1. Einleitung
Das im Zentrum dieser Arbeit stehende 4-Komponenten-Instuktionsdesign
Modell (engl. 4 Component Instructional Design) gilt nach Niegemann et al. „derzeit international als wichtigstes Modell für das Training komplexer kognitiver Fähigkeiten“ (2008, S. 36). Die vorliegende Ausarbeitung legt in einem Praxisteil ein Anwendungsbeispiel des Modells anhand eines Trainingsentwurfs
für einen Bildungswissenschaftler im Bereich der Eltern- und Familienbildung vor.
Ein sich anschließender Theorieteil nimmt Stellung zu lerntheoretischen Hintergründen, didaktischen Szenarien und Medieneinsatz in Bezug auf das 4CID Modell.
Vorab soll an dieser Stelle der Bereich Eltern- und Familienbildung knapp umrissen werden.
Das Handlungsfeld der Eltern- und Familienbildung ist in
Deutschland sowohl inhaltlich als auch strukturell sehr heterogen. Als Teilgebiet der Erwachsenenbildung wird Eltern- und Familienbildung sowohl informell,in Formen der Selbsthilfe, als auch institutionell betrieben. Ein Großteil der institutionellen Eltern- und Familienbildung findet in Familienbildungsstätten
statt.
Im Rahmen dieser Arbeit wird das Anwendungsbeispiel auf das Arbeitsfeld Familienbildungsstätte eingegrenzt. Dabei wird unterstellt, dass der Bildungswissenschaftler darauf vorbereitet werden soll, die Verantwortung für den Geschäftsbereich Kurs- und Seminarprogramm zu übernehmen, wobei er selbst keine Lehrtätigkeit ausübt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das 4CID Modell in der praktischen Anwendung: Ein Lehrplanentwurf für den Bildungswissenschaftler in der Eltern- und Familienbildung
2.1 Die Fertigkeitenhierarchie
2.2 Die Sequentialisierung der Aufgabenklassen
2.3 Scaffolding mittels Lernaufgaben
2.4 Informationen zu wiederkehrenden und nicht-wiederkehrenden Fertigkeiten
2.4.1 Unterstützende Informationen (supportive information)
2.4.2 Just-in-Time Informationen (JIT-information)
3. Theoretische Einordnung
3.1 Lerntheoretische Hintergründe und Aspekte des situierten Lernens
3.2.Didaktische Szenarien zur Integration in das 4CID Modell
3.3 Mediendidaktische Überlegungen zum 4CID Modell
4. Fazit und Ausblick
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die Anwendung des 4-Komponenten-Instruktionsdesign-Modells (4CID) zur Gestaltung komplexer Lernumgebungen, exemplifiziert an einem Trainingsentwurf für Bildungswissenschaftler im Bereich der Eltern- und Familienbildung.
- Einführung in das 4CID-Modell und seine vier Kernkomponenten.
- Erstellung einer Fertigkeitenhierarchie und Sequentialisierung von Aufgabenklassen.
- Anwendung von Scaffolding-Strategien und Lernaufgabenformaten.
- Theoretische Einordnung des 4CID-Modells in Bezug auf Didaktik und Instruktionsdesign.
- Diskussion mediendidaktischer Überlegungen und Integration didaktischer Szenarien.
Auszug aus dem Buch
2.2 Die Sequentialisierung der Aufgabenklassen
Die Definition von Teilfertigkeiten wird häufig zur Portionierung der Stofffülle genutzt. Dieses Vorgehen nimmt in Kauf, dass Lernende erst gegen Ende der Schulung die Möglichkeit erhalten, alle Fertigkeiten zu integrieren. Dem steht der ganzheitliche Ansatz des 4CID Modells gegenüber, das – bis auf die hochgradig automatisierenden Part-Task-Practice Einheiten – stets mit der gesamten Kompetenz arbeitet (van Merrienboer, Kirschner & Kester 2003, S. 5 f.). Einer Überforderung der Lernenden durch die Stofffülle wird unter anderem dadurch entgegen gewirkt, dass ganzheitliche Lernaufgaben zu Aufgabenklassen gebündelt werden, die nach ihrem Schwierigkeitsgrad aufsteigend sequenziert werden. Unter verschiedenen Möglichkeiten zur Sequentialisierung von Aufgabenklassen ist das Prinzip der vereinfachenden Annahmen dasjenige, das die weiteste Verbreitung findet (Bastiaens et al. 2010, S. 97). Daher soll in dieser Arbeit nur dieses Prinzip beispielhaft erläutert werden.
Bei der Anwendung des Sequenzprinzips der vereinfachenden Annahmen variieren die Begleitumstände, unter denen die Aufgaben zu verrichten sind. Diese gestalten sich für die erste Aufgabenklasse relativ einfach. Die letzte Aufgabenklasse berücksichtigt nach diesem Prinzip, diffizile Umstände (S. 63). Für den auszuarbeitenden Trainingsblueprint kann Folgendes angenommen werden:
Personalausstattung der FBS: Hierunter soll in dieser Arbeit die Ausstattung der Einrichtung mit abhängig beschäftigtem Personal verstanden werden. Pettinger und Rollik konstatieren einen geringen Anteil an festangestellten Teil- und Vollzeitkräften (2005, S. 136). Es ist davon auszugehen, dass die Arbeit eines Bildungswissenschaftlers durch festangestellte Mitarbeiter wesentlich erleichtert bzw. durch mangelnde Delegierungsmöglichkeiten aufgrund fehlenden Personals erschwert wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das 4CID-Modell ein und skizziert das Ziel, ein Anwendungsbeispiel für einen Bildungswissenschaftler in der Familienbildung zu entwickeln.
2. Das 4CID Modell in der praktischen Anwendung: Ein Lehrplanentwurf für den Bildungswissenschaftler in der Eltern- und Familienbildung: Dieser Hauptteil beschreibt die vier Komponenten des Modells sowie die praktische Umsetzung durch Fertigkeitenhierarchien, Aufgabenklassen und Scaffolding.
2.1 Die Fertigkeitenhierarchie: Hier wird erläutert, wie komplexe Gesamtkompetenzen in konstituierende Teilfertigkeiten zerlegt und zeitlich sowie konditional geordnet werden.
2.2 Die Sequentialisierung der Aufgabenklassen: Dieses Kapitel behandelt das Prinzip der vereinfachenden Annahmen, um Lernaufgaben systematisch nach steigendem Schwierigkeitsgrad zu bündeln.
2.3 Scaffolding mittels Lernaufgaben: Es wird dargelegt, wie durch unterschiedliche Aufgabenformate und variierende Unterstützungsgrade die Lernenden schrittweise zur Selbstständigkeit geführt werden.
2.4 Informationen zu wiederkehrenden und nicht-wiederkehrenden Fertigkeiten: Das Kapitel differenziert zwischen unterstützenden Informationen für komplexe Probleme und Just-in-Time-Informationen für automatisierbare Abläufe.
2.4.1 Unterstützende Informationen (supportive information): Fokus auf die Aktivierung von Vorwissen und die Elaboration kognitiver Schemata durch allgemeine Informationen und Fallbeispiele.
2.4.2 Just-in-Time Informationen (JIT-information): Erläuterung der Bereitstellung korrigierender Informationen während der Bearbeitung für automatisierbare Fertigkeiten.
3. Theoretische Einordnung: Hier erfolgt eine Abgrenzung von Didaktik und Instruktionsdesign sowie eine Analyse lerntheoretischer Grundlagen.
3.1 Lerntheoretische Hintergründe und Aspekte des situierten Lernens: Untersuchung, wie Behaviorismus, Kognitivismus und Konstruktivismus in das 4CID-Modell integriert werden.
3.2.Didaktische Szenarien zur Integration in das 4CID Modell: Diskussion übertragbarer didaktischer Modelle wie individuelle Lernplätze oder Lernnetzwerke auf E-Learning-Szenarien.
3.3 Mediendidaktische Überlegungen zum 4CID Modell: Analyse des Medienbegriffs und der Auswahl geeigneter Medien zur Unterstützung der verschiedenen Modellkomponenten.
4. Fazit und Ausblick: Abschließende Bewertung des 4CID-Modells als strukturgebendes und motivierendes Instrument zur Gestaltung komplexer Lernumgebungen.
Schlüsselwörter
4CID Modell, Instruktionsdesign, Bildungswissenschaft, Eltern- und Familienbildung, Lernaufgaben, Scaffolding, Fertigkeitenhierarchie, Aufgabenklassen, situiertes Lernen, Mediendidaktik, Kompetenzentwicklung, Trainingsblueprint, Wissenskonstruktion, Weiterbildung, Didaktik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem 4-Komponenten-Instruktionsdesign-Modell (4CID) und wie dieses zur Konzeption von komplexen Lernumgebungen in der beruflichen Bildung eingesetzt werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind das Instructional Design, die Anwendung von Lernaufgaben, die Strukturierung von Lernprozessen durch Fertigkeitenhierarchien sowie die Einordnung in didaktische und mediendidaktische Theorien.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Erstellung eines praxisorientierten Trainingsentwurfs (Blueprints) für einen Bildungswissenschaftler im Bereich der Eltern- und Familienbildung unter Anwendung des 4CID-Modells.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive und analytische Vorgehensweise, bei der theoretische Erkenntnisse des Instruktionsdesigns auf ein spezifisches, berufsbezogenes Szenario angewandt und reflektiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die praktische Umsetzung der 4CID-Komponenten (Fertigkeiten, Aufgaben, Informationen) und eine theoretische Reflexion über lerntheoretische Hintergründe und mediendidaktische Szenarien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
4CID Modell, Instruktionsdesign, Lernaufgaben, Scaffolding, Kompetenzentwicklung, Familienbildung und mediendidaktische Szenarien.
Wie unterscheidet das Modell zwischen verschiedenen Fertigkeitstypen?
Es unterscheidet zwischen nicht-wiederkehrenden Fertigkeiten (für die unterstützende Informationen bereitgestellt werden) und wiederkehrenden Fertigkeiten (die durch Just-in-Time-Informationen automatisiert werden).
Warum spielt die Personalstruktur in der FBS eine Rolle für das Modell?
Die Personalstruktur ist eine der "vereinfachenden Annahmen", die den Schwierigkeitsgrad der Aufgabenklassen bestimmt, da sie beeinflusst, wie viel Unterstützung oder Delegationsmöglichkeit ein Bildungswissenschaftler bei der Planung hat.
Welche Bedeutung hat das Scaffolding in diesem Kontext?
Scaffolding dient dazu, Lernende schrittweise durch unterschiedliche Formate (vom Lösungsbeispiel bis zum konventionellen Problem) zu unterstützen, wobei der Unterstützungsgrad mit dem Lernfortschritt abnimmt.
- Quote paper
- Martina Thomas (Author), 2010, Das 4CID Modell: ein Anwendungsbeispiel für einen Bildungswissenschaftler im Bereich der Eltern-/Familienbildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/170286