Bourdieu.
3 Aufbau und Ablauf der qualitativen Untersuchung: Das Kapitel erläutert die methodische Vorgehensweise der Studie, die auf leitfadengestützten Interviews und der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring basiert.
4 Interpretation der Analysedaten und Handlungsempfehlungen: In diesem Abschnitt werden die erhobenen Daten interpretiert und daraus konkrete Empfehlungen zur Förderung von Chancengleichheit für Erstakademikerinnen abgeleitet.
5 Fazit und Güteprüfung: Das abschließende Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und bewertet die wissenschaftliche Qualität der qualitativen Untersuchung anhand relevanter Gütekriterien.
Schlüsselwörter
Bildungsungleichheit, Erstakademiker, First Generation Students, Chancengleichheit, Studienleistungen, Karrierechancen, Pierre Bourdieu, Kapitaltheorie, Qualitative Inhaltsanalyse, Leitfadeninterviews, Resilienz, Selbstmotivation, Fördermaßnahmen, Hochschulzugang, Bildungsbarrieren.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Diese Arbeit untersucht die Herausforderungen und Erfolgsfaktoren von Studierenden aus Nicht-Akademikerfamilien (First Generation Students) in Bezug auf ihre Studienleistungen und Karrierechancen, um Empfehlungen zur Förderung der Bildungsgleichheit abzuleiten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen soziale Bildungsungleichheit, die Typologisierung von Erststudierenden, verschiedene Bildungstheorien (insbesondere Bourdieus Kapitaltheorie), sowie qualitative Forschungsmethoden und die Ableitung von Handlungsempfehlungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die bestehenden Herausforderungen und identifizierbaren Erfolgsfaktoren von Studierenden ohne akademischen Hintergrund zu analysieren, die ihren Studienerfolg und ihre beruflichen Perspektiven beeinflussen, und darauf basierend Handlungsempfehlungen zur gezielten Förderung der Chancengleichheit abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer literaturorientierten Herangehensweise, ergänzt durch qualitative Leitfadeninterviews und eine qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring zur Auswertung der gesammelten Daten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil der Arbeit behandelt die methodische Strukturierung der qualitativen Untersuchung, die Auswertung der Ergebnisse der Interviews und eine detaillierte Interpretation der Analysedaten, aus denen Handlungsempfehlungen abgeleitet werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter wie Bildungsungleichheit, Erstakademiker, Chancengleichheit, Kapitaltheorie, Qualitative Inhaltsanalyse und Resilienz charakterisieren die Arbeit.
Wie werden "First Generation Students" in dieser Arbeit definiert?
„First Generation Students“ (FGS) sind Studierende aus nicht-akademischen Elternhäusern, die als Erste in ihrer Familie ein Hochschulstudium aufnehmen. Synonyme sind „Nicht-Akademikerkind“ und „Arbeiterkind“.
Welche Rolle spielt Pierre Bourdieus Kapitaltheorie in der Analyse?
Pierre Bourdieus Kapitaltheorie bildet die Grundlage für die Kategorienbildung von Erfolgsfaktoren und Herausforderungen von Erstakademikerinnen, indem sie die verschiedenen Formen von ökonomischem, kulturellem und sozialem Kapital beleuchtet.
Welche Herausforderungen sind für Erstakademiker im Bereich des kulturellen Kapitals besonders prägnant?
Zentrale Herausforderungen im Bereich des kulturellen Kapitals sind fehlendes Wissen über das akademische Umfeld und mangelnder Zugang zu Vorerfahrungen, was zu einem erhöhten Bedarf an Selbstaneignung und Anpassungsstrategien führt.
Welche Verbesserungspotenziale werden für staatliche Fördermaßnahmen wie BAföG aufgezeigt?
Es werden eine weitreichendere Abdeckung und bessere Zugänglichkeit staatlicher Unterstützung gefordert, Maßnahmen sollen unabhängiger vom elterlichen Einkommen gestaltet sein, bürokratische Hürden reduziert und kostenfreie Beratungsangebote vermehrt angeboten werden.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2024, 1st-Gen und Bildungsgleichheit, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1703704