Wenn wir den Begriff Textsorte im Alltag hören oder ihn selbst verwenden, dann kommt uns dies völlig unproblematisch vor. Auf den ersten Blick mag einem der Begriff Textsorte auch tatsächlich recht verständlich und konkret erscheinen und man fragt sich wieso überhaupt von einer Textsortenproblematik die Rede sein sollte. Selbstverständlich besteht diese Problematik in erster Linie in der linguistischen Sprachforschung, jedoch betrifft sie in Wirklichkeit alle. Denn wir alle nehmen bestimmte Voraussetzungen als gegeben an, wenn wir kommunizieren, und bedienen uns so unbewusst vieler Erkenntnisse und eines gesellschaftlich-kollektiven Wissens über bestimmte Gegebenheiten. Die Linguistik setzt sich unter anderem deswegen mit der gegebenen Problematik bezüglich Textsorten auseinander, um den Sprechern durch ihre gewonnen Erkenntnisse eine bessere Orientierung in der Welt der Kommunikation zu ermöglichen und diese somit allgemein zu verbessern.
In der folgenden Arbeit soll zunächst die Diskussion um die Definition des Begriffs Textsorte dargelegt werden. Hierzu werden verschiedene Definitionen vorgestellt. Im Weiteren soll die Typologisierungsproblematik genauer untersucht werden, die in der Textlinguistik so viel diskutiert wird. Hierzu wird ein Überblick über die bisherigen unterschiedlichen Herangehensweisen und die daraus resultierenden Modelle seit den 1960er-Jahren gegeben. Daraus soll in der Folge abgeleitet werden, in welchen Punkten die verschiedenen Modelle (zumindest relativ) übereinstimmen und in welchen bisher in der Wissenschaft kein Konsens gefunden werden konnte. Im folgenden Abschnitt stelle ich dann zwei Modelle aus der Fachtextlinguistik vor und welche Lösungsansätze für die Textsortenklassifizierungsfrage hier gegeben werden. Bevor ich zuletzt eine Einschätzung abgebe, wie die Chancen für die Schaffung einer universellen Textsortentypologie stehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition: Textsorte
2.1 Verschiedene Definitionen
2.2 Relativer Konsens über die Merkmale von Textsorten
3. Typologisierungsvorschläge in der Literatur: Konsens und Streitpunkte
3.1 Unterschiedliche Klassifizierungsansätze – ein Überblick
3.2 Konsens
3.3 Streitpunkte
4. Vorschläge aus der Fachtextlinguistik
4.1 Das Modell von Rosemarie Gläser
4.2 Das Modell von Susanne Göpferich
5. Fazit: Chancen einer universellen Textsortentypologie
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die komplexe Problematik der Definition und Typologisierung von Textsorten in der Linguistik. Ziel ist es, die bestehenden Herangehensweisen zu systematisieren, Konsens sowie Streitpunkte herauszuarbeiten und die Möglichkeiten zur Schaffung einer universellen Textsortentypologie kritisch zu bewerten.
- Diskussion verschiedener Definitionen des Begriffs Textsorte
- Überblick über Klassifizierungsansätze seit den 1960er-Jahren
- Analyse der Konsens- und Streitpunkte in der Textsortenforschung
- Vorstellung ausgewählter fachtextlinguistischer Modelle
- Kritische Reflexion zur Realisierbarkeit einer universellen Typologie
Auszug aus dem Buch
3.1 Unterschiedliche Klassifizierungsansätze – ein Überblick
Im Verlauf der Entwicklung der Text(sorten)linguistik gab es unterschiedlichste Klassifikationsversuche auf jeweils unterschiedlicher Basis. Es lassen sich dabei vier dominante Denkansätze identifizieren, denen dann jeweils mehrere Einzelmodelle zugeordnet werden können; auch hier erheben die folgenden Aufzählungen keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da einfach zu viele Einzelmodelle existieren, um alle einzuordnen.
Die ersten Modelle, die entwickelt wurden, entstammten zum Teil noch dem Bereich der klassischen Linguistik; man kann sie zusammenfassen als Strukturmodelle oder auch textgrammatische Modelle. Hierzu zählen beispielsweise das Modell von Harweg (1968) sowie auch das Modell von Sandig (1972). Diesen Modellen ist gemein, dass sie alle das Vorhandensein verschiedener sprachlicher Merkmale einer Textsorte zur Klassifikation heranziehen. Der Schwerpunkt liegt hierbei eindeutig auf den inneren Merkmalen der Texte, jedoch ist die Auswahl der untersuchten Parameter in der Regel insgesamt relativ willkürlich. Die Einordnung erfolgt nicht in eine hierarchische Struktur, sondern es entsteht eine Matrix.
Als zweite Hauptgruppe von Modelltypen kann man die Themen-Modelle sehen. Hierbei erarbeiteten die Autoren Typologien auf Basis der inhaltlich-thematischen Struktur der analysierten Texte/Textsorten. Als Kriterien wurden die unterschiedlichen Themenentfaltungsmuster wie narrativ, deskriptiv usw. herangezogen, obwohl diese Benennung der einzelnen Muster schon wieder variiert. Beispiel für ein solches Modell ist das von Werlich (1975) oder der Ansatz von Henne/Rehbock (1982).
Bei den Situations-Modellen hingegen basiert die Typologisierung auf den Bedingungen und situativen Voraussetzungen der jeweiligen Textsorte. Man beachtete also auch die Einbettung der Textsorte in den Kontext des Handelns, der Kommunikation sowie der Gesellschaft. Zu den untersuchten Kriterien zählen hier der Kanal, die Kommunikationsrichtung, unterschiedliche Redekonstellationstypen, etc.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Textsortenproblematik ein und erläutert die Zielsetzung der Arbeit sowie das methodische Vorgehen bei der Untersuchung der verschiedenen Typisierungsmodelle.
2. Definition: Textsorte: Dieses Kapitel thematisiert die Schwierigkeit einer eindeutigen Definition des Begriffs Textsorte, stellt diverse Ansätze vor und fasst den relativen Konsens über zentrale Merkmale zusammen.
3. Typologisierungsvorschläge in der Literatur: Konsens und Streitpunkte: Hier werden vier dominante Klassifizierungsansätze (Struktur-, Themen-, Situations- und Funktionsmodelle) vorgestellt und die innerhalb der Fachwelt bestehenden Einigkeiten und Kontroversen kritisch analysiert.
4. Vorschläge aus der Fachtextlinguistik: In diesem Teil werden exemplarisch die Modelle von Rosemarie Gläser und Susanne Göpferich präsentiert, um Lösungsansätze aus der spezialisierten Fachtextlinguistik aufzuzeigen.
5. Fazit: Chancen einer universellen Textsortentypologie: Das abschließende Kapitel bewertet die Möglichkeiten einer universellen Textsortentypologie und gelangt zu dem Schluss, dass zweckgebundene Einzeltypologien sinnvoller sind als ein universeller Ansatz.
Schlüsselwörter
Textlinguistik, Textsorte, Textsortenproblematik, Klassifizierung, Textsortentypologie, Funktions-Modelle, Sprachmuster, Situations-Modelle, Fachtextlinguistik, Textfunktion, Mehrfachzuordnung, Textualität, Texttyp, Textgattung, Sprachgemeinschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den theoretischen Herausforderungen, die bei der Definition und Einteilung von Textsorten innerhalb der Linguistik auftreten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der begrifflichen Klärung von Textsorten, den verschiedenen historischen und aktuellen Klassifizierungsmodellen sowie den Problemen bei der Erstellung einer universellen Typologie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, einen strukturierten Überblick über die fachwissenschaftliche Diskussion zu geben und zu prüfen, inwieweit eine universelle Ordnung von Textsorten theoretisch und praktisch realisierbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, in der verschiedene Klassifizierungsansätze und Definitionsversuche der Textlinguistik seit den 1960er-Jahren evaluiert und verglichen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung der Klassifizierungstypen (Struktur, Thema, Situation, Funktion), die Darstellung von Konsens und Streitpunkten sowie die Vorstellung zweier spezifischer Fachtextmodelle.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Textsorte, Textsortentypologie, Textfunktion, Klassifizierung, Fachtextlinguistik und Sprachmuster.
Wie unterscheidet sich die Auffassung von Textsorten bei Adamzik von anderen Ansätzen?
Adamzik differenziert zwischen einer unspezifischen, breiten Lesart des Begriffs und einer spezifischeren Definition, die Textsorten als Klassen mit gemeinsamen Merkmalen auf einer niedrigeren Abstraktionsebene versteht.
Was sind laut dem Autor die Grenzen der Typologisierung nach Gläser?
Gläsers Modell ist auf schriftliche Texte fokussiert und beschränkt sich primär auf fachinterne und fachexterne Kommunikation, wobei die Komplexität der Polyfunktionalität eine einfache Kategorisierung erschwert.
Welche Rolle spielt die "Textfunktion" in den Modellen von Göpferich?
Die Textfunktion wird in Göpferichs Modell als wichtigstes Kriterium privilegiert, da sie den anderen untersuchten Merkmalen wie Raum-Zeit-Situation und Emittent-Rezipient-Verhältnis übergeordnet ist.
Warum wird eine universelle Typologie im Fazit eher kritisch betrachtet?
Aufgrund der immensen Vielfalt an Texten und der notwendigen Zweckgebundenheit von Klassifikationen würde eine universelle Typologie zwangsläufig an Übersichtlichkeit und praktischer Aussagekraft verlieren.
- Arbeit zitieren
- Dorothea Bernhard (Autor:in), 2011, Typologische Aspekte der Textlinguistik, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/170208