Kunden wollen heute keine Produkte von der Stange – sie wollen Produkte, die zu ihnen passen.
Diese Hausarbeit analysiert das Konzept der Mass Customization als strategische Antwort auf den Megatrend der Individualisierung. Aufbauend auf dem Idealpunkt-Modell wird systematisch erläutert, wie Unternehmen kundenindividuelle Produkte zu Kosten der Massenfertigung realisieren können.
Von Soft und Hard Customization über Baukastensysteme bis hin zur massenhaften Fertigung von Unikaten werden zentrale Formen und Umsetzungsvarianten fundiert dargestellt. Praxisbeispiele wie NIKE BY YOU, MyMuesli oder individualisierte Fotobücher verdeutlichen die reale Anwendung des Konzepts. Darüber hinaus werden psychologische Erfolgsfaktoren sowie technologische Entwicklungen wie der 3D-Druck kritisch beleuchtet.
Die Arbeit bietet einen strukturierten und praxisnahen Überblick für Studierende, Marketing- und Produktmanager sowie alle, die verstehen möchten, wie Individualisierung im Wettbewerb strategisch genutzt werden kann.
Inhaltsverzeichnis
- Abbildungsverzeichnis
- 1 Einleitung
- 2 Begriffsklärung
- 2.1 Idealpunkt Modell
- 2.2 Mass Customization
- 3 Abgrenzung zu anderen Ansätzen kundenbezogener Leistungserstellung
- 3.1 Abgrenzung zur Einzelfertigung
- 3.2 Abgrenzung zur Massenfertigung
- 3.3 Abgrenzung zur Variantenfertigung
- 4 Formen von Mass Customization
- 4.1 Soft Customization
- 4.1.1 Selbstindividualisierung
- 4.1.2 Individuelle Endfertigung im Handel/Vertrieb
- 4.1.3 Serviceindividualisierung
- 4.2 Hard Customization
- 4.2.1 Individuelle End-/Vorproduktion mit standardisierter Restfertigung
- 4.2.2 Modularisierung nach Baukastenprinzip
- 4.2.3 Massenhafte Fertigung von Unikaten
- 4.1 Soft Customization
- 5 Der Erfolgsfaktor Individualisierung
- 6 Umsetzungsmöglichkeit NIKE BY YOU
- 7 Zukunftsausblick und mögliche Grenzen
- 8 Fazit
- Quellenverzeichnis
- Anhang
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit befasst sich mit dem Konzept der Mass Customization, indem sie dessen Begriff, Formen, Erfolgsfaktoren und zukünftige Entwicklungen analysiert und von anderen kundenbezogenen Leistungserstellungsmethoden abgrenzt. Das primäre Ziel ist es, ein umfassendes Verständnis für Mass Customization zu schaffen und deren Relevanz in einer zunehmend individualisierten Welt aufzuzeigen.
- Definition und Herleitung des Begriffs Mass Customization anhand des Idealpunkt-Modells.
- Abgrenzung von Mass Customization zu Einzel-, Massen- und Variantenfertigung.
- Detaillierte Analyse der verschiedenen Formen von Soft- und Hard Customization.
- Untersuchung der psychologischen Aspekte der Individualisierung als Erfolgsfaktor für Mass Customization.
- Vorstellung und Erläuterung eines konkreten Umsetzungsbeispiels: NIKE BY YOU.
- Diskussion zukünftiger Entwicklungen und potenzieller Grenzen von Mass Customization.
Auszug aus dem Buch
4 Formen von Mass Customization
Im Folgenden sollen nun die verschiedenen Ausprägungsformen der Mass Customization thematisiert werden. In der Literatur existieren dazu verschiedene Ansichten, nach denen man Mass Customization differenzieren kann. Für den weiteren Verlauf dieser Arbeit, wird in Soft- und Hard Customization unterscheiden (siehe Anhang, Abbildung 1). Beide Formen besitzen jeweils drei weitere Ausprägungsvarianten, welche sich nach dem Umfang der kundenindividuellen Wertschöpfungsstufe unterscheiden.
4.1 Soft Customization
Die Soft Customization wird auch als offene Individualisierung bezeichnet, da die individuelle Anpassung außerhalb des Unternehmens erfolgt und somit kein Eingriff in die Leistungserstellung vorgenommen wird. Die Produkte beziehungsweise die Leistungen besitzen dementsprechend eingebaute Möglichkeiten zur Individualisierung, wobei diese Anpassungen durch den Kunden selbst, den Handel oder durch Sekundärleistungen durchgeführt werden. Anhand dessen werden auch die drei Formen der Soft Customization, Selbstindividualisierung, Individuelle Fertigung durch Handel oder Vertrieb und Serviceindividualisierung, deutlich (siehe Anhang, Abbildung 1). Diese werden nun nachfolgend einzeln betrachtet.
4.1.1 Selbstindividualisierung
Bei der Selbstindividualisierung wird ein standardisiertes Produkt gefertigt, welches flexible Möglichkeiten der Anpassung bietet, sodass der Kunde das Produkt nach dem Kauf selbst an seine persönlichen Bedürfnisse anpassen kann. Diese eingebauten Anpassungsmöglichkeiten erfordern dabei meist eine hohe Komplexität auf Produktionsebene, was gleichzeitig mit höheren Entwicklungs- und Fertigungskosten für ein Unternehmen einhergeht. Letztere können in der Regel jedoch wiederrum durch den Individualisierungsvorteil ausgeglichen werden und wirken sich somit nicht nachteilig auf die Gesamtkosten aus. Aus Kundensicht bietet das Prinzip der Selbstindividualisierung darüber hinaus auch Vorteile, insbesondere wenn sich die Anforderungen an das Produkt im Nachhinein wiederholt ändern. Dies wird am Beispiel von größenverstellbaren Inline Skates (siehe Anhang, Abbildung 2) deutlich. Ein weiteres Beispiel stellen die Schränke von IKEA dar. Diese besitzen mehrere vorgestanzte Löcher zur Höhenfestlegung der Schrankböden, welche individuell von den Kunden genutzt werden können.
4.1.2 Individuelle Endfertigung im Handel/Vertrieb
Bei der zweiten Form der Soft Customization, der individuellen Endfertigung im Handel oder Vertrieb, wird ein Grundprodukt zentral von einem Unternehmen gefertigt und dann dezentral am jeweiligen Verkaufsort oder Auslieferungspunkt angepasst. Die individuellen Abnehmerwünsche werden also unmittelbar vom Handel oder Vertrieb unter direkter Einbindung der Kunden vorgenommen. Allerdings sind die Individualisierungsmöglichkeiten hierbei begrenzt, da der Handel in der Regel keine teuren Spezialmaschinen beschäftigen kann. Daher sind besonders Produkte, welche äußerlich individuelle Charakteristika erhalten, sonst jedoch auf einem Standardprodukt basieren, geeignet. Als Beispiel kann die Skischuhanpassung von Intersport, das sogenannte Skischuhfitting (siehe Anhang, Abbildung 3), gesehen werden. Dabei werden die Skischuhe in höchstens 20 Minuten individuell an den jeweiligen Fuß angepasst. Die Außenschale des Schuhs wird dazu erwärmt, um sich nach dem Anziehen direkt am Fuß abzukühlen. Nach dem Abkühlen behält der Skischuh diese angepasste Form und verspricht dem Träger so eine optimale Passform. Ein weiteres Beispiel stellt die Möglichkeit der individuellen Farbmischung von Hornbach dar. Diese können nahezu jeden Wunschfarbton individuell bereitstellen. Jede Farbe besitzt dabei einen eigenen Code, sodass auch eine Nachbestellung der Farbe möglich ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Stellt die Relevanz von Mass Customization im Kontext aktueller Megatrends wie Individualisierung dar und gibt einen Überblick über die Struktur und die behandelten Themen der Arbeit.
2 Begriffsklärung: Definiert Mass Customization basierend auf dem Idealpunkt-Modell und grenzt sie von Mass Production und Customization ab.
3 Abgrenzung zu anderen Ansätzen kundenbezogener Leistungserstellung: Differenziert Mass Customization von Einzel-, Massen- und Variantenfertigung und beleuchtet die jeweiligen Charakteristika.
4 Formen von Mass Customization: Unterscheidet zwischen Soft und Hard Customization und erläutert detailliert deren Unterformen wie Selbstindividualisierung, Individuelle Endfertigung im Handel/Vertrieb, Serviceindividualisierung, individuelle Vor-/Endproduktion, Modularisierung und massenhafte Fertigung von Unikaten.
5 Der Erfolgsfaktor Individualisierung: Analysiert die psychologischen Gründe für den Erfolg der Individualisierung, insbesondere im Kontext von Maslows Bedürfnispyramide, und betont die emotionale Bindung und Wertschätzung durch aktive Kundenmitwirkung.
6 Umsetzungsmöglichkeit NIKE BY YOU: Präsentiert das Mass Customization Konzept von Nike als konkretes Anwendungsbeispiel, beschreibt dessen Entwicklung von NIKE ID zu NIKE BY YOU und zeigt die vielfältigen Individualisierungsmöglichkeiten am Beispiel des Schuhklassikers Janoski auf.
7 Zukunftsausblick und mögliche Grenzen: Diskutiert die zukünftige Entwicklung von Mass Customization, hervorgerufen durch Digitalisierung und technologischen Fortschritt wie den 3D-Druck, und beleuchtet bestehende sowie potenzielle Grenzen, insbesondere im Hinblick auf Kosten und Komplexität der Auswahl für den Kunden.
8 Fazit: Fasst die Erkenntnisse zusammen, betont die Innovationskraft und das ungenutzte Potenzial von Mass Customization, insbesondere im Dienstleistungssektor, und schließt mit einem Ausblick auf die weitere spannende Entwicklung des Konzepts.
Schlüsselwörter
Mass Customization, Individualisierung, Kundenbezogene Leistungserstellung, Soft Customization, Hard Customization, Idealpunkt-Modell, Variantenfertigung, Einzelfertigung, Massenfertigung, Baukastenprinzip, 3D-Druck, Nike By You, Produktanpassung, Wertschöpfungsstufen, Megatrend.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Diese Arbeit behandelt das Konzept der Mass Customization, seine verschiedenen Formen, die Abgrenzung zu anderen Fertigungsmethoden, die psychologischen Erfolgsfaktoren und zukünftige Entwicklungen sowie Grenzen, illustriert durch ein praktisches Beispiel.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die Definition und Abgrenzung von Mass Customization, die Klassifizierung in Soft- und Hard Customization, der psychologische Aspekt der Individualisierung, die praktische Anwendung bei Nike und ein Ausblick auf die Zukunft des Konzepts.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, ein umfassendes Verständnis des Mass Customization Konzepts zu vermitteln, seine vielfältigen Ausprägungen und deren Bedeutung für die kundenindividuelle Leistungserstellung zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, in der bestehende Konzepte und Modelle wie das Idealpunkt-Modell sowie Fallbeispiele zur Veranschaulichung herangezogen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Begriffsklärung und Abgrenzung von Mass Customization, die detaillierte Darstellung der Soft- und Hard Customization Formen, den Erfolgsfaktor Individualisierung und ein konkretes Umsetzungsbeispiel (NIKE BY YOU).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Mass Customization, Individualisierung, Soft Customization, Hard Customization, Idealpunkt-Modell, Baukastenprinzip und 3D-Druck.
Wie unterscheidet sich Soft Customization von Hard Customization?
Soft Customization beschreibt die individuelle Anpassung von Produkten außerhalb des Unternehmens (z.B. durch den Kunden selbst), während Hard Customization direkte Eingriffe in den internen Leistungserstellungsprozess des Unternehmens erfordert.
Welche Rolle spielt die Bedürfnispyramide nach Maslow für den Erfolg der Individualisierung?
Nach Maslows Bedürfnispyramide wird der Wunsch nach Individualisierung als ein nächstlogischer Schritt in Richtung Selbstverwirklichung gesehen, sobald niedrigere Bedürfnisse erfüllt sind, was den Erfolg von Mass Customization als Ausdruck von Einzigartigkeit erklärt.
Wie wird das Konzept der Mass Customization bei Nike umgesetzt?
Nike setzt Mass Customization mit seinem "NIKE BY YOU"-Konzept um, das es Kunden ermöglicht, Schuhe und andere Artikel in Bezug auf Farben, Materialien und persönliche Schriftzüge individuell zu gestalten, basierend auf einem Baukastenprinzip.
Welche zukünftigen Entwicklungen und Grenzen gibt es im Bereich Mass Customization?
Zukünftige Entwicklungen umfassen verstärkten Einsatz von Digitalisierung und 3D-Druck für noch individuellere Produkte. Grenzen bestehen in den damit verbundenen Kosten, der Komplexität für Unternehmen und der Gefahr, Kunden durch zu viele Optionen zu überfordern.
- Quote paper
- Leon Teuter (Author), 2021, Mass Customization. Formen, Möglichkeiten, Grenzen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1702960